Toccata 04/2022

Bayreuth: Vom 07.-18.09. entführt das Bayreuth Baroque Opern Festival 2022 an fünf Spielorten in Bayreuth mit über 16 Veranstaltungen in die schillernde Welt des Barock. Die dritte Edition steht dabei ganz im Zeichen der römischen Oper. Den Start macht die Neuinszenierung von Leonardo Vincis Alessandro nell‘Indie durch den künstlerischen Leiter des Opernfestivals Max Emanuel Cencic – mit einer reinen Männerbesetzung. Auch zwei konzertante Opern, ein Oratorium und viele Konzerte präsentieren das virtuose römische Barockrepertoire mit Stars der internationalen Barockszene wie Franco Fagioli, Bruno des Sá, Jeanine De Bique und Julia Lezhneva. Das Residenzorchester der diesjährigen Ausgabe ist {oh!} Orkiestra unter der musikalischen Leitung von Martyna Pastuszka. Wenn sich am 07.09. im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth der Vorhang zum Start des Opernfestivals hebt, wird Vincis Oper Alessandro nell‘Indie über den Indienfeldzug Alexander des Großen erstmals seit beinahe 300 Jahren wieder vollständig zu hören sein, uraufführungsgetreu in reiner Männerbesetzung mit Franco Fagioli (Poro), Bruno de Sá (Cleofide), Jake Arditti (Erissena), Dennis Orellana (Alessandro), Stefan Sbonnik (Gandarte) und Nicholas Tamagna (Timagene), es musizieren das {oh!} Orkiestra und der Chor des Bayreuth Baroque Opera Festival unter der musikalischen Leitung von Martyna Pastuszka. Das Libretto Pietro Metastasios wurde insgesamt fast 80 Mal vertont, auch Wilhelmine von Bayreuth brachte 1741 in Erlangen eine Oper basierend auf diesem populären Libretto heraus. Bayreuth Baroque präsentiert 2022 drei weitere theatralisch-konzertante Aufführungen: Die Festa pastorale Il Nascimento dell’aurora (15.09.) des großen venezianischen Melodikers Tomaso Albinoni entstand zur Ehrung der Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel anlässlich ihres Geburtstags. Die Handlung des vermutlich 1711 uraufgeführten Werkes vermischt allegorisches, lieblich-süßes Nichts mit Anspielungen auf den Spanischen Erbfolgekrieg. Giovanni Bononcinis Griselda wird erstmals seit 1733 wieder vollständig aufgeführt, mit eigens durch den Komponisten und Barockspezialisten Dragan Karoli neu komponierten Rezitativ-Texten Apostolo Zenos’. Das Dramma per musica erzählt von Gualtiero, König von Sizilien, der die Schäferin Griselda liebt, was auf Grund der Ständeordnung selbstverständlich zu Konflikten führen muss (18.09.). Da die Oper im Rom des 17. Jahrhunderts als weltliche Gattung der päpstlichen Zensur ausgeliefert war, wurden Oratorien geistlichen Inhalts zu den bevorzugten und erfolgreichsten Werken im Kirchenstaat. Wie Alessandro nell’Indiewird auch das OratoriumSan Giovanni Battista des skandalumwitterten Komponisten Alessandro Stradella in einem Kerzenschein-Konzert in reiner Männerbesetzung nach dem Vorbild der Uraufführung zu erleben sein (14.09.). Weitere Highlights der diesjährigen Ausgabe sind Gala-Konzerte mit Bruno de Sá und Il Pomo d’Oro (16.09.), Max Emanuel Cencic feiert in Bayreuth mit Armonia Atenea, dem letztjährigen Residenzorchester, sein 40jähriges Bühnenjubiläum (10.9.), Jeanine De Bique kommt mit Concerto Köln (08.09.) und Julia Lezhneva wird mit dem diesjährigen Residenzorchester {oh!} Orkiestra zu erleben sein (17.09.). Abgerundet wird das Programm von vielen weiteren Konzerten an historischen Orten in Bayreuth, darunter das im letzten Jahr so beliebte Dinnerkonzert im Sonnentempel der Orangerie in der Eremitage. Neu in diesem Jahr sind Kerzenlicht-Konzerte in Stadt- und Schlosskirche sowie erstmals drei Konzerte in der Ordenskirche St. Georgen. Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth Thomas Ebersberger zur Festivalausgabe 2022: „Bayreuth Baroque verspricht auch in diesem Jahr eines der weltweit führenden Festivals der Barockmusik zu sein. Es vereint den wissenschaftlichen Anspruch, Werkneuentdeckungen zu zeigen mit höchster Virtuosität der Musiker und Sänger und wegweisenden Inszenierungen. Die Gesamtkonzeption des Festivalprogramms zeugt von der Sensibilität und künstlerischen Präzision, mit der die Intendanz arbeitet, die Spielorte um das Markgräfliche Opernhaus, unser Welterbe, lassen das Festival zu einem Gesamtkunstwerk werden. Als Oberbürgermeister freue ich mich, wenn Menschen aus Paris, London, New York, Tokyo und anderen Metropolen wieder zu uns nach Bayreuth reisen, weil bei uns die höchste Musikkunst zelebriert wird.” Max Emanuel Cencic: „Wir sind stolz darauf, bei der dritten Ausgabe des Bayreuth Baroque Opera Festivals wieder Barockmusikhighlights zu präsentieren – dieses Jahr mit einem besonderen Spot auf der römischen Oper. Den Auftakt der neuen Festspielsaison macht unsere Neuinszenierung von Leonardo Vincis Alessandro nell’Indie. Diese Wiederentdeckung ist eine Meisteroper Vincis, die ich seit fast zehn Jahren auf die Bühne bringen will. Besonders am Herzen liegen mir auch viele aufregende Konzerte, die teils in eigens für die einzigartigen Orte in Bayreuth konzipierten Formaten, teils an neuen Spielorten zu erleben sein werden. Und vor allem freue ich mich auf endlich einschränkungsfreie Vorstellungen.“ Clemens Lukas ergänzt: „Dass wir 2022 mit Bayreuth Baroque erneut ein begeistertes Publikum ansprechen können, liegt nicht zuletzt an unseren starken Partnern, die uns nachhaltig unterstützen. Nur so konnten und können wir diese Pandemiejahre überstehen. Jetzt schauen wir umso erwartungsvoller auf die kommende Ausgabe mit all ihren Highlights und zu entdeckenden Kleinoden.“ Wie auch in den letzten Jahren wird Bayreuth Baroque durch viele Übertragungen im Fernsehen und Streamings auf unterschiedlichen Plattformen weltweit ausgestrahlt. www.bayreuthbaroque.de/ Leipzig: Auf einer Auktion des Londoner Auktionshauses Sotheby‘s erwarb das Bach-Archiv Leipzig 2021 die bislang verschollen geglaubten originalen Handschriften des Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach. Das seltene Frühwerk war 1731 in Leipzig entstanden. Am 13. April präsentierten die Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig, Dr. Skadi Jennicke, und der Direktor des Bach-Archivs, Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, die frisch restaurierte Partitur samt Stimmensatz der Öffentlichkeit. Der Komponist hatte das dreisätzige Stück für Violine, Flöte und Generalbass im Alter von 17 Jahren unter den Augen seines Vaters geschrieben und in späteren Jahren überarbeitet. Mit dem Ankauf durch das Bach-Archiv Leipzig kehrt dieses singuläre Quellenmaterial zur Bach-Rezeption an den Ort seiner Entstehung – den Leipziger Thomaskirchhof – zurück. Hier ist es erstmals und zudem dauerhaft öffentlich zugänglich. Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig: »Der Komponist Carl Philipp Emanuel Bach hat den Großteil seines Leipziger Frühwerks in späteren Jahren selbst vernichtet. Es ist daher sowohl für die Stadt Leipzig als auch für die Musikforschung bedeutsam, dass Partitur und Stimmen einer 1731 entstandenen und später überarbeiteten Triosonate Bachs nun die Sammlung des Bach-Archivs Leipzig bereichern. Das Werk stammt aus der Feder eines 17Jährigen, der geprägt ist von dem reichen Musikkosmos Leipzigs. Die Aura der belebten Kantorenwohnung am Thomaskirchhof, die Ausbildung an der Thomasschule und das studentische Musizieren formten einen jungen Musiker, der später als einer der bedeutendsten Komponisten der Empfindsamkeit und hoch angesehener Musikdirektor der Stadt Hamburg in die Musikgeschichte einging.« Die mit großzügiger Unterstützung der privaten Spenderinnen und Spender Barbara Lambrecht-Schadeberg, Adelheid und Jon Baumhauer sowie Dr. Arend Oetker erworbene autographe Notenhandschrift hatte sich im Nachlass des Händel-Forschers Friedrich Chrysander (1826–1905) erhalten und war bis zur Auktion im Besitz seiner Nachkommen verblieben. Im Anschluss an den Ankauf wurde das Quellenmaterial durch die auf Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut spezialisierte Schempp Bestandserhaltung GmbH in Kornwestheim umfänglich restauriert. Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig: »Die Musikstadt Leipzig ist nach außen hin weithin sichtbar durch ihre berühmten Institutionen, traditionsreichen Stätten und beliebten Veranstaltungen. Ihr Fundament aber liegt in dem Schatz ihrer musikalischen Denkmäler: die seit mehr als fünf Jahrhunderten hier zusammengetragenen wertvollen Handschriften und gedruckten Ausgaben. Sie bilden das bedeutsame Erbe, das es zu pflegen, zu mehren, zu erforschen und für die Praxis aufzubereiten gilt. Auch das Bach-Archiv wurde einst gegründet, um die in Leipzig befindlichen Kompositionen der Musikerfamilie Bach zu bewahren. In den vergangenen Jahren NACHRICHTEN 4 TOCCATA - 120/2022 Die Restaurierung der Triosonate von C. P. E. Bach erfolgte durch die Schempp Bestandserhaltung GmbH. Foto: Bach-Archiv Leipzig/Schempp Bestandserhaltung GmbH

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