Toccata 02/2022

cus Bohlenstube“ und „Musik im Händel-Haus“ ab September sowie der Schallspiele – jetzt „Schallspiele alternativ“ – und des „Seniorenkollegs“ sorgten für Begeisterung. Zwar war eine allgemeine, sehr verständliche Vorsicht gegenüber öffentlichen Veranstaltungen spürbar, doch die Publikumsfreude über Live-Konzerte wurde deutlich. Die Konzerte im HändelHaus wurden ab dem Herbst als Doppelkonzerte mit einer Vor- und einer Nachmittagsvorstellung angeboten, um bei einer maximal erlaubten Auslastung von 35% noch möglichst vielen den Besuch der Veranstaltung zu ermöglichen. Leider wurde selbst diese geringe Kapazität nicht immer ausgeschöpft. Ein gänzlicher Verzicht auf die Händel-Festspiele war keine Option, und so wurde „Haendel.digital“ ins Leben gerufen, ein digitales Musikfest mit exklusiven Aufnahmen hochkarätiger Künstler. Vom 28. Mai bis 13. Juni waren online mehrere Festkonzerte mit äußerst namhaften Interpret*innen sowie zwei herausragende konzertante und sogar eine szenische Opernaufführung zu erleben. Ein Höhepunkt war die Produktion von Händels Oper „Ariodante“ HWV 33 mit der Lautten Compagney Berlin und dem Marionettentheater Carlo Colla & Figli unter der Leitung von Händel-Preisträger Wolfgang Katschner, deren Premiere vor halleschem Publikum bei den Händel-Festspielen 2022 nachgeholt wird. Auch die neuzeitliche Erstaufführung der Händel-Oper „Giulio Cesare in Egitto“ HWV 17 in der Fassung von 1725 unter der musikalischen Leitung von Andrea Marcon, Händel-Preisträger 2021, war beeindruckend. Aus den Zugriffszahlen spricht deutlich das große Interesse an diesem aufwendig produzierten und für die Zuschauer*innen kostenfreien Angebot. Knapp 21.500 Zuschauer aus 35 Ländern verfolgten „Haendel.digital“. Die Zugriffe erfolgten u. a. aus Deutschland, den Vereinigten Staaten von Amerika, Italien, Großbritannien, Kolumbien, Brasilien, Japan, China, Taiwan, Iran, Aserbaidschan, Australien und Indien. Auch zum Jahresende hin konnte das Museum der Stiftung Händel-Haus glücklicherweise geöffnet bleiben. „Händel im Herbst“ war nicht umzusetzen und seit Dezember finden Veranstaltungen noch stärker eingeschränkt statt. Über das ausgefallene Weihnachtskonzert „Weihnachtsbräuche mit Doris“ konnte die Stiftung Händel-Haus mit einer Erinnerung an das Livestream-Konzert mit der Lautten Compagney Berlin „Wie schön leuchtet der Morgenstern - Deutsche Weihnachtsmusik des 17. Jahrhunderts“ von 2020 ein wenig hinwegtrösten. Für die großartige Unterstützung in einem weiteren, schwierigen Pandemie-Jahr danken die Händelfestspiele der Stifterin Stadt Halle (Saale), dem Land Sachsen-Anhalt, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Lotto Sachsen-Anhalt und der Saalesparkasse gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung sowie allen weiteren Förderern und Geldgebern. Clemens Birnbaum (Direktor der Stiftung Händel-Haus): „Ich danke allen Partnern und HändelFreunden dafür, dass sie der Stiftung Händel-Haus und den Händel-Festspielen in dieser herausfordernden Zeit die Treue halten und weiter an unserer Seite stehen. Sie geben uns Mut und Kraft, neue Perspektiven zu entwickeln und nach vorne zu schauen. Wir freuen uns darauf, in diesem Jahr 100 Jahre Händel-Festspiele gebührend mit Ihnen zu feiern. Mit den Lehren aus zwei Jahren Pandemie sind wir optimistisch, dass wir die Sicherheit aller gewährleisten und zugleich ein großartiges Festival durchführen können.“ Das 1922 noch viertägige, eher regionale Händel-Fest hat sich über 100 Jahre zu einem der bedeutendsten Barockmusikfestivals Europas entwickelt. Die Händel-Festspiele 2022 finden vom 27. Mai bis 12. Juni statt und stehen ganz im Zeichen dieses Jubiläums. Die Rückkehr einiger international berühmter Händel-Preisträger*innen nach Halle sorgt für ein außergewöhnliches Star-Aufgebot. Das Jubiläums-Jahr 2022 bietet zugleich auch Einblicke in die Historie der Händel-Festspiele: In unterschiedlicher Weise adaptierte Veranstaltungen der ersten „Händel-Feste“, z.B. das Oratorium „Susanna“ HWV 66 in der Strichfassung von 1922 am identischen Aufführungsort – dem Dom zu Halle – sowie die Sonderausstellung im Händel-Haus „Feuerwerk und Halle-luja – 100 Jahre Händel-Feste in Halle“ (24. Februar 2022 – 8. Januar 2023) unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten lassen die Gäste die Geschichte des Festivals hautnah erleben. Neben den für die Festspiele traditionellen und unverzichtbaren Open-Air-Konzerten in der Galgenbergschlucht mit großem Höhenfeuerwerk (Symphonic-Rock-Konzert „Bridges to Classics“ mit dem Special Guest Robert Hart der „Manfred Mann’s Earth Band“ und Abschlusskonzert) sowie dem „Messiah“ HWV 56 finden Konzerte statt, die unter anderem nach Absage der HändelFestspiele 2020 bzw. 2021 auf den Jubiläums-Jahrgang verschoben wurden. In Form von internationalen und nationalen Koproduktionen werden die szenischen Opern „Orlando“ HWV 31, „Ariodante“ HWV 33 und „Siroe, Re di Persia“ HWV 24 über die Bühne gehen. Dabei wird „Ariodante“ in einer zauberhaften Marionetteninszenierung mit der Mailänder Compagnie Carlo Colla & Figli und der Lautten Compagney Berlin zu erleben sein. Insgesamt stehen über 60 Veranstaltungen an 18 Orten auf dem Programm. www.haendelhaus.de Schloss Bernau: Vom 12. bis 15. Mai 2022 findet auf Schloss Bernau/ Fischlham in Oberösterreich das neue Festival für Barock und Literatur ‘Ars Concordia’, veranstaltet vom Ensemble Castor, statt. Das Festival beinhaltet Konzerte mit Ann Hallenberg, Il Pomo d’oro, Zefira Valova, Ludovico Minasi und dem Ensemble Castor, Lesungen mit Donna Leon und eine Meisterklasse mit der Sopranistin Ann Hallenberg. Info: ensemblecastor.com/arsconcordia Leipzig: Trotz erschwerter Bedingungen blickt das Bach-Archiv Leipzig auf ein erfolgreiches Pandemie-Jahr 2021 zurück. Die Sammlung des Hauses wurde um bedeutende Stücke erweitert und fortlaufend digitalisiert, zudem legten zwei Mitarbeiter des Hauses weitere Bände der laufenden Bach-Gesamtausgaben vor. Das BachMuseum Leipzig präsentierte mit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown ab Ende Mai eine viel beachtete Sonderausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Künstler Michael Triegel entstand. Eines der ersten Festivals weltweit, das 2021 für Präsenzpublikum vor Ort die Türen öffnen durfte, war das Bachfest Leipzig. Dank hybrider Konzeption feierten im Juni 2021 Bach-Liebhaber aus über 30 Ländern gemeinsam den fünftägigen Konzertzyklus »Bachs Messias«. TOCCATA - 118/2022 NACHRICHTEN 9 Händelfestspielorchester Halle, Foto: Gert Kiermeyer

RkJQdWJsaXNoZXIy OTM2NTI=