Toccata 04/2022

möchte. Diese Aufnahme hätte einen besseren Eindruck gemacht, wenn es nicht so ein Mischmasch wäre, und wenn die Interpretationen besser wären. Der Ausdruck in Dirutas Gesängen kommt schon gut herüber, aber stilistisch ist die Leistung von Marcella Ventura diskutabel. In der Messe von Asola singt er die Oberstimme, aber darin ist er kaum wahrnehmbar. In dieser Messe mischen sich die Stimmen nicht optimal und die Balance lässt einiges zu wünschen übrig. Die Orgelwerke und die Sonaten von Lipparini sind am besten gelungen. Die Komponisten des 17. Jahrhunderts, deren Musik heute am häufigsten erklingt, waren meistens im Dienste eines Hofes oder einer Kirche, wo ihnen viele Sänger und Instrumentalisten zur Verfügung standen. Das hat sich in ihren Werken niedergeschlagen: viele sind mehrchörig und verlangen ein ziemlich umfangreiches Ensemble von Stimmen und Instrumenten. Es gab aber auch viele Kirchen und Kapellen, wo die Möglichkeiten in diesem Bereich begrenzt waren. Da brauchte man liturgische Musik für wenige Sänger und Basso continuo, eventuell mit nur einigen Melodieinstrumenten. Komponisten waren sich dessen bewusst; oft werden Stimmen oder Instrumente mit der Bezeichnung 'ad libitum' versehen, was heisst, dass sie ausgelassen werden können. Sowieso wurde es den Interpreten überlassen, die Singstimmen solistisch zu besetzen oder Ripienisten hinzuzufügen. Monteverdi standen im Markusdom in Venedig viele Musiker zur Verfügung, und sie gehörten qualitativ zum Besten, das Italien damals zu bieten hatte. Aber er komponierte nicht nur für den Markusdom; er schrieb selber, dass er durch auswärtige Aufträge ebenso viel Geld einnähme wie durch seinen eigentlichen Dienst. Roland Wilson hat eine Vesper aufgenommen, die er aus Werken in kleiner Besetzung zusammengestellt hat. Er nennt sie 'Vespro da Camera'. Es sind keine 'Kleinmeister', deren Werke hier erklingen. Neben Monteverdi werden Werke von Giovanni Rovetta, Giovanni Rigatti, Biagio Marini und Alessandro Grandi dargestellt, und sie gehören alle zur Spitze der damaligen Musikwelt. Dazu kommen dann noch Sonaten von Dario Castello, die sowohl für weltlichen als kirchlichen Gebrauch bestimmt sind. Das will nicht heissen, dass wir hier eine Art von liturgischer Rekonstruktion hören: es gibt keine gregorianische Gesänge, obwohl jeder Psalm von einem Werk gefolgt wird, das statt der Wiederholung der Antiphon ausgeführt werden könnte. Diese Musik ist übrigens nicht nur für kirchlichen Gebrauch gemeint, sondern könnte auch als Andachtsmusik im intimen Kreis verwendet werden. Wilson hat hier mal wieder eine exzellente Aufnahme vorgelegt, die Musik enthält, die man nicht oft hört. Rigatti und Rovetta sind nicht unbekannt, aber werden doch stark von Monteverdi überschattet. Sie haben mehr Aufmerksamkeit verdient, was hier ganz klar demonstriert wird. Das ist auch den Interpreten zu verdanken. Die Sänger beherrschen die Kunst des 'recitar cantando', die das Ideal der Zeit war, und in diesem Geiste wird auch gespielt. Diese CD ist eine der besten mit frühbarocker italienischer Musik, die in letzter Zeit erschienen sind. Aus Österreich stammt eine interessante Reihe von CD-Aufnahmen, die von den Tiroler Landesmuseen mit dem Etikett 'musikmuseum' auf den Markt gebracht werden. Das Repertoire reicht von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert. Selbstverständlich steht Musik im Mittelpunkt, die mit Tirol in Verbindung gebracht werden kann, und darunter befinden sich viele Komponisten, die kaum jemand kennt, schon gar nicht ausserhalb Tirol. Dann wundert man sich, wie eine CD mit Musik von Monteverdi in diese Reihe passt. Es gibt zwei Bezugspunkte. Der erste ist nicht musikalisch: das bekannte Porträt von Monteverdi, des Malers Bernardo Strozzi, befindet sich im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, wo es im 19. Jahrhundert gelangte. Es war nicht das erste Porträt des Meisters in Österreich: Herzog Ferdinand Karl (1628-1662) besass ein Porträt, das aber verlorengegangen ist. Es gab aber auch musikalische Beziehungen: Monteverdi besuchte einige Male Innsbruck, in der Gefolge seines Brotherrn Vincenzo Gonzaga, als die seiner Schwester Anna Katharina, seit Januar 1595 Witwe des Erzherzogs Ferdinand II., einen Besuch abstattete. Das Inventar der Hofkapelle zeigt, dass man damals über verschiedene Sammlungen mit Musik von Monteverdi verfügte, darunter einige Madrigalbücher und die Selva morale e spirituale. Aus dieser Sammlung erklingen einige Werke, und dazu kommen Stücke aus anderen Sammlungen, die nicht TOCCATA - 120/2022 27 05. - 07. August 2022 www.ausseerbarocktage.com Ausseer Barocktage FREITAG 05. August / 20 Uhr, PFARRKIRCHE ST. PAUL BAD AUSSEE ENRICO ONOFRI & ENSEMBLE IMAGINARIUM „INTO NATURE“ Klänge von Mutter Erde SAMSTAG 06. August / 18 Uhr, SPITALKIRCHE BAD AUSSEE SABRINA FREY & LUCA QUINTAVALLE & ALESSANDRO PALMERI „UN VIAGGIO MUSICALE“ Eine musikalische Reise durch Italien SONNTAG 07. August / 18 Uhr, PFARRKIRCHE GRUNDLSEE KLEMENS BITTMANN & GEORG GRATZER „TELEMANNIA“ Jazz meets Telemann ONLINE: tickets@ausseerbarocktage.com - https://kultur.ausseerland.at | TICKETHOTLINE: +43 660 1713778 PERSÖNLICH: in allen Informationsbüros des Ausseerlandes oder unter +43 3622 52323 INTERNATIONAL RENOMMIERTE KÜNSTLER MUSIZIEREN AUF HISTORISCHEN INSTRUMENTEN

RkJQdWJsaXNoZXIy OTM2NTI=