Toccata 05/2022

Bach: Ein neues Passionswerk aus der Feder Johann Sebastian Bachs? Zwei Passionen, jene nach den Evangelisten Johannes und Matthäus, sind vollständig überliefert, von drei weiteren weiß die Forschung. Mit dem Passionsoratorium bringt der Cembalist und Bachforscher Alexander Grychtolik nun ein weiteres Vokalwerk ins Spiel – von Bach offenbar komponiert für den Karfreitag 1725. Erhalten sind nicht nur Teile der Musik, die in anderen Bachwerken überlebt haben, sondern auch der Text Picanders: eine freie Dichtung, die mehr noch als die Evangelistenberichte das persönliche Leiden Jesu in den Vordergrund rückt. Grychtolik hat das Werk vervollständigt und bringt es nun gemeinsam mit dem Belgischen Ensemble Il Gardellino und den Solisten Maria Keohane, Sopran, James Hall, Altus, Daniel Johannsen, Tenor und Tiemo Wang, WolfMatthias Friedrich, Bass zur Uraufführung. Die CD-Aufnahme folgt i m A u g u s t 2023. Gotha: In diesem Jahr gastiert der Güldene Herbst, das Festival Alter Musik Thüringen, wieder in der Residenzstadt Gotha mit Schloss Friedenstein und dem barocken Ekhof-Theater. Beginnend mit einem Prologkonzert am 29.9. in Weimar sind vom 30.9. bis 3.10.2022 international bekannte Musiker wie Chapelle Rhénane, The Present und Hanna Herfurtner, die Sopranistin Núria Rial und die Akademie für Alte Musik Berlin geladen. Unter „Musik.Inspiration“ steht der Güldene Herbst ganz im Zeichen Heinrich Schütz‘, dessen Todestag sich 2022 zum 350. Mal jährt. Während das Prologkonzert am 29.9. in Weimar einen Blick auf Schütz‘ Schülerschar, allen voran auf Christoph Bernhard werfen wird, beleuchten drei Konzerte in Gotha die Inspirationen, die Schütz in Thüringen und Italien erhalten hat. Einzelkarten und den rabattierten Festivalpass können über die Website des Festivals bestellt werden. Das französische Ensemble La Chapelle Rhénane unter Benoît Haller eröffnet das Festival am 30.9. in der Margarethenkirche mit einem Konzert über die italienische Mehrchörigkeit, einer der wichtigen Inspirationsquellen Heinrich Schütz‘. Gespielt wird aus dem Florilegium Portense, einer Sammlung italienischer Musik des frühen 17. Jahrhunderts, die eine ganze Generationen mitteldeutscher Komponisten beeinflusste. Das Programm des Konzerts führt von Luca Marenzio und den beiden Gabrielis bis zu Schütz‘ Italienischen Madrigalen und den Psalmen Davids. Mit der ihm eigenen Klanggewalt präsentiert La Chapelle Rhénane Lehrer und Wegbegleiter auf Schütz‘ Ausbildungsweg. Die Sopranistin Núria Rial beschreitet am zweiten Festivaltag (1.10.) in der Schlosskirche Gotha musikalisch den Weg der Monodie von ihren „Erfindern“ Caccini und Montverdi bis zu Schütz. Neukompositionen von Andreas Arend kommentieren diese zur Entstehungszeit unerhört neue Musik und schlagen einen Bogen vom frühen 17. ins 21. Jahrhundert. In welchem Soundscape mag Heinrich Schütz aufgewachsen sein, fragt das Ensemble The Present & Hanna Herfurtner im Nachtkonzert am 1.10. Als Sohn eines Gasthof-Betreibers ist Heinrich Schütz sicherlich bereits als Kind mit Reisenden und deren Musik aus ganz Europa in Kontakt gekommen. Die Kompositionen des 16. Jahrhunderts werden durch eine Neukomposition von Helga Pogatschar verbunden, die auf einem Text der SchützZeit beruht. Am 2.10. und 3.10. drehen sich alle Konzerte um den ehemaligen Gothaer Hofkapellmeister Georg Anton Benda. Zu seinem 300. Geburtstag werden am Sonntag sowohl die Gothaer Kantorei unter Jens Goldhardt zum Festgottesdienst Werke von ihm zur Aufführung bringen, als auch der Cembalist Jermain Sprosse in einem Clavichord auf Schloss Friedenstein. Ebenso steht der Abschlusstag ganz im Zeichen des Jubilaren. In der bezaubernden Atmosphäre des barocken Ekhof-Theaters wird die Mezzo-Sopranistin Coline Dutilleul im Programm „Vater – Töchter – Schwiegersöhne: Georg Anton Benda zum 300. Geburtstag“ von Aline Zylberajch-Gester am Hammerflügel begleitet. Bereits vor zwei Jahren begeisterte die Akademie für Alte Musik Berlin beim Güldenen Herbst. Im Abschlusskonzert im Kulturhaus Gotha wird sie die Instrumentalmusik Georg Anton Bendas der Mozarts und Haydnss gegenüberstellen. Leipzig: Trotz kühler Temperaturen griffen zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer des Projekts »BachWald« zum Spaten, darunter Ministerpräsident Michael Kretschmer, Bachfest-Intendant Prof. Dr. Michael Maul und Walter Christian Steinbach von der Stiftung Wald für Sachsen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom THOMANERCHOR Leipzig unter Leitung von Thomaskantor Andreas Reize. Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen: »Die Region Leipzig zählt zu den waldärmsten Deutschlands. Deshalb ist es umso wichtiger, einen ›Grünen Ring für Leipzig‹ zu schaffen und alte Tagebaulandschaften wieder nutzbar zu machen. Ich freue mich, dass die vom Freistaat gegründete Stiftung ›Wald für Sachsen‹ im Bachfest Leipzig einen starken Partner bei der Aufforstung unseres heimischen Waldes gefunden hat. Auch zukünftig wird sich der Freistaat für den Wald stark machen. Bis zum Jahr 2030 wollen wir mindestens 50 Millionen neue Bäume pflanzen und somit einen wichtigen Beitrag zur CO2-Bindung sowie zum Klimaschutz leisten.« Initiator des Projekts »Ein Wald für Bach« ist Prof. Dr. Michael Maul, Intendant des Bachfestes Leipzig: »Ich möchte mich – auch im Namen der Stiftung Wald für Sachsen – herzlich bei allen Pflanzhelferinnen und -helfern bedanken, die an diesem Aprilmorgen gemeinsam mit uns auf dem Gelände des zukünftigen ›Bach-Waldes‹ so hart gearbeitet haben. Die Setzlinge dürfen nun wachsen, um in Zukunft unter anderem die CO2-Bilanz des Bachfestes Leipzig merklich zu mindern.« Insgesamt soll in den kommenden Jahren ein Spenden-finanzierter Sichtschutzwald mit einer Fläche von insgesamt 25 Hektar gepflanzt werden. 126.000 Bäume und über 3.600 Sträucher sind hierfür vorgesehen, so dass der Wald einmal bis zu 250 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr binden kann. Für die Aufforstung und Pflege des Areals zeichnet die Stiftung Wald für Sachsen verantwortlich. Mit dem Bachfest ehrt die Stadt Leipzig jährlich im Juni Johann Sebastian Bach, der hier von 1723 bis zu seinem Tod im Jahr 1750 Thomaskantor war. Das Festival begrüßt in der Regel jährlich über 70.000 Gäste aus über 40 Nationen und gehört damit zu den internationalsten Musikfestivals weltweit. An den historischen Bach-Wirkungsstätten Leipzigs musizieren – neben den großen lokalen Traditionsensembles Thomanerchor und Gewandhausorchester – jährlich die bekanntesten internationalen Bach-InNACHRICHTEN 4 TOCCATA - 121/2022 La Chapelle Rhénane beim Güldenen Herbst 2022, Foto: Jean-Pierre Rosenkranz Alexander Grychtolik

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