Toccata 02/2022

10 TOCCATA - 118/2022 NACHRICHTEN Im Pandemie-Jahr 2021 standen sowohl die zahlreichen Forschungs- und Editionsprojekte zur Bach-Familie als auch die Erweiterung der Sammlung im Zentrum der Arbeit des Bach-Archivs Leipzig. So erschien mit Keyboard Concertos from Manuscript Sources X, herausgegeben vom Direktor des Hauses Peter Wollny, ein weiterer Band der Gesamtausgabe der Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, mit dem der umfangreiche Komplex der Instrumentalmusik dieses Komponisten abgeschlossen werden konnte. Die Gesamtausgabe ist ein Projekt des Packard Humanities Institute, Los Altos, California, und wird in Zusammenarbeit mit dem Bach-Archiv Leipzig, der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und der Harvard University realisiert. Der Bärenreiter-Verlag Kassel veröffentlichte 2021 den von Manuel Bärwald herausgegebenen Band JohannesPassion »O Mensch, bewein« BWV 245.2 der revidierten Neuen BachAusgabe. Die Sammlung des Bach-Archivs Leipzig wurde 2021 kontinuierlich um wichtige Quellen zur Bach-Familie erweitert. Im Jahr 2021 konnte das Bach-Archiv unter anderem auf einer Auktion des Londoner Auktionshauses Sotheby's die bislang als verschollen geltenden Originalquellen (autographe Partitur und Stimmen) einer frühen Triosonate Carl Philipp Emanuel Bachs erwerben. Der Komponist hatte das dreisätzige Stück für Violine, Flöte und Generalbass im Alter von 17 Jahren in Leipzig unter den Augen seines Vaters geschrieben und in späteren Jahren überarbeitet. Von den Jugendwerken des zweitältesten Bach-Sohnes sind nur sehr wenige Stücke überliefert, da er die meisten dieser Kompositionen später vernichtet hat. Die nun – mit großzügiger Unterstützung der Kuratoren Barbara Lambrecht-Schadeberg, Adelheid und Jon Baumhauer sowie Arend Oetker – erworbene autographe Notenhandschrift hat sich im Nachlass des Händel-Forschers Friedrich Chrysander (1826-1905) erhalten und war bis jetzt im Besitz seiner Nachkommen verblieben. Zudem erwarb das Haus zwei Freundschaftsbücher aus dem 18. Jahrhundert mit Eintragungen von Personen aus dem unmittelbaren Umfeld Johann Sebastian Bachs (darunter Kommilitonen und Dozenten der Thomasschule in Leipzig) sowie – mit der Unterstützung des amerikanischen Freundeskreises des Bach-Archivs – den bislang nicht ausgewerteten vollständigen Briefwechsel zwischen dem bedeutenden Bach-Biographen Philipp Spitta (1841–1894) und dem Komponisten und Handschriftensammler Ernst Rudorff (1840–1916). Im Dezember 2021 wurden wertvolle Handschriften der Sammlung Thomana in den Digitalen Sammlungen des Bach-Archivs Leipzig veröffentlicht: Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig: »Mit den Begriffen ›Sammeln‹, ›Bewahren‹ und ›Vermitteln‹ lässt sich der wissenschaftliche Auftrag des Bach-Archivs knapp, aber treffend umschreiben. Der – durch die Unterstützung unserer Freunde und Förderer möglich gewordene – Ankauf wertvoller Handschriften erweitert nicht nur das Profil unserer Sammlungen, sondern sichert auch dauerhaft einzigartiges Quellenmaterial. Dessen Veröffentlichung in unseren Digitalen Sammlungen befördert – speziell in der schwierigen Zeit der Pandemie – die Forschung. Mit unseren richtungsweisenden Neuausgaben werden zentrale Werke J. S. Bachs und seiner Familienmitglieder der musikalischen Praxis in mustergültiger Form zugänglich gemacht. Mit all diesen Aktivitäten bemühen wir uns, die Strahlkraft der Wissenschafts- und Musikstadt Leipzig weiter zu stärken.« Das Bach-Museum blieb Anfang 2021 pandemiebedingt geschlossen. Die Wiedereröffnung am 21. Mai erfolgte unter Berücksichtigung geltender Zugangsbeschränkungen und Hygieneregeln. Aufgrund der geringen Ausstellungsfläche musste die Anzahl der Besucher, die sich gleichzeitig im Museum aufhalten durften, stark eingeschränkt werden. Mit der Wiedereröffnung zeigte das Haus eine neue Sonderausstellung. Die erfolgreiche Schau »Bach & Triegel. Im Dialog« präsentierte 33 Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken und Probescheiben des Leipziger Künstlers Michael Triegel in Verbindung mit klingenden Musikstücken Johann Sebastian Bachs. Originale Notenhandschriften, Bibeln, Textdrucke und andere Werke aus Bachs Bibliothek gewährten darüber hinaus Einblicke in die barocken Kompositionen und ihre Quellen. Leipzigs größtes Musikfest wurde 2021 als Hybridfestival veranstaltet. Im Zentrum stand der fünftägige Konzertzyklus »Bachs Messias«: Unter Beteiligung namhafter internationaler Bach-Ensembles wurden insgesamt zwölf Konzerte aus den beiden Leipziger Bach-Kirchen, dem Gewandhaus sowie aus der japanischen Stadt Kobe auf www.bachfromhome.live sowie zum Teil auf dem Facebook-Kanal des Bachfestes gestreamt. Dank der Unterstützung zahlreicher Förderer, Sponsoren und Kultur- und Medienpartner – darunter die Sparkasse Leipzig, die Leipziger Gruppe, die ACL GmbH sowie »So geht sächsisch.«, der Mitteldeutsche Rundfunk, Sachsen Fernsehen und das Universitätsklinikum Leipzig – konnten somit all jene Konzerte mit Publikum vor Ort und zudem im digitalen Raum stattfinden, die maßgeblich für das BachfestMotto »Erlösung« standen. Mit dem Abschlusskonzert und dem digitalen Kantaten-Zyklus »Bachs Messias« erreichte das Bachfest Leipzig Musikliebhaber weltweit: Aus über 30 Ländern kauften 5.000 Konzertbesucher Tickets für die digital übertragenen Konzerte, darunter Bach-Liebhaber aus Afghanistan, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Indonesien, Japan und Südafrika. Hinzu kamen Reichweiten von über 100.000 auf dem Facebook-Kanal des Bach-Archivs und Bachfestes Leipzig, auf dem sechs Konzerte des Festivals ebenfalls übertragen wurden, und den Facebook-Kanälen der Cross-StreamingPartner MDR Kultur und MDR Klassik, Thomanerchor Leipzig, »So geht sächsisch.«, der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH sowie der Deutschen Welle. Erstmals wurde die Bach-Medaille der Stadt Leipzig an zwei Wissenschaftler vergeben: Die beiden renommierten Bach-Forscher Prof. Dr. Hans-Joachim Schulze und Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Christoph Wolff wurden im Rahmen des Bachfestes Leipzig durch den Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung und den Direktor des Bach-Archivs Leipzig, Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, ausgezeichnet. Die Bach-Medaille wird seit 2003 jährlich durch die Stadt Leipzig vergeben, bisher wurden ausschließlich Musikerinnen, Musiker und Ensembles geehrt. Ein weiterer Hektar des zukünftigen »Johann-Sebastian-Bach-Waldes« in Störmthal bei Leipzig ist finanziert: Knapp 17.500 Euro wurden 2021 für die Aufforstung des Bach-Waldes über die Crowdfunding-Plattform 99 Funken der Sparkasse Leipzig gesammelt. Das Projekt »Ein Wald für Bach« wurde 2019 von Professor Michael Maul, dem Intendanten des Bachfestes Leipzig initiiert, der so die CO2Bilanz des internationalen Festivals verbessern möchte. Erfolgreich startete am 15. November 2021 der Vorverkauf für das Bachfest Leipzig 2022. Unter dem Motto »BACH – We Are FAMILY« laden Bachfest-Intendant Michael Maul und die Neue Bachgesellschaft vom 9. bis zum 19. Juni zum ersten Teil eines musikalischen Treffens der globalen BachFamilie am Hauptwirkungsort des Komponisten. In über 140 Veranstaltungen spiegeln führende internationale Interpretinnen, Interpreten und Ensembles den aktuellen Stand der historisch-informierten Aufführungspraxis. Bis Ende Dezember 2021 wurden trotz pandemischer Lage Tickets an Kundinnen und Kunden aus knapp 30 Nationen verkauft, darunter BachLiebhaber aus Israel, Japan, Südkorea, Uruguay und den Vereinigten Staaten von Amerika. www.bach-leipzig.de Magdeburg: 2020 mussten die 25. Magdeburger Telemann-Festtage einen Tag vor Beginn pandemiebedingt abgesagt werden. Die Jubiläumsausgabe fällt 2022 in das 60. Gründungsjahr des Festivals. Grund genug, das Musikfest in diesem Jahr umso ausgiebiger zu feiern. Das für 2020 geplante Programm wird dabei nicht eins zu eins übernommen, sondern um attraktive Angebote rund um den großen Magdeburger Komponisten ergänzt. Der Kartenvorverkauf begann am 3. Dezember. Die 25. Magdeburger Telemann-Festtage vom 18. bis zum 27. März 2022 in Telemanns Geburtsstadt stehen unter dem Motto „Klangfarben“. Die Jubiläumsfesttage rücken damit das große und vielfarbige Spektrum an Besetzungsvarianten und Klangwelten in Telemanns Werk in den Blickpunkt. Das Motto zieht sich auch wie ein roter Faden durch die Programmgestaltung: Farbigkeit und Vielfalt kennzeichnen die Veranstaltungen vom Solokonzert über kammermusikalische Darbietungen bis hin zu szenischen Produktionen und groß besetzten Oratorien sowie die Auswahl der Künstlerinnen undKünstler und Ensembles. Zu den Magdeburger Telemann-Festtagen 2022 werden ca. 300 Künstler*innen aus mehr als 25 Ländern erwartet, darunter so exzellente Interpretinnen und Interpreten wie Benjamin Appl, Klaus Mertens und Peter Kooij (Bariton), Dorothee Oberlinger (Blockflöte) und Barthold Kuijken (Traversflöte), Dmitry Sinkovsky (Violine, Countertenor), Hille Perl (Viola da gamba), Dirigenten wie Reinhard Goebel und Hermann Max sowie renommierte Klangkörper wie die Akademie für Alte Musik Berlin, die Kölner Akademie, die Rheinische Kantorei und – erstmals in Magdeburg – die Ensembles „Amarillis“ (Frankreich) „Les Passions del’Âme“ (Schweiz) und „Tempesta di Mare“ (USA). Neu im Programm sind Aufführungen des musikalischen Hirtenspiels „Pastorelle en Musique“ unter der musikalischen Leitung der TelemannPreisträgerin des Jahres 2020, Dorothee Oberlinger – eine Produktion der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci. Insgesamt werden 31 Konzerte und szenische Darbietungen für das Hauptprogramm und etliche Veranstaltungen für das Rahmenprogramm vorbereitet. Die eigene szenische Produktion der 25. Magdeburger Telemann-Festtage widmet sich Telemanns heiteren Intermezzi „Pimpinone“ (Regie: Sandra Leupold, Musikal. Leitung: Georg Kallweit). „Pimpinone“ war das erste Bühnenwerk Telemanns, das in Magdeburg 1929 im Zuge seiner Wiederentdeckung auf die Bühne kam. Heute gehört es zu den bekanntesten szenischen Werken des Komponisten. Das

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