Toccata 03/2022

Muffats „Harmonische Huldigung“ an Salzburg Für so manche Alte-Musik-Formationen scheint es in letzter Zeit immer interessanter zu werden, sich Komponisten zuzuwenden, die vor den omnipräsenten Meistern J.S. Bach und G.F. Händel gewirkt haben und diesen somit ihren Weg geebnet haben. So auch für Concerto Copenhagen unter dessen langjährigen Leiter und Cembalisten Lars Ulrik Mortensen, einem der wichtigsten historisch informierten Ensembles Skandinaviens: Im Jahr seines 30-jährigen Bestehens zollt das Orchester dem deutsch-französischen Komponisten Georg Muffat (16531704) hörbar Tribut, und zwar mit der Neuaufnahme von dessen Sonatensammlung “Amonico Tributo” bei Berlin Classics. Muffats Werdegang begann als Hoforganist in Straßburg, führte in zu Studien nach Paris und 1678 in der gleichen Position nach Salzburg, wo er viele Jahre gemeinsam mit dem Violinvirtuosen Heinrich Ignaz Biber das dortige Musikleben bestimmte und bereicherte. Studienreisen führten ihn nach Italien und in die Nähe des von Muffat verehrten Arcangelo Corelli, dessen Concerti Grossi ihm stets als Vorbild dienten. Von 1690 bis zu seinem Lebensende wirkte Muffat als Kapellmeister am Bischofshof zu Passau. Das Besondere an Muffats Musikstil ist, dass er - der sich selbst als Weltbürger sah - den strengen französischen Stil eines Lully mit dem deutschen “Stylus Phantasticus” und dem italienischen “stile moderna” eines Corelli kunstvoll in Verbindung zu bringen wusste. Das war in einer Zeit, in der sich die europäischen Länder in ständigem kriegerischen Zwist befanden durchaus ungewöhnlich und revolutionär. Aus dieser Vorgehensweise resultiert aber auch die ungeheuer große Vielfalt und Farbigkeit von Muffats Kompositionen, wie sie nun auch in der vorliegenden Neueinspielung der “Armonico Tributo” zu bewundern sind. Concerto Copenhagen gibt jeder der fünf Sonaten ein individuelles Gesicht, indem sie Muffats schriftlich erhaltenen Anregungen folgen, die Werke der Aufnahme in drei unterschiedlichen Klangwelten zu präsentieren: Drei Sonaten in Concerto-Grosso-Besetzung mit der üblichen Aufteilung in Concertino- und Ripieno-Gruppen, eine Sonate in traditionell fünfstimmiger Streicherformation und eine Sonate in klassischer Triosonaten-Besetzung. Das macht den reizvollen Vergleich der jeweiligen Formation und deren Klangwirkung möglich, von ganz intimer kammermusikalischer Athmosphäre bis hin zum üppig-festlich Orchesterklang. Auch die Freiheit, nicht notierte und damals unübliche Instrumente wie Oboe, Fagott und Gitarre in den Klangkosmos mit einzubeziehen, führt zu einem enorm lebhaften und abwechslungsreichen Gesamteindruck. Bravo Muffat! Bravi Concerto Copenhagen! Wolfgang Reihing Georg Muffat: Armonico Tributo. Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen. Berlin Classics, 885470026299. Aufnahme: August 2020. !& © 2022 (1 CD). CD DES MONATS JUNI 2022 Platte des Monats CD of the month Foto: Mathias Lovgreen

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