Toccata 01/2022

Saarbrücken: Die Fritz Neumeyer Aka- demie für Alte Musik im Saarland hat in ihrer Mitgliederversammlung Prof. Dr. Thomas Krämer im Amt des zweiten Vorsitzenden bestätigt. Der langjährige Vorsitzende Prof. Dr. Norbert Hartmann wird zukünftig als Finanzvorstand tätig sein. Zum neuen Vorsitzenden wurde einstimmig Markus Stein gewählt. Der Cembalist und Organist Markus Stein ist im Saarland kein Unbekannter, lei- tet er doch seit Jahren erfolgreich den Kammerchor Collegium Cantorum Merzig. Als Mitgründer und Geschäfts- führer des Neumeyer Consorts ist er in der Alten Musik Szene bestens ver- netzt. Die Akademie Für Alte Musik im Saar- land ist ein gemeinnütziger Verein mit rund 400 Mitgliedern, der neben diver- sen Konzertreihen und Vorträgen, re- gelmäßig das Alte Musik Festival „Tage Alter Musik“ im Saarland (TAMIS) aus- richtet. Schaffhausen: Vom 25. bis 29. Mai 2022 findet das Internationale Bach- fest Schaffhausen unter dem Motto “Bach grenzenlos” statt. Seit 1946 veranstaltet die Stadt Schaffhausen gemeinsam mit der In- ternationalen Bachgesellschaft Schaffhausen Bachfeste. Aus dem Wunsch, Musikfreunde aus ganz Euro- pa im Zeichen der Musik Johann Seba- stian Bachs zusammenzubringen, ist ein hochstehendes Musikfestival er- wachsen, welches alle zwei Jahre am Himmelfahrtswochenende tausende Besucherinnen und Besucher anlockt. Im Rahmen des kommenden Interna- tionalen Bachfests sind im Zeitraum von fünf Tagen an den unterschiedlich- sten Orten in Schaffhausen und dessen malerischer Umgebung 12 Konzerte, 5 Kantatengottesdienste sowie diverse weitere Veranstaltungen zu erleben. «Bach grenzenlos» – die 29. Ausgabe des Internationalen Bachfests über- schreitet nicht nur Landesgrenzen, sondern auch musikalische, kulturelle und historische Grenzen: Dabei er- klingt Musik von internationalen Zeit- genossen Johann Sebastian Bachs ebenso wie von aktuellen Komponi- sten, und die Besucherinnen und Besu- cher erleben Orchester und Ensembles aus Europa sowie aus ferneren Kultur- kreisen. So ermöglicht das Bachfest nicht nur die Begegnung mit Alter Mu- sik, sondern auch einen Dialog zwi- schen der Musik von früher und der Technologie von heute. Somit erwartet das Publikum ein in vielerlei Hinsicht «grenzenloses» Bachfest, das zudem von allen Generationen gefeiert wer- den kann. Mit dem Freiburger Barockorchester, dem Ensemble Les Talens Lyriques aus Frankreich, der Akademie für Alte Mu- sik Berlin unter René Jacobs, dem En- semble Concerto Italiano unter Rinaldo Alessandrini und der französischen Ausnahmeviolinistin Amandine Beyer sind erneut weltbekannte Solisten und Ensembles zu erwarten. Daneben kom- men auch neue und experimentelle Projekte zur Aufführung, etwa das Projekt «Broken Bach - Future Music» des österreichischen Komponisten und Organisten Franz Danksagmüller oder das Projekt «Songs for a promised land» des Schaffhauser Komponisten und Cembalisten Lukas Stamm, welches die Uraufführung einer Auftragskomposi- tion der Internationalen Bachgesell- schaft enthält. Neben den Konzerten steht den Besu- cherinnen und Besuchern im Rahmen der Bachfeste ein vielfältiges Rahmen- programm zur Verfügung: mit thema- tisch abgestimmten Sonderführungen durch die barocke Altstadt Schaffhau- sens und durch verschiedene Museen der Region. Unter dem Titel «Bach entdecken! - Das Bachfest für Kinder» werden un- terschiedliche Formate zur Vermittlung der klassischen Musik für Kinder ange- boten: So erarbeitet die Primarschule Schanz in Stein am Rhein im Rahmen der Projektwoche «SingBach!» mit der gesamten Schule ein Chorkonzert, und während des Festivals finden in der Musikschule MKS Schaffhausen täg- lich Workshops für Kinder im Primar- schulalter statt. Zudem werden Mit- machkonzerte für Kinder in unter- schiedlichen Altersgruppen angeboten. www.bachfest.ch Musica Colorata: Das junge Berliner Ensemble Musica Colorata hat diesen Sommer seine erste CD aufgenommen, die im März 2022 vom Label Urania Records herausgegeben wird. Abgeschlossen: Giovanni De Cecco hat die erste Gesamteinspielung der Sona- ten von Mozart auf dem Clavichord beim Label Da Vinci Classics abge- schlossen. Ebenfalls abgeschlossen ist die Aufnahme der sechs Hamburger Sinfonien von C.Ph.E. Bach und Bach- bearbeitungen von Konzerten Vivaldis und Marcellos auf dem Clavichord. Bayreuth: Im Mittelpunkt von Bay- reuth Baroque steht 2022 eine Neu- produktion von Leonardo Vincis Mei- steroper „Alessandro nell’Indie“ in der Regie von Max Emanuel Cencic. Mit der Premiere am 8. September 2022 im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth wird Vincis Oper über den Indienfeld- zug Alexander des Großen erstmals seit beinahe 300 Jahren wieder voll- ständig zu erleben sein. Zehn Jahre nach der umjubelten Pro- duktion von Vincis „Artaserse“, die un- ter anderem in Wien, Paris, Versailles, Nancy und Köln gezeigt wurde, prä- sentiert nun Bayreuth Baroque eine Inszenierung mit reiner Männerbeset- zung. Mit von der Partie sind erneut Franco Fagioli und Bruno de Sá. Das Bayreuth Baroque Opera Festival findet 2022 von 8. bis 25. September statt. Die diesjährige Ausgabe ging soeben zu Ende. Vom 1. bis 12. September prä- sentierten der Künstlerische Leiter Max Emanuel Cencic und internationale Stars der Barockszene wie Jakub Jozef Orlinski, Julia Lezhneva, Dorothee Oberlinger, Simone Kermes, Franco Fa- gioli, Yuriy Mynenko, Bruno de Sá und viele weitere ein Festivalprogramm voller Highlights in Bayreuth. Der Fo- kus lag auf der Wiederaufnahme von Porporas „Carlo il Calvo“ in der Regie von Max Emanuel Cencic und einer konzertanten Darbietung von „Polife- mo“ des neapolitanischen Komponi- sten. Einen besonderen Höhepunkt bil- dete die öffentliche Verleihung des Eh- renpreises der Jury der deutschen Schallplattenkritik an Max Emanuel Cencic für sein bisheriges künstleri- sches Werk durch Musikkritiker Manu- el Brug. Neben dem Erfolg vor Ort ist auch die mediale Resonanz großartig. Allen, die nicht vor Ort sein konnten, boten – und bieten – mezzo.tv , BR-Klassik und Fa- cebook-Livestreams die Möglichkeit, das Festival weltweit überall auch zu- hause zu erleben. Mehrere Übertra- gungen z.B. in ARTE, bei BR Alpha, in der BR-Mediathek und bei mezzo.tv sind noch geplant. Die neuesten Informationen erhalten Sie im Newsletter von Bayreuth Baro- que. www.bayreuthbaroque.de/ Stuttgart: Johann Sebastian Bachs Le- bensweg führte nie nach Stuttgart. Und doch ist die Stadt im deutschen Südwesten seit nunmehr 40 Jahren ei- nes der weltweit bedeutendsten Zen- tren der Bach-Pflege. Die hier am 16. November 1981 gegründete Stiftung Internationale Bachakademie Stutt- gart hält das Musikerbe J.S. Bachs, sei- ner Zeitgenossen, Vorgänger und Nachfolger durch Veranstaltungen und Vermittlung, Unternehmertum, Ausbil- dung und Forschung lebendig. Auf den aus Stuttgart stammenden Grün- dungsvater Helmuth Rilling, der Bachs Musik im Dienste der Völkerverständi- gung in die Welt trug, folgte in der Akademieleitung 2013 der aus Dresden gebürtige Dirigent Hans-Christoph Ra- demann, der Chor und Orchester der Bachakademie zu einem anerkannten Originalklangensemble umgeformt und mit »BachBewegt!« ein innovatives Musik-Vermittlungsprogramm für Kin- der und Jugendliche initiiert hat. Mit drei Aufführungen von Haydns »Schöpfung« erinnerte im Oktober der diesjährige Saisonauftakt im übertra- genen Sinn an die »Kreation« der Bach- akademie vor 40 Jahren. Zosso: Mit 85 Jahren verstarb der Gen- fer Drehleierspieler René Zosso. Er gilt als Pionier der Wiederent- deckung der Drehleier. Nach seinen Studien und Arbeiten zu Literatur und Theater begegnete er der Drehleier, was sein Leben veränderte. Bereits 1962 gab er erste Konzerte mit diesem Instrument. Später arbeitete er mit Jordi Sa- vall, René Clemencic und Anne Osno- wycz zusammen. Meyerbeer: Weitere als „verschollen“ geltende Werke von Giacomo Meyer- beer sind von der Brandenburger So- pranistin Andrea Chudak und ihrem Netzwerk entdeckt worden. Daraus entstanden anlässlich des 2021 began- genen Festjahrs „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ Erstaufnahmen. Die herausragende Bedeutung und Qualität des Komponisten Giacomo Meyerbeer (1791–1864) ist zwar in den letzten Jahren ein wenig mehr in das öffentliche Bewusstsein gelangt, doch noch immer muss der in Tasdorf bei Berlin als Sohn jüdischer Eltern ge- borene spätere preußische Generalmu- sikdirektor und Weltbürger als großer Unbekannter gelten. Das bundesweit begangene Festjahr 2021 „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ war Anlass, diesem bedeutenden jüdischen Tonkünstler eine CD-Produktion zu widmen – von verschiedenen, bislang als verschollen geltenden Werken ist eine Ersteinspielung entstanden. Dabei handelt es sich um vokale Kammer- und Sakralmusik für solistische Beset- zungen, darunter ein- bis vierstimmige Gesänge a cappella oder in Begleitung von Klavier, Orgel und/oder obligaten Instrumenten. 38 Stücke (davon 22 Weltersteinspielungen, 11 Erstein- spielungen in der Originalbesetzung und 2 Ersteinspielungen in der Ori- ginalsprache) mit 16 Musizierenden wurden soeben über das Label Bella Musica/ Antes Edition als Doppel-CD veröffentlicht. Die Sopranistin Andrea Chudak forscht seit 2013 zu Meyerbeer, besonderes In- teresse lag für sie neben sakralen Wer- ken auch bei der kleineren Liedform. Durch Recherchen in Bibliotheken, In- ternet und länderübergreifende Ver- N ACHRICHTEN 4 T OCCATA - 117/2022 Wechsel an der Spitze der Akademie für Alte Musik im Saarland: v. links: Dr. Miriam Grapp, Jürgen Wohlfahrt, Prof. Dr. Norbert Hartmann, Markus Stein, Prof. Dr. Thomas Krämer, Foto: privat René Zosso

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