Toccata 03/2022

TOCCATA - 119/2022 31 CD-UMSCHAU Produktion. Ich möchte aber zugleich betonen, dass das ganze Programm sehr unterhaltsam ist und sehr gut vorgetragen wird. Man hört hier wieder mehrere Stücke, die selten gespielt werden. Viele Tänze sind sehr kurz, und können nicht auf eigenen Beinen stehen. Hier sind sie zu Suiten zusammengefügt, und das macht Sinn. John Jenkins (15921678) war einer der wichtigsten Komponisten Englands seiner Zeit. Die längste Zeit seines Lebens war England noch ganz im Griff des alten Stils. Allerdings hat er in seinem Alter noch den Einzug des Barock - nach der Restauration der Monarchie 1660 - erlebt. Er komponierte viel Consortmusik, aber auch Sonaten mit Basso continuo. Er spielte die Gambe, aber auch die Violine. Wo die englische Consortmusik ziemlich häufig gespielt wird, sowohl von Gambenconsorts als von Ensembles mit Blockflöten, ist Jenkins relativ unbekannt. Das Gambenconsort Phantasm hat schon seine Consorts zu fünf und sechs Stimmen aufgenommen, und jetzt liegt die dritte und letzte Folge dieses Projektes vor, die die Consorts zu vier Stimmen gewidmet ist (merkwürdigerweise schon 2012 aufgenommen, aber erst jetzt auf CD erschienen). Das sind insgesamt 19 Stücke: 17 mit dem Titel Fantasy und zwei, die als Pavan bezeichnet werden. Jenkins benutzt sechs Tonarten: C-Dur und - Moll, D-Dur und -Moll, e-Moll, F-Dur sowie a-Moll. Diese sind jeweils mit einem Affekt verbunden. Ein Merkmal dieser Consorts ist auch, dass die Phrasen lang sind; es gibt kaum Pausen. Und wie man in englischer Musik dieser Zeit erwartet, gibt es auch mal unerwartete harmonische Fortschreitungen. Jenkins war ein Grossmeister im Bereich des Kontrapunkts, und das kommt hier optimal zum Ausdruck. Phantasm schafft es, die schier unendliche Bewegung zu realisieren, ohne dass die Spannung je abflaut. Das Spiel ist schön und schnörkellos, wie diese Stücke es verlangen. Dabei wird auch ein Höchstmass an Durchsichtigkeit erreicht. Liebhaber der Consortmusik sollten sich diese Produktion nicht entgehen lassen. Matthew Locke (16211677) war eine ganz andere Persönlichkeit und das kommt in seiner Musik zum Ausdruck. Obwohl er generell der Musik des Kontinents, die vor allem nach der Restauration sich in England verbreitete, skeptisch gegenüberstand, ist der Einfluss der französischen Musik in seinem Oeuvre unverkennbar. Er hatte diese während eines Aufenthalts in den Niederlanden kennengelernt, und in seinem Oeuvre gibt es viele Courantes, die von diesem Einfluss zeugen. Die Sammlung The Flat Consort besteht aus fünf Suiten unterschiedlicher Länge. Jede Suite fängt mit einer Fantazia an. Es folgen dann Tänze wie Courante, Saraband und Jigg und weitere Fantazias. Die Besetzung ist ebenfalls unterschiedlich: die ersten zwei sind für Diskant-, Tenor- und Bassgambe, die drei übrigen für Diskantgambe und zwei Bassgamben. Eine weitere Besonderheit ist, dass alle Suiten mit einem Basso-continuo-Part versehen sind, die in der Aufnahme von Fretwork auf Erzlaute bzw. Theorbe sowie Cembalo dargestellt wird. Und weiter enthält diese Sammlung zwei Duos für zwei Bassgamben, die grundsätzlich die gleiche Struktur aufweisen. Locke gibt den Interpreten auch Hinweise: sie sollen 'divisions' - also Diminutionen - vermeiden. Das will aber nicht heissen, dass diese Musik ganz ohne Verzierungen dargestellt werden sollte. Man hat sich für diese Aufnahme bei Lockes Freund und Kollege Christopher Simpson orientiert, der eine Tabelle mit Verzierungen erstellen liess. Diese werden hier in die Interpretation einbezogen. Der Unterschied zur Musik von Jenkins kommt hier klar zum Ausdruck: hier gibt es keine unendliche Linien, aber eher kontrastierende Abschnitte. Auch im harmonischen Bereich geht Locke eigene Wege. Das kommt in dieser Darbietung ganz klar zum Tragen. Fretwork gehört, wie Phantasm, zur Spitze im Bereich der Consortmusik. Diese technisch makellose und engagierte Interpretationen lassen die Qualitäten und Eigenartigkeiten der Musik von Matthew Locke eindrucksvoll zum Ausdruck kommen. Johan van Veen A Gabrieli: Motetten und Orgelwerke. Weser-Renaissance Bremen, Manfred Cordes; Edoardo Bellotti (Orgel) CPO - 555 291-2 (2018; 69') Il Pesarino - Venezianische Motetten des Frühbarock. Matthias Lucht (Altus), Jürgen Banholzer (Cembalo, Orgel) 05. - 07. August 2022 www.ausseerbarocktage.com Ausseer Barocktage FREITAG 05. August / 20 Uhr, PFARRKIRCHE ST. PAUL BAD AUSSEE ENRICO ONOFRI & ENSEMBLE IMAGINARIUM „INTO NATURE“ Klänge von Mutter Erde SAMSTAG 06. August / 18 Uhr, SPITALKIRCHE BAD AUSSEE SABRINA FREY & LUCA QUINTAVALLE & ALESSANDRO PALMERI „UN VIAGGIO MUSICALE“ Eine musikalische Reise durch Italien SONNTAG 07. August / 18 Uhr, PFARRKIRCHE GRUNDLSEE KLEMENS BITTMANN & GEORG GRATZER „TELEMANNIA“ Jazz meets Telemann ONLINE: tickets@ausseerbarocktage.com - https://kultur.ausseerland.at | TICKETHOTLINE: +43 660 1713778 PERSÖNLICH: in allen Informationsbüros des Ausseerlandes oder unter +43 3622 52323 INTERNATIONAL RENOMMIERTE KÜNSTLER MUSIZIEREN AUF HISTORISCHEN INSTRUMENTEN

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