Toccata 05/2022

Musikfest Eichstätt 2022 Für Alte-Musik-Fans ist das Musikfest Eichstätt im malerischen Oberbayern längst kein Geheimtipp mehr. Seit 2014 holt die Gambistin Heidi Gröger als Initiatorin und künstlerische Leiterin jährlich renommierte Ensembles in ihre Heimatstadt, um die historischen Spielstätten mit musikalischen Kostbarkeiten vergangener Jahrhunderte zum Klingen zu bringen. 2022 ging das Festival in die neunte Runde, mit sowohl altbewährten als auch innovativen Ansätzen. Die Euphorie, nach jahrelanger Abstinenz wieder live-Konzerte erleben zu können, war bei Mitwirkenden wie Zuhörenden deutlich zu spüren. Zwei sehr spontane Programmänderungen konnten der allgemeinen Freude an der Musik keinen Abbruch tun, zumal für ebenbürtigen Ersatz gesorgt werden konnte. Die hochkarätigen Konzertprogramme wurden mit Neugier und Entzücken angenommen. Mit gutem Grund: Weltstar Philippe Pierlot eröffnete das Musikfest meisterhaft auf seiner historischen Gambe mit Nuancenpracht und tiefer Gelassenheit, begleitet vom Cembalisten Julien Wolfs. Das Mittagskonzert am Samstag verwandelte sich krankheitsbedingt spontan ins Gegenteil des ursprünglich Geplanten: Anstelle eines Großbass-Brummens mit Unterwelt-Repertoire demonstrierten Laurence Dreyfus und Festivalleiterin Heidi Gröger im Zeitraffer durch die Jahrhunderte, wie nahe der süße helle Klang zweier Diskantgamben dem Engelsgesang himmlischer Sphären kommen kann. In diese geleitete auch die Sopranistin María Cristina Kiehr ihre Zuhörerschaft im Nachtkonzert: Ihr unvergleichliches Timbre füllte die hohe bemalte Kuppel von Notre Dame du Sacré Cœur mit großer Selbstverständlichkeit und hüllte alle Anwesenden in wohlige Wärme, differenziert begleitet von Ariel Abramovich an der Vihuela. Zum traditionellen BRKlassik-Tafelconfect, das am Sonntag live aus dem Spiegelsaal übertragen wurde, moderierte Christian Schuler wieder eine bunte Mischung aus Kostproben des Festivalprogramms. Verblüffendes leistete fidlfadn beim Familienkonzert: Welch eine unterhaltsame Märchenwelt dieses Duo mit nur vier Händen und zwei Köpfen zu erschaffen vermag, kann sich nicht vorstellen, wer es nicht erlebt hat. Zwei neue Open-Air-Formate im Festival-Konzept erwiesen sich als absolut zukunftsträchtig: Auch das Wetter spielte mit, als sich die aufmerksame Kundschaft des Eichstätter Wochenmarkts am Samstagmorgen auf die Mission begab, die historischen Turmbläser-Klänge von Musica Fiata über dem bunten Treiben zu lokalisieren. Zahlreich ließen sie sich dann dazu inspirieren, am Nachmittag im historischen Hofgarten zu flanieren, wo hunderte Interessierte dem friedlichen Zusammenspiel von Flötenquartett und Amsel-Chor lauschten. Was könnte ein so gelungenes Festivalwochenende noch krönen? Natürlich eine Weltneuheit: Im Alten Stadttheater erlebten Musikfest-Eichstätt- und Heinrich-Schütz-Fans aus Nah und Fern die allererste Aufführung von Roland Wilsons Rekonstruktion der "Dafne", die mit großem Applaus bejubelt wurde. 2022 ist das Musikfest Eichstätt neue Wege gegangen und es war ein voller Erfolg. Zahlreich kam das Publikum zu jeder Tages- und Nachtzeit an die stimmungsvollen historischen Orte. Durch das pandemisch inspirierte Konzept doppelter Veranstaltungen war die Atmosphäre trotz des regen Interesses locker und nie gedrängt. Nach diesem gelungenen Wochenende hat das Musikfest Eichstätt erneut allen Grund, mit Vorfreude aufs nächste Jahr zu blicken. Christine Vogel montalbâne feierte vom 17.-19. Juni den zweiten Teil des XXX. Jahrgangs Das geteilte Jubiläum Im Juni 2019 kündigte Susanne Ansorg, Festivalchefin von montalbâne, zum Abschluss der Konzerte an, dass das Jubiläum 2020 mit einer ungewöhnlichen Programmüberraschung gefeiert werden sollte. An der Kasse und unter www.montalbane.de gab es eine Liste aller in den abgelaufenen neunundzwanzig Jahren in Freyburg und zuvor in Landsberg konzertiert habenden Ensembles und Solisten. Und mittels dieser Liste ließ sich wünschen, wer zum XXX. Jubiläumsjahrgang noch einmal hier auf der Bühne stehen sollte. Der passende Name für das Jubelfest im Juni 2020 war schon gefunden: JUBILATE! Unter den einlaufenden Wunschnachrichten kehrten sich bald die Favoriten heraus, bei denen fleißig angefragt wurde, ob sie einen freien Termin hätten. Doch unter der normativen Kraft des Faktischen blieben zum vertrauten Junitermin Fidel, Harfe und Drehleier fern von Freyburg. Erst im Oktober hieß es, gar nicht jubiläumsfroh aber doch zeitangepasst: CORONATE! Ein reduziertes Festival, aber bestückt mit Hochkarätern von der Wunschliste wie Les Haulz et les Bas, Ars Choralis Coeln und Oni Wytars wahrlich kein Notprogramm, TEIL EINS des Jubiläumskonzerts. Zu TEIL ZWEI war zum Juni 2021 eingeladen. Jörg Peuckert stellte dazu am Beginn der Konzerte in diesem Jahr charmant fest, montalbâne habe die 21er-Lücke mit einem einzigen Konzert des „hauseigenen“ montalbâne Ensembles überbrückt. Wer es erlebt hat, wird dieses Maskenkonzert lange in Erinnerung bewahren. Alle sind wieder da, Sponsoren, Helfer und auch das Publikum! jubelte am 17. Juni 2022, zum Auftakt von JUBILATE, der als maître de plaisir agierende Jörg Peuckert. Ein Lobgedicht auf den kunstbeflisseLa Capella Ducale, Musica Fiata, Ltg.: Roland Wilson, Foto: Christian Klenk TOCCATA - 121/2022 40 FESTIVALBERICHTE

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