Toccata 04/2022

Ju l i -Augus t 2022 Nr. 4/2022 ➲ NACHRICHTEN ➲ CD-NEUHEITEN ➲ CDDES MONATS ➲ CD-TIPPS ➲ CD-UMSCHAU ➲ INTERVIEWS: SOPHIE GENT JOSETXU OBREGÓN BETTINA WINKLER ➲ BUCH- UND NOTENBESPRECHUNGEN ➲ FESTIVALBERICHTE ➲ TERMINE IN DIESER AUSGABE: INTERVIEWmit Sophie Gent 120 Foto: Marco Borggreve

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INHALT Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 CD-Neuheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 CDs des Monats . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 CD-Tipps . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 CD-Umschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Interview mit Nicoleta Paraschivescu . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Interview mit Sophie Gent . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Interview mit Josetxu Obregón . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 Interview mit Bettina Winkler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 Konzert- und Festivalberichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .40 In dieser Ausgabe sprachen wir im Interview mit der australischen Geigerin und Konzertmeisterin des Ensemble Masques sowie vieler weiterer Ensembles Sophie Gent, dem spanischen Cellisten und Leiter des Ensembles La Ritirata Josetxu Obregón und der deutschen Journalistin und Musikwissenschaftlerin Bettina Winkler. Ferner befragten wir im “CD-Interview” die Organistin, Cembalistin und Leiterin des Ensembles La Floridiana Nicoleta Paraschivescu über ihre neue CD. Ferner berichten wir von den Blockflötenfesttagen in Bad Kissingen und den Tagen Alter Musik Regensburg 2022. Schließlich finden Sie die Nachrichten, CD-Neuheiten, die CDs des Monats, die CD-Tipps, die CD-Umschau und wieder einen Rückblick auf 20 Jahre Alte Musik aktuell. Ihr Stephan Schmid VORWORT Impressum: Redaktion, Anzeigen- und Abonnementverwaltung: Pro Musica Antiqua, Postfach 10 08 30, 93008 Regensburg, Telefon (09 41) 5 26 87, Fax (09 41) 5 30 94 e-mail: pro.musica.antiqua@t-online.de Internet: www.toccatamagazin.de Erscheinungsweise: zweimonatlich, jeweils zu Beginn jeden ungeraden Monats (6 Ausgaben pro Jahr) Jahresabonnement: kostenlos Redaktionsschluß: jeweils zum 1. des Vormonats. Redaktionsleitung: Stephan Schmid Redaktion: Stephan Schmid, Wolfgang Reihing Herausgeber: Stephan Schmid, Pro Musica Antiqua, Postfach 10 08 30, 93008 Regensburg (Germany), Telefon (09 41/ 5 26 87) Druck: Mühlbauer-Druck Hengersberg Die in den Artikeln und Rezensionen vertretenen Meinungen geben alleine die Meinung des jeweiligen Verfassers wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Datenträger, Fotos und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. ISSN 0942-9034 TOCCATA - 120/2022 MUSIK.INSPIRATION GOTHA Akamus Jermaine Sprosse THE PRESENT Núria Rial Coline Dutilleul Antje Rux Aline Zylberaich-Gester La Chapelle Rhénane Jens Goldhardt WEIMAR Ensemble Hofmusik 29.09.— 03.10. 2022 gueldener-herbst.de

Bayreuth: Vom 07.-18.09. entführt das Bayreuth Baroque Opern Festival 2022 an fünf Spielorten in Bayreuth mit über 16 Veranstaltungen in die schillernde Welt des Barock. Die dritte Edition steht dabei ganz im Zeichen der römischen Oper. Den Start macht die Neuinszenierung von Leonardo Vincis Alessandro nell‘Indie durch den künstlerischen Leiter des Opernfestivals Max Emanuel Cencic – mit einer reinen Männerbesetzung. Auch zwei konzertante Opern, ein Oratorium und viele Konzerte präsentieren das virtuose römische Barockrepertoire mit Stars der internationalen Barockszene wie Franco Fagioli, Bruno des Sá, Jeanine De Bique und Julia Lezhneva. Das Residenzorchester der diesjährigen Ausgabe ist {oh!} Orkiestra unter der musikalischen Leitung von Martyna Pastuszka. Wenn sich am 07.09. im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth der Vorhang zum Start des Opernfestivals hebt, wird Vincis Oper Alessandro nell‘Indie über den Indienfeldzug Alexander des Großen erstmals seit beinahe 300 Jahren wieder vollständig zu hören sein, uraufführungsgetreu in reiner Männerbesetzung mit Franco Fagioli (Poro), Bruno de Sá (Cleofide), Jake Arditti (Erissena), Dennis Orellana (Alessandro), Stefan Sbonnik (Gandarte) und Nicholas Tamagna (Timagene), es musizieren das {oh!} Orkiestra und der Chor des Bayreuth Baroque Opera Festival unter der musikalischen Leitung von Martyna Pastuszka. Das Libretto Pietro Metastasios wurde insgesamt fast 80 Mal vertont, auch Wilhelmine von Bayreuth brachte 1741 in Erlangen eine Oper basierend auf diesem populären Libretto heraus. Bayreuth Baroque präsentiert 2022 drei weitere theatralisch-konzertante Aufführungen: Die Festa pastorale Il Nascimento dell’aurora (15.09.) des großen venezianischen Melodikers Tomaso Albinoni entstand zur Ehrung der Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel anlässlich ihres Geburtstags. Die Handlung des vermutlich 1711 uraufgeführten Werkes vermischt allegorisches, lieblich-süßes Nichts mit Anspielungen auf den Spanischen Erbfolgekrieg. Giovanni Bononcinis Griselda wird erstmals seit 1733 wieder vollständig aufgeführt, mit eigens durch den Komponisten und Barockspezialisten Dragan Karoli neu komponierten Rezitativ-Texten Apostolo Zenos’. Das Dramma per musica erzählt von Gualtiero, König von Sizilien, der die Schäferin Griselda liebt, was auf Grund der Ständeordnung selbstverständlich zu Konflikten führen muss (18.09.). Da die Oper im Rom des 17. Jahrhunderts als weltliche Gattung der päpstlichen Zensur ausgeliefert war, wurden Oratorien geistlichen Inhalts zu den bevorzugten und erfolgreichsten Werken im Kirchenstaat. Wie Alessandro nell’Indiewird auch das OratoriumSan Giovanni Battista des skandalumwitterten Komponisten Alessandro Stradella in einem Kerzenschein-Konzert in reiner Männerbesetzung nach dem Vorbild der Uraufführung zu erleben sein (14.09.). Weitere Highlights der diesjährigen Ausgabe sind Gala-Konzerte mit Bruno de Sá und Il Pomo d’Oro (16.09.), Max Emanuel Cencic feiert in Bayreuth mit Armonia Atenea, dem letztjährigen Residenzorchester, sein 40jähriges Bühnenjubiläum (10.9.), Jeanine De Bique kommt mit Concerto Köln (08.09.) und Julia Lezhneva wird mit dem diesjährigen Residenzorchester {oh!} Orkiestra zu erleben sein (17.09.). Abgerundet wird das Programm von vielen weiteren Konzerten an historischen Orten in Bayreuth, darunter das im letzten Jahr so beliebte Dinnerkonzert im Sonnentempel der Orangerie in der Eremitage. Neu in diesem Jahr sind Kerzenlicht-Konzerte in Stadt- und Schlosskirche sowie erstmals drei Konzerte in der Ordenskirche St. Georgen. Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth Thomas Ebersberger zur Festivalausgabe 2022: „Bayreuth Baroque verspricht auch in diesem Jahr eines der weltweit führenden Festivals der Barockmusik zu sein. Es vereint den wissenschaftlichen Anspruch, Werkneuentdeckungen zu zeigen mit höchster Virtuosität der Musiker und Sänger und wegweisenden Inszenierungen. Die Gesamtkonzeption des Festivalprogramms zeugt von der Sensibilität und künstlerischen Präzision, mit der die Intendanz arbeitet, die Spielorte um das Markgräfliche Opernhaus, unser Welterbe, lassen das Festival zu einem Gesamtkunstwerk werden. Als Oberbürgermeister freue ich mich, wenn Menschen aus Paris, London, New York, Tokyo und anderen Metropolen wieder zu uns nach Bayreuth reisen, weil bei uns die höchste Musikkunst zelebriert wird.” Max Emanuel Cencic: „Wir sind stolz darauf, bei der dritten Ausgabe des Bayreuth Baroque Opera Festivals wieder Barockmusikhighlights zu präsentieren – dieses Jahr mit einem besonderen Spot auf der römischen Oper. Den Auftakt der neuen Festspielsaison macht unsere Neuinszenierung von Leonardo Vincis Alessandro nell’Indie. Diese Wiederentdeckung ist eine Meisteroper Vincis, die ich seit fast zehn Jahren auf die Bühne bringen will. Besonders am Herzen liegen mir auch viele aufregende Konzerte, die teils in eigens für die einzigartigen Orte in Bayreuth konzipierten Formaten, teils an neuen Spielorten zu erleben sein werden. Und vor allem freue ich mich auf endlich einschränkungsfreie Vorstellungen.“ Clemens Lukas ergänzt: „Dass wir 2022 mit Bayreuth Baroque erneut ein begeistertes Publikum ansprechen können, liegt nicht zuletzt an unseren starken Partnern, die uns nachhaltig unterstützen. Nur so konnten und können wir diese Pandemiejahre überstehen. Jetzt schauen wir umso erwartungsvoller auf die kommende Ausgabe mit all ihren Highlights und zu entdeckenden Kleinoden.“ Wie auch in den letzten Jahren wird Bayreuth Baroque durch viele Übertragungen im Fernsehen und Streamings auf unterschiedlichen Plattformen weltweit ausgestrahlt. www.bayreuthbaroque.de/ Leipzig: Auf einer Auktion des Londoner Auktionshauses Sotheby‘s erwarb das Bach-Archiv Leipzig 2021 die bislang verschollen geglaubten originalen Handschriften des Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach. Das seltene Frühwerk war 1731 in Leipzig entstanden. Am 13. April präsentierten die Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig, Dr. Skadi Jennicke, und der Direktor des Bach-Archivs, Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, die frisch restaurierte Partitur samt Stimmensatz der Öffentlichkeit. Der Komponist hatte das dreisätzige Stück für Violine, Flöte und Generalbass im Alter von 17 Jahren unter den Augen seines Vaters geschrieben und in späteren Jahren überarbeitet. Mit dem Ankauf durch das Bach-Archiv Leipzig kehrt dieses singuläre Quellenmaterial zur Bach-Rezeption an den Ort seiner Entstehung – den Leipziger Thomaskirchhof – zurück. Hier ist es erstmals und zudem dauerhaft öffentlich zugänglich. Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig: »Der Komponist Carl Philipp Emanuel Bach hat den Großteil seines Leipziger Frühwerks in späteren Jahren selbst vernichtet. Es ist daher sowohl für die Stadt Leipzig als auch für die Musikforschung bedeutsam, dass Partitur und Stimmen einer 1731 entstandenen und später überarbeiteten Triosonate Bachs nun die Sammlung des Bach-Archivs Leipzig bereichern. Das Werk stammt aus der Feder eines 17Jährigen, der geprägt ist von dem reichen Musikkosmos Leipzigs. Die Aura der belebten Kantorenwohnung am Thomaskirchhof, die Ausbildung an der Thomasschule und das studentische Musizieren formten einen jungen Musiker, der später als einer der bedeutendsten Komponisten der Empfindsamkeit und hoch angesehener Musikdirektor der Stadt Hamburg in die Musikgeschichte einging.« Die mit großzügiger Unterstützung der privaten Spenderinnen und Spender Barbara Lambrecht-Schadeberg, Adelheid und Jon Baumhauer sowie Dr. Arend Oetker erworbene autographe Notenhandschrift hatte sich im Nachlass des Händel-Forschers Friedrich Chrysander (1826–1905) erhalten und war bis zur Auktion im Besitz seiner Nachkommen verblieben. Im Anschluss an den Ankauf wurde das Quellenmaterial durch die auf Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut spezialisierte Schempp Bestandserhaltung GmbH in Kornwestheim umfänglich restauriert. Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig: »Die Musikstadt Leipzig ist nach außen hin weithin sichtbar durch ihre berühmten Institutionen, traditionsreichen Stätten und beliebten Veranstaltungen. Ihr Fundament aber liegt in dem Schatz ihrer musikalischen Denkmäler: die seit mehr als fünf Jahrhunderten hier zusammengetragenen wertvollen Handschriften und gedruckten Ausgaben. Sie bilden das bedeutsame Erbe, das es zu pflegen, zu mehren, zu erforschen und für die Praxis aufzubereiten gilt. Auch das Bach-Archiv wurde einst gegründet, um die in Leipzig befindlichen Kompositionen der Musikerfamilie Bach zu bewahren. In den vergangenen Jahren NACHRICHTEN 4 TOCCATA - 120/2022 Die Restaurierung der Triosonate von C. P. E. Bach erfolgte durch die Schempp Bestandserhaltung GmbH. Foto: Bach-Archiv Leipzig/Schempp Bestandserhaltung GmbH

konnte die einzigartige Sammlung des Hauses erfolgreich erweitert werden; sie ist mittlerweile ein Magnet für Wissenschaftler:innen und Musiker:innen aus aller Welt. Ich freue mich, dass sich mit der in Leipzig entstandenen Triosonate nun auch eine seltene originale Handschrift des jungen Carl Philipp Emanuel Bach in diese Sammlung einreiht.« Das Bach-Archiv Leipzig versteht sich als musikalisches Kompetenzzentrum am Hauptwirkungsort Johann Sebastian Bachs. Sein Zweck ist, Leben, Werk und Wirkungsgeschichte des Komponisten und der weit verzweigten Musikerfamilie Bach zu erforschen, sein Erbe zu bewahren und als Bildungsgut zu vermitteln. Im Bewusstsein der Bedeutung Bachs erfüllt es im historischen Bosehaus am Thomaskirchhof einen umfassenden und vielfältigen Auftrag für eine breite internationale Öffentlichkeit. Zugleich leistet es damit einen Beitrag zur Profilierung der Musikstadt Leipzig, deren kulturelle Identität der Name Bach maßgeblich prägt. Das Bach-Archiv ist Mitglied der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen und gehört zu Deutschlands »Kulturellen Leuchttürmen«. Es zählt laut einer von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien erstellten Studie zu den »wichtigsten gesamtstaatlich bedeutsamen Kultureinrichtungen« in den neuen Bundesländern. www.bach-leipzig.de Ausseer Barocktage: Seit ihrer Gründung haben sich die Ausseer Barocktage einen festen Platz in der Kulturszene des Ausseerlandes gesichert und finden nach einem Jahr Pause im August 2022 zum siebten Mal statt. Die künstlerische Leitung übernimmt 2022 erneut die Flötistin Sabrina Frey, die Organisation betreut Dr. Verena Frey. Auch dieses Jahr werden musikalische Höhepunkte die Zuhörer wieder in eine andere Welt mit pulsierenden Klängen und zauberhaften Melodien entführen. Vom 5. - 7. August 2022 finden drei ganz unterschiedliche hochkarätige Konzerte in den schönen Kirchen des Ausseerlandes statt. Für das erste, große Konzert am 5. August konnte ein internationaler Star der Barockmusikszene und außerordentlicher Künstler auf der Violine, Enrico Onofri, mit seinem Ensemble Imaginarium gewonnen werden. Sein Programm "Into Nature" wird mit Barockmusik von Komponisten verschiedener Epochen, die der Natur, ihren Klängen und ihrem Einfluss auf den Menschen gewidmet ist, begeistern - ein Programm, welches seinesgleichen sucht und weltweit Preise sowie höchstes Lob gewonnen hat! 20h Stadtpfarrkirche St. Paul Bad Aussee. Am 6. August wird ein intimes Kammermusikkonzert mit drei Musikern in einer der ältesten und stimmungsvollsten Kirchen des Ausseerlandes gespielt. Die weichen Klänge von Sabrina Frey’s Flöten verschmelzen mit den inspirierten und spontan interpretierten Linien des italienischen Cembalos von Luca Quintavalle. Alessandro Palmeri wird das Konzert mit den Klängen seines historischen Barockcellos des 17. Jahrhunderts bereichern. Unter dem Titel "Un Viaggio Musicale" werden auf erfrischende Art Sonaten von Scarlatti, Ferronati, Telemann und Zeitgenossen dargeboten. 18h Spitalkirche am Meranplatz, Bad Aussee Den Abschluss des Festivals am 7. August bildet das beliebte CrossoverKonzert mit den Multi-Instrumentalisten Klemens Bittmann und Georg Gratzer. In ihrem Programm "Telemannia" – Jazz meets Telemann - spannen sie den Bogen von dem "Popstar des Barock" hin zu freiem Jazz, Filmmusik, Eigenkompositionen und Musik mit volkstraditionellen Elementen. Mit den beiden weithin bekannten Ausnahmekünstlern werden die Fetzen fliegen! 18h Pfarrkirche Herz Jesu Grundlsee. Nähere Information unter www.ausseerbaocktage.com, Karten unter tickets@ausseerbarocktage.com oder Mo.-Fr. unter der Tickethotline +43 660 171 3778. Online unter https://kultur.ausseerland.at und in allen Infobüros des Ausseerlandes +43 3622 523 23. Ein Abonnement für alle drei Konzerte kann unter der Ticket Hotline für € 110, Jugend bis 20 Jahre € 65 erworben werden Griselda: Die von Max Emanuel Cencic wiederentdeckte Oper Griselda, Oper in 3 Akten von Giovanni Bononcini ist eine Welterstaufführung seit 1733 mit Texten von Paolo Antonio Rolli, und neu komponierten Rezitativen von Dragan Karolic. Die von Max Emanuel Cencic wiederentdeckte Oper wurde im April 2022 im Konzerthaus Breslau, und wird am Sonntag, den 18. September 2022, 15 Uhr, im Markgräfliches Opernhaus im Rahmen von Bayreuth Baroque gezeigt. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von M° Benjamin Bayl, der mit dieser Oper sein Bayreuth Debüt geben wird. Die Titelpartie wird alternierend von den Kontraaltistinnen Wanda Franka in Breslau und Sonja Runje in Bayreuth gesungen. Ausgewiesene Barockspezialisten stehen für die 4 anderen Partien zur Verfügung. Star-Countertenor Max Emanuel Cencic feiert in diesem Kalenderjahr sein 40-jähriges Bühnenjubiläum, und stellt in seinem Jubiläumsjahr neben Griselda, mit Alessandro nell’Indie (von Leonardo Vinci) und Il Venceslao (von Antonio Caldara) noch zwei weitere Welterstaufführungen vor. In der Griselda übernimmt Max die Partie des Gualtiero. Der blutjunge, erst 21-jährige, aus Honduras stammende männliche Sopranist, Dennis Orellana ist mit der Rolle des Ernesto die zweite Engelsstimme. Die junge österreichische Sopranistin, Johanna Rosa Falkinger, ist als Almirena, und das junge serbische, in Wien lebende Bassbariton Sreten Manojlovic interpretiert die Partie des Rembaldo. Es musiziert das Wroclaw Baroque Orchestra. Dafne: Ende 2018 hörte Michael Stüve von der Wiederentdeckung eines wichtigen Manuskripts, einem frühen Entwurf der ‘Dafne’ Ottavio Rinuccinis in 212 Versen, der später auf 445 Verse erweitert und in der Vertonung durch Jacopo Peri aufgeführt wurde. Diese Aufführung fand einige Jahre vor jener der Oper ‘Euridice’ 1600 aus Anlaß der Hochzeit per procura der Maria de’ Medici mit Heinrich IV von Frankreich statt. Peris Musik der ‘Dafne’ in 445 Versen ist verloren, nur das Textbuch hat sich erhalten und sechs kleine Kompositionen: drei Canzonette, zwei Madrigale und eine ottava rima, die sich in Bibliotheken in Florenz und Brüssel erhalten haben. In zwei von ihnen ist Jacopo Corsi als Komponist genannt, die andern sind bestimmt von Peri, der in jenen Jahren eng mit Corsi und Rinuccini zusammenarbeitete. Die Texte von zwei dieser auskomponierten Stücke stimmen allerdings nicht mit jener ‘Dafne’ der 445 Verse überein, während sie alle mit der kürzeren Version übereinstimmen, die nun kürzlich – nach 500 Jahren – wiederaufgetaucht ist. Francesca Fantappié hat das Manuskript im Nationalarchiv in Florenz entdeckt. Nachdem durch diesen Fund vermutlich der allereste Entwurf einer Oper in der Musikgeschichte zum Vorschein gekommen und etwa 30% der ursprünglichen Vertonung erhalten ist, wurde Michael Stüve gefragt, ob er nicht die restlichen Teile musikalisch vervollständigen könnte. Die Arbeit Ende 2018 hörte ich von der Wiederentdeckung eines wichtigen Manuskripts, einem frühen Entwurf der ‘Dafne’ Ottavio Rinuccinis in 212 Versen, der später auf 445 Verse erweitert und in der Vertonung durch Jacopo Peri aufgeführt wurde. Diese Aufführung fand einige Jahre vor jener der Oper ‘Euridice’ 1600 aus Anlaß der Hochzeit per procura der Maria de’ Medici mit Heinrich IV von Frankreich statt. Peris Musik der ‘Dafne’ in 445 Versen ist verloren, nur das Textbuch hat sich erhalten und sechs kleine Kompositionen: drei Canzonette, zwei Madrigale und eine ottava rima, die sich in Bibliotheken in Florenz und Brüssel erhalten haben. In zwei von ihnen ist Jacopo Corsi als Komponist genannt, die andern sind bestimmt von Peri, der in jenen Jahren eng mit Corsi und Rinuccini zusammenarbeitete. Die Texte von zwei dieser auskomponierten Stücke stimmen allerdings nicht mit jener ‘Dafne’ der 445 Verse überein, während sie alle mit der kürzeren Version übereinstimmen, die nun kürzlich – nach 500 Jahren – wiederaufgetaucht ist. Francesca Fantappié hat das Manuskript im Nationalarchiv in Florenz entdeckt. Nachdem durch diesen Fund vermutlich der allereste Entwurf einer Oper in der Musikgeschichte zum Vorschein gekommen und etwa 30% der ursprünglichen Vertonung erhalten ist, wurde Michael Stüve gefragt, ob er nicht die restlichen Teile musikalisch vervollständigen könnte. Michael Stüve beendete die Arbeit gerade noch rechtzeitig vor der geplanten AufTOCCATA - 120/2022 NACHRICHTEN 5 Enrico Onofri & Imaginarium bei den Ausseer Barocktagen 2022, Foto: Enrico De Luigi, Berrtrrand Pichène

führung, die am 12. April 2019 im Rahmen einer internationalen Konferenz über ‘Patrician Families and the Financing of Culture in Florence circa 1600’, die vom Institut Lorenzo de’ Medici und der Universität Florenz organisiert wurde, stattfand. Hier einige Auszüge: https://drive.google.com/file/d/1EOHaDZZrN1Z84QERqj19dffZ_hkvMK2l/ view?usp=sharing&ts=626e9c57 Akademie 2022: Vom 12. bis 17. September 2022 findet die 2. Akademie von Les Passions de l’Âme unter dem Motto «Übung macht Meister:innen» statt. Die Akademie in historisch informierter Aufführungspraxis mit Dozent:innen aus dem Orchester und mit dem Sänger Jonathan Sells richtet sich 2022 an Instrumentalist:innen und Chorsänger:innen: jüngere, ältere und zeitlose Amateur:innen, Studierende und Profis. Barockinstrumente erwünscht, Spieler:innen auf modernem Instrumentarium sind auch herzlich willkommen. Preis: Der französische Countertenor Philippe Jaroussky erhält den Musikfest-Preis Bremen 2022. Mit dem undotierten Preis zeichnet das Festival seit 1998 jährlich bedeutende Solisten, Ensembles, Orchester und Dirigenten aus, die durch ihr herausragendes künstlerisches Wirken in der internationalen Musikwelt eigenständige Akzente gesetzt und das Profil des Musikfests entscheidend mitgeprägt haben. Preisträger vergangener Jahre waren unter anderem Nikolaus Harnoncourt, Sir Roger Norrington, Marc Minkowski, Anne Sofie von Otter, Hélène Grimaud, Janine Jansen, Rolando Villazón, Jérémie Rhorer, Teodor Currentzis und zuletzt Philippe Herreweghe. Philippe Jaroussky, geboren 1978 in Maisons-Laffitte bei Paris, studierte zunächst nach der Schule Violine, Klavier und Komposition an den Regionalkonservatorien von Versailles und Boulogne-Billancourt. Von seiner stimmlichen Begabung erfuhr er erst mit 18 Jahren durch einen Zufall, als er die Gesanglehrerin Nicole Fallien kennenlernte. Nach nur drei Jahren Gesangsausbildung feierte er mit gerade einmal Anfang Zwanzig bereits seinen Durchbruch! Neben der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit renommierten Alte-Musik-Ensembles wie Le Concert d’Astrée, L’Arpeggiata, I Barocchisti, Ensemble Matheus oder Europa Galante, realisiert Philippe Jaroussky seit 2002 vor allem auch mit dem von ihm mitbegründeten Ensemble Artaserse viele seiner sorgfältig zusammengestellten Konzertprogramme und CD-Einspielungen. Nicht zuletzt durch die Auszeichnung im Jahr 2008 mit einem ECHO Klassik als „Sänger des Jahres“ – als erster Countertenor in der Geschichte dieses Preises – hat er hierzulande wie kaum ein Zweiter die hohe Stimmlage weit über die Grenzen der Alten Musik hinaus bekannt gemacht und sich als eine der bedeutendsten Sängerpersönlichkeiten der internationalen Musikwelt etabliert. Im 2017 eröffneten Pariser Konzerthaus „La Seine Musicale“ im Stadtteil Boulogne-Billancourt widmet er sich mit der „Académie Musicale Philippe Jaroussky“ gezielt der musikalischen Förderung junger Menschen. Die Akademie ermöglicht Kindern und Jugendlichen zwischen 7 und 12 Jahren aus einkommensschwachen Familien der Region einen kulturellen Zugang zur Musik und bietet jungen angehenden Musiker*innen zwischen 18 und 25 Jahren professionelle Unterstützung und ergänzende Förderung zu ihrem Studium an einem Musikkonservatorium oder einer Hochschule. Beim Musikfest Bremen 2009 gab Philippe Jaroussky sein gefeiertes Bremen-Debüt mit geistlichen Arien aus dem italienischen Barock in der Kirche Unser Lieben Frauen, begleitet von Concerto Melante. Seitdem hat der französische Countertenor mit verschiedenen Programmen in wechselnden Besetzungen in sieben weiteren Festival-Auftritten mit Gesängen von Claudio Monteverdi über Giovanni Battista Pergolesi und Georg Friedrich Händel bis zu Juliette Gréco begeistert. Dabei hat er nicht nur immer wieder populären Arien seinen persönlichen Stempel aufgedrückt, sondern sich als unermüdlich in Archiven Forschender auch für Musik von Antonio Caldara, Nicola Porpora, Giovanni Bononcini oder wie zuletzt französische „Airs de cour“ eingesetzt. „Seit seinem Musikfest-Debüt in 2009 hat Philippe Jaroussky mit seinen Festival-Auftritten in Bremen, Oldenburg und Varel eindrucksvoll unterstrichen, warum er seit zwei Jahrzehnten einer der führenden Countertenöre in der internationalen Musikwelt ist. Seine glockenklare, intonationsrein geführte Stimme fasziniert durch ein sinnliches Timbre und jede Form von Virtuosität stellt er kontinuierlich in den Dienst einer berührenden Intensität des Ausdrucks. Immer schaut er dabei unter die Oberfläche der Musik und zeigt gerade in der Fähigkeit, mit jeder Arie Situationen und Figuren zu beglaubigen, seine Meisterschaft“, begründet die Jury die Entscheidung. Im diesjährigen Musikfest Bremen wird Philippe Jaroussky am Freitag, 26. August, um 20 Uhr in der Glocke vom französischspanischen Gitarristen Thibaut Garcia in einem Recital begleitet, bei dem die beiden eine musikalische Reise um die Welt quer durch 400 Jahre Liedgut verschiedener Kulturen präsentieren. Knechtsteden: Die verborgenen Wirklichkeiten in der Musik hör- und sichtbar zu machen ist die große Mission, die sich als roter Faden durch 31 Jahre Festivalgeschichte zieht. Frei nach dem Motto „Man hört nur, was man weiß“ lädt Hermann Max in neun Konzerten vom 17. bis 24. September zu einer bewusstseinserweiternden Reise ein. Der Vorverkauf startet bei KölnTicket am 1. August, Mitglieder des Freundeskreises können sich schon ab Juni die besten Tickets sichern. Fixpunkte im Hauptprogramm sind traditionell die gewichtigen Eigenproduktionen mit den Hausensembles Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert – so auch in diesem Jahr. Prachtvollen Chorklang zum frankophilen Eröffnungskonzert gibt es am 17. September mit Telemann (Deus Judicium Tuum), Bach (Orchester-Suite C-Dur) und Lully (Miserere). Am 20. September stehen italienische Einflüsse rund um Händel (Dixit Dominus), Alessandro Scarlatti (Messa di St. Cecilia) und Steffani (Stabat Mater) im Mittelpunkt. Beide Konzerte öffnen die Ohren dafür, wie eng sich Komponisten der Zeit trotz – oder gerade wegen – der Eigenheiten ihrer Regionalstile gegenseitig anregten. Am 21. September nimmt Hermann Max das Publikum im Motettenprogramm Von Orlando di Lasso bis in die Gegenwart mit in die Hexenküche des Komponierens: In großem Bogen von Monteverdi über die Bach-Familie begegnen sich Gestern und Heute des Tonsatzes – letzteres in Auftragswerken von vier jungen KomponistInnen, die barocke Sujets aufgreifen und in der Musiksprache der Gegenwart vertonen. Das Abschlusskonzert am 24. September setzt eine bereits im letzten Jahr begonnene Spurensuche nach dem wechselnden Klangideal barocker Musik durch die Zeiten fort: Bei Bach im 19. Jahrhundert treffen Hörerlebnisse der Zeit auf ihre Begeisterung für gegensatzreiche Abendprogramme, wenn die moderne Erstaufführung von Wilhelm Wilms‘ Drie geestelyke Liederen für Bass und Orchester auf Chorwerke von Brahms sowie Herzogenberg und Bachs virtuose Konzerte für 2 bzw. 3 Cembali mit Kiveli und Danae Dörken und Tobias Koch an gleich drei historischen Hammerflügeln treffen. Verborgenen Wirklichkeiten ist das Festival auch in kammermusikalischen Eigenproduktionen auf der Spur. Ein Instrumentalkonzert am 18. September gibt tiefe Einblicke in das freundschaftliche Beziehungsgeflecht zwischen Johannes Brahms, Joseph Joachim sowie Clara und Robert Schumann, prominent besetzt mit Florian Donderer (Violine) und Tobias Koch (Klavier); Constanze Backes moderiert. Rund um den 300. Geburtstag von Bachs Wohltemperiertem Clavier I strickt sich die dreiteilige Reihe Bilderbuch Bach. Nach einem gemeinsamen Werkstattgespräch mit der Musikwissenschaftlerin Dagmar Glüxam und dem Musikjournalisten Bernhard Schrammek widmen sich die Tastenvirtuosen Tobias Koch, Menno van Delft und Michael Borgstede am 19. September der wohl berühmtesten Klavierschule aller Zeiten. Ein weiteres Kapitel schlägt die spanische Cembalistin Amaya Fernández Pozuelo am 22. September auf. Anlässlich des Jubiläums ist eine neue digitale Produktion rund um die Geschichte des Tastenzyklus geplant, die ab September u.a. über die FestivalApp verfügbar sein wird. Gäste der Landpartie am 18. September und der Gregorianischen Nacht am 23. September sind die Capella della Torre und das estnische Vokalensemble Heinavankar. Bereits vor Festivalbeginn startet mit Globe Baroque – Sommeroper im Globe Neuss ein neues Format in Kooperation mit dem Kulturamt Neuss. Die Premierenproduktion am 24. August wird mit Alessandro Scarlattis Serenata Il giardino d’amore gefeiert, hochkarätig besetzt mit Roberta Mameli, Xavier Sabata und dem Ensemble 1700 unter der Leitung von Dorothee Oberlinger. Per Muskelkraft zum Hörgenuss: Nach der erfolgreichen Movimento-Premiere im vergangenen Jahr starten im September 2022 gleich zwei Routen. Movimento I – Die musikalische Radtour am Rhein verläuft am 11.9. (Tag des offenen Denkmals) von Düsseldorf über Monheim nach Dormagen. MOovimento II – Die musikalische Radtour an der Erft findet am 25.9. zwischen Grevenbroich und Neuss statt. Entlang von jeweils 28 Streckenkilometern präsentieren Kommunen und Kulturveranstalter auf Initiative des Festivals ein abwechslungsreiches Programm vorbei an Schlössern und Klöstern, Auen und Baggerseen mit Kurzkonzerten, Kleinkunst und Besichtigungen. Das detaillierte Movimento-Programm zu beiden Touren wird am 1. Juni unter www.movimento-fahrradkonzert.de veröffentlicht. Schütz: Vor 350 Jahren starb Heinrich Schütz (1585–1672): der bedeutendste deutsche Komponist vor Johann Sebastian Bach. Der Dresdener HofkaNACHRICHTEN 6 TOCCATA - 120/2022 Philippe Jaroussky, Foto: Michal Nocak

TOCCATA - 120/2022 pellmeister unterhielt zeitlebens enge Beziehungen nach Leipzig und beeinflusste das Schaffen mehrerer Leipziger Thomaskantoren. 1648, zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, widmete er der Stadt und dem Thomanerchor seine berühmte Geistliche Chor-Music. Zum Festjahr SCHÜTZ22 spürt das Bach-Museum Leipzig den Verbindungslinien von Heinrich Schütz zu Johann Sebastian Bach nach und würdigt die Leipziger Thomaskantoren des 17. Jahrhunderts in einer Sonderausstellung. Die Meisterwerke von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach (1685– 1750) gelten vielen Musikliebhaberinnen und -liebhabern als Inbegriff lutherischer Kirchenmusik. Hundert Jahre vor Bach geboren, schuf Heinrich Schütz ergreifende Kompositionen unter dem Eindruck des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648). Er erneuerte die deutsche Musik und prägte das Schaffen mehrerer Komponistengenerationen. Doch was wusste Johann Sebastian Bach über Heinrich Schütz und kannte er dessen Werke? Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig: »Johann Sebastian Bach war als Komponist tief in der mitteldeutschen Musiktradition des 17. Jahrhunderts verwurzelt. An den Werken seiner Vorgänger maß er sein eigenes Können, in ihre Reihe wollte er sein eigenes Schaffen eingeordnet wissen. Heinrich Schütz und die Thomaskantoren von Johann Hermann Schein bis Johann Kuhnau spielten in Bachs Ausbildung eine bedeutende Rolle. Die neue Sonderausstellung des Bach-Museums beleuchtet eine Epoche, die sich immer mehr als eine schier unerschöpfliche Fundgrube kunstvoller und ausdrucksstarker Musik erweist, die bis in unsere Zeit nichts von ihrer ursprünglichen Faszination verloren hat.« Die interaktive und klingende Ausstellung spürt den Verbindungslinien von Schütz zu Bach nach und führt dabei tief in die musikalischen Welten des Leipziger Thomaskantorats von Sethus Calvisius (1556–1615) bis zu Johann Kuhnau (1660–1722). Präsentiert werden seltene Notenhandschriften und -drucke von Heinrich Schütz und den Thomaskantoren. Zu den Leihgaben zählen Stimmbücher von Schütz' Geistlicher Chor-Music aus der Marienbibliothek Halle (Saale) sowie die Partiturabschrift von Johann Schelles Actus Musicus auf Weyh-Nachten aus der Kantoreibibliothek der Nikolaikirche Luckau. Exponate wie das Spendenbuch der Thomasschule mit einem Hilfeaufruf für die notleidenden Chorknaben aus dem Jahr 1635 geben Einblicke in den Alltag während des Dreißigjährigen Krieges. Wie universalgelehrt einige Thomaskantoren waren, beweisen Sethus Calvisius' astronomische Kalenderberechnungen in dessen berühmter Weltgeschichte Opus chronolgicum (1605) oder Johann Kuhnaus satirischer Roman Der musicalische QuackSalber (1700). Viele Klangbeispiele und ein kurzweiliger Animationsfilm zur Kompositionsweise von Heinrich Schütz verwandeln die Ausstellung in ein multimediales Kabinett. Darüber hinaus bringen acht im Museumseintritt enthaltene Konzerte die Musik zur Ausstellung zum Erklingen. Es musiziert das auf mitteldeutsche Barockmusik spezialisierte Ensemble 1684 unter der Leitung von Gregor Meyer. Kuratorin Henrike Rucker übernimmt die Moderation und führt vor jedem Konzert durch die Ausstellung. Die Konzertreihe wird gefördert im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien initiierten Programms NEUSTART KULTUR. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen und vertiefenden Texten. Die Sonderausstellung »Von Schütz zu Bach« ist dienstags bis sonntags von 10 Uhr bis 18 Uhr im Bach-Museum Leipzig zu sehen. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 8 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre frei), das Ticket berechtigt auch zum Besuch der Dauerausstellung des Bach-Museums Leipzig. Das Bach-Museum Leipzig arbeitet mit ECHOCAST, dem EU-Standard für Besucherservice. www.bachmuseumleipzig.de www.schuetz22.de Jubiläum: Mit der Aufführung von Bachs Messe in h-Moll am 12. Mai feierte der RIAS Kammerchor Berlin im Konzerthaus Berlin seine 30 Jahre währende Freundschaft mit der Akademie für Alte Musik Berlin und René Jacobs. Eine Veröffentlichung einer Neueinspielung der Messe bei harmonia mundi folgte einen Tag später. Als Solist*innen zu erleben waren Robin Johannsen (Sopran), Marie-Claude Chappuis (Mezzosopran), Benno Schachtner (Altus), Sebastian Kohlhepp (Tenor) und Andreas Wolf (Bass). Dass die Stückwahl für das Jubiläumskonzert auf die h-Moll-Messe fällt, ist kein Zufall, denn sie war es, die vor 30 Jahren den Chor, die Akademie für Alte Musik und René Jacobs zusammenbrachte. Damals erschien neben Aufführungen auch eine CD bei Berlin Classics. Seitdem intensivierten und dokumentierten nationale wie internationale Konzertreisen, unterschiedlichste Programme und Besetzungen sowie zahlreiche vielfach preisgekrönte CD-Produktionen die starke Zusammenarbeit. Zeit für den RIAS Kammerchor, danke zu sagen, indem er zusammen mit Jacobs und Akamus zu den Anfängen zurückkehrt. Kirchheim: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Nach zweijähriger pandemiebedingter Unterbrechung führt der Kirchheimer Konzertwinter die ursprünglich für das Winterhalbjahr 2020/21 geplante Jubiläumssaison – 30 Jahre Konzertwinter – in der Zeit von Mai bis August 2022 in Form einer Sommeredition durch, bestehend aus fünf Projekten mit sechs Konzerten, hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern und einem erlesenen musikalischen Programm. Der Veranstalter ist zuversichtlich, auf diese Weise die beliebte Konzertreihe in einer Jahreszeit wiederzubeleben, in der die äußeren Rahmenbedingungen dies auch in gewohnter Weise zulassen werden. www.konzertwinter.de info@konzertwinter.de Dortmund: Am 15. Mai 2022 startete das KLANGVOKAL Musikfestival Dortmund in seine 14. Saison und präsentiert 2022 unter dem Titelthema "Vertrauen" an neun verschiedenen Spielorten in der Dortmunder Innenstadt Höhepunkte des Gesangs aus Oper, Chor, Jazz und Weltmusik. Das Festival endete am 22. Juni. Ab dem 26. August schließt sich eine Konzertreihe bis Ende November an und ermöglicht Freund*innen des Gesangs damit fast ein ganzes Jahr voller Konzertfreuden. Konzertante Aufführungen von besonderen Schätzen der Operngeschichte gehören untrennbar zu Klangvokal und so gab es in dieser Saison gleich zwei besondere Werke zu erleben: Gaetano Donizettis „Caterina Cornaro“ und Antonio Vivaldis „Orlando furioso“. Tiefe Emotionen, tragische LiebschafNACHRICHTEN 7 Foto: Bach-Museum Leipzig/ Brigitte Braun

NACHRICHTEN 8 TOCCATA - 120/2022 ten, Pathos und Magie: Auf dem Höhepunkt seiner Karriere schrieb Antonio Vivaldi die Oper „Orlando furioso“, die gerade wegen ihrer musikalischen Vielfalt und Ausdrucksstärke unter Kritikern als sein gelungenstes Werk dieser Gattung gilt. Mit den Countertenören Max Emanuel Cencic und Nicholas Tamagna, der Sopranistin Julia Lezhneva sowie den Mezzosopranistinnen Vivica Genaux und Sonja Runje gastierten ausdrucksstarke Barockstimmen in Dortmund, um diesem Meisterwerk Klang zu verleihen. Mit George Petrou, der das Orchester Armonia Atenea seit 2012 leitet, stand darüber hinaus ein ausgewiesener Barock-Experte am Pult. Ein besonderes Merkmal des seit 2009 stattfindenden Dortmunder Festivals ist es, internationalen und regionalen Chören gleichermaßen eine große Bühne zu bereiten. So konnte sich das Publikum auf Konzerte mit dem belgischen Chor Vox Luminis und dem Freiburger Barockorchester, dem norwegischen Det Norske Solistkor, dem Londoner Tenebrae Consort und dem Monteverdi Choir unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner ebenso freuen wie auf den Kammerchor der TU Dortmund, den Bachchor an St. Reinoldi und den Philharmonischen Chor des Dortmunder Musikvereins. Der 2001 vom ehemaligen „King´s Singer“ Nigel Short gegründete Londoner Tenebrae Choir gilt als Inbegriff vokaler Perfektion und Ausdruckstiefe. Davon konnte sich das KlangvokalPublikum bereits 2017 beim bejubelten Debüt dieses Ensembles überzeugen. Der englischen Musik des 16. Jahrhunderts widmeten sich Nigel Short und das Tenebrae Consort: Hier traf die kontrapunktische Textur von Thomas Tallis‘ „Lamentations of Jeremiah“ auf die schlichte Schönheit der Gregorianischen Gesänge des Mittelalters. Eine klangvolle Kooperation zweier internationaler Spitzenensembles war in der St. Reinoldikirche in Dortmund zu erleben, als das belgische Vokalensemble Vox Luminis und das Freiburger Barockorchester unter dem Titel „Bach beflügelt“ gemeinsam Werke von Johann Sebastian Bach, Heinrich Biber und Georg Philipp Telemann präsentierten. Passend zum Himmelfahrts-Wochenende (22. Mai 2022) erklang neben weiteren barocken Werken die für dieses Fest komponierte Kantate „Auf Christi Himmelfahrt" BWV 128. Der Kammerchor der TU Dortmund unter der Leitung von Ulrich Arns widmete sich gemeinsam mit vier Gesangssolist*innen und dem Ensemble l’arte del mondo den Meistern der Dresdner Kirchenmusik (27. Mai 2022), so unter anderem dem an der sächsischen Hofkapelle in Dresden wirkenden Komponisten Jan Dismas Zelenka: Sein Œuvre zwischen Barock und Frühklassik erlebt aktuell eine Renaissance. Prächtige Chöre, verspielte Soloarien und ausladende Orchesterzwischenspiele zeichnen seine letzte Messe, die „Missa omnium sanctorum“, aus. Ein tiefgründiges wie kraftvolles Vermächtnis einer unkonventionellen Komponistenpersönlichkeit des 18. Jahrhunderts. 1964 gründete J.E. Gardiner den Monteverdi Choir und erweiterte ihn einige Jahre später um die English Baroque Soloists. Bereits 2010 begeisterte der gefeierte Dirigent mit seiner Interpretation von Bachs „h-MollMesse“ bei Klangvokal und war nun am 12. Juni 2022 mit seinen Ensembles wieder in Dortmund zu Gast. Schon 2016 begeisterte der führende norwegische Chor Det Norske Solistkor bei Klangvokal mit Stilsicherheit, Homogenität und einem Reichtum an Klangfarben. Bei einem seiner seltenen Konzerte in Deutschland stellte das 26-köpfige gemischte Ensemble nun Motetten von Johann Sebastian Bach der Chormusik des Franzosen Francis Poulenc sowie der zeitgenössischen finnischen Komponistin Kaija Saariaho gegenüber. Seit über zwei Jahrzehnten sind Nataša Mirković, Michel Godard und Jarrod Cagwin international bekannt für ihre faszinierenden Kollaborationen zwischen Alter Musik der okzidentalen und orientalischen Art, südosteuropäischer Tradition, Jazz und zeitgenössischer Musik. Diese drei musikalischen Grenzgänger gaben in ihrem Programm „En El Amor“ (20. Mai 2022) die märchenhaften Lieder der Sepharden wieder, die sich nach ihrer Flucht aus Spanien auf dem Balkan ansiedelten. Datenbank: Acht öffentliche und private Förderer, fünf beteiligte Institutionen und mehr als 15.000 Nutzerinnen und Nutzer monatlich weltweit: Die Datenbank www.bach-digital.de ist einer der größten virtuellen Wissensspeicher der Musikwissenschaft und ermöglicht einer breiten Öffentlichkeit Zugang zu über 60.000 originalen Abbildungen von rund 3.200 Werken Johann Sebastian Bachs, seiner Vorfahren sowie seiner komponierenden Söhne. Die dritte Projektphase – Bach digital II – wurde nun erfolgreich abgeschlossen. Um einen der weltweit bedeutendsten Musikschätze – das Gesamtwerk der Komponistenfamilie Bach – weltweit in bestmöglicher Qualität und mit weitreichenden Informationen frei zugänglich zu machen, arbeitet das Bach-Archiv Leipzig seit 14 Jahren mit dem Universitätsrechenzentrum Leipzig sowie mit zahlreichen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, Fotografen, Scan-Operatoren sowie auch Restauratorinnen und Restauratoren in Berlin, Dresden und Hamburg zusammen. Sukzessive entstand ein Portal, in dem die Notenhandschriften Johann Sebastian Bachs, seiner Vorfahren sowie seiner vier komponierenden Söhne online präsentiert werden: ein in der Musikwissenschaft einzigartiges Kooperationsprojekt, an das Forschung auf vielfältige Weise andocken kann und das die historische Aufführungspraxis enorm befruchtet. Die Quellen aus öffentlichen Sammlungen, die hier präsentiert werden, sind normalerweise nur der Spitzenforschung zugänglich oder kurzzeitig in Ausstellungen zu sehen. Durch Bach digital wird es möglich, dass diese einzigartigen Originale mittels hochaufgelöster Scans überall auf der Welt betrachtet werden können. Umfangreiche Informationen aus der Bach-Forschung geben Auskunft über ihre Entstehungszeit, über Querbeziehungen zu anderen Werken sowie über sämtliche Personen, die jemals im Besitz dieser Handschriften waren. Ohne solche zuverlässigen und immer wieder aktualisierten Grundlangendaten sind weitergehende Forschungen zu den Werken der Bach-Familie mittlerweile nicht mehr denkbar. Musikerinnen und Musiker können die Scans unmittelbar für ihre Aufführungen nutzen. Hier kann man Johann Sebastian Bach beim Erschaffen von Kunstwerken wie der h-Moll-Messe oder den Brandenburgischen Konzerten gleichsam über die Schulter blicken. Eine Planung befindliche Web-App soll künftig verstärkt auch Laien dazu einladen, das Portal zu nutzen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Ab 2008 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), The Packard Humanities Institute, die Sächsische Akademie der Wissenschaften, die Stadt Leipzig, die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien und der Freistaat Sachsen das Webportal Bach digital. Vorausgegangen sind seit 1999 temporäre Förderungen des Daimler-Fonds und der Commerzbank-Stiftung. Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig: »Bach digital ist eines der größten und ambitioniertesten Unternehmungen der Musikwissenschaft. Wir freuen uns gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern – der Staatsbibliothek zu Berlin, dem Universitätsrechenzentrum Leipzig, der Sächsische Landesund Universitätsbibliothek Dresden und der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky Hamburg – über den überwältigenden Erfolg des Projekts, dem auch die Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bescheinigen, dass es die eingesetzten Mittel voll und ganz rechtfertige.« www.bach-leipzig.de Weiterführende Informationen zum Projekt und zu dessen Förderern: https://www.bach-digital.de/content/infos.xml https://www.bachleipzig.de/de/bach-archiv/10-jahrebach-digital Bestenliste: Den Preis der Deutschen Schallplattenkritik Bestenliste 2/ 2022 erhielten in der Kategorie Orchestermusik und Konzerte: Beethoven: Sinfonien Nr. 6 bis 9 mit Sara Gouzy, Laila Salome Fischer, Mingjie Lei, Manuel Walser, La Capella Nacional de Catalunya und Le Concert des Nations, Ltg.: Jordi Savall (Alia Vox AVSA 9946, 3 SACD), in der Kategorie Tasteninstrumente: Aquila altera (Early Keyboards). Werke von Jacopo da Bologna, Andrea Antico, Francesco Lambardi, Girolamo Cavazzoni, Antonio Valente, Paolo Quagliati, Andrea Gabrieli, Francesco Landini, Ercole Pasquini mit Federica Bianchi (Passacaille PAS 1111), in der Kategorie Oper: Jean Philippe Rameau: Les Paladins mit Sandrine Piau, Anne-Catherine Gillet, Mathias Vidal, Florian Sempey, Nahuel Di Pierro, Philippe Talbot und La Chapelle Harmonique, Ltg.: Valentin Tournet (Château de Versailles Spectacles CVS 054, 2 CD), in der Kategorie Alte Musik: Jean-Marie Leclair: Concerti per Violino opp. 7 & 10, Nr. 4 & 5 mit Leila Schayegh und dem La Cetra Barockorchester Basel (Glossa GCD 924206). Gluck: "Wir sind begeistert, wie viele Besucher sich auf eine Wiederentdeckung von Christoph Willibald Gluck einlassen wollen", zieht Intendant Michael Hofstetter eine positive Bilanz der Gluck Festspiele 2022 (29.4. bis 21.5.) und freut sich gerade in schwierigen Kultur-Zeiten über viele ausverkaufte Veranstaltungen. Das Festival in der Metropolregion Nürnberg mit den Festspiel-Zentren Bayreuth, Nürnberg, Fürth und der Gluck-Geburtsstadt Berching überzeugte nicht nur durch hohe Qualität, sondern auch durch größte Bandbreite: von der Pina Bausch-Tanzoper "Orpheus" über eine neue "Alceste" bis zum Liederabend mit Bo Skovhus und dem Gluck-Kabarett "Mein Nachbar Willy" mit Lizzy Aumeier. Erstmals gab es bei den Gluck Festspielen 2022 vom 29. April bis zum 21. Mai 2022 gleich drei szenische Produktionen: Die nicht alltägliche Wiederbelebung von Pina Bauschs legendärer Tanzoper «Orpheus und Eurydike» von 1975 mit dem Tanztheater Wuppertal im Theater Fürth, Glucks Reformoper "Alceste" in der italienischen Urfassung von 1767 im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth und die Azione teatrale "Le Cinesi" (1754), mit der die diesjährigen Gluck Festspiele ein umjubeltes Ende fanden. Mit dieser festspielwürdigen Produktion unter Michael Form (musika-

lische Leitung) in der Inszenierung von Annika Nitsch kooperierten die Gluck Festspiele erstmals mit der Hochschule für Musik Nürnberg. Neben den großen Festspiel-Zentren belebten die Gluck Festspiele ganz neu auch Glucks Heimatstadt Berching als Austragungsort: Ein Kleinod in der Oberpfalz. Zudem gab es regionale und ökologische Produkte von Berchinger Familienbetrieben sowie aus dem Berchinger Kloster Plankstetten beispielsweise in Form von GluckBrot, Gluck-Bier und Gluck-Pralinen unter dem Label der Festspiele als Präsente für Künstler, Ehrenmitglieder, und bei den Konzerten für alle Besucher. Das Credo der Festspiele: High-end-Kultur auch in die Region bringen - etwa an kleine Orte mit Charme wie Castell oder Lehrberg (hier z.B. mit einem gefeierten Liederabend von Bo Skovhus). Was Michael Hofstetter besonders freut? "Dass durch die durchwegs sehr hohe Qualität der Produktionen das Interesse an den Festspielen und unserem Förderverein stark gestiegen ist", sagt der Dirigent und Intendant der Gluck Festspiele. Übrigens: Die wegen Krankheit zum Teil abgesagte Gluck-KabarettProduktion von Lizzy Aumeier wird wegen des großen Erfolgs nachgeholt. Bereits am 15. Juli 2022 im historischen Innenhof des Gasthofs Post in Berching. Die nächsten Gluck Festspiele sind im üblichen zweijährigen Turnus für 2024 geplant. Schütz: Anfang Mai ist ein weiteres Botschafterprojekt zum Festjahr SCHÜTZ22 – „weil ich lebe“ gestartet: Das Online-Video-Projekt open_psalter lädt Laien- und Profichöre, Vokalensembles und Sänger:innen aus aller Welt ein, bei der weltweit ersten vollständigen Einspielung des „BeckerPsalters“ mitzuwirken Welch große Resonanz es bereits in diesen ersten Tagen gab, hat die Veranstalter selbst überrascht: Schon jetzt sind 50 Psalmlieder (von 160) für die Einspielung reserviert worden, insgesamt 30 Ensembles haben sich bisher auf www.open-psalter.de zur Teilnahme angemeldet. „Wir waren ganz gespannt, wie das Projekt angenommen werden würde und sind nun in Anbetracht so vieler Anmeldungen nach nur wenigen Tagen überwältigt von diesem hervorragenden Start“, so Projektleiterin Sophia Schulz. Der „Becker-Psalter“, ein Gesangbuch für den Gottesdienst wie im Hausgebrauch, erschien schon zu Schütz’ Lebzeiten in drei Auflagen. Mit klaren Melodien und einfachen vierstimmigen Sätzen schuf Heinrich Schütz ein Kompendium von Stücken, das das wohl am meisten verbreitete Werk des Meisters war. Dennoch ist es ist heute weder auf Tonträger noch im Internet als Gesamteinspielung verfügbar. Um diese „Lücke“ zu schließen, haben die Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V. (MBM) und der Verband Deutscher KonzertChöre e.V. (VDKC) das Projekt open_psalter ins Leben gerufen, mit dem die von Schütz von Beginn an beabsichtigte Teilhabe vieler sangesfreudiger Menschen an Musik in den Mittelpunkt gestellt wird. Nach zwei Jahren, in denen gemeinsames Singen nur sehr eingeschränkt möglich war, lädt das Projekt open_psalter alle Vokalensembles zur aktiven Mitwirkung ein, unter dem Motto des Festjahres SCHÜTZ22 – „weil ich lebe“. Denn wann lebt die Musik eines Meisters der Vergangenheit? Doch vor allem dann, wenn sie musiziert, gesungen, gespielt wird! Ziel ist es, möglichst bis zum 350. Todestag von Heinrich Schütz am 6. November 2022 einen Großteil der Psalmvertonungen eingesungen vorliegen zu haben. So entsteht nicht nur die Gesamteinspielung des „BeckerPsalters“ als Gemeinschaftsprojekt, sondern auch ein vielfarbiges Kompendium deutscher und internationaler Chöre. Die Registrierung erfolgt unter www.open-psalter.de. Teilnehmende Chöre und Vokalensembles reservieren sich anschließend eine oder mehrere Psalmvertonungen. Diese Reservierung gilt für zwei Monate, in denen die Aufnahme geplant und das Einsendedatum festgelegt werden sollen. Hinweise zur Beschaffung von Notenmaterial werden auf der Projektwebsite zur Verfügung gestellt. Das Einholen der Aufführungsrechte verantworten die teilnehmenden Chöre selbst. Die Aufnahmen sollen möglichst hohen Anforderungen gerecht werden. Jedes Video ist mit dem projektbezogenen Intro und Outro zu versehen. Dieses Material wird den Chören nach der Reservierung eines Psalms zugesendet. Auf www.open-psalter.de finden sich zudem redaktionelle Vorgaben für den Abspann sowie weitere Details und Empfehlungen zur Videoproduktion. Nach dem Einreichen der Videos werden die Beiträge gesichtet und online veröffentlicht. Sie bilden dann nicht nur einen Teil der weltweit ersten Gesamteinspielung des „Becker-Psalters“, sondern stellen auch eine bleibende Präsentation des jeweiligen Ensembles dar. Weitere Informationen für Chöre und Ensembles, die sich beteiligen wollen: unter www.openpsalter.de/open_psalter/mitmachen Wittenberg: Erstmals findet das 17. Wittenberger Renaissance Musikfestival im spätsommerlichen Flair statt und rückt auf den 16. bis 25. September vor. Es wird märchenhaft: Unter dem Motto „Mythen & Märchen“ werden Geschichten und Lieder aus Italien, der Antike und dem Orient erzählt. Zur Festivaleröffnung am 16. und 17. September wird es zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals eine Barockoper als Open-Air-Theater geben. Das berühmte Grazer Barockensemble Ārt House 17 verknüpft in der heiteren Oper „Der Scharlatan - Il Ciarlatano“ von Giovanni Battista Pergolesi bunte Elemente des Straßentheaters mit der Commedia dell´arte. Im Laufe der Festivalwoche sind in den insgesamt 13 Konzerten an historischen Orten u. a. TV-Schauspielerin Corinna Harfouch gemeinsam mit dem Ensemble Saitenweisen, Gambistin Hille Perl, die britische Sopranistin Emma Kirkby, Ensemble Semperviva, Duo do-nawā & Niloofar Bijanzadeh, Ensemble Oni Wytars und das Trio Petrucci zu erleben. Parallel finden wieder die beliebten Workshops für Vokal-, Tanz- und Instrumentalmusik statt. Die über mehrere Tage dauernden ganztägigen Workshops vermitteln Einblicke in den Tanz, Gesang und Instrumentarium der Renaissance. Gemeinsam wird u.a. auf Gamben, Dulzianen, Pommer, Flöten und Harfen musiziert. Neben dem musikalischen Stadtspaziergang, Lesungen und der Instrumentenausstellung in der Leucorea findet auch wieder der legendäre Historische Tanzball mit The Playfords statt. www.wittenberger-renaissancemusik.de Simon Preston: Der englische Organist, Dirigent und Komponist Simon Preston verstarb am 13. Mai 2022 im Alter von 83 Jahren. Als Jugendlicher war Preston Chorsänger am King’s College in Cambridge. Danach erhielt er ein Orgelstipendiat am King’s College, wo er mit dem Organisten David Willcocks zusammenarbeitete. Ab 1962 war er Zweiter Organist der Westminster Abbey, gab 1967 dieses Amt auf und wechselte 1970 zur Christ Church (Oxford). 1981 kehrte er wieder zur Westminster Abbey zurück. Er leitete in dieser Zeit sowohl den Christ Church Cathedral Choir in Oxford als auch den Chor von Westminster Abbey. 1987 beendete er den Posten an der Westminster Abbey, um sich einer internationalen Konzertkarriere zu widmen. Für die Deutsche Grammophon nahm er das gesamte Orgelwerk von Bach auf, mit Trevor Pinnock und The English Concert die Orgelkonzerte von Händel und weitere Werke von Händel (Dettinger Te Deum) sowie Chorwerke von Purcell für die Archivproduktion. Mit der Academy of Ancient Musik unter Christopher Hogwood entstanden bei Decca/ L’Oiseau-Lyre mehrere Aufnahmen mit dem Christ Church Cathedral Choir unter de Leitung von Simon Preston. TOCCATA - 120/2022 NACHRICHTEN 9 Simon Preston Jubel für Glucks selten gespielte "Le Cinesi" in Kooperation der Gluck Festspiele mit der Hochschule für Musik Nürnberg zum Abschluss der Gluck Festspiele 2022 Foto: Krystyna Jalowa

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