Toccata 04/2022

lische Leitung) in der Inszenierung von Annika Nitsch kooperierten die Gluck Festspiele erstmals mit der Hochschule für Musik Nürnberg. Neben den großen Festspiel-Zentren belebten die Gluck Festspiele ganz neu auch Glucks Heimatstadt Berching als Austragungsort: Ein Kleinod in der Oberpfalz. Zudem gab es regionale und ökologische Produkte von Berchinger Familienbetrieben sowie aus dem Berchinger Kloster Plankstetten beispielsweise in Form von GluckBrot, Gluck-Bier und Gluck-Pralinen unter dem Label der Festspiele als Präsente für Künstler, Ehrenmitglieder, und bei den Konzerten für alle Besucher. Das Credo der Festspiele: High-end-Kultur auch in die Region bringen - etwa an kleine Orte mit Charme wie Castell oder Lehrberg (hier z.B. mit einem gefeierten Liederabend von Bo Skovhus). Was Michael Hofstetter besonders freut? "Dass durch die durchwegs sehr hohe Qualität der Produktionen das Interesse an den Festspielen und unserem Förderverein stark gestiegen ist", sagt der Dirigent und Intendant der Gluck Festspiele. Übrigens: Die wegen Krankheit zum Teil abgesagte Gluck-KabarettProduktion von Lizzy Aumeier wird wegen des großen Erfolgs nachgeholt. Bereits am 15. Juli 2022 im historischen Innenhof des Gasthofs Post in Berching. Die nächsten Gluck Festspiele sind im üblichen zweijährigen Turnus für 2024 geplant. Schütz: Anfang Mai ist ein weiteres Botschafterprojekt zum Festjahr SCHÜTZ22 – „weil ich lebe“ gestartet: Das Online-Video-Projekt open_psalter lädt Laien- und Profichöre, Vokalensembles und Sänger:innen aus aller Welt ein, bei der weltweit ersten vollständigen Einspielung des „BeckerPsalters“ mitzuwirken Welch große Resonanz es bereits in diesen ersten Tagen gab, hat die Veranstalter selbst überrascht: Schon jetzt sind 50 Psalmlieder (von 160) für die Einspielung reserviert worden, insgesamt 30 Ensembles haben sich bisher auf www.open-psalter.de zur Teilnahme angemeldet. „Wir waren ganz gespannt, wie das Projekt angenommen werden würde und sind nun in Anbetracht so vieler Anmeldungen nach nur wenigen Tagen überwältigt von diesem hervorragenden Start“, so Projektleiterin Sophia Schulz. Der „Becker-Psalter“, ein Gesangbuch für den Gottesdienst wie im Hausgebrauch, erschien schon zu Schütz’ Lebzeiten in drei Auflagen. Mit klaren Melodien und einfachen vierstimmigen Sätzen schuf Heinrich Schütz ein Kompendium von Stücken, das das wohl am meisten verbreitete Werk des Meisters war. Dennoch ist es ist heute weder auf Tonträger noch im Internet als Gesamteinspielung verfügbar. Um diese „Lücke“ zu schließen, haben die Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V. (MBM) und der Verband Deutscher KonzertChöre e.V. (VDKC) das Projekt open_psalter ins Leben gerufen, mit dem die von Schütz von Beginn an beabsichtigte Teilhabe vieler sangesfreudiger Menschen an Musik in den Mittelpunkt gestellt wird. Nach zwei Jahren, in denen gemeinsames Singen nur sehr eingeschränkt möglich war, lädt das Projekt open_psalter alle Vokalensembles zur aktiven Mitwirkung ein, unter dem Motto des Festjahres SCHÜTZ22 – „weil ich lebe“. Denn wann lebt die Musik eines Meisters der Vergangenheit? Doch vor allem dann, wenn sie musiziert, gesungen, gespielt wird! Ziel ist es, möglichst bis zum 350. Todestag von Heinrich Schütz am 6. November 2022 einen Großteil der Psalmvertonungen eingesungen vorliegen zu haben. So entsteht nicht nur die Gesamteinspielung des „BeckerPsalters“ als Gemeinschaftsprojekt, sondern auch ein vielfarbiges Kompendium deutscher und internationaler Chöre. Die Registrierung erfolgt unter www.open-psalter.de. Teilnehmende Chöre und Vokalensembles reservieren sich anschließend eine oder mehrere Psalmvertonungen. Diese Reservierung gilt für zwei Monate, in denen die Aufnahme geplant und das Einsendedatum festgelegt werden sollen. Hinweise zur Beschaffung von Notenmaterial werden auf der Projektwebsite zur Verfügung gestellt. Das Einholen der Aufführungsrechte verantworten die teilnehmenden Chöre selbst. Die Aufnahmen sollen möglichst hohen Anforderungen gerecht werden. Jedes Video ist mit dem projektbezogenen Intro und Outro zu versehen. Dieses Material wird den Chören nach der Reservierung eines Psalms zugesendet. Auf www.open-psalter.de finden sich zudem redaktionelle Vorgaben für den Abspann sowie weitere Details und Empfehlungen zur Videoproduktion. Nach dem Einreichen der Videos werden die Beiträge gesichtet und online veröffentlicht. Sie bilden dann nicht nur einen Teil der weltweit ersten Gesamteinspielung des „Becker-Psalters“, sondern stellen auch eine bleibende Präsentation des jeweiligen Ensembles dar. Weitere Informationen für Chöre und Ensembles, die sich beteiligen wollen: unter www.openpsalter.de/open_psalter/mitmachen Wittenberg: Erstmals findet das 17. Wittenberger Renaissance Musikfestival im spätsommerlichen Flair statt und rückt auf den 16. bis 25. September vor. Es wird märchenhaft: Unter dem Motto „Mythen & Märchen“ werden Geschichten und Lieder aus Italien, der Antike und dem Orient erzählt. Zur Festivaleröffnung am 16. und 17. September wird es zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals eine Barockoper als Open-Air-Theater geben. Das berühmte Grazer Barockensemble Ārt House 17 verknüpft in der heiteren Oper „Der Scharlatan - Il Ciarlatano“ von Giovanni Battista Pergolesi bunte Elemente des Straßentheaters mit der Commedia dell´arte. Im Laufe der Festivalwoche sind in den insgesamt 13 Konzerten an historischen Orten u. a. TV-Schauspielerin Corinna Harfouch gemeinsam mit dem Ensemble Saitenweisen, Gambistin Hille Perl, die britische Sopranistin Emma Kirkby, Ensemble Semperviva, Duo do-nawā & Niloofar Bijanzadeh, Ensemble Oni Wytars und das Trio Petrucci zu erleben. Parallel finden wieder die beliebten Workshops für Vokal-, Tanz- und Instrumentalmusik statt. Die über mehrere Tage dauernden ganztägigen Workshops vermitteln Einblicke in den Tanz, Gesang und Instrumentarium der Renaissance. Gemeinsam wird u.a. auf Gamben, Dulzianen, Pommer, Flöten und Harfen musiziert. Neben dem musikalischen Stadtspaziergang, Lesungen und der Instrumentenausstellung in der Leucorea findet auch wieder der legendäre Historische Tanzball mit The Playfords statt. www.wittenberger-renaissancemusik.de Simon Preston: Der englische Organist, Dirigent und Komponist Simon Preston verstarb am 13. Mai 2022 im Alter von 83 Jahren. Als Jugendlicher war Preston Chorsänger am King’s College in Cambridge. Danach erhielt er ein Orgelstipendiat am King’s College, wo er mit dem Organisten David Willcocks zusammenarbeitete. Ab 1962 war er Zweiter Organist der Westminster Abbey, gab 1967 dieses Amt auf und wechselte 1970 zur Christ Church (Oxford). 1981 kehrte er wieder zur Westminster Abbey zurück. Er leitete in dieser Zeit sowohl den Christ Church Cathedral Choir in Oxford als auch den Chor von Westminster Abbey. 1987 beendete er den Posten an der Westminster Abbey, um sich einer internationalen Konzertkarriere zu widmen. Für die Deutsche Grammophon nahm er das gesamte Orgelwerk von Bach auf, mit Trevor Pinnock und The English Concert die Orgelkonzerte von Händel und weitere Werke von Händel (Dettinger Te Deum) sowie Chorwerke von Purcell für die Archivproduktion. Mit der Academy of Ancient Musik unter Christopher Hogwood entstanden bei Decca/ L’Oiseau-Lyre mehrere Aufnahmen mit dem Christ Church Cathedral Choir unter de Leitung von Simon Preston. TOCCATA - 120/2022 NACHRICHTEN 9 Simon Preston Jubel für Glucks selten gespielte "Le Cinesi" in Kooperation der Gluck Festspiele mit der Hochschule für Musik Nürnberg zum Abschluss der Gluck Festspiele 2022 Foto: Krystyna Jalowa

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