Toccata 01/2022

netzung von Musikwissenschaftlern und Musikern konnte sie verloren ge- glaubte Meyerbeer-Werke auffinden und in Konzertprogrammen bereits in drei verschiedenen CD-Produktionen dem Publikum wieder zugänglich ma- chen. Darunter befinden sich etwa 20 weitere Weltersteinspielungen sowohl sakraler Werke als auch seiner Liedlite- ratur. Meyerbeer konvertierte (anders als be- kannte jüdische Künstler wie Heinrich Heine oder Gustav Mahler) nie zum Christentum, stattdessen lebte er in Berlin eine moderne Form von Reform- judentum. Seine universalistische, weltoffene Perspektive, die keinerlei Berührungsängste auch an andere gei- stige Zusammenhänge kannte, wurzelt auch darin. Doch genau deshalb war er Zeit seines Lebens schweren Angriffen ausgesetzt - oft mit antisemitischem Unterton. Meyerbeer komponierte in 4 Sprachen und kann von der inneren Haltung her als polyglotter Europäer gesehen werden. Mit dem Zeitalter der Romantik ging jedoch ein starker Na- tionalismus einher, Meyerbeer wurde von tonangebenden Autoren seiner Zeit (etwa Robert Schumann) ein feh- lendes inneres Bekenntnis zu Deutsch- tum und Protestantismus unterstellt. Dies und später der offene Hass der Wagnerianer hat mit dazu beigetragen, dass Meyerbeer bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bereits stark aus dem öf- fentlichen Bewusstsein verdrängt wor- den war, was schlussendlich dazu führ- te, dass einstmals viel gedruckte Noten auf rätselhafte Weise nicht mehr zur Verfügung standen und in Folge als „verschollen“ galten. In der NS-Zeit wurde dann noch weitaus mehr zer- stört. Bis heute bleibt es eine Aufgabe, die Werke des großen Preussen und Eu- ropäers in ihrer ganzen Vielgestaltig- keit neu zum Klingen zu erwecken. Andrea Chudak leistet hier bahnbre- chende, unersetzliche Pionier-Arbeit. Preis: Einen Jahrespreis 2021 der deut- schen Schallplattenkritik erhielt der Bariton Georg Nigl und die Pianistin Olga Pashchenko für das Recital “Vani- tas” mit Liedern von Beethoven, Schu- bert und Rihm (Alpha). York: Der York International Young Ar- tists Competition 2022 findet am 16. Juli statt. Bewerbungen sind bis 14. Ja- nuar 2022 möglich. Die Preise beinhal- ten eine professionelle CD-Aufnahme beim Label Linn Records. Zugelassen sind Ensembles ab drei Musikern. Das Höchstalter ist 33 Jahre. Das Reper- toire umfasst Musik vom MIttelalter bis zur Musik des 19. Jahrhunderts. Voraussetzung ist die Verwendung hi- storischer Instrumente. Info: www.yorkcomp.ncem.co.uk Leipzig: Eigens für MDR KLASSIK hat der Leipziger Bachfest-Intendant Michael Maul aus Konzertaufnahmen vom diesjährigen Bachfest eine zwei- stündige Kurzfassung des 16-stündi- gen Zyklus „Bachs Messias“ zusam- mengestellt – zu sehen online ab 28. Oktober bei mdr-klassik.de Aus den zwölf Konzerten, die beim die- sjährigen Bachfest an fünf aufeinan- derfolgenden Tagen zu erleben waren und bei denen 33 ausgewählte Bach- Kantaten, die Matthäus-Passion sowie Himmelfahrts-, Oster- und Weih- nachts-Oratorium erklangen, hat Bachfest-Intendant Michael Maul eine zweistündige Kurzfassung auf Basis der Konzertmitschnitte zusammenge- stellt. Das Leben Jesu von Nazareth von der Geburt über die Kreuzigung bis zur Himmelfahrt wird so im Gewand von Bachs Musik nachgezeichnet, kombiniert mit neu produzierten Le- sungen aus dem Neuen Testament in der Übersetzung Martin Luthers. Die Kurzversion von „Bachs Messias“ ist jetzt erstmals und exklusiv bei MDR KULTUR und MDR KLASSIK zu sehen. Umrahmt von Chören, Chorälen, Arien und Rezitativen aus Kantaten Johann Sebastian Bachs führt der Schauspieler Frank Arnold als Evangelist durch die Handlung, bei der sich Bachfest-Inten- dant Michael Maul an der Jesus-Bio- graphie des emeritierten Papstes Bene- dikt XVI. orientierte. Musikalische In- terpreten sind u.a. der Thomanerchor Leipzig und die Ensembles von Ton Ko- opman, Masaaki Suzuki, Hans Chri- stoph Rademann, Vaclav Luks. Die Auf- nahmen stammen von Konzerten vom 11. bis 15. Juni u.a. in der Leipziger Thomaskirche und der Nikolaikirche. Einige Konzertausschnitte sind zum er- sten Mal öffentlich zu sehen. „Bachs Messias“ kompakt – ist ab 28. Oktober online zu sehen unter: www.mdr-klassik.de Beethoven: Die Akademie für Alte Mu- sik Berlin widmete sich bei den Schwetzinger SWR Festspielen 2020 in vier Konzerten der revolutionären Mu- sik Beethovens und seiner Zeitgenos- sen. Die Mitschnitte erschienen nun als zwei DVD- bzw. Blu-ray bei Naxos. Vol. 1 enthält quasi die Wurzeln der Sinfo- nik Beethovens mit Werken von C.P.E. Bach, Mozarts und Wranitzkys „Grande Sinfonie caractéristique“ sowie den er- sten drei Sinfonien Beethovens; Vol. 2 enthält Musik von Cherubini, Méhuls Sinfonie Nr. 1 in g-moll, die Beetho- vens Fünfter nicht unähnlich ist, außerdem Werke von Holzbauer und Knecht sowie die Beethoven-Sinfonien Nr. 5 und 6. Innsbruck: Ein neues Festival bringt die Harfe zum Klingen. Die Tiroler Har- fenistin Margret Köll veranstaltete Mitte November das erste Fest der Hi- storischen Harfe. Konzerte, Vorträge, eine Uraufführung der Knoedel, Bühne frei für junge HarfenistInnen – vier Ta- ge voller Entdeckungen warteten auf das Publikum, „Tirol hat ein Alleinstellungsmerkmal“, betont Margret Köll. Die Musikerin von Weltruf spricht von der historischen Ti- roler Harfentradition von Kaiser Maxi- milian bis zur Gegenwart, von der goti- schen Harfe der Minnesänger über die Renaissance- und Barockharfe bis zur Volksharfe/Konzertharfe. Anlass für die Harfenistin, im ersten Fest der Historischen Harfe ihr Instru- ment in den Mittelpunkt zu stellen und von 11. bis 14. November viele musika- lische und wissenschaftliche Angebote zu stellen. Vier Tage voller Entdeckun- gen, Inspirationen und unerwarteter Begegnungen im Haus der Musik und im Ferdinandeum: Mit „Zwischen den Saiten“ findet erstmalig in Innsbruck ein innovatives, spartenübergreifendes Festival zum Thema historische Harfe statt. Künstlerische Forschung, Wis- senschaft und Instrumentenbau tref- fen auf die Menschen vor und hinter der Bühne, auf die MusikerInnen und ihr Publikum. „Haydn’s Folk Harp“, so das Thema des Festivals, spannte einen Bogen von der historischen Einfachpedalharfe aus der Zeit Joseph Haydns zur noch heute äußerst vitalen Tiroler Volksharfe. Sie- ben Konzerte international renom- mierter HarfenistInnen und Musiken- sembles bezeugten mit aufregenden, teils noch ungehörten Programmen Di- versität, Reichtum und Lebendigkeit dieses einzigartigen Instrumentes. Gleich zu Beginn des Festivals rückten die Knoedel mit einer Uraufführung des Tiroler Komponisten Christof Dienz die historische Harfe in den Fokus zeit- genössischer Musik. Sound and Science verbanden sich in Lecture Konzerten Freitag und Sams- tag mittags. Sie gingen der Popularität Haydn’scher Musik unter den Harfeni- stInnen seiner Generation nach oder folgten der Volksharfe nach Frankreich. Ein Fest im ursprünglichen Sinn ver- sprach der Freitagabend, als die Tiroler Volksharfe ihre spielerische Vitalität feierte: gesungen, gespielt und ge- tanzt. Noch ein Höhepunkt erwartete das Publikum: ein schottischer Abend am Samstag mit The Poker Club Band. Mit dabei: Masako Art und Edin Kara- mazov. Am Sonntag beschlossen Mara Galassi und Jovanka Marville mit Wer- ken von Haydn und Krumpholtz das Festival. Vorher legten die Jungen im Nachwuchskonzert den Grundstein für die Harfenfestivals der Zukunft. „Besonders freut es mich, dass wir mit vielen Institutionen zusammenarbei- ten werden“, betonte Margret Köll. Die Kooperation mit dem Haus der Musik und seiner Institutionen dient als Drehscheibe für musikalische Visionen inmitten einer besonderen Land- schaftskulisse. Diese Initiative des Harfenlabors hat eine gemeinsame Kooperations-Platt- form geschaffen, die den innovativen Geist des Haus der Musik reflektiert und sich in der Synergie aller Koopera- tionspartner in einem Fest voller Musik und kulturellen Austausch manife- stiert. Mit dabei sind: Tiroler Landes- museen, Mozarteum Innsbruck, Uni- versität Innsbruck, Tiroler Volksmusik- verein, Festwochen der Alten Musik. Cencic: Max Emanuel Cencic hat im November 2021 die Titelpartie in Gluck’s Oper Orfeo ed Euridice an der Staatsoper Unter den Linden singen. Der Countertenor, Regisseur, künstleri- scher Leiter von Bayreuth Baroque, Manager und Produzent, sang die Par- tie des Orfeo bereits 2016, damals im Berliner Schillertheater, und 2017 an der Oper HNK Zagreb im Rahmen sei- nes 35-jährigen Bühnenjubiläums. Zukünftige Produktionen von Max Emanuel Cencic als Sänger sind u.a. die Partie des Odysseus in Porpora’s Polife- mo (u.a. in Moskau, Hessisches Staats- theater Wiesbaden, Theater an der Wi- en, plus CD Aufnahme), die Titelpartie des Giovanni Battista im gleichnami- gen Oratorium von Alessandro Stradel- la am Teatro Carlo Felice in Genua, Ti- telpartien in den Opern Cajo Fabricio, Orlando Furioso, Il Venceslao. Zukünftige Produktionen von Max Emanuel Cencic als Regisseur sind u.a. Neuproduktionen von Vinci’s Alessand- ro nell’Indie, Mozart‘s Cosi Fan Tutte und Händel’s Flavio. The Mozartists: Ian Page und The Mo- zartists erhielten bei den 2021 Greater London Awards den “Most Innovative Classical Music Ensemble”-Preis für ihr Mozart 250 Projekt. Am 27. Januar 2022 geben sie an Mozarts Geburtstag in der Londoner Cadogan Hall unter dem Titel “1772 - a retrospective” ei- nen Überblick über das musikalische Jahr 1772. Als Solisten dabei sind Chi- ara Skerath und Jessica Cale. Im No- vember begannen sie eine Reihe von Kammermusikrecitals, die als Livestre- am und auch danach online auf OnJam zu sehen sind. caterva musica: Seit einigen Wochen lädt caterva musica unter dem Titel “Caterva musicas Lexikon” regelmäßig neue Videos rund um Alte Musik hoch. Dabei geht es zum Beispiel um den Kammerton A, die Akustik oder auch ganz grundlegend um Alte Musik im Allgemeinen. Das Lexikon informiert über alles, was Sie schon immer über Musik wissen wollten - lustig und in- formativ zugleich. Da viel Liebe und Arbeit in den Videos stecken, würde sich caterva musica sehr freuen, Inter- T OCCATA - 117/2022 N ACHRICHTEN 5 Ian Page

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