Toccata 02/2022

Stradella: Alessandro Stradella (16431682) war eine schillernde Persönlichkeit und dazu ein einfluss- und erfolgreicher Komponist des italienischen Barock. Der Dirigent Andrea De Carlo ist voller Begeisterung für Stradellas Musik: Zusammen mit seinem „Ensemble Mare Nostrum“ und einer erlesenen SängerGruppe der italienischen Alte MusikSzene veröffentlicht er jetzt die Weltersteinspielung von Stradellas Oper „Amare e fingere“. Die hoch komplizierte Liebesverwirrung ist das siebte Album in De Carlos „Stradella Project“, das bereits vielfach international ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem französischen Diapason und dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Die Oper „Amare e fingere“ wurde 1767 in Siena aufgeführt, geriet dann aber in Vergessenheit und ist heute eine echte Entdeckung im Werk Stradellas. Lange lag sie als anonyme Quelle in der vatikanischen Bibliothek als Teil des Erbes der römischen Adelsfamilie Chigi, die ursprünglich aus Siena stammte. Erst der Vergleich mit der kürzlich erschlossenen Sammlung des pontifikalen Kantors Giovanni Battista Vulpio (1631-1705) ermöglichte die Einordnung als Werk Stradellas. Und auch die Musik belegt dies; ebenso tänzerisch-transparent wie expressiv-hingebungsvoll weist sie typische Wendungen auf, die nur Stradella so komponierte. Stradellas Werk umfasst mehrere Hundert geistlicher und weltlicher Kantaten, sechs Oratorien und acht Opern, die zu seiner Zeit höchst populär waren. Sein Leben bot selbst Stoff für Opern von Romantikern wie César Franck und Friedrich von Flotow bis hin zu Salvatore Sciarrino, mit einer dramatischen Liebesgeschichte, in deren Verlauf Stradella nur knapp einem Mordanschlag entging. Neben seinem dramatischen Leben und Werk war Stradella vor allem ein Komponist von Rang, der auf dem Gebiet der Instrumentalmusik mit dem concerto grosso und dem concertino wesentliche Gattungen des Barock prägte. Andrea De Carlo hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Musik Stradellas ihrer Bedeutung gemäß bekannt zu machen. Der Dirigent begann seine Laufbahn als Jazz-Bassist sowie mit einem Physik-Studium, das er mit Auszeichnung abschloss. Erst später wandte er sich der Viola da Gamba und dem Dirigieren zu und musizierte mit den namhaftesten Ensembles der Alte MusikSzene. Als künstlerischer Leiter des Festival Barocco Alessandro Stradella im mittelitalienischen Viterbo widmet er sich seit 2013 einer Serie von Einspielungen der Musik Stradellas. In der Reihe „The Stradella Project“ erschienen inzwischen sechs Alben mit dem „Ensemble Mare Nostrum“, das De Carlo 2005 gegründet hatte, sowie eines mit dem Ensemble „Il Pomo d‘Oro“. Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.festivalstradella.org/strad ella-project/ Weimar: Beim Internationalen Cembalowettbewerb „Prix Annelie de Man“ in Amsterdam (Niederlande) wurde die Weimarer Studentin Sangmi Choi mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Nach einer Vorauswahl per Video waren insgesamt elf Teilnehmende aus der ganzen Welt vom 1. bis 5. Dezember in den Orgelpark in Amsterdam eingeladen worden. Die südkoreanische Cembalistin studiert im Aufbaustudium zum Konzertexamen in der Klasse von Prof. Bernhard Klapprott an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Den 1. Preis in Amsterdam gewann die Cembalistin Piibe Talen. „Es ist einzigartig, dass jemand aus dem Institut für Alte Musik einen internationalen Preis für zeitgenössische Musik gewinnt“, sagt der Professor für Historische Tasteninstrumente und Direktor des Instituts für Alte Musik an der Weimarer Musikhochschule, Prof. Bernhard Klapprott. Dabei verweist er auf das ungewöhnliche Profil dieses prominenten Cembalowettbewerbs, bei dem ausschließlich nach 1960 komponierte Werke zugelassen sind. „Sangmi Choi hat als Cembalistin außer in Alter Musik einen großen Schwerpunkt im Bereich der zeitgenössischen Cembalomusik“, so Klapprott. Geboren in der Millionenstadt Daejeon im Herzen Südkoreas, griff Sangmi Choi als Vierjährige erstmals in die Tasten. 2007 siedelte sie nach Deutschland über und ließ sich seither nach allen Regeln der Kunst ausbilden – zunächst als Klavierstudentin an der Hochschule für Musik Karlsruhe, dann im Fach Neue Musik an der FolkwangUniversität der Künste in Essen, schließlich sowohl in der außergewöhnlichen Master-Kombination „Zeitgenössische Musik Klavier und Cembalo“ als auch im Master Cembalo wiederum in Karlsruhe. Seit 2019 schließt die 35-Jährige noch ein Konzertexamen im Fach Cembalo bei Prof. Bernhard Klapprott an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar an. An ihrem Professor schätzt sie „die Offenheit, den Verstand und die Bescheidenheit seiner Persönlichkeit, seine Kenntnisse und seine Musikalität“, so Sangmi Choi, die bereits auf verschiedene Preise bei Musikwettbewerben in Südkorea und Deutschland zurückblickt. Meisterkurse führten sie zu Bernd Glemser, Matthias Kirschnereit und Andreas Staier. Neben ihrer Alte-Musik-Leidenschaft ist die Südkoreanerin eine große Freundin zeitgenössischer (Cembalo-) Musik und arbeitete bereits mit dem ensemble recherche in der Ensemble-Akademie Freiburg sowie auch mit dem Pianisten Benjamin Kobler im Rahmen der Stockhausen-Kurse in Kürten. Zachary Wilson: Der Bariton Zachary Wilson steht ab 4. Dezember 2021 als Eisenstein in der Neuproduktion Die Fledermaus auf der Bühne des Theaters für Niedersachsen in Hildesheim. Es ist Zachary’s Rollendebüt als Eisenstein, und Zachary wird den Eisenstein bis März 2022 in Hildesheim singen. Ebendort singt Zachary auch Partien wie Creonte / Medea von Giovanni Pacini, und Georg Germont / La Traviata. Die nächste Premiere in Zachary’s Kalender ist dann am 30. April 2022 als Mercutio in Romeo et Juliette am Pfalztheater Kaiserslautern. Zachary’s Repertoire reicht von Barock bis zur Moderne. So sang Zachary 2019 u.a. die Barockpartien Ariodante / Xerxes (Theater Magdeburg), Tireno / Il Pastor Fido (Händelfestspiele Halle), und Zoroastro / Orlando (Theater Darmstadt), die Titelpartie in Dionysos Rising (Wien Modern, Teatro Trento), die Partien des Jäger und Prinz / Schneewittchen an der Staatsoper Unter den Linden, die Partie des Engel in der Produktion Christophe Colomb am Theater Lübeck, den Corrado in I Briganti und eine szenische Produktion von Die Winterreise am Theater Hildesheim u.v.m. Lüthi: Meret Lüthi hat im Januar Bibers Rosenkranzsonaten auf CD aufgenommen. Innsbruck: «Begegnungen» machen die 46. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zu ihrem Motto und zu vielen bewegenden musikalischen Begegnungen wird es vom 12. Juli bis 28. August 2022 in den geschichtsträchtigen Sälen, den prachtvollen Kirchen und den schönsten Plätzen Innsbrucks kommen. «Wir können uns auf spannende Begegnungen mit renommierten Künstlerpersönlichkeiten aus dem In- und Ausland sowie Begegnungen mit den vielen Facetten der Alten Musik, darunter bekannte Werke der Renaissance- und Barockmusik ebenso wie kostbare Raritäten und Wiederentdeckungen freuen.» sagt die Kulturlandesrätin Dr. in Beate Palfrader. Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi betont: «Musik ist eine universelle Form der Sprache und sie trägt wesentlich zu Begegnungen bei – über Sprachbarrieren hinweg. Die Innsbrucker Festwochen mit ihrem Programm schaffen es wieder Begegnungen zu ermöglichen mit Musik, die lange vor uns komponiert wurde. Da werden Schätze Alter Musik gehoben und zugänglich gemacht.» Festwochen-Intendant Alessandro De Marchi verkündet voller Vorfreude: «Freuen Sie sich auf ein buntes und facettenreiches Programm. Wir werden u. a. ‹Silla› von Carl Heinrich Graun im Tiroler Landestheater mit einer Starbesetzung aufführen und zwar mit StarCountertenören wie Bejun Mehta, Valer Sabadus, Hagen Matzeit, Samuel Mariño sowie den Sopranistinnen Eleonora Bellocci und Roberta Invernizzi und dem Tenor Mert Süngü.» Über die Bühnenbretter gehen des Weiteren auch die Opern «Astarto» von Giovanni Bononcini sowie als Barockoper:Jung «L’amazzone corsara» von Carlo Pallavicino. «Mit großer Hoffnung und mit Freude blicken wir in das neue Jahr, wo die 46. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2022 vom 12. Juli bis zum 28. August wiederum mit 53 Veranstaltungen an 33 Tagen an mehr als 11 Spielstätten stattfinden können.» so Geschäftsführer Dr. Markus Lutz. Und Betriebsdirektorin Mag. Eva-Maria Sens fasst die Intention der kommenden Festwochen zusammen: «‹Alles, was uns begegnet, hinterlässt Spuren›, so Goethe. Mit den Festwochen 2022 unter dem Leitmotiv ‹Begegnungen› wollen wir Spuren hinterlassen. Denn Musik ist Begegnung. Zwischen der Kunst und ihren Interpret*innen, zwischen den Künstler*innen und dem Publikum.» Tickets für die 46. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik sind seit dem 15. Dezember 2021 an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Leipzig: Das Bach-Archiv Leipzig hat wertvolle Handschriften aus dem Archiv des Thomanerchors Leipzig digitalisiert. Im Dezember 2021 wurden diese einzigartigen Objekte der Sammlung Thomana in den Digitalen Sammlungen des Bach-Archivs Leipzig veröffentlicht. Das Projekt wurde finanNACHRICHTEN 4 TOCCATA - 118/2022 Sangmi Choi Foto: Studioline Photography Zachary Wilson Andrea De Carlo, Foto di Aura G

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