Toccata 02/2022

Mä r z-Ap r i l 2022 Nr. 2/2022 ➲ NACHRICHTEN ➲ CD-NEUHEITEN ➲ CDDES MONATS ➲ CD-TIPPS ➲ CD-UMSCHAU ➲ INTERVIEW: MICHAEL HOFSTETTER JULIETTE DUFORNEE XAVIER VANDAMME ➲ CD-UMSCHAU ➲ BUCH- UND NOTENBESPRECHUNGEN ➲ FESTIVALBERICHTE ➲ TERMINE IN DIESER AUSGABE: INTERVIEW mit Maria Jonas 118

INHALT Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 CD-Neuheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 CDs des Monats . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 CD-Tipps . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 CD-Umschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Interview mit Trevor Pinnock . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Interview mit Maria Jonas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Interview mit Michael Hofstetter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Interview mit Juliette Dufornee, Xavier Vandamme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Festivalberichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .47 Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .49 In dieser Ausgabe sprachen wir im Interview mit der deutschen Sängerin und Spezialistin für mittelalterliche Musik Maria Jonas, dem deutschen Dirigenten, Intendanten der Internationalen Gluck-Festspiele Nürnberg sowie seit 2021 künstlerischen Leiter des Tölzer Knabenchores Michael Hofstetter und mit Juliëtte Dufornee und Xavier Vandamme von der Organisatie Oude Muziek in Utrecht über die jüngste Aktivität ihres Teams: Early Music Television (emtv.online) Im “CD-Interview” sprechen wir mit Trevor Pinnock über seine Einspielung des Wohltemperierten Klaviers Teil 2 von Bach. Ferner berichten wir von den Tagen Alter Musik Herne 2021. Schließlich finden Sie die Nachrichten, CD-Neuheiten, die CDs des Monats, die CD-Tipps, die CD-Umschau und wieder einen Rückblick auf 20 Jahre Alte Musik aktuell. Wie immer erwarten wir auch künftig Ihre Nachrichten und Fotos. Ihr Stephan Schmid Hinweis: Durch die Suchfunktion können Sie die Zeitschrift nach allen Begriffen: Komponist, Interpret usw. durchsuchen. Links können Sie direkt anklicken. In der Terminliste können Sie ebenfalls Interpret, Konzertort mit der Suchfunktion suchen. Durch das Klicken auf den dort angegebenen Link können Sie alle weiteren Details wie genauer Konzertort, Anfangszeit des Konzerts, Programm, Ausführende, Preise und Ticketverkauf in Erfahrung bringen. VORWORT Impressum: Redaktion, Anzeigen- und Abonnementverwaltung: Pro Musica Antiqua, Postfach 10 08 30, 93008 Regensburg, Telefon (09 41) 5 26 87, Fax (09 41) 5 30 94 e-mail: pro.musica.antiqua@t-online.de Internet: www.promusicaantiqua.de Erscheinungsweise: zweimonatlich, jeweils zu Beginn jeden ungeraden Monats (6 Ausgaben pro Jahr) Jahresabonnement: kostenlos Redaktionsschluß: jeweils zum 1. des Vormonats. Redaktionsleitung: Stephan Schmid Redaktion: Stephan Schmid, Wolfgang Reihing Herausgeber: Stephan Schmid, Pro Musica Antiqua, Postfach 10 08 30, 93008 Regensburg (Germany), Telefon (09 41/ 5 26 87) Druck: Mühlbauer-Druck Hengersberg Die in den Artikeln und Rezensionen vertretenen Meinungen geben alleine die Meinung des jeweiligen Verfassers wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Datenträger, Fotos und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. ISSN 0942-9034 TOCCATA - 118/2022 Förderer und Partner: Ulrike Hofbauer · Gesang Jan Van Elsacker · Gesang Veronika Skuplik · Barockvioline Frithjof Smith · Zink Hille Perl · Viola da gamba Simen Van Mechelen · Barockposaune Joachim Held · Laute/Chitarrone Marcin Szelest · Orgelcontinuo Michael Fuerst · Orgelcontinuo Manfred Cordes · Ensemble 4. I N T E R N A T I O N A L E MEISTERKURSE Solo- und Ensemblemusik um 1600 19. - 22. September 2022 in Lübeck 2022 In Kooperation mit Bewerbungsschluss: 30. April 2022 Das Online-Bewerbungsformular sowie weitere Informationen finden Sie unter www.hanse-ensemble.eu Europäisches Hanse-Ensemble Geschäftsstelle – Sarah Hodgson c/o Europäisches Hansemuseum An der Untertrave 1 | 23552 Lübeck Geschäftszeiten: Di - Do, 10 - 13 Uhr Tel: +49 (0)451 - 80 90 99 86

Stradella: Alessandro Stradella (16431682) war eine schillernde Persönlichkeit und dazu ein einfluss- und erfolgreicher Komponist des italienischen Barock. Der Dirigent Andrea De Carlo ist voller Begeisterung für Stradellas Musik: Zusammen mit seinem „Ensemble Mare Nostrum“ und einer erlesenen SängerGruppe der italienischen Alte MusikSzene veröffentlicht er jetzt die Weltersteinspielung von Stradellas Oper „Amare e fingere“. Die hoch komplizierte Liebesverwirrung ist das siebte Album in De Carlos „Stradella Project“, das bereits vielfach international ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem französischen Diapason und dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Die Oper „Amare e fingere“ wurde 1767 in Siena aufgeführt, geriet dann aber in Vergessenheit und ist heute eine echte Entdeckung im Werk Stradellas. Lange lag sie als anonyme Quelle in der vatikanischen Bibliothek als Teil des Erbes der römischen Adelsfamilie Chigi, die ursprünglich aus Siena stammte. Erst der Vergleich mit der kürzlich erschlossenen Sammlung des pontifikalen Kantors Giovanni Battista Vulpio (1631-1705) ermöglichte die Einordnung als Werk Stradellas. Und auch die Musik belegt dies; ebenso tänzerisch-transparent wie expressiv-hingebungsvoll weist sie typische Wendungen auf, die nur Stradella so komponierte. Stradellas Werk umfasst mehrere Hundert geistlicher und weltlicher Kantaten, sechs Oratorien und acht Opern, die zu seiner Zeit höchst populär waren. Sein Leben bot selbst Stoff für Opern von Romantikern wie César Franck und Friedrich von Flotow bis hin zu Salvatore Sciarrino, mit einer dramatischen Liebesgeschichte, in deren Verlauf Stradella nur knapp einem Mordanschlag entging. Neben seinem dramatischen Leben und Werk war Stradella vor allem ein Komponist von Rang, der auf dem Gebiet der Instrumentalmusik mit dem concerto grosso und dem concertino wesentliche Gattungen des Barock prägte. Andrea De Carlo hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Musik Stradellas ihrer Bedeutung gemäß bekannt zu machen. Der Dirigent begann seine Laufbahn als Jazz-Bassist sowie mit einem Physik-Studium, das er mit Auszeichnung abschloss. Erst später wandte er sich der Viola da Gamba und dem Dirigieren zu und musizierte mit den namhaftesten Ensembles der Alte MusikSzene. Als künstlerischer Leiter des Festival Barocco Alessandro Stradella im mittelitalienischen Viterbo widmet er sich seit 2013 einer Serie von Einspielungen der Musik Stradellas. In der Reihe „The Stradella Project“ erschienen inzwischen sechs Alben mit dem „Ensemble Mare Nostrum“, das De Carlo 2005 gegründet hatte, sowie eines mit dem Ensemble „Il Pomo d‘Oro“. Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.festivalstradella.org/strad ella-project/ Weimar: Beim Internationalen Cembalowettbewerb „Prix Annelie de Man“ in Amsterdam (Niederlande) wurde die Weimarer Studentin Sangmi Choi mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Nach einer Vorauswahl per Video waren insgesamt elf Teilnehmende aus der ganzen Welt vom 1. bis 5. Dezember in den Orgelpark in Amsterdam eingeladen worden. Die südkoreanische Cembalistin studiert im Aufbaustudium zum Konzertexamen in der Klasse von Prof. Bernhard Klapprott an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Den 1. Preis in Amsterdam gewann die Cembalistin Piibe Talen. „Es ist einzigartig, dass jemand aus dem Institut für Alte Musik einen internationalen Preis für zeitgenössische Musik gewinnt“, sagt der Professor für Historische Tasteninstrumente und Direktor des Instituts für Alte Musik an der Weimarer Musikhochschule, Prof. Bernhard Klapprott. Dabei verweist er auf das ungewöhnliche Profil dieses prominenten Cembalowettbewerbs, bei dem ausschließlich nach 1960 komponierte Werke zugelassen sind. „Sangmi Choi hat als Cembalistin außer in Alter Musik einen großen Schwerpunkt im Bereich der zeitgenössischen Cembalomusik“, so Klapprott. Geboren in der Millionenstadt Daejeon im Herzen Südkoreas, griff Sangmi Choi als Vierjährige erstmals in die Tasten. 2007 siedelte sie nach Deutschland über und ließ sich seither nach allen Regeln der Kunst ausbilden – zunächst als Klavierstudentin an der Hochschule für Musik Karlsruhe, dann im Fach Neue Musik an der FolkwangUniversität der Künste in Essen, schließlich sowohl in der außergewöhnlichen Master-Kombination „Zeitgenössische Musik Klavier und Cembalo“ als auch im Master Cembalo wiederum in Karlsruhe. Seit 2019 schließt die 35-Jährige noch ein Konzertexamen im Fach Cembalo bei Prof. Bernhard Klapprott an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar an. An ihrem Professor schätzt sie „die Offenheit, den Verstand und die Bescheidenheit seiner Persönlichkeit, seine Kenntnisse und seine Musikalität“, so Sangmi Choi, die bereits auf verschiedene Preise bei Musikwettbewerben in Südkorea und Deutschland zurückblickt. Meisterkurse führten sie zu Bernd Glemser, Matthias Kirschnereit und Andreas Staier. Neben ihrer Alte-Musik-Leidenschaft ist die Südkoreanerin eine große Freundin zeitgenössischer (Cembalo-) Musik und arbeitete bereits mit dem ensemble recherche in der Ensemble-Akademie Freiburg sowie auch mit dem Pianisten Benjamin Kobler im Rahmen der Stockhausen-Kurse in Kürten. Zachary Wilson: Der Bariton Zachary Wilson steht ab 4. Dezember 2021 als Eisenstein in der Neuproduktion Die Fledermaus auf der Bühne des Theaters für Niedersachsen in Hildesheim. Es ist Zachary’s Rollendebüt als Eisenstein, und Zachary wird den Eisenstein bis März 2022 in Hildesheim singen. Ebendort singt Zachary auch Partien wie Creonte / Medea von Giovanni Pacini, und Georg Germont / La Traviata. Die nächste Premiere in Zachary’s Kalender ist dann am 30. April 2022 als Mercutio in Romeo et Juliette am Pfalztheater Kaiserslautern. Zachary’s Repertoire reicht von Barock bis zur Moderne. So sang Zachary 2019 u.a. die Barockpartien Ariodante / Xerxes (Theater Magdeburg), Tireno / Il Pastor Fido (Händelfestspiele Halle), und Zoroastro / Orlando (Theater Darmstadt), die Titelpartie in Dionysos Rising (Wien Modern, Teatro Trento), die Partien des Jäger und Prinz / Schneewittchen an der Staatsoper Unter den Linden, die Partie des Engel in der Produktion Christophe Colomb am Theater Lübeck, den Corrado in I Briganti und eine szenische Produktion von Die Winterreise am Theater Hildesheim u.v.m. Lüthi: Meret Lüthi hat im Januar Bibers Rosenkranzsonaten auf CD aufgenommen. Innsbruck: «Begegnungen» machen die 46. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zu ihrem Motto und zu vielen bewegenden musikalischen Begegnungen wird es vom 12. Juli bis 28. August 2022 in den geschichtsträchtigen Sälen, den prachtvollen Kirchen und den schönsten Plätzen Innsbrucks kommen. «Wir können uns auf spannende Begegnungen mit renommierten Künstlerpersönlichkeiten aus dem In- und Ausland sowie Begegnungen mit den vielen Facetten der Alten Musik, darunter bekannte Werke der Renaissance- und Barockmusik ebenso wie kostbare Raritäten und Wiederentdeckungen freuen.» sagt die Kulturlandesrätin Dr. in Beate Palfrader. Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi betont: «Musik ist eine universelle Form der Sprache und sie trägt wesentlich zu Begegnungen bei – über Sprachbarrieren hinweg. Die Innsbrucker Festwochen mit ihrem Programm schaffen es wieder Begegnungen zu ermöglichen mit Musik, die lange vor uns komponiert wurde. Da werden Schätze Alter Musik gehoben und zugänglich gemacht.» Festwochen-Intendant Alessandro De Marchi verkündet voller Vorfreude: «Freuen Sie sich auf ein buntes und facettenreiches Programm. Wir werden u. a. ‹Silla› von Carl Heinrich Graun im Tiroler Landestheater mit einer Starbesetzung aufführen und zwar mit StarCountertenören wie Bejun Mehta, Valer Sabadus, Hagen Matzeit, Samuel Mariño sowie den Sopranistinnen Eleonora Bellocci und Roberta Invernizzi und dem Tenor Mert Süngü.» Über die Bühnenbretter gehen des Weiteren auch die Opern «Astarto» von Giovanni Bononcini sowie als Barockoper:Jung «L’amazzone corsara» von Carlo Pallavicino. «Mit großer Hoffnung und mit Freude blicken wir in das neue Jahr, wo die 46. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2022 vom 12. Juli bis zum 28. August wiederum mit 53 Veranstaltungen an 33 Tagen an mehr als 11 Spielstätten stattfinden können.» so Geschäftsführer Dr. Markus Lutz. Und Betriebsdirektorin Mag. Eva-Maria Sens fasst die Intention der kommenden Festwochen zusammen: «‹Alles, was uns begegnet, hinterlässt Spuren›, so Goethe. Mit den Festwochen 2022 unter dem Leitmotiv ‹Begegnungen› wollen wir Spuren hinterlassen. Denn Musik ist Begegnung. Zwischen der Kunst und ihren Interpret*innen, zwischen den Künstler*innen und dem Publikum.» Tickets für die 46. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik sind seit dem 15. Dezember 2021 an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Leipzig: Das Bach-Archiv Leipzig hat wertvolle Handschriften aus dem Archiv des Thomanerchors Leipzig digitalisiert. Im Dezember 2021 wurden diese einzigartigen Objekte der Sammlung Thomana in den Digitalen Sammlungen des Bach-Archivs Leipzig veröffentlicht. Das Projekt wurde finanNACHRICHTEN 4 TOCCATA - 118/2022 Sangmi Choi Foto: Studioline Photography Zachary Wilson Andrea De Carlo, Foto di Aura G

ziert mit Mitteln aus der Förderlinie WissensWandel des Bundesprogramms Neustart Kultur. Nachdem das Bach-Archiv Leipzig vor zwei Jahren weite Teile des historischen Archivs des Thomanerchors Leipzig als Dauerleihgabe übernommen hatte, konnte die gesamte handschriftliche Überlieferung des Bestandes nun digitalisiert werden. Die knapp 100 Handschriften mit insgesamt rund 20.000 Einzelseiten wurden in das digitale Sammlungsportal des Bach-Archivs integriert, wo sie ab sofort unter https://digitalesammlungen.bach-leipzig.de/ angesehen und heruntergeladen werden können. Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig: »Das historische Archiv des Thomanerchors gewährt unschätzbare Einblicke in die Musikgeschichte der Stadt Leipzig; die Erschließung dieses Bestands in den Digitalen Sammlungen des Bach-Archivs bietet der Forschung nun erstmals einen bequemem Zugang zu diesem Schatz und unterstreicht damit die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Leipzig.« Das Archiv des Thomanerchors Leipzig dokumentiert einen der größten Schätze der europäischen Musikgeschichte. Die durchgängige und zusammenhängende Dokumentation von musikalischen, bildungs-, kultur- und sozialgeschichtlichen Quellen aus über sechs Jahrhunderten Schulgeschichte macht den Bestand zu einem beispiellosen Kulturgut. Emanuel Scobel, Geschäftsführender Leiter Thomanerchor Leipzig: »Die Handschriftensammlung enthält einzigartige Dokumente, darunter Lehrmaterial und Matrikeln seit dem 17. Jahrhundert, Quittungsbücher mit den Unterschriften von Johann Sebastian Bach und weiteren Kantoren und Rektoren, Teile der autographen Musikhandschriften aus der seit 1945 verschollenen Chorbibliothek sowie historische Aufführungsmaterialien ehemaliger Thomaskantoren. Wir freuen uns, dass dieser Schatz mit der abgeschlossenen Digitalisierung nun allen Freunden des Thomanerchores und Interessierten weltweit digital zugänglich ist und wir unsere Dokumente im BachArchiv unter professionellen Bedingungen für die nachfolgenden Generationen konserviert wissen.« Göttingen: Alte Musik übernimmt Neue Medien! Mit einem frischen Format stellen sich die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen aktuellen Herausforderungen an den Kulturbetrieb: der pandemischen Situation ebenso wie einer Gesellschaft, die zunehmend im virtuellen Raum unterwegs ist. „Wir möchten allen, die unser Jubiläum nochmal erleben wollen bzw. gar nicht erst dabei sein konnten, Gelegenheit dazu geben“, so Jochen Schäfsmeier, Intendant der Festspiele. Der Name der Streaming-Plattform: www.haendel-channel.de. Ab 20.12. (16 Uhr) war sie online. Fast einen Monat lang, bis zum 16.01.2022, waren alle Inhalte der Festspiele 2021 ohne Einschränkung abrufbar. Danach sind ausgewählte Produktionen hinter einer Bezahlschranke „verschwunden“. Neben den neuen, hochkarätigen Konzert- und Opernmitschnitten der diesjährigen Festspielzeit darf man sich auf Beiträge des vorangegangenen, digitalen Festivals freuen. Und wer ein bisschen hinter die Kulissen schauen möchte, bekommt durch das reichhaltige Bonusmaterial Gelegenheit dazu. Neben einem Best-Of der beliebten HändelTalks finden sich hier kurze, konzertbezogene Videos und weitere Inhalte rund um die Festspiele. Die Plattform wird nach ihrem Launch regelmäßig mit neuem Content gefüllt. „Es ist Weihnachten“, schmunzelt Schäfsmeier, „und das ist unser virtueller Adventskalender. Neuer Tag, neues Türchen. Gleichzeitig wollen wir mit der Nachlese die Zeit zu den kommenden Festspielen überbrücken: Besonders unter dem Eindruck der pandemischen Einschränkungen wollen wir sowohl die Erinnerung an die vergangenen Festspiele wachhalten als auch Vorfreude auf die kommenden schüren.“ Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen präsentieren damit ihre Version der Digitalisierung von Konzerten. „Künstlerisch überzeugende Darbietungen im Netz brauchen zwingend einen Mehrwert – darum werden wir bewusst die Chancen nutzen, die der digitale Raum bietet“, verspricht Schäfsmeier. Und führt aus: „Dabei haben wir vom digitalen Festival im Mai viel gelernt. Etwa, dass solch ein Angebot von immer mehr Menschen genutzt wird und ein zukunftsfähiges Modell sein kann – über die Pandemie hinaus. Sie hat uns herausgefordert, neue Wege zu gehen und moderne Kommunikationswege neu zu erschließen. Wir nehmen die Herausforderung an.“ Ohne Hilfe ist das kaum realisierbar: Zahlreiche Freunde, Förderer, Sponsoren machen analoge und digitale Festspiele möglich. Die Jungfernfahrt des Channels, die Streaming-Reihe der Jubiläumsfestspiele sowie die Produktion der Videos wurde maßgeblich über TOCCATA - 118/2022 NACHRICHTEN 5 Original-Sopran-Stimme der Kantate “Wie schön leuchtet der Morgenstern BWV 1 von J.S. Bach (Choralkantaten-Jahrgang 1724/25) Freuen sich auf die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2022 (v. l.): Geschäftsführer Dr. Markus Lutz, Intendant Alessandro De Marchi, Betriebsdirektorin Mag. Eva-Maria Sens (© Innsbrucker Festwochen / Veronika Lercher)

Neustart Kultur finanziert; einige der Produktionen wurden in Zusammenarbeit mit NDR Kultur realisiert. „Insbesondere in der jetzigen Zeit, wo wir bei der Planungssicherheit Kompromisse eingehen müssen, sind uns die treuen Partner besonders wertvoll“, resümiert der Festspiel-Intendant. „Ob es digitale Beiträge oder die Festspiele selbst sind: Uns ist jedwede Form der Unterstützung willkommen.“ Die einfachsten Optionen, zugleich die mit dem direktesten Gegenwert, sind und bleiben natürlich der Kartenkauf, die Spende – oder eine Mitgliedschaft in der Göttinger Händel-Gesellschaft e. V. Informationen zum Spendenkonto befinden sich auf der Internetseite der Festspiele, www.hndl.de. Deren jüngste Schwester, www.haendelchannel.de, s(p)endet mehr als Vorfreude auf 2022, wenn vom 12.-22.05. die nächsten analogen Festspiele anstehen: Sie ist eine willkommene Überbrückungshilfe, wenn ausgerechnet in der dunklen Jahreszeit das Kulturangebot wieder deutlich ausdünnt. Schwetzingen: Im nächsten Jahr feiern die Schwetzinger SWR Festspiele unter dem Motto "Arkadien" ihr 70jähriges Bestehen. 1952 auf Initiative des Süddeutschen Rundfunks (SDR) entstanden, zählen die Festspiele heute zu den bedeutenden europäischen Festivals für klassische Musik und Oper mit einer internationalen Reichweite, für die jedes Jahr der öffentlichrechtliche Rundfunk sorgt. Freuen Sie sich auf 48 Veranstaltungen, darunter wieder eine Uraufführungsoper, die im Auftrag der Schwetzinger SWR Festspiele, in Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen und gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, entsteht. Komponist ist der in Wien lebende Rheinländer Johannes Kalitzke. Seine Oper Kapitän Nemos Bibliothek nach dem gleichnamigen Roman von Per Olov Enquist wird von Christoph Werner, dem Intendanten des Puppentheaters Halle, realisiert. Musikalische Akteure sind neben den Sängersolisten Iurii Ishkevich, Johanna Zimmer, Reuben Willcox, Noa Frenkel und Rinnat Moriah das Ensemble Modern Frankfurt. Die musikalische Leitung hat der Komponist selbst. Neben dem pandemiebedingt verschobenen Beethoven-Projekt Force & Freedom mit Nico and the Navigators stehen weitere szenische Produktionen auf dem Programm: Die Oper L’Isola d’Alcina von Giuseppe Gazzaniga ist eine virtuose Parodie auf den Mythos der Zauberin Alcina. 1773 erstmals im Schwetzinger Hoftheater gespielt, kommt das Werk nun in einer Koproduktion mit dem Oldenburgischen Staatstheater wieder auf die Bühne. Das internationale Sängerensemble wird begleitet vom Ensemble L’arte del mondo unter der musikalischen Leitung von Werner Ehrhardt, Regie hat Christoph von Bernuth. Um eine andere mythologische Figur dreht sich das Melodram Medea von Georg Anton Benda. Zur Aufführung kommt die Mannheimer Fassung von 1784, deren Neuedition erst kürzlich im Frankfurter Forschungsprojekt »Opera. Spektrum des europäischen Musiktheaters« erschien. Es spielt La Stagione Frankfurt, Sprecher sind u. a. Marina Galic (Medea) und Michael Rotschopf (Jason). Tickets sind seit dem 6. Dezember beim SWR Classic Service und an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Göttingen: Seit 2017 legt die göttingen händel competition (ghc) den Fokus auf die Förderung junger Talente und verbindet dabei Wettbewerbsinhalte eng mit dem Festspielmotto: So erwartet das Publikum und die Jury in 2022 Aufregendes – nämlich: „Neue Horizonte“. Mit seinen starken Partner:innen, einer hochkarätigen Jury und attraktiven Preisen ist der Wettbewerb ein wesentlicher Bestandteil der Festspiele geworden, die Künstler:innen und Freunde der Alten Musik aus aller Welt jedes Frühjahr in Göttingen zusammenbringen, um die Musik Händels zu genießen. Der Wettbewerb wird 2022 durch den Sonderpreis „Musik und Raum“ ergänzt, für den gesonderte Wettbewerbsbedingungen gelten. Dieser beinhaltet ein weiteres Preisträgerkonzert in der Region sowie für das Preisträger-Ensemble eine Einladung der Philharmonie Köln zu FELIX! – Original. Klang. Köln. Bewerben können sich Ensembles der Alten Musik (zwei bis sieben Mitglieder) mit einem barocken Programmschwerpunkt. Die Altersgrenze für Einzelmitglieder liegt bei 35, für Ensembles bei durchschnittlich 32 Jahren. Der Wettbewerb findet am 16. und 17. Mai 2022 in Göttingen statt (Preisträgerkonzerte am 18. und 19. Mai 2022). Die teilnehmenden Ensembles verpflichten sich zur Anwesenheit in Göttingen während des Wettbewerbs. Die göttingen händel competition vergibt folgende Preise: Preis der Göttinger Händel-Gesellschaft e. V., dotiert mit 5.000 € sowie einem Auftritt beim Preisträgerkonzert am 18. Mai 2022 im Rahmen der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2022. Sonderpreis „Musik und Raum“, dotiert mit 2.000 Euro sowie je einem Auftritt beim Preisträgerkonzert „Musik und Raum“ am 19. Mai 2022 im Rahmen der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2022 und bei FELIX! – Original. Klang. Köln. Bärenreiter UrtextPreis. Publikumspreis. Bad Arolsen: Die Bad Arolsener Barock-Festspiele haben sich als wahrer Publikumsmagnet erwiesen und ziehen mit ihrem vielfältigen und reichen musikalischen Programm Gäste aus nah und fern nach Bad Arolsen. Der Steinerne Saal und weitere Räumlichkeiten im Residenzschloss, die Fürstliche Reitbahn, die evangelische Stadtkirche und der ehemalige Marstall - all diese historischen Orte und Bauwerke der Barockstadt werden für vier Tage zu stilvollen Spielstätten. Seit 1986 finden die Arolser BarockFestspiele nun schon statt und sind über die Jahre hinweg zu einem der Glanzpunkte der deutschen Festivallandschaft geworden. Unter Kennern zählen sie schon lange zu den absoluten Höhepunkten des Klassik-Jahres und halten immer wieder aufs Neue hochkarätige Konzerte und renommierte Künstler bereit, um die Spielstätten mit immer neuen, faszinierenden, verzaubernden und betörenden Klängen zu erfüllen. Exzellente Künstler aus der ganzen Welt stehen jährlich auf den Bühnen und entführen die Zuhörer auf eine musikalische Reise, die durch ein facettenreiches Programm aus Museumsführungen, Kindervorführungen oder Nachtschwärmer-Veranstaltungen ergänzt wird. 2022 finden die Arolser Barock-Festspiele unter dem Motto “Auf nach Arkadien!” vom 25. bis 29. Mai statt. www.arolser-barockfestspiele.de Bad Kissingen: Ab diesem Jahr werden die Blockflötenfesttage, vormals in Stockstadt, in Bad Kissingen stattfinden. Beim viertägigen Musikfestival können Musikbegeisterte öffentliche NACHRICHTEN 6 TOCCATA - 118/2022 l’arte del mondo, Foto: peuserdesign.de

TOCCATA - 118/2022 Konzerte, eine Fachausstellung mit einem großen Angebot historischer Instrumente, Blockflöten und Zubehör sowie Workshops und eine Meisterklasse besuchen. Intendant Maurice Steger zaubert mit illustren Gästen aus der ganzen Welt höchstes musikalisches Niveau unter dem Motto Alte Musik im neuen Gewand – die erste Edition der Blockflötenfesttage in Kissingen wird vom 26. bis 29. Mai 2022 stattfinden. Bad Kissingen wird ab 2022 Austragungsort der Blockflötenfesttage. Sylvie Thormann, Kurdirektorin und Geschäftsführerin der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH, freut sich: „Diese Veranstaltungsreihe erweitert unser Kulturangebot um ein spannendes musikalisches Genre. Die Blockflöte hat in den letzten Jahren immer mehr an Popularität gewonnen und ist längst nicht mehr nur das Instrument aus der Kindheit. Bei den Blockflötenfesttagen können Gäste und Einwohner*innen das Instrument und seine Klänge facettenreich und vielschichtig erleben.“ Auch die Veranstalter Silke und Joachim Kunath sind auf die neue Location gespannt: „Als uns das Ehepaar Becker vor einigen Jahren die geschäftliche Verantwortung für die Blockflötenfesttage übergab, setzten sie uns das klare Signal: Es ist uns egal, wo das Festival stattfindet, aber es muss immer qualitative Maßstäbe setzen! Da der Ansturm der Besucher*innen der Musikkonzerte und der Teilnehmer*innen der angegliederten Fachausstellung in den letzten Jahren immer weiter gestiegen ist und die Raumsituation am bisherigen Veranstaltungsort kein zusätzliches Wachstum zulässt, haben wir gemeinsam mit Herrn Steger beschlossen, ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Festivals aufzuschlagen: Durch die Nutzung der wunderbaren Räume in Bad Kissingen wird das Festival einen stimmungsvolleren Rahmen erhalten. Prof. Maurice Steger, Intendanz, künstlerische Leitung der Blockflötenfesttage: „Welch eine Freude! In den wunderbaren historischen Räumlichkeiten Bad Kissingens können wir uns musikalisch bestens ausleben, vom Solo Rezital bis zum Orchester-Konzert, das Ambiente und die Akustik aller Säle ist schlicht phänomenal. Aber nicht nur das: ich freue mich auch besonders auf die Begegnungen, die Vorträge, die Ausbildungsprogramme und vieles mehr in den wundervollsten Ecken des Regentenbaus.“ Telemann: Les Passions de l’Âme und Solomon’s Knot unter der Leitung von Meret Lüthi, Violine werden im März Telemanns Donnerode auf CD aufnehmen. Savall: Nach den Sinfonien 1-5 von Beethoven sind jetzt auch die Sinfonien Nr. 6-9 bei Savalls Label Alia Vox erschienen (AVSA 9946, 3 SACD). Ein Schubert-Album wird folgen. Magdeburg: Parallel zu den 25. Magdeburger Telemann-Festtagen, die am 18. März 2022 beginnen, findet am 21. und 22. März 2022 eine Internationale Wissenschaftliche Konferenz in Telemanns Geburtsstadt Magdeburg statt. 16 Musikwissenschaftler*innen aus Japan und Deutschland befassen sich im Magdeburger Gesellschaftshaus mit dem Thema „Die Evangelien-Passion bei Telemann. Beiträge zu einer musikalisch-liturgischen Gattung" Die Konferenz steht interessierten Besuchern offen. Zudem wird sie via Liveübertragung auch online zu verfolgen sein. Zwischen 1722 und 1767 komponierte Georg Philipp Telemann 46 Evangelien-Passionen für die Hamburger Haupt- und Nebenkirchen sowie eine für Danzig bestimmte Matthäuspassion. Seit Hans Hörners Dissertation über Telemanns Passionsmusiken von 1933 wurde sich nur sporadisch mit diesem wichtigen Korpus innerhalb des kirchenmusikalischen OEuvres Telemanns auseinandergesetzt, sei es in Zusammenhang mit Editionen oder in größeren oder kleineren Beiträgen zu Einzelwerken oder Werkgruppen. Zweihundert Jahre nach der Aufführung der ersten Hamburger Evangelien-Passion Telemanns möchte die Tagung der interdisziplinären Forschung ein weites thematisches Arbeitsfeld bieten: Sie lädt ein, die Frage nach der theologischen Position der interpolierten Dichtung zu stellen und diese „poetischen Zusätze“ zu analysieren und sie ins Passionsgeschehen einzuordnen, auf die Suche nach ihren Urhebern zu gehen, aufführungspraktische und musik- bzw. kirchenorganisatorische Hintergründe zu erhellen, musikanalytische Betrachtungen vorzunehmen oder sich Fragen der Verbreitung, Überlieferung und der Rezeption auch außerhalb Hamburgs zu widmen. Theolog*innen Literatur- und Musikwissenschaftler*innen werden sich diesem noch nicht ausreichend erforschten Bereich des Telemannischen Werks widmen, der zudem einen Sonderstatus in der Geschichte der Passionsvertonungen für sich in Anspruch nehmen dürfte. Die Konferenz wird veranstaltet vom Zentrum für Telemann-Pflege und - Forschung Magdeburg gemeinsam mit Wolfgang Hirschmann (Abteilung Musikwissenschaft des Instituts für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Bernhard Jahn (Institut für Germanistik der Universität Hamburg) in Zusammenarbeit mit der Internationalen Telemann-Gesellschaft e.V. Informationen und Programmablauf: https://telemann.org/veranstaltunge n/telemann-konferenz-2022.html Wilms: 2022 feiert Johann Wilhelm Wilms seinen 250. Geburtstag! Den Auftakt zu einer Vielzahl von Konzerten sollte das Jubiläumskonzert am 16. Januar in der Christuskirche in Leichlingen-Weltersbach mit der Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens und Ronald Brautigam am Hammerklavier bilden. Das Konzert wurde pandemiebedingt wegen steigender Infektionszahlen auf Sonntag, 8. Mai 2022, 17 Uhr verschoben. Wie geplant werden ausschließlich Werke von Johann Wilhelm Wilms erklingen: die Ouvertüre f-moll, das Klavierkonzert Es-dur op. 55 und die Sinfonie C-dur op. 9. Johann Wilhelm Wilms wurde 1772 in Witzhelden im Bergischen Land geboren und starb 1847 in Amsterdam. Der deutsch-niederländische Komponist und Zeitgenosse Ludwig van Beethovens war seinerzeit der angesehenste und international meist aufgeführte Komponist der Niederlande. Er hinterließ neben zahlreichen kammermusikalischen Kompositionen auch einige Solokonzerte und sieben Sinfonien. Die im Jahr 2002 gegründete Internationale Johann Wilhelm Wilms Gesellschaft e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, den Komponisten und sein Werk aus der Vergessenheit zu befreien und wieder ins Bewusstsein des Publikums und zurück in die Konzertsäle zu holen. Zum 250. Geburtstag des Komponisten findet eine Vielzahl von Konzerten statt, die von der Wilms-Gesellschaft veranstaltet werden oder angeregt wurden. Weitere Informationen zu den einzelnen Konzerten unter www.ijwwg.com/. Das G.A.P.-Ensemble und Dorothee Mields (Sopran) waren Anfang Februar in einer Reihe von Konzerten mit Werken von Johann Sebastian Bach und Dmitri Schostakowitsch zu erleben, im Stadttheater Hildesheim, in der Philharmonie Mercatorhalle in Duisburg, im Zeughaus in Neuss und am im Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais‘ in Trier. Zerbst: Preisträger 2021 des seit 1993 für besondere Verdienste in der Popularisierung bzw. Erforschung des Lebens und der Werke von Johann Friedrich Fasch (1688-1758) vergebenen Preises ist der Musikjournalist Claus Fischer. Siegburg: Den Ersten Preis des Wettbewerbs „Beethoven in seiner Zeit“ für historische Aufführungspraxis in Siegburg 2021 in Höhe von 15.000 Euro und eine CD-Aufnahme bei NAXOS hat das Trio Egmont (mit Luiza Labouriau, Violine, Martin Knörzer, Violoncello und Gilad Katznelson, Fortepiano) erzielt. Dazu die Jury: „Sie begegnen schwierigsten Herausforderungen mit atemberaubender Leichtigkeit. Normale NACHRICHTEN 7 nuovo aspetto bei den Arolser Barock-Festspielen 2022, Foto: Christian Palm

Kategorien wie technisches Können, Stilverständnis, Phrasierung oder Ausdruck – alles auf höchstem Niveau. Aber vor allem war es ihre virtuose Kreativität, die die Jury begeisterte. Ihre übersprühende Experimentierfreude entwickelt einen verführerischen Sog und verführt selbst die Musik zum Träumen. Sollte man gezwungen sein, sich auf nur einen einzigen Punkt beschränken zu müssen, so ist es ihre Fähigkeit, jeden einzelnen Takt für den Zuhörer spannend, aufregend und unerwartet zu gestalten.“ Das Alterna Trio (Anna Dmitrieva, Violine, Amarilis Dueñas Castán, Violoncello und Takahiko Sakamaki, Fortepiano) erreichte den Zweiten Preis, ebenfalls dotiert mit 15.000 Euro. Die Jury überzeugte „vor allem die große Musikalität in all ihren Auftritten. Sie zeigten großartige Ausdrucksstärke in einer Vielfalt ganz unterschiedlicher Stücke. Sie steigerten sich von Runde zu Runde und überraschten mit immer anderen, aber immer fantastischen Höhepunkten. Ihre Interpretation des zweiten Satzes in Beethovens ‚Geistertrio‘ gehört sicher zu der wunderbarsten Musik, die beim gesamten Wettbewerb erklungen ist.“ Ein dritter Preis wurde nicht vergeben, allerdings haben die Jury und die Musikwerkstatt Siegburg beschlossen, einen Außerordentlichen Zusatzpreis an den Cellisten Giulio Padoin vom Duo Ricerche Parallele für seine Leistung in der Finalrunde zu vergeben. Daneben gab es noch eine Reihe von Sonderpreisen: Das Trio Alterna erhielt außerdem den Preis für die beste Interpretation eines Werkes von Ludwig van Beethoven, das Trio Egmont den Preis für die beste Interpretation eines Werkes von Ferdinand Ries und das Duo Rei (Kaori Kobayashi, Violine und Katja Poljakova, Fortepiano) den Preis für die beste Interpretation eines Werkes von Joseph Woelfl. Die Cellistin Amarilis Dueñas Castán vom Alterna Trio erreichte den Sonderpreis für die beste musikalische Einzelleistung des Wettbewerbs. Der international zusammengestellten Jury gehörten David Breitman (USA), Jacqueline Ross (Großbritannien), Marco Testori (Italien), Olga Pashchenko (Russland), Viola de Hoog (Niederlande), Petra Müllejans und Richard Lorber (beide Deutschland) an. Der erstmals durchgeführte Kammermusikwettbewerb „Beethoven in seiner Zeit” war ein Projekt der Musikwerkstatt Siegburg im Rahmen des Beethovenjahres zum 250. Geburtstag des Komponisten. Hauptförderer waren die BTHVN-Jubiläumsgesellschaft Bonn und die VR-Bank RheinSieg. E-Mail: beethoven@siegburg.de Web: beethoven.siegburg.de Lübeck: Der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Volker Scherliess ist am 5. Januar im Alter von 76 Jahren in Lübeck gestorben. 1991 als Professor berufen, prägte er über zwei Jahrzehnte die musikwissenschaftliche Forschung und Lehre an der Musikhochschule Lübeck (MHL) und das Musikleben der Hansestadt. Scherliess war fasziniert von italienischer Kultur. Sein Hauptinteresse galt der Musik des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts. Er publizierte unter anderem auch über Fragen der Aufführungspraxis bei Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Mahler und Strawinsky. Auch Lübecker Themen griff er in seinen Veröffentlichungen auf wie die „Geschichte der Lübecker Abendmusiken“ und „Thomas Mann und die Musik“. Noch zu seinem 75. Geburtstag erschien im vergangenen Jahr sein letztes Buch „,Werkstatt Musikgeschichte‘ – Annäherungen an Musik und Musiker“, ein Sammelband mit Reden, Vorträge und Einführungen, die er in seinen Jahren in Lübeck gehalten hat. Gluck: Im Herbst 2021 fand bereits ein Gluck-Wochenende unter der Leitung von Michael Hofstetter statt. Die ersten «großen» Gluck Festspiele unter seiner Intendanz finden vom 29.4. bis 22.5.2022 statt. Mit Ensembles der Alte Musik-Szene, interessanten Neuentdeckungen, Tanz- und Kabarett-Größen lässt Michael Hofstetter Gluck erklingen und erleben. Und das passenderweise in der Region, in der Gluck 1714 in Erasbach bei Berching geboren wurde. Zentren der Gluck Festspiele sind dabei das als Weltkulturerbe berühmte Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, aber auch das über 100-jährige Theater in Fürth, der historische Rathaussaal und die St. Marthakirche in Nürnberg, Castell, Lehrberg und Bad Windsheim. Die Programmgestaltung lässt Besuchern von auswärts übrigens genug Freiheit, ganz «nebenbei» die Kulturund Naturschätze der Region zu entdecken. Besichtigend, wandern oder per Rad. Die Höhepunkte 22 reichen von einer Neuproduktion auf Basis von Pina Bauschs Tanzoper «Orpheus» bis zu Gluck-Kabarett und der neuen «Alceste» im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth. Das Programm beginnt am 29. April 2022 im Theater Fürth mit einer Wiederbelebung – der Neuproduktion von Pina Bauschs legendärer Tanzoper «Orpheus und Eurydike» von 1975 mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Sie trifft auf Gluck im Klanggewand der historischen Aufführungspraxis, die für Hofstetter und das Händelfestspielorchester Halle als Gluck Festspiel-Orchester obligatorisch ist. Mit einem Countertenor in der Titelpartie (Valer Sabadus) trifft die emotionale Kraft und Wucht des «Orfeo» auf die Wahrhaftigkeit von Pinas Tanzsprache. Am 30. April ergänzt ein Liederabend mit Julian Prégardien das Gluck-Bild um dessen KlopstockOden (Dorfmühle Lehrberg). Die bewegende Geschichte rund um Königin Alceste, die ihr Leben für ihren todkranken Mann Admeto gibt, steht ab 12. Mai 2022 auf der Bühne des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth. Aufgeführt wird in Koproduktion mit dem Theater Pilsen die italienische Urfassung von 1767: Eine knappe, dramaturgisch spannende Fassung. «Hier hat Gluck die Form der Opera seria, obwohl er mit ihr sehr erfolgreich war, verlassen und erzählt den Text in großen dramatischen Szenen», erklärt Michael Hofstetter. Der vor Lebenslust sprühende Gegenpol ist am 12. Mai im Historischen Rathaussaal Nürnberg und am 13. Mai im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth zu erleben, wenn der junge Sopranist Samuel Mariño ein «Gipfeltreffen» zwischen Gluck und Händel aufleben lässt, das in London 1746 stattfand. «Es ist eine Ehre für uns», freut sich Michael Hofstetter, dass die MusikKabarettistin Lizzy Aumeier mit ihrem direkten Oberpfälzer Humor ein Gluck-Programm exklusiv für die Festspiele gestaltet: «Mein Nachbar Willy» hat am 29. April in Bad Windsheim Premiere und tourt bis zum 14. Mai (Würzburg) durch die Lande. Die Akademie für Alte Musik Berlin gastiert mit Danae Kontora am 6. Mai im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth, Hille Perl & Friends in der St. Marthakirche Nürnberg und L’estro d’Orfeo in der St. Johannes Kirche Castell (15. Mai). Mit der abschließenden Produktion von Glucks Einakter «Le Cinesi» (Premiere 20. Mai) wollen die Gluck Festspiele die Aus- und Weiterbildung der StudentInnen an der Hochschule für Musik Nürnberg fördern: „Wir bringen ein spezielles Wissen über Gluck im Originalklang an die nächste Generation von MusikerInnen“, meint Michael Hofstetter. info@gluck-festspiele.de, www.gluck-festspiele.de Bayl: Benjamin Bayl hat im Januar 2022 die Neuproduktion von Vivaldi’s Oratorium Judita Triumphans an der Oper Stuttgart dirigiert. In der Regie von Silvia Costa sangen Rachel Wilson (Juditha), Stine Marie Fischer (Holofernes), Diana Haller (Vagaus), Gaia Petrone (Abra), und Linsey Coppens (Ozias). 7 Vorstellungen dieser Serie laufen bis 12. März 2022. Kommende Highlights in Benjamin Bayl’s Kalender 2022 sind neben der Judita Triumphans Premiere in Stuttgart im März / April 2022 die Wiederaufnahme von The Fairy Queen an der Ungarischen Staatsoper Budapest, die nach 300 Jahren wiederentdeckte Bononcini Oper Griselda im Narodowe Forum Muzyki in Breslau und im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth im Rahmen des Bayreuth Baroque Opera Festivals 2022, Ariodante in der Sommeropernproduktion in San Diego, sowie Konzerte in der Zeneakademie Budapest, am Theater Aachen, im Dal Verme Theater in Mailand, im Radiokulturhaus Bratislava, in Canberra (Mai 2022), Sydney und Melbourne (beide im Juni 2022). Halle: Trotz mittlerweile etablierter Maßnahmen zur Pandemiebewältigung war 2021 erneut ein herausforderndes Jahr. Insgesamt zählt die Stiftung Händel-Haus mit knapp über 8.000 Besucher*innen im Jahr 2021 jedoch vergleichsweise viel in Anbetracht der längeren Schließzeit. Hinzu kommen die rund 22.000 Zuschauer*innen der digitalen Angebote wie „Haendel.digital“. Zum zweiten Mal in Folge musste die Stiftung Händel-Haus die HändelFestspiele, die vom 28. Mai bis zum 13. Juni stattfinden sollten, absagen. Das Museum Händel-Haus und die Bibliothek waren bis Ende Mai geschlossen, auch Veranstaltungen fanden nicht statt. Seit 1. Juni halten beide ihre Pforten nun wieder geöffnet, unter Einhaltung der Hygieneschutzmaßnahmen – wenn auch mit stark reduzierter Sitzplatzkapazität bei Veranstaltungen bzw. einer Beschränkung der Personenanzahl. Auch in der kalten Jahreszeit ist es anschließend gelungen, das Händel-Haus durchgängig geöffnet zu halten und zumindest einen Teil der geplanten Veranstaltungen durchzuführen. Eine deutliche Erholung der Besucherzahlen, wie sie im Spätsommer 2020 noch zu beobachten war, blieb 2021 leider aus. Seit Dezember gelten wieder strengere Regeln. Es finden derzeit keine Führungen statt und nur noch ausgesuchte Veranstaltungen können im hervorragend belüfteten Kammermusiksaal abgehalten werden. Eine Wiederöffnung des Wilhelm-Friedemann-Bach-Hauses ist momentan nicht in Sicht; seit März 2020 ist das Haus durchgängig geschlossen. Angesichts des 100-jährigen Jubiläums der Händel-Festspiele und hoffentlich auch einer Entspannung der pandemischen Lage blickt die Stiftung Händel-Haus optimistisch ins Jahr 2022 und tut weiterhin alles dafür, trotz Corona Kultur und Musik in Stadt und Gesellschaft zu befördern. Die ersten Konzerte, die 2021 wieder gespielt wurden, waren die sommerlichen Kooperationskonzerte mit der Staatskapelle Halle im Großen Hof des Händel-Hauses unter dem Titel „Ohrenschmaus“. Diesen folgten die 5 Sommer-Jazz-Konzerte unter dem Titel „It’s session time!“. Auch die Wiederaufnahmen der Konzertreihen „FoNACHRICHTEN 8 TOCCATA - 118/2022

cus Bohlenstube“ und „Musik im Händel-Haus“ ab September sowie der Schallspiele – jetzt „Schallspiele alternativ“ – und des „Seniorenkollegs“ sorgten für Begeisterung. Zwar war eine allgemeine, sehr verständliche Vorsicht gegenüber öffentlichen Veranstaltungen spürbar, doch die Publikumsfreude über Live-Konzerte wurde deutlich. Die Konzerte im HändelHaus wurden ab dem Herbst als Doppelkonzerte mit einer Vor- und einer Nachmittagsvorstellung angeboten, um bei einer maximal erlaubten Auslastung von 35% noch möglichst vielen den Besuch der Veranstaltung zu ermöglichen. Leider wurde selbst diese geringe Kapazität nicht immer ausgeschöpft. Ein gänzlicher Verzicht auf die Händel-Festspiele war keine Option, und so wurde „Haendel.digital“ ins Leben gerufen, ein digitales Musikfest mit exklusiven Aufnahmen hochkarätiger Künstler. Vom 28. Mai bis 13. Juni waren online mehrere Festkonzerte mit äußerst namhaften Interpret*innen sowie zwei herausragende konzertante und sogar eine szenische Opernaufführung zu erleben. Ein Höhepunkt war die Produktion von Händels Oper „Ariodante“ HWV 33 mit der Lautten Compagney Berlin und dem Marionettentheater Carlo Colla & Figli unter der Leitung von Händel-Preisträger Wolfgang Katschner, deren Premiere vor halleschem Publikum bei den Händel-Festspielen 2022 nachgeholt wird. Auch die neuzeitliche Erstaufführung der Händel-Oper „Giulio Cesare in Egitto“ HWV 17 in der Fassung von 1725 unter der musikalischen Leitung von Andrea Marcon, Händel-Preisträger 2021, war beeindruckend. Aus den Zugriffszahlen spricht deutlich das große Interesse an diesem aufwendig produzierten und für die Zuschauer*innen kostenfreien Angebot. Knapp 21.500 Zuschauer aus 35 Ländern verfolgten „Haendel.digital“. Die Zugriffe erfolgten u. a. aus Deutschland, den Vereinigten Staaten von Amerika, Italien, Großbritannien, Kolumbien, Brasilien, Japan, China, Taiwan, Iran, Aserbaidschan, Australien und Indien. Auch zum Jahresende hin konnte das Museum der Stiftung Händel-Haus glücklicherweise geöffnet bleiben. „Händel im Herbst“ war nicht umzusetzen und seit Dezember finden Veranstaltungen noch stärker eingeschränkt statt. Über das ausgefallene Weihnachtskonzert „Weihnachtsbräuche mit Doris“ konnte die Stiftung Händel-Haus mit einer Erinnerung an das Livestream-Konzert mit der Lautten Compagney Berlin „Wie schön leuchtet der Morgenstern - Deutsche Weihnachtsmusik des 17. Jahrhunderts“ von 2020 ein wenig hinwegtrösten. Für die großartige Unterstützung in einem weiteren, schwierigen Pandemie-Jahr danken die Händelfestspiele der Stifterin Stadt Halle (Saale), dem Land Sachsen-Anhalt, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Lotto Sachsen-Anhalt und der Saalesparkasse gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung sowie allen weiteren Förderern und Geldgebern. Clemens Birnbaum (Direktor der Stiftung Händel-Haus): „Ich danke allen Partnern und HändelFreunden dafür, dass sie der Stiftung Händel-Haus und den Händel-Festspielen in dieser herausfordernden Zeit die Treue halten und weiter an unserer Seite stehen. Sie geben uns Mut und Kraft, neue Perspektiven zu entwickeln und nach vorne zu schauen. Wir freuen uns darauf, in diesem Jahr 100 Jahre Händel-Festspiele gebührend mit Ihnen zu feiern. Mit den Lehren aus zwei Jahren Pandemie sind wir optimistisch, dass wir die Sicherheit aller gewährleisten und zugleich ein großartiges Festival durchführen können.“ Das 1922 noch viertägige, eher regionale Händel-Fest hat sich über 100 Jahre zu einem der bedeutendsten Barockmusikfestivals Europas entwickelt. Die Händel-Festspiele 2022 finden vom 27. Mai bis 12. Juni statt und stehen ganz im Zeichen dieses Jubiläums. Die Rückkehr einiger international berühmter Händel-Preisträger*innen nach Halle sorgt für ein außergewöhnliches Star-Aufgebot. Das Jubiläums-Jahr 2022 bietet zugleich auch Einblicke in die Historie der Händel-Festspiele: In unterschiedlicher Weise adaptierte Veranstaltungen der ersten „Händel-Feste“, z.B. das Oratorium „Susanna“ HWV 66 in der Strichfassung von 1922 am identischen Aufführungsort – dem Dom zu Halle – sowie die Sonderausstellung im Händel-Haus „Feuerwerk und Halle-luja – 100 Jahre Händel-Feste in Halle“ (24. Februar 2022 – 8. Januar 2023) unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten lassen die Gäste die Geschichte des Festivals hautnah erleben. Neben den für die Festspiele traditionellen und unverzichtbaren Open-Air-Konzerten in der Galgenbergschlucht mit großem Höhenfeuerwerk (Symphonic-Rock-Konzert „Bridges to Classics“ mit dem Special Guest Robert Hart der „Manfred Mann’s Earth Band“ und Abschlusskonzert) sowie dem „Messiah“ HWV 56 finden Konzerte statt, die unter anderem nach Absage der HändelFestspiele 2020 bzw. 2021 auf den Jubiläums-Jahrgang verschoben wurden. In Form von internationalen und nationalen Koproduktionen werden die szenischen Opern „Orlando“ HWV 31, „Ariodante“ HWV 33 und „Siroe, Re di Persia“ HWV 24 über die Bühne gehen. Dabei wird „Ariodante“ in einer zauberhaften Marionetteninszenierung mit der Mailänder Compagnie Carlo Colla & Figli und der Lautten Compagney Berlin zu erleben sein. Insgesamt stehen über 60 Veranstaltungen an 18 Orten auf dem Programm. www.haendelhaus.de Schloss Bernau: Vom 12. bis 15. Mai 2022 findet auf Schloss Bernau/ Fischlham in Oberösterreich das neue Festival für Barock und Literatur ‘Ars Concordia’, veranstaltet vom Ensemble Castor, statt. Das Festival beinhaltet Konzerte mit Ann Hallenberg, Il Pomo d’oro, Zefira Valova, Ludovico Minasi und dem Ensemble Castor, Lesungen mit Donna Leon und eine Meisterklasse mit der Sopranistin Ann Hallenberg. Info: ensemblecastor.com/arsconcordia Leipzig: Trotz erschwerter Bedingungen blickt das Bach-Archiv Leipzig auf ein erfolgreiches Pandemie-Jahr 2021 zurück. Die Sammlung des Hauses wurde um bedeutende Stücke erweitert und fortlaufend digitalisiert, zudem legten zwei Mitarbeiter des Hauses weitere Bände der laufenden Bach-Gesamtausgaben vor. Das BachMuseum Leipzig präsentierte mit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown ab Ende Mai eine viel beachtete Sonderausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Künstler Michael Triegel entstand. Eines der ersten Festivals weltweit, das 2021 für Präsenzpublikum vor Ort die Türen öffnen durfte, war das Bachfest Leipzig. Dank hybrider Konzeption feierten im Juni 2021 Bach-Liebhaber aus über 30 Ländern gemeinsam den fünftägigen Konzertzyklus »Bachs Messias«. TOCCATA - 118/2022 NACHRICHTEN 9 Händelfestspielorchester Halle, Foto: Gert Kiermeyer

10 TOCCATA - 118/2022 NACHRICHTEN Im Pandemie-Jahr 2021 standen sowohl die zahlreichen Forschungs- und Editionsprojekte zur Bach-Familie als auch die Erweiterung der Sammlung im Zentrum der Arbeit des Bach-Archivs Leipzig. So erschien mit Keyboard Concertos from Manuscript Sources X, herausgegeben vom Direktor des Hauses Peter Wollny, ein weiterer Band der Gesamtausgabe der Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, mit dem der umfangreiche Komplex der Instrumentalmusik dieses Komponisten abgeschlossen werden konnte. Die Gesamtausgabe ist ein Projekt des Packard Humanities Institute, Los Altos, California, und wird in Zusammenarbeit mit dem Bach-Archiv Leipzig, der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und der Harvard University realisiert. Der Bärenreiter-Verlag Kassel veröffentlichte 2021 den von Manuel Bärwald herausgegebenen Band JohannesPassion »O Mensch, bewein« BWV 245.2 der revidierten Neuen BachAusgabe. Die Sammlung des Bach-Archivs Leipzig wurde 2021 kontinuierlich um wichtige Quellen zur Bach-Familie erweitert. Im Jahr 2021 konnte das Bach-Archiv unter anderem auf einer Auktion des Londoner Auktionshauses Sotheby's die bislang als verschollen geltenden Originalquellen (autographe Partitur und Stimmen) einer frühen Triosonate Carl Philipp Emanuel Bachs erwerben. Der Komponist hatte das dreisätzige Stück für Violine, Flöte und Generalbass im Alter von 17 Jahren in Leipzig unter den Augen seines Vaters geschrieben und in späteren Jahren überarbeitet. Von den Jugendwerken des zweitältesten Bach-Sohnes sind nur sehr wenige Stücke überliefert, da er die meisten dieser Kompositionen später vernichtet hat. Die nun – mit großzügiger Unterstützung der Kuratoren Barbara Lambrecht-Schadeberg, Adelheid und Jon Baumhauer sowie Arend Oetker – erworbene autographe Notenhandschrift hat sich im Nachlass des Händel-Forschers Friedrich Chrysander (1826-1905) erhalten und war bis jetzt im Besitz seiner Nachkommen verblieben. Zudem erwarb das Haus zwei Freundschaftsbücher aus dem 18. Jahrhundert mit Eintragungen von Personen aus dem unmittelbaren Umfeld Johann Sebastian Bachs (darunter Kommilitonen und Dozenten der Thomasschule in Leipzig) sowie – mit der Unterstützung des amerikanischen Freundeskreises des Bach-Archivs – den bislang nicht ausgewerteten vollständigen Briefwechsel zwischen dem bedeutenden Bach-Biographen Philipp Spitta (1841–1894) und dem Komponisten und Handschriftensammler Ernst Rudorff (1840–1916). Im Dezember 2021 wurden wertvolle Handschriften der Sammlung Thomana in den Digitalen Sammlungen des Bach-Archivs Leipzig veröffentlicht: Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig: »Mit den Begriffen ›Sammeln‹, ›Bewahren‹ und ›Vermitteln‹ lässt sich der wissenschaftliche Auftrag des Bach-Archivs knapp, aber treffend umschreiben. Der – durch die Unterstützung unserer Freunde und Förderer möglich gewordene – Ankauf wertvoller Handschriften erweitert nicht nur das Profil unserer Sammlungen, sondern sichert auch dauerhaft einzigartiges Quellenmaterial. Dessen Veröffentlichung in unseren Digitalen Sammlungen befördert – speziell in der schwierigen Zeit der Pandemie – die Forschung. Mit unseren richtungsweisenden Neuausgaben werden zentrale Werke J. S. Bachs und seiner Familienmitglieder der musikalischen Praxis in mustergültiger Form zugänglich gemacht. Mit all diesen Aktivitäten bemühen wir uns, die Strahlkraft der Wissenschafts- und Musikstadt Leipzig weiter zu stärken.« Das Bach-Museum blieb Anfang 2021 pandemiebedingt geschlossen. Die Wiedereröffnung am 21. Mai erfolgte unter Berücksichtigung geltender Zugangsbeschränkungen und Hygieneregeln. Aufgrund der geringen Ausstellungsfläche musste die Anzahl der Besucher, die sich gleichzeitig im Museum aufhalten durften, stark eingeschränkt werden. Mit der Wiedereröffnung zeigte das Haus eine neue Sonderausstellung. Die erfolgreiche Schau »Bach & Triegel. Im Dialog« präsentierte 33 Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken und Probescheiben des Leipziger Künstlers Michael Triegel in Verbindung mit klingenden Musikstücken Johann Sebastian Bachs. Originale Notenhandschriften, Bibeln, Textdrucke und andere Werke aus Bachs Bibliothek gewährten darüber hinaus Einblicke in die barocken Kompositionen und ihre Quellen. Leipzigs größtes Musikfest wurde 2021 als Hybridfestival veranstaltet. Im Zentrum stand der fünftägige Konzertzyklus »Bachs Messias«: Unter Beteiligung namhafter internationaler Bach-Ensembles wurden insgesamt zwölf Konzerte aus den beiden Leipziger Bach-Kirchen, dem Gewandhaus sowie aus der japanischen Stadt Kobe auf www.bachfromhome.live sowie zum Teil auf dem Facebook-Kanal des Bachfestes gestreamt. Dank der Unterstützung zahlreicher Förderer, Sponsoren und Kultur- und Medienpartner – darunter die Sparkasse Leipzig, die Leipziger Gruppe, die ACL GmbH sowie »So geht sächsisch.«, der Mitteldeutsche Rundfunk, Sachsen Fernsehen und das Universitätsklinikum Leipzig – konnten somit all jene Konzerte mit Publikum vor Ort und zudem im digitalen Raum stattfinden, die maßgeblich für das BachfestMotto »Erlösung« standen. Mit dem Abschlusskonzert und dem digitalen Kantaten-Zyklus »Bachs Messias« erreichte das Bachfest Leipzig Musikliebhaber weltweit: Aus über 30 Ländern kauften 5.000 Konzertbesucher Tickets für die digital übertragenen Konzerte, darunter Bach-Liebhaber aus Afghanistan, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Indonesien, Japan und Südafrika. Hinzu kamen Reichweiten von über 100.000 auf dem Facebook-Kanal des Bach-Archivs und Bachfestes Leipzig, auf dem sechs Konzerte des Festivals ebenfalls übertragen wurden, und den Facebook-Kanälen der Cross-StreamingPartner MDR Kultur und MDR Klassik, Thomanerchor Leipzig, »So geht sächsisch.«, der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH sowie der Deutschen Welle. Erstmals wurde die Bach-Medaille der Stadt Leipzig an zwei Wissenschaftler vergeben: Die beiden renommierten Bach-Forscher Prof. Dr. Hans-Joachim Schulze und Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Christoph Wolff wurden im Rahmen des Bachfestes Leipzig durch den Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung und den Direktor des Bach-Archivs Leipzig, Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, ausgezeichnet. Die Bach-Medaille wird seit 2003 jährlich durch die Stadt Leipzig vergeben, bisher wurden ausschließlich Musikerinnen, Musiker und Ensembles geehrt. Ein weiterer Hektar des zukünftigen »Johann-Sebastian-Bach-Waldes« in Störmthal bei Leipzig ist finanziert: Knapp 17.500 Euro wurden 2021 für die Aufforstung des Bach-Waldes über die Crowdfunding-Plattform 99 Funken der Sparkasse Leipzig gesammelt. Das Projekt »Ein Wald für Bach« wurde 2019 von Professor Michael Maul, dem Intendanten des Bachfestes Leipzig initiiert, der so die CO2Bilanz des internationalen Festivals verbessern möchte. Erfolgreich startete am 15. November 2021 der Vorverkauf für das Bachfest Leipzig 2022. Unter dem Motto »BACH – We Are FAMILY« laden Bachfest-Intendant Michael Maul und die Neue Bachgesellschaft vom 9. bis zum 19. Juni zum ersten Teil eines musikalischen Treffens der globalen BachFamilie am Hauptwirkungsort des Komponisten. In über 140 Veranstaltungen spiegeln führende internationale Interpretinnen, Interpreten und Ensembles den aktuellen Stand der historisch-informierten Aufführungspraxis. Bis Ende Dezember 2021 wurden trotz pandemischer Lage Tickets an Kundinnen und Kunden aus knapp 30 Nationen verkauft, darunter BachLiebhaber aus Israel, Japan, Südkorea, Uruguay und den Vereinigten Staaten von Amerika. www.bach-leipzig.de Magdeburg: 2020 mussten die 25. Magdeburger Telemann-Festtage einen Tag vor Beginn pandemiebedingt abgesagt werden. Die Jubiläumsausgabe fällt 2022 in das 60. Gründungsjahr des Festivals. Grund genug, das Musikfest in diesem Jahr umso ausgiebiger zu feiern. Das für 2020 geplante Programm wird dabei nicht eins zu eins übernommen, sondern um attraktive Angebote rund um den großen Magdeburger Komponisten ergänzt. Der Kartenvorverkauf begann am 3. Dezember. Die 25. Magdeburger Telemann-Festtage vom 18. bis zum 27. März 2022 in Telemanns Geburtsstadt stehen unter dem Motto „Klangfarben“. Die Jubiläumsfesttage rücken damit das große und vielfarbige Spektrum an Besetzungsvarianten und Klangwelten in Telemanns Werk in den Blickpunkt. Das Motto zieht sich auch wie ein roter Faden durch die Programmgestaltung: Farbigkeit und Vielfalt kennzeichnen die Veranstaltungen vom Solokonzert über kammermusikalische Darbietungen bis hin zu szenischen Produktionen und groß besetzten Oratorien sowie die Auswahl der Künstlerinnen undKünstler und Ensembles. Zu den Magdeburger Telemann-Festtagen 2022 werden ca. 300 Künstler*innen aus mehr als 25 Ländern erwartet, darunter so exzellente Interpretinnen und Interpreten wie Benjamin Appl, Klaus Mertens und Peter Kooij (Bariton), Dorothee Oberlinger (Blockflöte) und Barthold Kuijken (Traversflöte), Dmitry Sinkovsky (Violine, Countertenor), Hille Perl (Viola da gamba), Dirigenten wie Reinhard Goebel und Hermann Max sowie renommierte Klangkörper wie die Akademie für Alte Musik Berlin, die Kölner Akademie, die Rheinische Kantorei und – erstmals in Magdeburg – die Ensembles „Amarillis“ (Frankreich) „Les Passions del’Âme“ (Schweiz) und „Tempesta di Mare“ (USA). Neu im Programm sind Aufführungen des musikalischen Hirtenspiels „Pastorelle en Musique“ unter der musikalischen Leitung der TelemannPreisträgerin des Jahres 2020, Dorothee Oberlinger – eine Produktion der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci. Insgesamt werden 31 Konzerte und szenische Darbietungen für das Hauptprogramm und etliche Veranstaltungen für das Rahmenprogramm vorbereitet. Die eigene szenische Produktion der 25. Magdeburger Telemann-Festtage widmet sich Telemanns heiteren Intermezzi „Pimpinone“ (Regie: Sandra Leupold, Musikal. Leitung: Georg Kallweit). „Pimpinone“ war das erste Bühnenwerk Telemanns, das in Magdeburg 1929 im Zuge seiner Wiederentdeckung auf die Bühne kam. Heute gehört es zu den bekanntesten szenischen Werken des Komponisten. Das

RkJQdWJsaXNoZXIy OTM2NTI=