Toccata 02/2022

Kategorien wie technisches Können, Stilverständnis, Phrasierung oder Ausdruck – alles auf höchstem Niveau. Aber vor allem war es ihre virtuose Kreativität, die die Jury begeisterte. Ihre übersprühende Experimentierfreude entwickelt einen verführerischen Sog und verführt selbst die Musik zum Träumen. Sollte man gezwungen sein, sich auf nur einen einzigen Punkt beschränken zu müssen, so ist es ihre Fähigkeit, jeden einzelnen Takt für den Zuhörer spannend, aufregend und unerwartet zu gestalten.“ Das Alterna Trio (Anna Dmitrieva, Violine, Amarilis Dueñas Castán, Violoncello und Takahiko Sakamaki, Fortepiano) erreichte den Zweiten Preis, ebenfalls dotiert mit 15.000 Euro. Die Jury überzeugte „vor allem die große Musikalität in all ihren Auftritten. Sie zeigten großartige Ausdrucksstärke in einer Vielfalt ganz unterschiedlicher Stücke. Sie steigerten sich von Runde zu Runde und überraschten mit immer anderen, aber immer fantastischen Höhepunkten. Ihre Interpretation des zweiten Satzes in Beethovens ‚Geistertrio‘ gehört sicher zu der wunderbarsten Musik, die beim gesamten Wettbewerb erklungen ist.“ Ein dritter Preis wurde nicht vergeben, allerdings haben die Jury und die Musikwerkstatt Siegburg beschlossen, einen Außerordentlichen Zusatzpreis an den Cellisten Giulio Padoin vom Duo Ricerche Parallele für seine Leistung in der Finalrunde zu vergeben. Daneben gab es noch eine Reihe von Sonderpreisen: Das Trio Alterna erhielt außerdem den Preis für die beste Interpretation eines Werkes von Ludwig van Beethoven, das Trio Egmont den Preis für die beste Interpretation eines Werkes von Ferdinand Ries und das Duo Rei (Kaori Kobayashi, Violine und Katja Poljakova, Fortepiano) den Preis für die beste Interpretation eines Werkes von Joseph Woelfl. Die Cellistin Amarilis Dueñas Castán vom Alterna Trio erreichte den Sonderpreis für die beste musikalische Einzelleistung des Wettbewerbs. Der international zusammengestellten Jury gehörten David Breitman (USA), Jacqueline Ross (Großbritannien), Marco Testori (Italien), Olga Pashchenko (Russland), Viola de Hoog (Niederlande), Petra Müllejans und Richard Lorber (beide Deutschland) an. Der erstmals durchgeführte Kammermusikwettbewerb „Beethoven in seiner Zeit” war ein Projekt der Musikwerkstatt Siegburg im Rahmen des Beethovenjahres zum 250. Geburtstag des Komponisten. Hauptförderer waren die BTHVN-Jubiläumsgesellschaft Bonn und die VR-Bank RheinSieg. E-Mail: beethoven@siegburg.de Web: beethoven.siegburg.de Lübeck: Der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Volker Scherliess ist am 5. Januar im Alter von 76 Jahren in Lübeck gestorben. 1991 als Professor berufen, prägte er über zwei Jahrzehnte die musikwissenschaftliche Forschung und Lehre an der Musikhochschule Lübeck (MHL) und das Musikleben der Hansestadt. Scherliess war fasziniert von italienischer Kultur. Sein Hauptinteresse galt der Musik des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts. Er publizierte unter anderem auch über Fragen der Aufführungspraxis bei Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Mahler und Strawinsky. Auch Lübecker Themen griff er in seinen Veröffentlichungen auf wie die „Geschichte der Lübecker Abendmusiken“ und „Thomas Mann und die Musik“. Noch zu seinem 75. Geburtstag erschien im vergangenen Jahr sein letztes Buch „,Werkstatt Musikgeschichte‘ – Annäherungen an Musik und Musiker“, ein Sammelband mit Reden, Vorträge und Einführungen, die er in seinen Jahren in Lübeck gehalten hat. Gluck: Im Herbst 2021 fand bereits ein Gluck-Wochenende unter der Leitung von Michael Hofstetter statt. Die ersten «großen» Gluck Festspiele unter seiner Intendanz finden vom 29.4. bis 22.5.2022 statt. Mit Ensembles der Alte Musik-Szene, interessanten Neuentdeckungen, Tanz- und Kabarett-Größen lässt Michael Hofstetter Gluck erklingen und erleben. Und das passenderweise in der Region, in der Gluck 1714 in Erasbach bei Berching geboren wurde. Zentren der Gluck Festspiele sind dabei das als Weltkulturerbe berühmte Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, aber auch das über 100-jährige Theater in Fürth, der historische Rathaussaal und die St. Marthakirche in Nürnberg, Castell, Lehrberg und Bad Windsheim. Die Programmgestaltung lässt Besuchern von auswärts übrigens genug Freiheit, ganz «nebenbei» die Kulturund Naturschätze der Region zu entdecken. Besichtigend, wandern oder per Rad. Die Höhepunkte 22 reichen von einer Neuproduktion auf Basis von Pina Bauschs Tanzoper «Orpheus» bis zu Gluck-Kabarett und der neuen «Alceste» im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth. Das Programm beginnt am 29. April 2022 im Theater Fürth mit einer Wiederbelebung – der Neuproduktion von Pina Bauschs legendärer Tanzoper «Orpheus und Eurydike» von 1975 mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Sie trifft auf Gluck im Klanggewand der historischen Aufführungspraxis, die für Hofstetter und das Händelfestspielorchester Halle als Gluck Festspiel-Orchester obligatorisch ist. Mit einem Countertenor in der Titelpartie (Valer Sabadus) trifft die emotionale Kraft und Wucht des «Orfeo» auf die Wahrhaftigkeit von Pinas Tanzsprache. Am 30. April ergänzt ein Liederabend mit Julian Prégardien das Gluck-Bild um dessen KlopstockOden (Dorfmühle Lehrberg). Die bewegende Geschichte rund um Königin Alceste, die ihr Leben für ihren todkranken Mann Admeto gibt, steht ab 12. Mai 2022 auf der Bühne des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth. Aufgeführt wird in Koproduktion mit dem Theater Pilsen die italienische Urfassung von 1767: Eine knappe, dramaturgisch spannende Fassung. «Hier hat Gluck die Form der Opera seria, obwohl er mit ihr sehr erfolgreich war, verlassen und erzählt den Text in großen dramatischen Szenen», erklärt Michael Hofstetter. Der vor Lebenslust sprühende Gegenpol ist am 12. Mai im Historischen Rathaussaal Nürnberg und am 13. Mai im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth zu erleben, wenn der junge Sopranist Samuel Mariño ein «Gipfeltreffen» zwischen Gluck und Händel aufleben lässt, das in London 1746 stattfand. «Es ist eine Ehre für uns», freut sich Michael Hofstetter, dass die MusikKabarettistin Lizzy Aumeier mit ihrem direkten Oberpfälzer Humor ein Gluck-Programm exklusiv für die Festspiele gestaltet: «Mein Nachbar Willy» hat am 29. April in Bad Windsheim Premiere und tourt bis zum 14. Mai (Würzburg) durch die Lande. Die Akademie für Alte Musik Berlin gastiert mit Danae Kontora am 6. Mai im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth, Hille Perl & Friends in der St. Marthakirche Nürnberg und L’estro d’Orfeo in der St. Johannes Kirche Castell (15. Mai). Mit der abschließenden Produktion von Glucks Einakter «Le Cinesi» (Premiere 20. Mai) wollen die Gluck Festspiele die Aus- und Weiterbildung der StudentInnen an der Hochschule für Musik Nürnberg fördern: „Wir bringen ein spezielles Wissen über Gluck im Originalklang an die nächste Generation von MusikerInnen“, meint Michael Hofstetter. info@gluck-festspiele.de, www.gluck-festspiele.de Bayl: Benjamin Bayl hat im Januar 2022 die Neuproduktion von Vivaldi’s Oratorium Judita Triumphans an der Oper Stuttgart dirigiert. In der Regie von Silvia Costa sangen Rachel Wilson (Juditha), Stine Marie Fischer (Holofernes), Diana Haller (Vagaus), Gaia Petrone (Abra), und Linsey Coppens (Ozias). 7 Vorstellungen dieser Serie laufen bis 12. März 2022. Kommende Highlights in Benjamin Bayl’s Kalender 2022 sind neben der Judita Triumphans Premiere in Stuttgart im März / April 2022 die Wiederaufnahme von The Fairy Queen an der Ungarischen Staatsoper Budapest, die nach 300 Jahren wiederentdeckte Bononcini Oper Griselda im Narodowe Forum Muzyki in Breslau und im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth im Rahmen des Bayreuth Baroque Opera Festivals 2022, Ariodante in der Sommeropernproduktion in San Diego, sowie Konzerte in der Zeneakademie Budapest, am Theater Aachen, im Dal Verme Theater in Mailand, im Radiokulturhaus Bratislava, in Canberra (Mai 2022), Sydney und Melbourne (beide im Juni 2022). Halle: Trotz mittlerweile etablierter Maßnahmen zur Pandemiebewältigung war 2021 erneut ein herausforderndes Jahr. Insgesamt zählt die Stiftung Händel-Haus mit knapp über 8.000 Besucher*innen im Jahr 2021 jedoch vergleichsweise viel in Anbetracht der längeren Schließzeit. Hinzu kommen die rund 22.000 Zuschauer*innen der digitalen Angebote wie „Haendel.digital“. Zum zweiten Mal in Folge musste die Stiftung Händel-Haus die HändelFestspiele, die vom 28. Mai bis zum 13. Juni stattfinden sollten, absagen. Das Museum Händel-Haus und die Bibliothek waren bis Ende Mai geschlossen, auch Veranstaltungen fanden nicht statt. Seit 1. Juni halten beide ihre Pforten nun wieder geöffnet, unter Einhaltung der Hygieneschutzmaßnahmen – wenn auch mit stark reduzierter Sitzplatzkapazität bei Veranstaltungen bzw. einer Beschränkung der Personenanzahl. Auch in der kalten Jahreszeit ist es anschließend gelungen, das Händel-Haus durchgängig geöffnet zu halten und zumindest einen Teil der geplanten Veranstaltungen durchzuführen. Eine deutliche Erholung der Besucherzahlen, wie sie im Spätsommer 2020 noch zu beobachten war, blieb 2021 leider aus. Seit Dezember gelten wieder strengere Regeln. Es finden derzeit keine Führungen statt und nur noch ausgesuchte Veranstaltungen können im hervorragend belüfteten Kammermusiksaal abgehalten werden. Eine Wiederöffnung des Wilhelm-Friedemann-Bach-Hauses ist momentan nicht in Sicht; seit März 2020 ist das Haus durchgängig geschlossen. Angesichts des 100-jährigen Jubiläums der Händel-Festspiele und hoffentlich auch einer Entspannung der pandemischen Lage blickt die Stiftung Händel-Haus optimistisch ins Jahr 2022 und tut weiterhin alles dafür, trotz Corona Kultur und Musik in Stadt und Gesellschaft zu befördern. Die ersten Konzerte, die 2021 wieder gespielt wurden, waren die sommerlichen Kooperationskonzerte mit der Staatskapelle Halle im Großen Hof des Händel-Hauses unter dem Titel „Ohrenschmaus“. Diesen folgten die 5 Sommer-Jazz-Konzerte unter dem Titel „It’s session time!“. Auch die Wiederaufnahmen der Konzertreihen „FoNACHRICHTEN 8 TOCCATA - 118/2022

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