Toccata 04/2022

es gewissermaßen ganz schön, einmal so viel Zeit zuhause verbringen zu können (lacht). Also, es ging uns gut! Aber Besuche in Ihrer Heimat Australien fanden in dieser Zeit nicht statt, oder? Nein, das ging natürlich nicht. Aber zu meiner Freude haben sich nun gerade einige neue Kontakte ergeben, durch die ich künftig ein bisschen häufiger dort zu spielen hoffe – was ich schon ziemlich lange nicht gemacht habe. Aber nun werde ich wieder mehr dort arbeiten, worüber ich wirklich glücklich bin. Das wird natürlich jedes Mal ein ziemlich langer Trip, denn ich werde erst nach Hause fliegen und meine Familie besuchen, und dann versuchen, noch ein bisschen zu arbeiten; aber ich freue mich wirklich, dass das künftig öfter geschehen wird. Und was steht sonst noch auf dem Programm, in den nächsten Monaten – oder Jahren? Ich spiele zunehmend mehr Rezitals, Solorepertoire, und ich hoffe, dass das weitergeht, im Laufe der nächsten Jahre. Ich habe eine fantastische Violine aus dem späten 17. Jahrhundert und das genieße ich sehr. Und welches Repertoire dann, als Solistin? Oh, vor allem Biber, Bach – ja... 17. und 18. Jahrhundert eben. In nächster Zeit stehen nun erstmal Konzerte mit Maude Gratton im Festival La Rochelle an – das ist wundervoll! –, dann eine Tour mit Ensemble Masques in Kanada. Und dann, ach ja, spiele ich ab und an auch noch mit Kristian Bezuidenhout, in einem ganz kleinen Ensemble mit Bachs Cembalokonzerten. Das wird auch sehr schön. Eine längere Aufnahmeperiode mit Arcangelo steht auch wieder an, mit mehr Buxtehude – wir versuchen alles von ihm zu machen. Außerdem spiele ich noch mit einer belgischen Gruppe, Les Mufatti, und da ist für nächstes Jahr ein wunderbares Projekt geplant, bei dem wir mit Bertrand Cuiller das Tripelkonzert von Bach mit Flöte machen. Ja, das klingt gut… (Lacht) Ja! Und dabei versuche ich eben immer, eine gute Balance zwischen Zeit mit der Familie und Arbeit zu finden. Ich muss auch sagen, da hat die Covid-Zeit bei mir doch etwas im Denken verändert: diese lange Zeit ohne Konzerte hat mir klargemacht, wie glücklich ich doch sein kann, das was ich tue als meinen Job zu haben: wie sehr mir das gefehlt hat, und wie sehr ich es vorher aber auch einfach als selbstverständlich betrachtet hatte, spielen und auftreten zu können. Diese Pandemiezeit hat die Dinge da doch wieder ein Stück zurechtgerückt und mir – und wahrscheinlich uns Musikern insgesamt – wieder in Erinnerung gerufen, wie unglaublich dankbar ich doch für das sein darf, was ich habe. Und ich hoffe, das werde ich nie mehr vergessen! Fragen, Übersetzung aus dem Englischen und Übertragung: Andrea Braun Josetxu Obregón Herr Obregón, Sie sind Cellist: was finden Sie so attraktiv an Ihrem Instrument, warum haben Sie sich dafür entschieden? Das ist schwierig zu beantworten, denn ich war damals gerade mal sechs Jahre alt und weiß nicht mehr, was genau mich seinerzeit daran gereizt hat. Aber es war so, dass mein Vater Klavier spielte, und er hatte ein Klaviertrio. Da kamen also regelmäßig ein Geiger und ein Cellist zu uns nachhause und ich habe mich irgendwie von Anfang an vor allem für dieses Cello interessiert: ich saß in einer Ecke und guckte zu, wie sie spielten – und dieses tiefe, dunkle Instrument hat mich hypnotisiert. Später dann, am Konservatorium, habe ich Klavier und Cello studiert, aber mit der Zeit, als ich dann auf beiden Instrumenten Fortschritte machte, fühlte ich mich auf dem Cello einfach mehr zuhause. Ich erinnere mich auch gut, dass ich, wenn es ein Schülervorspiel gab, bei dem ich Klavier spielen musste, immer unglaublich nervös war, mich unwohl fühlte, Angst hatte. Wenn es aber um das Cello ging, war ich ganz entspannt, und hatte richtig Spaß an der Sache. Irgendwann habe ich dann das Klavier aufgegeben und beschlossen, mich ganz dem Cello zu widmen. Das war damals natürlich noch das moderne Cello. Wann haben Sie beschlossen, professioneller Musiker zu werden, und warum; wann begann Ihre Karriere dann? Naja, es gab da einen komplizierten Moment, nachdem ich das Klavier aufgegeben hatte und eigentlich beschlossen hatte, mich nur noch dem Cello zu widmen – weil ich nämlich begann, mich auch für E-Gitarre zu interessieren. Ich liebte einfach die Rockmusik und all diese Sachen, und wollte also auch E-Gitarre spielen. Zur gleichen Zeit begann ich aber auch schon an der Universität zu studieren, und zwar Computertechnik… Ah so... (lacht). Das hätte ich nun eher nicht erwartet! Ja (lacht), das verstehe ich. Aber meine Familie war damals etwas in Sorge, nur Musik sei vielleicht zu riskant, ich könnte damit nicht meinen Lebensunterhalt verdienen und so weiter, und insofern wäre es vielleicht gut, auch noch ein Universitätsstudium zu machen. Ich habe also alles gleichzeitig gemacht, Cello, Computerwissenschaften, und in meiner Freizeit habe ich noch E-Gitarre gespielt – und ja: irgendwie wurde dann immer klarer, dass so ein Leben hinter einem Computerbildschirm mich so gar nicht reizte. Das stellte ich mir doch ziemlich langweilig vor, für den Rest meines Lebens da zu sitzen und irgendetwas zu programmieren, wie es meine Kommilitonen so vorhatten. Dagegen waren meine Musikerfreunde einfach viel lustiger, und ich genoss es unglaublich, Musik zu machen, Musik zu hören, und so beschloss ich letztendlich, mit der Computersache nicht weiter zu machen und mich rein der Musik zu widmen. Und dann irgendwie, ich weiß nicht warum, war das Cello ja die ganze Zeit präsent gewesen, auch während ich noch E-Gitarre gespielt hatte, und als ich dann studierte, fing ich an, mich mit der Gitarre ein bisschen zu langweilen... Auf dem Cello konnte man doch viel mehr machen, es gab so viel zu tun, zu lernen, tolle Musik, und mehr Dinge, die mich einfach interessierten! Das war der Punkt, an dem dann klar war, dass ich professionell nur dieses Instrument spielen wollte. Damals bin ich also nach Holland gegangen, um dort weiter zu studieren, und dort begann ich dann auch ernsthaft mit dem Barockcello. Gab es damals, während Ihres Studiums Leute, Ereignisse, Stücke, die Sie für Ihre spätere Karriere maßgeblich beeinflusst haben? Wir haben Sie Ihren persönlichen Weg gefunden? Das war ziemlich spannend, denn es gab eine TOCCATA - 120/2022 33 INTERVIEW Sophie Gent

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