Toccata 05/2022

Michel Corrette: Concerti op. 26 für Cembalo oder Orgel Seit 22 Jahren bereichert “Le Phénix” in unterschiedlichen Besetzungsgrößen das Schweizer Musikleben (und darüber hinaus). Die Cellisten Mathias Kleiböhmer und Christine Meyer starteten zunächst als Duo, arbeiteten aber schon bald als größer besetztes Kammermusikensemble und projektweise auch in Orchesterbesetzung mit einem festem Stammensemble. Bereits mit der viel beachteten, im Jahre 2010 bei MDG veröffentlichten Debüt-CD mit Cellokonzerten von Jean-Louis Duport - umgehend mit dem ECHO-Klassik ausgezeichnet - wurde die Marschrichtung von “Le Phénix” vorgegeben: Hervorragenden aber fast vergessenen Werken der Klassik und Vorklassik durch gründliches Quellenstudium und historisch informierter Spielweise ein würdiges Podium zu geben. 2013 begann dann die regelmäßige Zusammenarbeit mit Coviello Classics mit den reizvollen Flötenkonzerten von Franz Danzi. Es folgten 2016 die ebenso mit dem ECHO KLASSIK ausgezeichneten Cellokonzerte von Anton Wagenseil und 2018 Boccherinis Stabat Mater mit der unvergleichlichen Sopranistin Núrial Rial. Nun widmet sich das Orchester “Le Phénix” in der soeben bei Coviello Classics erschienenen Aufnahme den sechs Concerti op. 26 für Cembalo oder Orgel von Michel Corrette (1707-1795), einem französischen Komponisten also, der noch unlängst als Orgel spielender Vielschreiber verpönt war und dessen Orgel-Variationen über meist französische Weihnachtslieder (sog. “Noëls”) in aller Munde war. Dabei war Corrette von 1737 bis 1791 ein angesehener Organist an Sainte-Marie-du-Temple in Paris, der Leiter einer Musikschule und Schöpfer von geistlichen und weltlichen Vokalwerken sowie unterhaltsam-anspruchsvoller Instrumentalmusik. Neben seinen bekannten Werken für Orgel solo, glänzte er auch mit einer großen Anzahl von musiktheoretischen Abhandlungen, die bis heute von Bedeutung sind und wertvolle Hinweise auf die damalige Spieltechnik geben. So ist es nur folgerichtig, dass das Orchester “Le Phénix” den originalen Werktitel “Konzerte für Cembalo oder Orgel” ernst nimmt; d.h. die Konzerte 1,2 und 6 auf dem Cembalo und die Konzerte 3, 4 und 5 auf der Orgel erklingen lässt. Dafür haben sie den hochbegabten jungen Schweizer Cembalisten Vital Julian Frey und den deutschen, am Mozarteum Salzburg lehrenden, Organisten Hannfried Lucke ins Boot geholt. Gemeinsam mit den exquisiten und transparent agierenden Instrumentalisten von “Le Phénix”, treffen Frey und Lucke perfekt den verspielten Charakter der Concerti und erzeugen eine quirlige Mischung aus anspruchsvoller Unterhaltungsmusik und virtuoser Klangkunst, die - ganz im Sinne Correttes - sowohl dem französischen als auch dem italienischen Stil huldigt. Am positiven Gesamteindruck haben auch die beiden Soloinstrumente großen Anteil: Zum einen der englische Nachbau eines zwei-manualen Goujon-Cembalos von 1749, das sich seit 2004 im Besitz von Vital Julian Frey befindet; zum anderen die historische Orgel der Kirche San Mauritius in Zernez/Graubünden, auf der Hannfried Lucke souverän seine filigrane Virtuosität entfaltet. Moritz Bergfeld (MBM Musikproduktion) nutzt als erfahrener Aufnahmeleiter die hervorragende Akustik der San Mauritius Kirche und sorgt für größtmögliche Transparenz und Balance des Klangbildes. Eine rundum gelungende Aufnahme, die heiter stimmt! Wolfgang Reihing Michel Corrette: Concerti op. 26. Orchester Le Phénix, Vital Julian Frey, Hannfried Lucke. Coviello Classics, COV 92212. Aufnahme: Juli 2021, !& © 2022 (1 CD). CD DES MONATS SEPTEMBER 2022 Platte des Monats CD of the month Foto: Diego Salamanca

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