Toccata 02/2022

ten Solistenensemble gesungen wird. Paola Valentina Molinari (Sopran) als Eleno, Anthea Pichanick (Alt) als Enea, Gaia Petrone (Mezzosopran) als Andromaca, Giulia Bolcato (Sopran) als Ilia und Luca Cervoni (Tenor) ließen quasi keine Wünsche offen. Das eigens für die Wiederaufführung von „Enea in Caonia“ 2018 in Rom gegründete Enea Barock Orchestra spielte unter der Leitung von Stefano Montanari mit Verve und Akkuratesse. Mit einem Nachtkonzert der Accademia del Piacere in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 endete der dritte Festivaltag. In seinem Programm „Bauerntanz im Spiegelsaal“ folgte das in Spanien beheimatete Ensemble den Wegen, die spanische und lateinamerikanische Volkstänze von den Dorfplätzen und aus den Spelunken an den Hof zu Versailles genommen haben. Fahmi Alqhai, Johanna Rose (Viola da Gamba), Carles Blanch (Gitarre), Javier Núñez (Cem-balo) und Agustín Diassera (Percussion) erweckten Fandango, Guaracha, Sarabanda, Folías, Canarios etc., wie sie u.a. in Gitarrenbüchern von Gaspar Sanz und Santiago de Murcia über-liefert sind, in hoch virtuosen Arrangements und Improvisationen zum Leben. Im zweiten Teil zeigten sie die Verwandlungen dieser folkloristischen Vorlagen in den eleganten französischen Barockstil eines Marin Marais, JeanBaptiste-Antoine Forqueray und Jean-Philippe Rameau. Am Sonntagmorgen stand der Naturfreund Ludwig van Beethoven im Zentrum der Matinee mit dem G.A.P. Ensemble. Zum Auftakt spielten Luca Quintavalle (Hammerflügel) und Oriol Aymat Fusté (Violoncello) seine Variationen über das Thema „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts Zauberflöte. Joseph Haydn (Beethovens Lehrer, aber keineswegs Vorbild. Nachzulesen im wie gewohnt ausführlichen und informativen Programmbuch der Tage Alter Musik) war mit seinem Divertimento GDur für Traversflöte (Martin Sandhoff), Violine (Emilio Percan) und Violoncello vertreten, ehe der erste Teil des Konzerts mit Beethovens „Frühlingssonate“ op. 24 für Pianoforte und Violine zu Ende ging. Nach der Pause stand die sechste Sinfonie „Pastorale“ in einem zeitgenössischen Arrangement auf dem Programm. Johann Nepomuk Hummel bearbeitete das große Orchesterwerk für Klavier, alternativ ergänzt mit Traversflöte, Violine und Violoncello. Entstanden ist eine unerhört transparente Kammermusik, die gleich dem Original durchaus zum „Ausdruck der Empfindung“ (Beethoven) fähig ist, insbesondere wenn sie so exquisit wie vom G.A.P. Ensemble dargeboten wird. Dennoch hatte es der klangsensible Hammerflügel, obgleich melodieführend, immer wieder schwer, sich gegen Violine und Traversflöte durchzusetzen. Hummels Bearbeitung war wohl doch mehr für die ambitionierte, gehobene Hausmusik gedacht denn für die Konzertbühne. Noch einmal ging es am Nachmittag in die Kreuzkirche, wo La Pifarescha den rauen „Klang Arkadiens“ einer mittelalterlichen, frühneuzeitlichen Alta Capella, einem Ensemble mit Schalmei, Flöten, Posaunen, Businen u.v.m. zu Gehör brachte. Eine dem traditionellen italienischen Improvisationstheater nachempfundene Szenenfolge bildete den roten Faden durch das Programm. Der Schauspieler und Musiker Alfio Antico stellte mit ausdrucksvollem Gesten- und virtuosem Tambourinspiel assoziative Bezüge zum antiken Dionysos-Kult her. Zum Finale am Sonntagabend bot der Westdeutsche Rundfunk im Kulturzentrum Herne eines seiner eigenen Spitzenensembles auf. Zusammen mit dem Barockorchester L’Arte del Mondo gab der WDR Rundfunkchor eine konzertante Aufführung von Henry Purcells Semi-Opera „The Fairy-Queen“. Die Gesamtleitung hatte Stefan Parkman. Mit Ausnahme des Countertenors David Feldman stellte der Rundfunkchor alle Solistinnen und Solisten: Benita Borbonus, Simone Krampe, Insun Min-Neuburger, Nadezda Sentatskaya (Sopran), Joachim Steckfuß, You Zuo, Thomas Jakobs (Tenor), Richard Logiewa, Alexander Schmidt (Bariton) und Manf-red Bittner (Bass) konnten stimmlich überzeugen und zeigten sich auf unterschiedliche Weise durchaus vertraut mit barocker Gesangsstilistik. Der WDR Rundfunkchor (Einstudierung: Christian Rohrbach) und L’Arte del Mondo begeisterten auf beachtlichem Niveau. Mit einer Zugabe und Standing Ovations gingen die Tage Alter Musik 2021 zu Ende. Ausdrücklich erwähnenswert ist letztendlich die vorbildliche Organisation des Festivals durch den WDR und die Stadt Herne, die mit vielen helfenden Händen für lückenlose und nahezu reibungslose Eingangskontrollen (3G-Regel) vor den Konzerten sorgten. Leider hat uns das Corona-Virus noch immer fest im Griff. Die Tage Alter Musik waren jedoch im „dunklen“ November ein wunderbarer Lichtblick. Es steht zu hoffen, dass wir mit Vernunft und Bedachtsamkeit bald wieder regelmäßig solch schöne Ereignisse genießen dürfen. Ingo Negwer 48 TOCCATA - 118/2022 FESTIVALBERICHTE Fahmi Alqhai , Foto: Thomas Kost Deborah Cachet, Foto: Thomas Kost

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