Toccata 03/2022

Ma i - Jun i 2022 Nr. 3/2022 ➲ NACHRICHTEN ➲ CD-NEUHEITEN ➲ CDDES MONATS ➲ CD-TIPPS ➲ CD-UMSCHAU ➲ INTERVIEW: EDOARDO TORBIANELLI THORSTEN PREUß ➲ BUCH- UND NOTENBESPRECHUNGEN ➲ FESTIVALBERICHTE ➲ TERMINE IN DIESER AUSGABE: INTERVIEW mit Walter van Hauwe 119

HIGHLIGHTS Barock.Musik.Fest SCHLOSSKAPELLE IM RESIDENZSCHLOSS DRESDEN HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST BAD KÖSTRITZ | GERA | WEIßENFELS ZEITZ | TORGAU | DRESDEN VOM LEBEN – ÜBER LEBEN THEMENFESTIVALS IN BAD KÖSTRITZ GERA | WEIßENFELS | ZEITZ | DRESDEN 02.05. 2022 vom 08.05. 2022 bis 07.10. 2022 vom 16.10. 2022 bis 04.11. 2022 vom 06.11. 2022 bis SCHÜTZ22.de | schütz-musikfest.de

INHALT Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 CD-Neuheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 CDs des Monats . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 CD-Tipps . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 CD-Umschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Interview mit Walter van Hauwe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Interview mit Edoardo Torbianelli . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Interview mit Thorsten Preuß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 CD-Interview mit Péter Barczi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Konzert- und Festivalberichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .49 Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .50 In dieser Ausgabe sprachen wir im Interview mit dem niederländischen Blockflötisten Walter van Hauwe, dem italienischen Cembalisten und Hammerflügelspezialisten Edoardo Torbianelli und dem deutschen Journalisten und Musikwissenschaftler Thorsten Preuß. Im “CD-Interview” sprachen wir mit dem ungarischen Geiger Péter Barczi. Schließlich finden Sie die Nachrichten, CD-Neuheiten, die CDs des Monats, die CD-Tipps, die CD-Umschau und wieder einen Rückblick auf 20 Jahre Alte Musik aktuell. Wie immer erwarten wir auch künftig Ihre Nachrichten und Fotos. Ihr Stephan Schmid VORWORT Impressum: Redaktion, Anzeigen- und Abonnementverwaltung: Pro Musica Antiqua, Postfach 10 08 30, 93008 Regensburg, Telefon (09 41) 5 26 87, Fax (09 41) 5 30 94 e-mail: pro.musica.antiqua@t-online.de Internet: www.promusicaantiqua.de Erscheinungsweise: zweimonatlich, jeweils zu Beginn jeden ungeraden Monats (6 Ausgaben pro Jahr) Jahresabonnement: kostenlos Redaktionsschluß: jeweils zum 1. des Vormonats. Redaktionsleitung: Stephan Schmid Redaktion: Stephan Schmid, Wolfgang Reihing Herausgeber: Stephan Schmid, Pro Musica Antiqua, Postfach 10 08 30, 93008 Regensburg (Germany), Telefon (09 41/ 5 26 87) Druck: Mühlbauer-Druck Hengersberg Die in den Artikeln und Rezensionen vertretenen Meinungen geben alleine die Meinung des jeweiligen Verfassers wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Datenträger, Fotos und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. ISSN 0942-9034

G.A.P-Ensemble: im Februar 2022 hat das G.A.P.-Ensemble seine Zusammenarbeit mit der Sopranistin Dorothée Mields fortgesetzt und gastierte im Rahmen von vier gemeinsamen Konzerten im Stadttheater Hildesheim, in der Philharmonie Mercatorhalle in Duisburg, im Zeughaus in Neuss sowie im Kurfürstlichen Palais in Trier. Das außergewöhnliche Programm umfasst Werke von Johann Sebastian Bach und Dmitri Schostakowitsch. Dafür hat Dorothée Mields quasi eine eigene Bach-Kantate aus verschiedenen Sätzen zusammengestellt, beginnend mit der Violinsonate G-dur BWV 1021 anstelle einer Sinfonia. Es folgen Rezitative und Arien aus verschiedenen Kantaten, unterbrochen von einem instrumentalen Intermezzo, dem Capriccio BWV 992 für Cembalo solo. Zum Abschluss erklingt der Choral Nr. 10 „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate BWV 147. Nach einer Pause schließen sich das Klaviertrio c-moll Nr. 1 op. 8 „Poème“ und die Sieben Romanzen op. 127 nach Gedichten von Alexander Blok für Sopran, Violine, Violoncello und Klavier von Dmitri Schostakowitsch an. Am 27. März 2022 gestaltete das G.A.P.-Ensemble zum 250. Geburtstag von Johann Wilhelm Wilms das Tauftagskonzert und den Festakt in der Evangelischen Kirche Witzhelden in Leichlingen, in der Wilms am 30. März 1772 getauft wurde. Dabei erklangen das Klavierquartett C-dur op. 22, das Klaviertrio C-dur sowie das Klavierquartett F-dur op. 30 von Johann Wilhelm Wilms. Mehr zu allen in 2022 geplanten Konzerten finden Sie auf der Seite der Internationalen Johann Wilhelm Wilms Gesellschaft e.V.: www.ijwwg.com/. Ensemble Polyharmonique: Das Jahr 2022 begann für das Ensemble Polyharmonique mit der Veröffentlichung der neuen CD "Dresden Vespers“ mit geistlichen Werken des Hofkapellmeisters Johann David Heinichen (1683 - 1729). Zu den markanten Besonderheiten der katholischen Dresdner Hofkirche gehörte die Verehrung des heiligen Franz Xaver. Die Einspielung beinhaltet eine "Vespro De Confessore“ und eine speziell diesem Heiligen gewidmete Litanei, wie sie 1724 in dem zur Kirche umgebauten Opernhaus am Taschenberg erklungen sein könnten. Im Juli 2021 konnte diese Aufnahme sehr kurzfristig mit dem Wrocław Baroque Orchestra und dessen Dirigenten Jarosław Thiel realisiert werden - ein Herzensprojekt aller Mitwirkenden. Diese internationale Zusammenarbeit in Zeiten der Pandemie gleicht einem kleinen Wunder! Ohne die großzügige Unterstützung des NFM (Nationales Forum für Musik Wrocław), der Klangwert Ensemble Förderung der Aventis Foundation und dem Label Accent wäre dies nicht möglich gewesen. Ein großes Glück und ein Lichtblick in diesen Zeiten. Die weltgewandte Barockmusik aus Dresden zeigt den modernen venezianischen Konzertstil mit klangvollen Chören, virtuosen Arien und Ensembles in abwechslungsreicher Besetzung, verbunden mit geistreich ausgearbeiteter Polyphonie des stile antico. Großartige Musik voller Eleganz und Lebendigkeit, kunstvoll gearbeitet, schwungvoll und fantasiereich, aber nie akademisch. Schon bald gibt es weitere Veröffentlichungen. Il Gusto Barocco: Mit dem Album „Suite & Concertos“ schlägt il Gusto Barocco in einer Solist:innen-Besetzung Basler Schule den Bogen über drei Jahrhunderte, indem der Geist der musikalischen Zusammenkünfte des Collegium Musicum unter der Leitung Bachs im Zimmermannschen Kaffeehaus in Leipzig in unsere heutige Zeit überführt wird. Bei aller musikalischen Expertise und allem Forscherdrang der Alte Musik-Spezialist:innen bezüglich der historisch informierten Aufführungspraxis bleibt dabei jedoch die Erkenntnis: Nicht alle Hintergründe lassen sich wiederherstellen, nicht alle Kontexte sind zu erschließen. Bachs Suite für Violoncello Nr. III bildet den Rahmen, in den die bunt zusammengestellten Solo- und Doppelkonzerte u.a. mit Geigerin Leila Schayegh eingepasst werden. Die Aufnahme entstand bei der Stuttgarter Festwoche Barock 2021, die das Ensemble alljährlich im September veranstaltet. Il Gusto Barocco, 2008 vom Dirigenten, Cembalisten und Organisten Jörg Halubek in Stuttgart gegründet, besteht aus führenden Virtuos:innen der jüngeren Generation. Die Mitglieder verbindet die Musiziertradition der Schola Cantorum Basiliensis. 2020 riefen die Alte Musik-Spezialist:innen eine neue Stuttgarter Barock-Reihe ins Leben. Zuletzt erschienen die erfolgreichen Einspielungen von Bachs Brandenburgische Konzerte (Berlin Classics) 2021, Claudio Monteverdis „Marienvesper“ (SWR 2/cpo) 2020, Johann David Heinichens „Flavio“ (Ersteinspielung SWR 2/cpo) 2019 und Giuseppe Antonio Brescianellos „Tisbe“ (SWR 2/cpo) 2015. Stellenangebot: Brecon Baroque sucht einen neuen Geschäftsführer. Debüt: Am 5. Februar 2022 feierte Ray Chenez am Janacek Opernhaus Brünn sein Rollendebüt als Ruggiero in Händel’s Alcina. Unter der musikalischen Leitung von Vaclav Luks und seinem Orchester Collegium 1704 und in der Regie von Jiri Herman wird Ray Chenez die Fachpartie des Ruggiero im Februar und März 2023 in Brünn singen. Im Mai 2022 gastiert die Alcina Produktion mit Ray Chenez als Ruggiero am Theatre de Caen und Ray Chenez wird mit Kollegen wie Karina Gauvin, Krystian Adam, Tomas Kral singen. Am 14. April 2022 debütierte Ray Chenez als Petrus in Hasse’s Oratorium Petrus et Maria Magdalena unter Rüdiger Lotter und seiner Hofkapelle München in der Kölner Philharmonie. Halle: Mit einem Feuerwerk an Veranstaltungen, von der großen Oper über das feierliche Oratorium bis hin zu genreübergreifenden Formaten feiern die Händel-Festspiele Halle vom 27. Mai bis 12. Juni 2022 ihre Gründungstage vor 100 Jahren. Eröffnet werden die Festspiele mit einer Neuproduktion der Oper „Orlando“, die 1922 als erste Händel-Oper in Halle den Abschluss des „Hallischen Händelfestes“ bildete. Zahlreiche weitere Opern, Oratorien und Konzerte machen die 17 Festivaltage zum Highlight für Barockfans. Abgerundet wird das Programm durch innovative und spannende Veranstaltungen, die alle musikalischen Grenzen von E und U sprengen. Viele bekannte Barockstars, darunter auch etliche Händel-Preisträgerinnen und - Preisträger vergangener Jahre, werden musikalisch das Jubiläum in Halle mitfeiern. Der diesjährige Händel-Preis wird im Rahmen der Festspiele an den verdienten Händelforscher Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann, der an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg lehrt und zugleich Präsident der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft ist, verliehen. Neben dem opulenten musikalischen Programm und einer exklusiven CD-Sonderedition lassen ein reich bebildertes Begleitbuch und die Jahresausstellung „Feuerwerk und Halleluja“ das Publikum in die umfangreiche Geschichte der Händel-Festspiele Halle eintauchen. Ein Festival am Puls der Zeit, gebaut auf Tradition. Der Vorverkauf startete am 11.02.2022. Mit 67 Haupt- und zahlreichen Begleitveranstaltungen in Halle und der Region garantieren die traditionsreichen Händel-Festspiele auch 2022 wieder ein ebenso abwechslungsreiches wie hochkarätig besetztes Programm. So erwartet das Publikum unter anderem eine Neuinszenierung des „Orlando“. Der neue Intendant der Oper Halle, der Brite Walter Sutcliffe, führt Regie, die musikalische Leitung liegt mit Christian Curnyn bei einem weiteren Briten. Der Bühnenkomponist Händel ist ebenso mit „Caio Fabbricio“ vertreten, einem virtuosen Pasticcio, das im historischen GoetheTheater Bad Lauchstädt die erste Wiederaufführung in der Neuzeit erleben wird. Und eine veritable Uraufführung gibt es sogar mit „Fernando, Re di Castiglia“ zu hören. Großgeschrieben wird auch weiterhin der Dialog zwischen den Kulturen und der Austausch mit musikalischen Idiomen jenseits des Barock. Wie der „Orlando“ sind auch zahlreiche Konzerte und Oratorien im Festspielkalender dramaturgisch von den Aufführungen des Jahres 1922 inspiriert, wobei die teilweise speziell für diesen Anlass rekonstruierten Programme nicht nur an den originalen Orten stattfinden, sondern auch dieselben Klangkörper oder deren heutige Nachfolger als Partner mit ins Boot geholt wurden. Ein freudiges Wiedersehen gibt es darüber hinaus mit zahlreichen Händel-Preisträgerinnen und - Preisträgern der vergangenen Jahre, die es sich nicht nehmen lassen, „ihren“ Festspielen zu gratulieren: Publikumslieblinge wie Jordi Savall, Philippe Jaroussky, Ragna Schirmer oder Romelia Lichtenstein, aber auch Countertenor Axel Köhler, der nach seinem Rückzug von der Bühne die Festspiele als Regisseur weiter begleitete. Für die Authentizität der Aufführungen sorgt in Halle nicht nur der „genius loci“, sondern auch zahlreiche renommierte Originalklang-Formationen, Stammgäste ebenso wie Debütantinnen und Debütanten – so unter anderem das Ensemble Divino Sospiro aus Portugal, das dem Publikum in Halle den „Messias“ in der Fassung von Wolfgang Amadeus Mozart vorstellt. NACHRICHTEN 4 TOCCATA - 119/2022 G.A.P. Ensemble

Dass Händels Musik auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Faszination und Anziehungskraft verloren hat, zeigen begleitend dazu Projekte wie das beliebte „Bridges to Classics“-Open Air sowie Begegnungen mit der Jazz-Szene oder ein Poetry-Slam. Bis heute ist Händels Musik auch jenseits von Oper und Oratorium präsent. Eine internationale wissenschaftliche Konferenz beleuchtet die Händel-Renaissance, die ihn zum heute meistgespielten Barockkomponisten machte. Der Musikwissenschaftler, Musikhistoriker und Hochschullehrer Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann erhält den Händel-Preis der Stadt Halle, vergeben durch die Stiftung Händel-Haus, 2022. Damit würdigt das Kuratorium der Stiftung Händel-Haus Prof. Hirschmanns vielfältige und hoch-engagierte Arbeit, mit der er seit über einem Jahrzehnt Maßstäbe und wichtige Akzente setzt, beispielsweise als einer von zwei Editionsleitern und als Mitglied des Editorial Boards der Hallischen Händel-Ausgabe. Mit einer Jahresausstellung unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten blickt die Stiftung Händel-Haus zurück auf die wechselvolle Geschichte der Händel-Festspiele in Halle. Schon 1922 durften die Feuerwerksmusik und das „Halleluja“ aus dem „Messias“ natürlich nicht fehlen; diese beiden Konstanten im Festspielprogramm gaben der Jahresausstellung 2022 ihren Titel. Die Jahresausstellung wurde am 23. Februar 2022 (Händels Geburtstag) eröffnet und ist bis zum 8. Januar 2023 zu sehen. Parallel zur großen Sonderausstellung wird ein repräsentatives und reich bebildertes Begleitbuch erscheinen, in dem nicht nur die Geschichte der Festspiele, sondern auch renommierte Persönlichkeiten zu Wort kommen werden, um ihrer Verbundenheit mit den Händel-Festspielen Ausdruck zu verleihen. Ergänzend gibt die Stiftung HändelHaus eine exklusive CD-Sonderedition mit Einspielungen aus den Jahren zwischen 1958 und 2008 heraus. Diese ist exklusiv im Museumsshop des HändelHauses zum Kauf erhältlich. Intendant Clemens Birnbaum freut sich auf das Jubiläumsprogramm: „Wir können 100 Jahre lebendige HändelGeschichte in Halle in einem großen Jubiläumsfestival vereinen, viele Wegbegleiter werden uns dabei aktiv unterstützen und ganz besonders freue ich mich, dass der Bundespräsident in seinem Schreiben den Händel-Festspielen eine erfolgreiche Jubiläumssaison und eine gute Zukunft wünscht. Danken möchte ich all jenen, mit deren Unterstützung wir mit unserem Publikum aus Nah und Fern ein solch großes Ereignis feiern können. Neben der Stadt Halle, dem Land SachsenAnhalt und dem Bund möchte ich stellvertretend Lotto Sachsen-Anhalt, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Saalesparkasse hervorheben.“ Bürgermeister Egbert Geier hebt die große Bedeutung Händels für seine Stadt hervor: „Händel war und ist einer der bedeutendsten Hallenser. Seine Musik begeistert die Menschen weltweit und wir alle sind stolz und glücklich, in seiner Geburtsstadt mit einem der größten internationalen Festivals und dem wichtigsten in Sachsen-Anhalt sein Andenken hochhalten zu können.“ Dr. Jürgen Fox unterstützt die HändelFestspiele nicht nur als Mitglied des Kuratoriums der Stiftung HändelHaus: „Die Händel-Festspiele sind ein Besuchermagnet für Gäste aus aller Welt. Genauso stark ist die besondere Verbundenheit der Hallenserinnen und Hallenser mit ihren Festspielen. Als Vorstandsvorsitzender der Saalesparkasse freue ich mich, unsere langjährige Partnerschaft auch in diesem Jahr fortsetzen und gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung weiter aktiv zum Gelingen der HändelFestspiele Halle beitragen zu können.“ Preis: Den Preis der Deutschen Schallplattenkritk Bestenliste 1/2022 erhielten in der Kategorie Tasteninstrumente: Le Fier virtuose: Le clavecin de Louis XIII.. Werke von Etienne Moulinié, Charles Bocquet, Antoine Boësset, Louis Couperin, Claude Lejeune, Michael Praetorius, Guillaume Dumanoir, Jacques Champion de Chambonnières mit Arnaud De Pasquale, Cembalo. Château de Versailles Spectacles CVS 047, in der Kategorie Oper: Rameau: Platée mit Marcel Beekman, Jeanine De Bique, Cyril Auvity, Marc Mauillon, Edwin Crossley-Mercer, Emmanuelle de Negri, Padraic Rowan, Emilie Renard, Ilona Revolskaya, Arnold Schoenberg Chor, Les Arts Florissants, Ltg.: William Christie. harmonia mundi HAF 890.5349.50 (2 CD), in der Kategorie Chor und Vokalensemble: Josquin the Undead: Laments, deplorations and dances of death. Werke von Josquin Desprez. mit Graindelavoix, Ltg.: Björn Schmelzer. Glossa GCD P32117, in der Kategorie Alte Musik: Marais: Quatrième Livre de Pièces de Viole, 1717 mit François Joubert-Caillet, L’Achéron. Ricercar RIC 432 (4 CD). Innsbruck: Der 13. Internationale Cesti-Wettbewerb lockt von 23. bis 28.8.2022 in die Hauptstadt der Alpen. Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik laden ein zum größten Gesangswettbewerb für Barockoper! Bis 31.5.2022 können sich junge Sänger*innen aus aller Welt bewerben. Neben Preisgeldern (Jury-, Publikumspreis- und Nachwuchspreis) winken Engagements an renommierten Opern- und Konzerthäusern. www.altemusik.at/cesti. Tenebrae Consort: Das englische Tenebrae Consort wird im Frühjahr 23 die Bachmotetten auf CD aufnehmen. Aria Borealis Bodo: Eine neue Initiative erwächst aus der kreativen Zusammenarbeit zwischen dem kulturellen Zentrum Nordnorwegens und Ensembles der nordischen Barockszene in beeindruckender Naturlandschaft und der nie untergehenden Sonne des arktischen Hochsommers: Aria Borealis Bodø startet mit einer überzeugenden Mischung aus internationalem Gesangswettbewerb für Alte Musik, Festival und feierlicher Zusammenkunft der weltweiten Musikgemeinschaft (24. Juni – 2. Juli 2022). Musik und soziale Gemeinschaft wachsen in Bodø immer enger zusammen. Die kompakte Stadt, die sich nördlich des Polarkreises an der zerklüfteten Küste Norwegens befindet, bereitet den Start der ersten Ausgabe der alle zwei Jahre stattfindenden VerTOCCATA - 119/2022 NACHRICHTEN 5 Händel-Festspiele Halle: Bad Lauchstädt, Foto: Patricia Reese

anstaltung Aria Borealis Bodø vor. Sein innovatives Programm umfasst den Aria Borealis Bodø International Competition for Early Music Singers, ein begleitendes Festival für Alte Musik und Gelegenheiten für Musikliebhaber jeden Alters, das reiche Repertoire in Gesellschaft inspirierender Künstler aus den nordischen Ländern und darüber hinaus zu erkunden. Aria Borealis Bodø repräsentiert eine einzigartig neue Kombination aus Wettbewerb und Festival. Das frische Programmformat ergab sich aus der Absicht seiner Gründer, acht herausragende Wettbewerbsgewinner mit einem Ensemble historisch informierter Aufführungsspezialisten als gleichberechtigte Partner kammermusikalischer Aufführungen zusammenzubringen. Das Publikum kann den kreativen Prozess von den Proben bis zu den Konzerten verfolgen und im Verlauf der neuntägigen Veranstaltung mehr über die kollaborative Kunst der Interpretation erfahren. Der Wettbewerb, offen für Sängerinnen und Sänger, die 1985 oder später geboren wurden, hat im Januar mit einer digitalen Runde, an der sich über hundert Teilnehmer aus 39 Ländern beteiligten, begonnen. Acht Gewinner wurden von der renommierten Jury bestehend aus der britischen Sopranistin Dame Emma Kirkby, dem Cembalisten und künstlerischen Leiter des Concerto Copenhagen Lars Ulrik Mortensen, dem Theater an der Wien-Direktor Stefan Herheim, der finnischen Sopranistin Tuuli Lindeberg und dem schwedischen Tenor Anders J. Dahlin ausgewählt. www.ariaborealis.com/festival. Goebel: Im Jahr 2022 feiert der Geiger, Dirigent und Musikwissenschaftler Reinhard Goebel seinen 70sten Geburtstag. Goebel hat dem Hörer auch unbekannte und unerhörte Werke zugänglich gemacht: Seine HeinichenAufnahmen wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, Rebel und Veracini zählen zu seinen echten Entdeckungen. Und mit dem Soundtrack zum Film "Le Roi dance" brachte er Ludwig XIV. das Tanzen mit viel Verve bei. Eine umfangreiche CD-Edition, die Ende Juli bei der Deutschen Grammophon erscheint, vereint erstmals das Gesamtwerk von Goebel und Musica Antiqua Köln auf 75 CDs, darunter mehrere CD-Premieren. Das 128-seitige Booklet enthält einen Essay von Martin Elste sowie ein neues Interview mit Goebel und viele unveröffentlichte Fotos, die das umfassende Porträt abrunden. Jiménez: Der in London lebende Barockgeiger Jorge Jiménez, Konzertmeister von L’Arpeggiata, Forma Antiqva, La Risonanza, The Hanover Band und der Capella Cracoviensis, hat unter dem Titel Insomnia Transkriptionnen der Goldbergvariationen von Bach für Violine solo eingespielt. La Petite Écurie: Das junge italienische Oboenensemble La Petite Écurie unter Valerie Colen hat sein „The Queen’s Favourites“-Programm für das Label Arcana aufgenommen. Die CD wird im April 2022 veröffentlicht. Brügge: Jan Van den Borre wird der neue künstlerische Leiter des MA Festivals. Jan Van den Borre ist in der Alten Musik-Szene als aktiver Musiker bekannt. Er musizierte u.a. mit dem Collegium Vocale Gent, Anima Eterna, und Vox Luminis. Er ist auch Intendant des Il Gardellino Orchestra. “MA Festival was my window into the world of early music. I came to Bruges to discover what I could only hear there. The most beautiful music played by the best musicians led me to a path that I have not left since. The festival is iconic, internationally renowned and loved, all whilst playing a leading role in the development of many young musicians. Bruges is a stage, a meeting place and a point of departure. I look forward to further developing the MA Festival as a festival, combining tradition and innovation with an open view on art and society. ” - Jan Van den Borre Siglo de Oro: Mit dem englischen Vokalensemble Siglo de Oro erscheint noch in diesem Jahr seine fünfte CD beim Label Delphian Records. Die CD unter dem Titel „The Mysterious Motet Book of 1539” Werke von Gombert, Arcadelt Willaert u.a., die bislang noch nicht aufgenommen wurden. Le Consort: Das französische Ensemble Le Consort wird 2023 eine CD mit englischer Musik von Purcell, Händel, Matteis, Matteis junior und Corbett aufnehmen. Die CD wird im Frühjahr 2024 veröffentlicht. Clematis: Das belgische Ensemble Clematis wird die 30 Sonaten für vier bis acht Instrumente mit einem basso continuo von David Pohle 2022 für das Label Ricercar einspielen. Die Veröffentlichung ist für das Jahr 2023 bestimmt. Clemencic: Am 8.3.2022 verstarb mt 94 Jahren der Cembalist, Flöten- und Clavichordvirtuose, Organist, Dirigent, Musikwissenschafter und Komponist Rene Clemencic. Rene Clemencic wurde am 27. Februar 1928 in Wien geboren. NAch dem BEsuch des Schottengymnaisum studierte er von 1947 bis 1956 Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Wien und an der Sorbonne in PAris. Im Jahr 1956 wurde er mit der Dissertation Sein und Bewusstsein bei Louis Lavelle an der Universität Wien promoviert. Clemencic studierte Blockflöte und Cembalo in Wien, den Niederlanden und Berlin. Im Jahr 1957 gründete er das Ensemble Musica Antiqua. 1968 gründete er ein neues Ensemble, das sich später Clemencic Consort nannte. Von 1996 bis 2005 betreute René Clemencic den Musica Antiqua-Zyklus des Wiener Musikvereins. Von Herbst 2005 bis Juni 2019 gab es im selben Haus einen eigenen Clemencic-Consort-Zyklus. Weit über 100 Schallplatten und CDs erschienen mit ihm als Solist und als Dirigent des Clemencic Consort und anderer Orchester. Weimar: Die spanische Barockviolinistin Lina Tur Bonet ist seit April 2022 neue Professorin für Barockvioline und Barockviola an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Lina Tur Bonet gilt international als eine der vielseitigsten Violinistinnen ihrer Generation. Sie spielt ein umfangreiches Repertoire, das mehr als 400 Jahre Musik umfasst – und zwar immer auf den Originalinstrumenten der jeweiligen Zeit. Sie hat eine besondere Vorliebe für Kammermusik, Werke von Johann Sebastian Bach sowie unbekannte Werke berühmter Komponisten und die Aufführungspraxis bei den Violinisten jeder Epoche. Zu ihren Uraufführungen zählen unbekannte Werke von Matteis, Vivaldi und Brunetti. Doch auch zeitgenössische Komponisten wie José María SánchezVerdú, Mauricio Sotelo oder Josep Maria Guix haben Stücke für sie geschrieben. Sie wurde als Konzertmeisterin sowohl von Barock- als auch modernen Orchestern eingeladen, darunter Il Complesso Barocco, Orchester des Liceo de Barcelona, Clemencic Consort, Bach Consort Wien, Hofkapelle München, Orchester d’Auvergne und Orquesta Nacional de España. Sie spielte als Erste Violine mit Orchestern wie Les Musiciens du Louvre, Les Arts Florissants, Mahler Chamber Orchestra und dem Mozart Orchestra unter der Leitung von Dirigenten John Eliot Gardiner, Marc Minkowski, William Christie, Fabio Biondi, Kent Nagano, Reinhard Goebel und Teodor Currentzis. Regelmäßig tritt sie auch als Dirigentin in Erscheinung und leitet u.a. das Orchester des Montréal Festival, Jerusalem Baroque Orchestra, Camerata Villa Musica. Ihr Interesse an verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen veranlassten sie mit dem Wiener Kabinetttheater Wien und mit dem Dichter Antonio Colinas zusammenzuarbeiten – sowie auch zu Projekten im Bereich Video und Performance. Lina Tur Bonet ist Gründerin und Direktorin des „MUSIca ALcheMIca“-Ensembles. MUSIca ALcheMIca gastierte u.a. in Japan, Deutschland, Russland, Spanien, Österreich, Bolivien, Chile, Peru und Panama. Lina Tur Bonet erhielt schon früh ihre ersten Musikstunden bei ihrem Vater Antonio Tur. Sie studierte Violine an den Musikhochschulen Freiburg und Wien. Als Studentin erhielt sie zahlreiche Stipendien, u.a. von der Alexander von Humboldt-Stiftung, der Villa Musica Mainz sowie der österreichischen OeAD und gewann internationale Preise wie z.B. beim Premio Bonporti. Als gesuchte Pädagogin innerhalb und außerhalb Spaniens hatte sie von 2005 bis 2016 den Lehrstuhl für Violine am Konservatorium für Musik in Zaragoza inne und unterrichtete zuletzt am Escuela Reina Sofia in Madrid und an der ESMUC in Barcelona. Weitere Informationen: www.linaturbonet.com www.hfm-weimar.de Debüt-Album: Das Debüt-CD-Album des Ensembles Musica Colorata, Berlin wird im Sommer beim Label Urania veröffentlicht. Les Muffatti: Das Brüsseler Barockorchester Les Muffatti wird beim Label Ramée das Tripelkonzert, das 5. Brandenburgische Konzert und die Suite hmoll von Bach einspielen. Die Solisten sind Frank Theuns, Traversflöte, Sophie NACHRICHTEN 6 TOCCATA - 119/2022 Jan Van den Borre, Foto: Erika RoDrottningholm Baroque Ensemble René Clemencic

TOCCATA - 119/2022 Gent, Violine und Bertrand Cuiller, Cembalo. Die CD wird im März 2024 veröffentlicht. Göttingen: Mit Neue Horizonte, so das Motto der diesjährigen, Internationalen Händel-Festspiele Göttingen vom 12.–22.5., übernimmt George Petrou die Künstlerische Leitung der niedersächsischen Institution für Alte Musik. Auf der Pressekonferenz verriet er an der Seite des Geschäftsführenden Intendanten Jochen Schäfsmeier sein Programm für das Jahr eins nach dem hundertjährigen Festspieljubiläum. Auf bewährte und beliebte Traditionen muss, dem Festspielmotto zum Trotz, niemand verzichten – weder auf kochkarätige Konzerte mit herausragenden Künstler:innen noch auf die Festspieloper. Im Gegenteil fällt mit Giulio Cesare in Egitto (HWV 17) dieses Jahr die Wahl auf eines der bekanntesten und beliebtesten Bühnenwerke Händels. Hundert Jahre, nachdem Oskar Hagen das Meisterwerk wiederentdeckte, holt George Petrou es als Dirigent und Regisseur in Personalunion zurück nach Göttingen – in einer Koproduktion mit der Nederlandse Reisopera. Mit Yuriy Mynenko in der Titelrolle und Sophie Junker als Kleopatra erlebt das Publikum zwei herausragende Händel-Stimmen. Einschließlich Public Screening am 20.5. und Familienfassung am 22.5. geht die Oper in selten üppiger Ausstattung acht Mal über die Bühne; Premiere ist am 13.5.Tags zuvor wird George Petrou die Göttinger Händel-Festspiele mit deren Aushängeschild eröffnen, dem FestspielOrchester Göttingen (FOG). Zu Gehör kommen vier Concerti grossi aus op. 3 und die titelgebende Kantate Aminta e Fillide (HWV 83). International erstklassig geht es am 14.5. mit dem Händel-Oratorium Belshazzar (HWV 61) unter der Mitwirkung von Concerto Köln nebst NDR Vokalensemble und unter dem Dirigat von Václav Luks weiter. Mit Julia Lezhneva ist im Galakonzert am 19.5. ein aktueller Szene-Star zu erleben; in Gestalt von Jeanine de Bique, Bruno de Sá, Erik Bosgraaf und Dmitry Sinkovsky folgen weitere dem Ruf nach Niedersachsen. Die Stars von morgen präsentieren die Göttinger Händel-Festspiele u. a. mit Cembaless, I Zefirelli und L’Apothéose, allesamt Ensembles des Eeemerging+-Programms der Europäischen Union. Events wie Händel goes Tinder, Händel jazzt! Peel me a grape oder Händel & Hendrix (mit dem B’Rock Orchestra unter der Leitung von Dorothee Oberlinger) zeigen, wie aktuell Alte Musik tatsächlich ist.Internationale Händel-Festspiele Göttingen, Hainholzweg 3, 37085 GöttingenPressereferent: Patrick Walter; Tel: 0551-38 48 13 26; E-Mail: presse@haendel-festspiele.de Mit über 50 Veranstaltungen an 26 Spielorten knüpfen die Festspiele schon rein quantitativ an „alte Größe“ an; um die Lust auf Kultur nach mehr als zweijähriger Einschränkung wieder zu beleben, kommen Formate wie Good Morning, George!, Lunchkonzert und Café Georgedirekt zu den Menschen in Stadt und Region – die ersten beiden sogar kostenlos. „Göttingen gehört für anderthalb Maiwochen fest in Händel-Hand“, bekräftigt Petrou, „was liegt da näher, als an diesen Tagen seine Musik rund um die Uhr erklingen zu lassen?“ Erweitert wird auch die göttingen händel competition um den Sonderpreis ‚Musik und Raum‘, mit dem der Zuschnitt des Vortrags auf einen neuen Konzertort in der Region prämiert wird. Ensembles und Publikum lernen auf diese Weise Spielstätten im Landkreis und Südniedersachsen unter völlig neuem Blickwinkel kennen.Dieses Zusammenspiel aus Innovation und Tradition bringt ebenfalls frischen Wind in die Konzertreihe „Händel 4 Kids!“: Bekannte Formate wie etwa der Sing Along-Gottesdienst und das Theaterstück Händels Hamster werden ergänzt durch Der rollende Georg, eine mobile Bühne auf einem LKW. An gleich vier unterschiedlichen Orten kann so die spannende Detektivgeschichte um ein verschwundenes Stück Musik für Kinder und Jugendliche angeboten werden.Besonders freuen Petrou und Schäfsmeier sich auf den Audiowalk, einen digitalen Konzertraum, der auf dem Göttinger Wall aufgebaut wird. Über einen QRCode wird an acht Stationen die Handlung der diesjährigen Festspieloper Giulio Cesare von Kindern für Kinder erzählt. Dieses ambitionierte Projekt bildet den Auftakt zu einer anderthalbjährigen Zusammenarbeit mit der Albanischule Göttingen, die dann bei den Festspielen 2023 in einer eigenen Produktion gipfeln soll.Der öffentliche Vorverkauf startet am Donnerstag, 24.3.2022; die begehrten Tickets gibt es dann auf der – ebenfalls heute relaunchten – FestspielWebsite www.hndl.de, außerdem beim GT Ticketservice (Wiesenstraße 1), der Tourist Information Göttingen (Markt 8) und im Deutschen Theater Göttingen (Theaterplatz 11).Neue Horizonte vom 12.–22.5.2022Tickets ab 24.3. auf www.hndl.de Potsdam: Seit die Menschheit die Meere befährt, beschäftigen Inseln ihre Fantasie: Vom 10.-26. Juni 2022 erzählen die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci von paradiesischen Eilanden, mythischen und literarischen Sehnsuchtszielen, aber auch von malerischen Rückzugsorten und der Isolation. Ausgehend von der Potsdamer Stadtinsel führen sie ihre Besucher vom Mittelmeer über die Karibik bis in die Südsee. Nach mehr als 250 Jahren feiert am 12. Juni Giuseppe Scarlattis komische Oper “I portentosi effetti de la Madre Natura” ihre Erstaufführung im Schlosstheater des Neuen Palais. Festspielintendantin Dorothee Oberlinger leitet das Ensemble 1700, die Inszenierung verantwortet der französische Filmregisseur Emmanuel Mouret. Die Scarlatti-Produktion und vier weitere Opern bilden das MusiktheaterArchipel im Festspielprogramm: Auch Carlo Pallavicinos “Insel” der Amazonen” (1679) wird als moderne Erstaufführung nach 350 Jahren im Schlosstheater erstmals zu erleben sein; Christophe Rousset leitet sein Ensemble Les Talens Lyriques (15./26.6.). Der Berliner Kapellmeister Johann Friedrich Reichardt verwandelte 1789 Shakespeares “Sturm” zu einer Zauberoper; Hermann Max dirigiert Solisten, die Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert in dieser konzertanten Produktion im Schlosstheater (18./19.6.). Den Höhepunkt eines Erlebnistages auf der Pfaueninsel bildet Giovanni Battista Pergolesis Kurzoper “Il Ciarlatano”, aufgeführt durch die Art House 17 Company (18.6.); die Entdeckungsfahrt des Festspielprogramms beschließt Henry Purcells »Indian Queen«, kubanisch befeuert durch das Ensemble Ars Longa de la Habana (Kuba), im furiosen Abschluss-Open-Air (26.6.). Zwei Wochen lang bringen Konzerte und Führungen – darunter ein großes Open-Air am Alten Markt, ein Paddelkonzert, ein Konzert mit Bootsshuttle – die Schlösser und Gärten von PotsNACHRICHTEN 7 Lina Tur Bonet, Foto: Michal Novak Los Temperamentos, Foto: , Foto: Marco Moog bei den Musikfestspielen Potsdam Sansscouci

NACHRICHTEN 8 TOCCATA - 119/2022 dam-Sanssouci zum Klingen. Das 11. Fahrradkonzert wagt eine Umrundung der gesamten Insel Potsdam und lädt erfahrene Radler und junge Sportskanonen dazu ein, die Stadt entlang ihrer 14 Brücken und Eilande zu erkunden. Zahlreiche Stars setzen 2022 bei den Musikfestspielen die Segel zu neuen Ufern der Alten Musik, darunter Les Arts Florissants mit Paul Agnew, Ann Hallenberg, Sophie Juncker und Christophe Dumeaux mit dem Ensemble Il Pomo d’Oro, Hana Blažíková und Les Passions de L‘Âme, das Huelgas Ensemble und Paul van Nevel, L’Arlequin Philosophe und Pedro Memelsdorff, sowie von der spanischen Halbinsel Al Ayre Espanol und Eduardo López Banzo, das Euskal Barrokensemble und Enrique Solinís, L’Apothéose mit Lucía Caihuela und das Orquesta Barroca de Sevilla. Informationen und Karten: Tel: +49 (331) 28 888 28. www.musikfestspiele-potsdam.de Preis: Die unabhängige Kritiker-Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik vergibt jährlich Ehrenpreise an herausragende Persönlichkeiten, die sich als Interpreten, Künstler oder Produzenten um die Musikaufzeichnung auf Ton- und Bildtonträgern besonders verdient gemacht haben. In diesem Jahr wird William Christie ausgezeichnet, der Amerikaner in Paris, der Weltbotschafter der französischen Kultur, der wie kein anderer für die Wiederentdeckung der französischen Barockoper steht. Haydn: La Chapelle Rhénane unter Benoit Haller hat zusammen mit dem Ensemble Quatuor 1781, geleitet von der Geigerin Guillaume Humbrecht, “Die sieben letzten Worte” von Haydn eingespielt. die CD wird Ende des Jahres veröffentlicht. Siglo de Oro: Das englische Vokalensemble Siglo de Oro plant eine neue CD bei Delphian Records mit zwölf Renaissancemotetten, die bisher noch nicht auf CD erschienen sind. Die CD beinhaltet eine vergessene Sammlung aus den 1530er Jahren. Die Sammlung wurde im katholischen Mailand zusammengestellt und im protestantischen Strasbourg veröffentlicht. Es enthält Werke bekannter Komponisten wie Nicolas Gombert und Jacques Arcadelt, aber auch von unbekannten Komponisten wie Pierre Cadéac und Simon de Ferrariensis. Das Ensemble ruft zu Spenden für diese Aufnahmen auf. Spender können neben anderen Vorteilen die Aufnahme auf Spotify u.a. streamen: https://www.crowdfunder.co.uk/.../h elp-fund-siglo-de-oros... Leizpig: Jeder erste Dienstag des Monats ist im Bach-Museum Leipzig eintrittsfrei. Um 15 Uhr wird eine kostenlose öffentliche Führung angeboten — zu Themen, die auf unser Leipziger Publikum zugeschnitten sind. Anders als die Überblicksführungen für Touristen werden an jedem 1. Dienstag Führungen für die ganze Familie oder spezielle Themen zur Bachfamilie, zu deren Frauen, Bachs Klangwelten, Passionen und vielem mehr angeboten. Von Mai bis Oktober 2022 werden diese ergänzt durch Führungen und Konzerte zur kommenden Sonderausstellung »Von Schütz zu Bach«. Bayl: Benjamin Bayl dirigierte im März an der Oper Budapest Purcells Semi-Oper The Fairy Queen. Kommende Highlights in Benjamin Bayl’s Kalender 2022 sind die nach fast 400 Jahren wiederentdeckte Bononcini Oper Griselda am 30. April 2022 im Narodowe Forum Muzyki in Breslau und am 18. September 2022 im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth im Rahmen des Bayreuth Baroque Opera Festivals 2022, Ariodante in der Sommeropernproduktion in San Diego, Platee im Herbst 2022 an der Staatsoper Stuttgart, sowie Konzerte in der Zeneakademie Budapest, am Theater Aachen, im Radiokulturhaus Bratislava, in Canberra (Mai 2022), Sydney und Melbourne (beide im Juni 2022), MüPa Budapest, und Auckland. Stuttgart: 2022 steht die Stuttgarter Festwoche Barock (4. bis 11. September) im Zeichen des „französischen Geschmacks“ – das Barockorchester il Gusto Barocco unter der Leitung von Jörg Halubek geht vom 4. bis 11. September der Stuttgarter Musikkultur um 1700 nach. Die 1699/1700 in Stuttgart uraufgeführte Oper „Adonis“ von Johann Sigismund Kusser wird erstmals wieder ganz gespielt, vergessene Werke von französischen Komponistinnen zur selben Zeit werden wiederentdeckt. Nicht fehlen darf auch in diesem Jahr eine Orgelexkursion sowie ein programmatisch spannendes Kammerkonzert, das sich Bachs „Caffe-HaußMusik“ widmet. In Gesprächsrunde, Führung und vielerlei digitalen Formaten ermöglichen Musiker*innen und Wissenschaftler*innen dem Publikum darüber hinaus einen Blick in das Stuttgarter Musikleben um 1700. Die Stuttgarter Festwoche Barock eröffnet am 4.9. gleich mit dem Highlight der Wiederentdeckung der 1699/1700 in Stuttgart uraufgeführten Oper „Adonis“ von Johann Sigismund Kusser. Die bekannte Liebesgeschichte von Venus und Adonis avancierte im 17. und 18. Jahrhundert zum populären Opernstoff. Dieser Thematik nahm sich Kusser an, der 1699 in Stuttgarter von Herzog Eberhardt Ludwig als Operndirektor und Hofkapellmeister nach sechsjähriger Lehrzeit bei Jean-Baptiste Lully und Stationen in den bedeutendsten Opernzentren wie Hamburg und London installiert wurde, und führte sie in Stuttgart auf. Vor gut zehn Jahren legte die renommierte Musikwissenschaftlerin Samantha Owens die Rekonstruktion der Barockoper vor. Seitdem nur in kürzeren Ausschnitten gespielt, setzt sie nun nach Brescianellos „Tisbe“, Heinichens „Flavio“, Telemanns Händeladaptionen „Celofida“ und „Muzio Scevola“ die Reihe bedeutender OpernEntdeckungen von Il Gusto Barocco fort. Am 5.9. und 8.9. nehmen die beiden Veranstaltungen Think Tank I und II das Thema „Stuttgarter Musikleben um 1700“ auf. Im Gespräch (5.9) beleuchten die Rekonstrukteurin der Oper Prof. Dr. Samantha Owens (Wellington, Neuseeland), Prof. em. Dr. Herbert Schneider (Mainz) und Dr. Ute Becker (Württembergische Landesbibliothek) den Entstehungskontext der Oper „Adonis“. Mit einer musikalischen Führung unter dem Motto „In voller Pracht“ im Württembergischen Landesmuseum (8.9.) veranschaulicht Dr. Birgit Wüller das Leben im „irdisches Paradies“ Stuttgart. gustoCANTATA am 9.9. wirft Schlaglichter auf das Komponieren von Frauen, denen es trotz aller Verbote und sozialgeschichtlichen Verdikte gelang am Musikleben teilzuhaben. Das noch weitgehend unbekannte Repertoire der Barock-Komponistinnen soll zukünftig im Programm der Festwoche Barock seinen festen Platz finden. Die obligatorische Orgelexkursion mit Jörg Halubek führt dieses Jahr am 10.9. in die Evangelische Stadtkirche in Giengen an der Brenz und in die Abteikirche in Kloster Neresheim. Auch hier werden der „französische Geschmack“ und sein Einfluss auf das Musikleben erlebbar. Den krönenden Abschluss der Stuttgarter Festwoche Barock bildet das Konzert „Bach im Caffe-Hauß“. Il Gusto Barocco widmet sich einer womöglich verschollenen Gattung im weltlichen Bach-Werk. Als genuine Solokonzerte für Tasteninstrumente sind nur die Cembalokonzerte erhalten, einzelne Sinfonie-Sätze mit konzertierender Orgel gibt es jedoch in einzelnen Kantaten aus Bachs Leipziger Zeit. In diesem Sinne haben il Gusto barocco und Jörg Halubek zwei Cembalokonzerte eigens für dieses Programm als Orgelkonzerte rekonstruiert. Wie 2021 wird es auch 2022 ein digitales Foyer geben mit Konzerteinführungen in unterschiedlichsten Formaten und Wissenswertem zum und rund um das diesjährige Programm. www.ilgustobarocco.de/festwoche Schwäbisch Gmünd: Der Traum gemeinsamer Kulturen, Geschichten, Werte und Ziele steht für das Motto „Vision Europa“ des 34. Festivals Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd: Vom 14. Juli bis 7. August bieten herausragende Interpreten und junge Entdeckungen aus ganz Europa grenzüberschreitende Musik-Erlebnisse. Das Festival Europäische Kirchenmusik wird durch den Südwestrundfunk (SWR2) und durch sympathische Aktionen des FestivalFreundeskreises begleitet. Einen himmlischen Festival-Auftakt versprechen der Star-Countertenor Philippe Jaroussky, Sopranistin Céline Scheen und das Ensemble L’Arpeggiata von Christina Pluhar mit kostbaren Perlen des Frühbarock am Donnerstag, 14. Juli, in der Augustinuskirche. Zur internationalen Spitze exquisiter Chorkultur zählt der Kammerchor Stuttgart unter Frieder Bernius. Das Ensemble gastiert am Mittwoch, 20. Juli, mit der 16-stimmigen Messe von Carl Friedrich Christian Fasch und Mahler-Bearbeitungen von Clytus Gottwald in der Augustinuskirche. Ein weiterer Höhepunkt des Festivals folgt am Donnerstag, 21. Juli, im Münster: Mit dem Dresdner Kreuzchor ist es gelungen, einen der weltweit besten Knabenchöre einzuladen. Kreuzkantor Roderich Kreile hat geistliche Chormusik aus verschiedenen Epochen und Regionen Europas um die Bach-Motette „Komm, Jesu, komm“ im Gepäck. Den Auftakt der etablierten Orgel-Recitals auf der große Klais-Orgel im Münster macht am Freitag, 22. Juli, der Hamburger Organist Wolfgang Zerer mit Werken von Bruhns, Schumann, Vivaldi, Ligeti und Franck. Der erste Ausflug ins Umland, in die herrlich gelegene Wallfahrtskirche Hohenstadt, widmet sich am Sonntag, 24. Juli, Georg Friedrich Händels Muse: „La Francesina“ – Arien aus Händels Opern mit der belgischen Sopranistin Sophie Junker und dem preisgekrönten Barockensemble „Le Concert de l’Hostel Dieu“. Johann Sebastian Bachs berühmte Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ erklingt mit der gefeierten Sopranistin Johanna Pommranz und dem Barockensemble Consortium Consonans unter Bezirkskantor Thomas Brückmann im Gemeindegottesdienst am Sonntag, 31. Juli, in der Augustinuskirche, und nachmittags geht es mit dem Sollazzo Ensemble und Liebes-Obsessionen der Ars Nova in eines der eindrucksvollsten Denkmäler Süddeutschlands: Im Kloster Lorch zeigen die an der Schola Cantorum Basiliensis professionell ausgebildeten Newcomer, dass es im Mittelalter musikalisch alles andere als langweilig zuging. www.kirchenmusik-festival.de. Rheinsberg: Bei den diesjährigen Osterfestspielen in Rheinsberg kam eine Kostbarkeit der Barockoper erstmals seit Generationen wieder im norddeutschen Raum auf die Bühne des Schlosstheaters: „Semele“ von Johann Adolf Hasse am 15. und 17. April

2022. Die Kammeroper im neapolitanischen Stil erzählt eine dramatische Dreiecksgeschichte, in der sich Jupiters betrogene Gattin Juno an seiner menschlichen Geliebten Semele rächt – doch der liebende Gott erweckt sie zu neuem Leben und sorgt für Harmonie im antiken Götterhimmel. Die Titelpartie übernahm mit der Sopranistin Anna Graf eine Preisträgerin des diesjährigen Gesangswettbewerbs der Kammeroper Schloss Rheinsberg, die bereits über Erfahrung mit Partien vorklassischen Repertoires verfügt, so sang sie z.B. in Cavallis „La Calisto“. An ihrer Seite sangen zwei Stars der Alten Musik: Der Countertenor Filippo Mineccia gibt sein Rollendebüt als Jupiter, Roberta Invernizzi sang die Juno bereits bei der Premiere der Koproduktion mit den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2018. Die Inszenierung besorgte Georg Quander, Künstlerischer Direktor der Kammeroper Schloss Reinsberg. Es spielte das Ensemble Le Musiche Nove, unter der Leitung des Musikforschers und Dirigenten Claudio Osele, der das Aufführungsmaterial erarbeitete. Eichstätt: Das Musikfest Eichstätt lädt seine Besucher von 6.-8. Mai 2022 ein, wieder live dabei zu sein, wenn es heißt „Alte Musik neu entdecken!“. Dabei werden die Konzerte teils zweimal hintereinander aufgeführt, so dass das Publikum in entspannter Atmosphäre und mit ausreichend Raum Alte Musik genießen kann. Man kann sich freuen auf die spanische Vollblut-Geigerin Lina Tur Bonet, die mit ihrer barocken Band verrückteste und doch traumhafte Musik der Barockzeit nach Eichstätt bringt, auf den Kampf der Giganten, wenn sonderliche Instrumente wie Großbasspommer auf Großbassviolone in einen Wettstreit treten, auf die Wiedererweckung der ersten deutschen Oper „Dafne“ von Heinrich Schütz, in einer Rekonstruktion durch Musica Fiata unter Leitung von Roland Wilson und auf viele andere Musiker, die Sie beim BR-Tafel-Confect, beim alljährlichen Kinderkonzert und den weiteren Veranstaltungen erleben können. Open Air für alle bei freiem Eintritt heißt es in diesem Jahr gleich zweimal beim Musikfest Eichstätt, und zwar am Festivalsamstag, wenn das Turmblasen den Marktplatz in strahlende Bläserklänge hüllen wird und wenn die Akademie für Alte Musik den Muschelpavillon in der Sommerresidenz mit Mozarts Flötenquartetten verzaubern wird. Mit acht Konzerten in drei Tagen ist für jeden musikalischen Geschmack ein Volltreffer dabei. Und jeder unserer musikalischen Gäste hat auf der Bühne etwas zu erzählen, mal deftig, mal süß, mal herzzerreißend lustig. Scaramuccia: Das Ensemble Scaramuccia wird im Mai eine CD mit venezianischer Musik zur Zeit Vivaldis. darunter u.a. zwei kürzlich von Prof. Michael Talbot entdeckte Sonaten von Albinoni. Windsbach: Ludwig Böhme (42) wird neuer Leiter des Windsbacher Knabenchores. Böhme tritt zum 1. September die Nachfolge von Martin Lehmann an, der als Kreuzkantor nach Dresden wechselt. Ludwig Böhme stammt aus Leipzig. Bereits im Vorschulalter hatte er Klavier- und Gesangsunterricht. Er war Mitglied des Leipziger Thomanerchores, wo er Erster Präfekt des Chores war und von 2001 bis 2002 auch Assistent des Thomaskantors. Böhme studierte an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig Chordirigieren bei Georg Christoph Biller, Dirigieren bei Horst Neumann, Gesang bei Dirk Schmidt und Klavier bei Markus Tomas. Ein Aufbaustudium absolvierte er bei Roland Börger, das er 2007 mit dem Konzertexamen abschloss. Anschließend hatte er einen Lehrauftrag für Chordirigieren an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle inne. Er ist Mitbegründer des Calmus Ensemble Leipzig und leitet den Kammerchor Josquin des Préz. Seit April 2012 leitet Böhme auch den Leipziger Synagogalchor. www.windsbacher-knabenchor.de Innsbruck: Die bisherige Betriebsdirektorin Mag. Eva-Maria Sens wird Künstlerische Direktorin der Innsbrucker Festwochen. Das Leitungsteam der Festwochen besteht ab Herbst 2023 dann aus einer geschäftsführenden Kaufmännischen und einer Künstlerischen Direktion, die für die strategische Ausrichtung der Festwochen verantwortlich zeichnen. Als Kaufmännischer Direktor wird der bisherige Geschäftsführer Dr. Markus Lutz fungieren. www.altemusik.at Dantone: Der italienische Cembalist und Dirigent Ottavio Dantone wird für die Innsbrucker Festwochen von 2024 bis 2028 als Musikalischer Leiter wirken. Ottavio Dantone studierte am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand Cembalo und Orgel. 1989 begann seine Zusammenarbeit mit der Accademia Bizantina, zuerst als Cembalist, ab 1996 als Musikalischer Leiter. 1999 debütierte er als Operndirigent am Teatro Dante Alighieri von Ravenna. Dantone unterrichtete am Conservatorio della Svizzera Italiana. Er dirigierte am Opernhaus Zürich, spielte bei den Haydn Festspielen im Burgenland und beim Festival de Beaune, gastierte an der Berliner Staatsoper, der Opéra du Rhin in Straßburg, am Teatro Real Madrid und beim Musikfest Bremen, wo er 2014 auch mit dem Bremer Musikfest-Preis ausgezeichnet wurde. www.altemusik.at Schloss Kochberg: Umgeben von einem bezaubernden Landschaftspark ist das liebevoll restaurierte Liebhabertheater Schloss Kochberg – Theater an der Klassik Stiftung Weimar mit seinen 75 Plätzen für seine einzigartige intime Atmosphäre bekannt. Im authentischen Theater der Goethezeit sind Werke des 18. und frühen 19. Jahrhunderts in Oper, Schauspiel und Konzert entsprechend der historischen Aufführungspraxis ihrer Entstehungszeit zu erleben, sodass Ort, Werk und Aufführung ein Gesamtkunstwerk bilden. Vom 7. Mai bis 24. September widmet sich diese Schaubühne der Klassik Stiftung Weimar mit 31 Opern- und Schauspielaufführungen und Konzerten dem Thema „Theater!“. Die künstlerische Leiterin Silke Gablenz-Kolakovic setzt sich seit fast zwei Jahrzehnten um den Erhalt des Liebhabertheaters Schloss Kochberg ein und erhielt dafür am 3. März das Bundesverdienstkreuz in Erfurt. Am 7. Mai wird das Sommerfestival mit Theatralischer Musik von Georg Christoph Wagenseil, Ernst Wilhelm Wolf, Nicola Porpora u. a. vom Ensemble I Porporini unter der Leitung von Gerd Amelung, eröffnet. Goethes Lieblings-opera-buffa „Die Theatralischen Abentheuer“ von Domenico Cimarosa mit der lautten company BERLIN feiert am 14. Mai Premiere. Nach dem großen Erfolg der ersten gemeinsamen Produktion, der HaydnOper „Der Apotheker“ (Lo speziale) arbeiten Wolfgang Katschner als Leiter der lautten companey BERLIN und Regisseur Nils Niemann erneut mit der Künstlerischen Leiterin Silke GablenzKolakovic zusammen. Als Goethe 1788 von seiner italienischen Reise zurückkehrte, hatte er von dem erfolgreichen Komponisten Domenico Cimarosa eine Oper im Gepäck. Liebe, Intrigen, peinliche und amüsante Verfehlungen – Goethe muss seine helle TOCCATA - 119/2022 NACHRICHTEN 9 Musica Fiata, La Capella Ducale, Ltg.: Roland Wilson beim Musikfest Eichstätt Ludwig Böhme Foto: Anne Hornemann Ottavio Dantone, Foto: Giulia Papetti

Freude am selbstbezüglichen Satirestoff entdeckt haben, als er 1787 in Rom eine Aufführung von „L’impresario in angustie“ besuchte. Wieder in Weimar, übersetzte Goethe selbst das Libretto des „L’impresario“ von Giuseppe Maria Diodati und schuf als frisch gebackener Theaterdirektor eine eigene deutsche Fassung mit dem Titel „Die Theatralischen Abentheuer“, der er weitere, von verschiedenen Komponisten vertonte Arien hinzufügte. Mit der Uraufführung am 24. Oktober 1791 am wenige Monate zuvor eröffneten Weimarer Hoftheater begann der Siegeszug dieser Oper durch die deutschen Bühnen. Die neue Opernproduktion geht weit über die „Ausgrabung“ eines heute selten gespielten historischen Musiktheaterstückes hinaus, denn es geht dem Theater um eine Wiederbelebung von Goethes verschollener Bearbeitung von Cimarosas „L’impresario in angustie“. Die Schaubühne der Klassik Stiftung präsentiert nun eine eigene Fassung der Oper, ließ dafür eine Neuübersetzung des Librettos von Giuseppe Maria Diodati aus dem Italienischen anfertigen und fügte Arien aus Goethes Bearbeitung ein. Diese aufwendig nachgebildete und dadurch zugleich auch neu interpretierte Fassung kommt entsprechend der historischen Aufführungspraxis des späten 18. Jahrhunderts am authentischen Ort, im Theater aus der gleichen Epoche, auf die Bühne des Liebhabertheaters. Die Arkadische Miniaturoper „Der gefangene Amor oder Die Liebe in Fesseln“ (Amor prigioniero) von Giuseppe Scarlatti konnte corona-bedingt im vergangenen Jahr nur ein einziges Mal öffentlich gezeigt werden. Zum Sommerfestival „Theater!“ wird die Neuproduktion von 2021 mit dem Ensemble I Porporini unter der Leitung von Gerd Amelung endlich weitere öffentliche Aufführungen (WA am 4. Juni) erleben. Auf Schloss Kochberg verwirklichte Charlotte von Steins Sohn Carl seinen ganz persönlichen Traum vom Leben auf dem Land und gestaltete einen romantischen Landschaftspark als arkadische Szenerie mit Quellen, Weihern, heiteren und melancholischen Orten. Am Eingang zu seinem privaten Arkadien baute er seinen Musentempel, das Theater. In Kochberg kann man heute, nach über 200 Jahren, diesem poetischen Entwurf des Landlebens nachspüren. Im Schauspiel zeigt das Theater Goethes frühes Lustspiel „Die Mitschuldigen“ (WA am 18. Juni) in der Inszenierung von Nils Niemann, das uns augenzwinkernd in menschliche Abgründe blicken lässt. Sechs hochkarätige Konzerte ergänzen das Programm. Entsprechend der dann aktuellen Vorgaben bezüglich der Pandemie finden die Veranstaltungen entweder im Theater oder ersatzweise open Air auf dem Theaterplatz (bei jedem Wetter) statt. Christie: Die unabhängige KritikerJury des Preises der deutschen Schallplattenkritik vergibt jährlich Ehrenpreise an herausragende Persönlichkeiten, die sich als Interpreten, Künstler oder Produzenten um die Musikaufzeichnung auf Ton- und Bildtonträgern besonders verdient gemacht haben. In diesem Jahr wird William Christie ausgezeichnet, der Amerikaner in Paris, der Weltbotschafter der französischen Kultur, der wie kein anderer für die Wiederentdeckung der französischen Barockoper steht. Aumann: Es ist ein in zweierlei Hinsicht sensationeller Fund, der Gunar Letzbor da in der prachtvollen Bibliothek des Stiftes St. Florian bei Linz in die Hände geriet: Eine Passion des Komponisten und Augustiner-Chorherren Franz Josef Aumann (17281797)! Denn nicht nur entdeckte Letzbor mit diesem Oratorium de Passione Domini Nostri Jesu Christi ein fantastisch expressives Werk — und so oft finden sich schließlich keine Passionen aus frühklassischer Zeit wieder —, sondern außerdem dürfte es sich dabei auch noch um die einzige katholische Passionskomposition in deutscher Sprache handeln, die wir bislang kennen. Doch noch in anderer Hinsicht ist das etwa 75-minütige Werk außergewöhnlich: Diese Passionsmusik erzählt nicht den Leidensweg Christi, sondern setzt vielmehr nach der erfolgten Kreuzigung Jesu an. Es werden Stimmungsbilder und seelische Betrachtungen gegenübergestellt, die das Unfassbare emotional aufarbeiten. Selbst der Sünder kann sich dieser Trauer nicht entziehen, sein Herz wird weich und er beweint den Tod Jesu Christi. Und das alles in deutscher Sprache — ein echtes Novum in der katholischen Kirchenmusik der Zeit! Die Forschung konnte denn auch in den letzten Jahren nachweisen, dass kürzere deutsche Passionsmusiken sehr oft außerhalb der Stiftsmauern präsentiert wurden. Beispielsweise wurden in Pfarr- oder Filialkirchen während der Fastenzeit an Freitagen Teile der Passionsgeschichte musikalisch beleuchtet und so die Gläubigen mit Hilfe der Landessprache und der Kraft, die in der Musik steckt, emotional an das Leiden und Sterben des Herrn herangeführt. Oft wurden dazu noch große Bilder aufgestellt, in denen die Sänger wie in einem Theater musizierten, so dass mit den Bildern in Malerei, Ton und Sprache eine Art Gesamtkunstwerk entstand. Die große Aumann-Passion aus St. Florian kam dagegen wahrscheinlich am Karfreitag zur Aufführung. Die Musik erinnert an Kompositionen von C.P.E. Bach oder auch Haydns »Sieben letzte Worte des Erlösers am Kreuz«: Gewagte harmonische Wendungen steigern den Ausdruck, eindrückliche Chorsätze und komplexe Fugen zeichnen imposante Stimmungsbilder des ungeheuren Leides Christi und der Gläubigen. Gunar Letzbor und Ars Antiqua Austria haben dieses Stück nach Jahrhunderten der Vergessenheit wiederentdeckt und — im Verein mit einer außergewöhnlichen Sängerriege — möchten sie dem heutigen Publikum beweisen, dass dieses Werk über die letzten 250 Jahre nichts von seiner Attraktivität für Musikliebhaber auf der ganzen Welt verloren hat. Stuttgart: »Ins Paradies« lautet das Motto des Musikfests Stuttgart 2022 vom 18. Juni bis 3. Juli. International renommierte Ensembles und Solist:innen sind der Einladung der Bachakademie Stuttgart gefolgt und gestalten mit führenden Stuttgarter Kulturinstitutionen ein Fest der Musik. In Konzertsälen und Clubs, Kirchen, Museen, Unternehmen und Open Air ist Musik vom Barock bis zur Gegenwart zu erleben. Erwartet werden u.a. Collegium 1704, Voces8 und Concerto Copenhagen sowie Valer Sabadus und Andreas Staier. Ungewöhnliche Bearbeitungen, CrossoverProgramme und innovative Konzertformate stehen neben der profilierten Barock-Reihe »Sichten auf Bach«. www.musikfest.de Mena: Carlos Mena wird ab dem Herbstsemester 2022/23 als Nachfolger von Ulrich Messthaler das Fach “Gesang” an der Schola Cantorum Basiliensis unterrichten. Carlos Mena (geb.1971) stammt aus dem Baskenland. Seine künstlerische Tätigkeit ist durch mehr als 50 CD-Aufnahmen dokumentiert. NACHRICHTEN 10 TOCCATA - 119/2022 Liebhabertheater Schloss Kochberg: Cimarosa: Die Theatralischen Abentheuer Foto: Maik Schuck

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