Toccata 03/2022

Licht'. Der Fremdkörper ist eine Solomotette des italienischen Komponisten Bartolomeo Barbarino. Die Instrumentalparts werden von Banholzer auf der Orgel gespielt. Dabei handelt es sich grundsätzlich um Bearbeitungen. Dagegen ist prinzipiell wenig einzuwenden. Das Gleiche gilt für die Tatsache, dass die deutschen Werke ursprünglich für eine Sopranstimme gemeint sind. In Tunders 'An Wasserflüssen Babylon' muss Poplutz sein höchstes Register ansprechen, wegen der Stimmung der Orgel (a'=493 Hz). Das macht er sehr gut. Insgesamt ist seine Darstellung der Vokalwerke gut gelungen, und die Orgel und die Singstimme sind hier perfekt aufeinander abgestimmt. 'Bach in Lübeck' ist der Titel einer CD, auf der Arvid Gast die Orgeln in der St. Jakobi in Lübeck in Musik von Johann Sebastian Bach vorstellt. Den Namen Stellwagen kennen wir vor allem, da er der Erbauer der Orgel in der Marienkirche in Stralsund war. Er ist auch der Erbauer der 'kleinen' Orgel in St. Jakobi. Dieses Instrument wird nur wegen der großen Orgel als 'klein' bezeichnet, hat aber immer noch drei Manuale und Pedal, und deswegen ist es für die meisten deutschen Orgelwerke des Barock durchaus geeignet. Die große Orgel ist eher das Ergebnis einer langen Geschichte von Anpassungen, Restaurierungen und Rekonstruktionen, die es unmöglich machen, den Namen eines Erbauers zu nennen. Beide Instrumente sind eindeutig von der Musik der norddeutschen Orgelschule inspiriert. Diese hatte einen starken Einfluss auf den jungen Bach, und deshalb hat Arvid Gast Stücke ausgewählt, die diesen Einfluss verraten, wie die Präludien und Fugen BWV 531 und 549a sowie die Toccata BWV 566. Darüber hinaus spielt er einige choralgebundene Werke wie die Partita Ach was soll ich Sünder machen. Das Pedal spielt in diesem Repertoire eine wichtige Rolle, und das Pedalspiel war eine in Norddeutschland hoch entwickelte Kunst. Es muss Bach sehr inspiriert haben, wie die brillanten Pedalparts in vielen seiner eigenen Orgelwerke zeigen. Gast ist ein stilvoller Interpret, der als amtierender Organist von St. Jakobi genau weiß, wie man diese Instrumente für eine überzeugende Interpretation von Bachs Werk einzusetzen hat. Auch die dritte CD bietet hauptsächlich Orgelwerke von Bach, aber dann in Transkriptionen für Viola da gamba und Orgel. Blockflötisten spielen gerne Orgelmusik von Bach, und dann insbesondere die Triosonaten. Die Oberstimmen lassen sich problemlos auf der Blockflöte darstellen, und die Orgel spielt dann die zwei übrigen Stimmen. Da die Blockflöte, wie die Orgel, ein Blasinstrument ist, passt sie perfekt zur Orgel; sie funktioniert mehr oder weniger als einer der Register. Die Viola da gamba hebt sich in Klang, und auch wegen ihrer dynamischen Möglichkeiten, viel mehr von der Orgel ab. Kein Wunder, dass Aufnahmen, in der die Gambe eine Stimme in einem Orgelwerk übernimmt, Seltenheitswert haben. Das macht die Aufnahme, die Romina Lischka und Marnix De Cat für Ramée gemacht haben, umso interessanter. Man braucht nicht, wie De Cat im Textheft, über die Aufführungspraxis bei Bach zu spekulieren. Es lässt sich nicht beweisen, ob Bach seine Orgelwerke je so aufgeführt hat. Diese CD öffnet neue Perspektiven auf Musik, die man meistens gut kennt. Nur die Gambensonate BWV 1027 wird so gespielt, wie sie gemeint ist, sei es, dass der Cembalopart hier von der Orgel übernommen wird. Interessant ist, dass Romina Lischka nicht nur die Bassgambe spielt, sondern auch die Diskant- und Tenorgambe. Es ermöglicht ihr, nicht immer nur die Unterstimme, sondern auch mal höhere Stimmen zu spielen. Das trägt dazu bei, dass die Balance zwischen den beiden Instrumenten befriedigend ist. Es hilft auch, dass Lischka sich auf der Orgelempore aufgestellt hat, was den direkten Kontakt der beiden Spieler ermöglicht. Sie stellt hier eindrucksvoll ihre Qualitäten unter Beweis. De Cat kennen wir vor allem als Altus, aber er hat auch Orgel studiert, und er bringt hier gute und stilistisch überzeugenden Interpretationen. Nicht nur Bachfreunde, sondern auch Liebhaber der Gambe werden ihre Freude an dieser Produktion haben. Da wir schon bei Bach und der Viola da gamba sind, ist es ein kleiner Schritt zur letzten CD. Zum zweiten Mal hat sich das britische Gambenconsort Phantasm dem Klavierwerk von Bach gewidmet. Vor ein paar Jahren erschien eine CD mit dem Titel 'The Well-Tempered Consort'. Kernpunkt des Programms waren Präludien und Fugen aus den beiden Büchern des Wohltemperierten Klaviers, und dazu kamen noch einige andere Werke für Cembalo oder Orgel. Die jetzt erschienene Produktion mit dem gleichen Titel beschränkt sich dann ganz auf das Wohltemperierte Klavier. Aus den beiden Büchern erklingen 24 Stücke. Dabei fällt auf, dass meistens die Fugen separat gespielt werden; dagegen gibt es nur sechs Paare von Präludium und Fuge. Offensichtlich war nicht jedes Präludium spielbar. Man hat mit Recht auf jegliche Art von Bearbeitung verzichtet, abgesehen davon, dass bei zwei Paaren eine Transposition notwendig war. Unter Ensembles von Blockflöten ist Bachs Musik für Tasteninstrumente schon ziemlich beliebt; da sie vom Kontrapunkt beherrscht werden, sind sie fast ideal für so ein Ensemble geeignet. Dabei konzentriert man sich meistens auf die Orgelwerke, schon deswegen weil auch die Orgel ein Blasinstrument ist. Die Cembalowerke sind oft etwas anders strukturiert, und das hört man hier schon einige Male, wenn es Beispielsweise schnelle Läufe gibt. Auf einer Gambe sind die dann doch nicht so einfach darzustellen, im Vergleich zum Cembalo. Und auch die mehrmalige Wiederholung einer einzelnen Note, die auf dem Cembalo ganz selbstverständlich klingt, wirkt auf einer Gambe doch etwas unnatürlich. Aber insgesamt ist diese Aufnahme gut gelungen. Sie bietet eine andere Perspektive auf diese Werke; dann und wann mag die Mehrstimmigkeit hier sogar noch besser zu verfolgen sein als auf dem Cembalo, auch wegen der Durchsichtigkeit des Spiels von Phantasm und der exzellenten Aufnahme. Sowohl Bachliebhaber als Gambenfreunde kommen hier auf ihre Kosten. Johan van Veen Vor zwanzig Jahren: Alte Musik aktuell (AMA) 119 Mai 2002 Das Gabrieli Consort and Players unter Paul MCreesh hat für die Archivproduktion die Matthäuspassion von Bach in solistischer Besetzung (8 Sänger) eingespielt. Mit dem L’Orfeo Barockorchester unter Michi Gaigg ist als Oc-Produktion mit dem WDR eine CD mit SInfonien von Anton Fils (1733-1760) bei Cpo erschienen. Die Debutaufnahme des Mittelalter-Gesangsensemble Trio Medieval “Words of the Angel” (ECM 461 782-2) ist Nr. 5 in der Amazon.com Classical Hit List. Das Label Triptychon hat als CD-Erstveröffentlichung den 1692 in Augsburg erschienenen Suiten-Zyklus von Rupert Ignaz Mayr (1646-1712) veröffentlicht. Das Leipziger ensemble amarcord hat den Deutschen Musikwettbewerb gewonnen. J.E. Gardiner hat mir seinem Monteverdi Choir und seinen English Baroque Soloists für Philips die sechs späten Messen von Haydn aufgenommen. Als Wiederaufnahme der Osterfesttage zur Alten Musik 2001 wird die musikalische Komödie des belgischen Komponisten André-ErnestMoeste Grétry Kassander oder Das sprechende Bildnis im Schlosstheater Rheinsberg aufgeführt. Vom 30. Mai bis 2. Juni finden die Tage Alter Musik Dießen statt. Im Interview sprachen wir mit Gloria Banditelli (erster Teil). Berichtet wurde vom Flandernfestival Brügge 2002. Zu Platten des Monats Mai 2002 gekürt wurden die CDs: Settecento Veneziano: Galuppi, Albinoni, Platti, Vivaldi mit der Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone (Arts 476612), The Pleasures and Follies of Love mit Jennifer Lane, Hanneke van Proosdij, David Taylor und Katherine Kyme (Koch 3-7527-2) und Fiorenza. Barbella: Concerti, Sinfonie, Musica Napoletana Vol. 3 mit der Accademia per musica unter Christoph Timpe (Capriccio 10 881). Rezensent: Robert Strobl. Juni 2002 Das Pariser CD-Label Zig-Zag Territoires wird eine spezielle “Edition Anima Eterna” herausgeben mit Neuaufnahmen von Jos van Immerseel und seinem Anima Eterna Symphony Orchestra. Den Anfang macht eine Aufnahme von Walzern und Polkas von Johann Strauß Sohn. Reinhard Goebel dirigiert Händels Oper Ariodante am Stadttheater Freiburg. Sein 10jähriges Bestehen feierte die Salzburger Hofmusik mit ihrem Leiter, dem Pianisten Wolfgang Brunner, mit einem dreitägigen Jubiläumsfest im Mozarteaum. Der Geiger Gunar Letzbor, Leiter des Ensembles Ars Antiqua Austria, erhielt einen Classical Award 2002 für seine Einspielung der “Capricci Armonici” von Viviani. Mit der jungen amerikanischen Mezzosopranistin Vivica Genaux wurden für das Label Harmonia Mundi France eine CD mit “Arien für Farinelli” und Händels Rinaldo eingespielt. Zu Platten des Monats Juni 2002 gekürt wurden die CDs: Aliotti: Il Sansone mit dem Coro Antonio il Verso mit dem Ensemble Elyma unter Gabriel Garrido (K617 133), Manuscrit des Ursulines de la Nouvelle-Orléans: Desmarest, Salomon, Lully et al. mit Le Concert Lorrain unter Anne Catherine Bucher (K617 134) und Scarlatti: Concerti & Sinfonie mit Europa Galante unter Fabio Biondi (Virgin-Veritas 7243 5 45495 2 6). Rezensent: Robert Strobl. 26 TOCCATA - 119/2022 CD-UMSCHAU

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