Toccata 05/2022

die Gegenwart aufnimmt und die Zukunft mitgestaltet. 230 Kinder eröffneten in gleich zwei ausverkauften Konzerten das 71. Musikfest ION. Unter der Leitung von Friedhilde Trüün wurde das Projekt SingBeethoven in St. Lorenz verwirklicht. Die Stars von VOCES8 aus England begeisterten nicht nur beim Messiah von Händel am 25. Juni, sondern arbeiteten mit der Kinder- und Jugendkantorei Nürnberg zusammen und präsentierten sich im gemeinsamen Werkstattkonzert. Es war der erste öffentliche Auftritt der Kinder, nachdem der Chor kurz vor der Corona-Pandemie gegründet worden war. Ein Meisterkurs „Improvisieren auf Tasteninstrumenten“ mit dem Organisten Martin Sturm und dem PopMusiker Hansi Enzensperger eröffnete gänzlich neue Methoden und Klangmöglichkeiten. Hinzu kamen Workshops wie etwa „Social Media für Musikschaffende“, Künstlergespräche und Vorträge unter anderem zu „Judenbildern in Oratorien und Passionen.“ Und schließlich wurde die neue Konzertreihe NIGHTFLIGHT ins Leben gerufen. Vier Nachtkonzerte, jeweils 23 Uhr in St. Martha, präsentierten Musik von Klassik bis Pop in einem besonderen Setting. Den Auftakt machte die polnische Pianistin Hania Rani in der ausverkauften Kirche. Weiterhin waren das Eliott Quartett mit dem Lichtkünstler Laurenz Theinert, die Pianisten Markus Becker und Johannes Nies sowie Pantha du Prince zu erleben. Das 72. Musikfest ION findet vom 23. Juni bis zum 2. Juli 2023 statt. BachWerkVokal: Das Ensemble BachWerkVokal freut sich über zwei Nominierungen beim OPUS Klassik. Die aktuelle CD „Jesu, meine Freude“ wurde in den Kategorien Ensemble des Jahres & Chorwerkeinspielung des Jahres nominiert! Im kommenden Jahr nimmt BachWerkVokal in der Thomaskirche Leipzig seine nächste CD auf. BIS: Der junge Countertenor Nicolò Balducci und das Ensemble Dolci Affetti unter der Leitung des Blockflötisten Dan Laurin haben für das schwedische Label BIS neapolitanische Arien des Barock eingespielt. Die beiden CDs erscheinen 2022 und 2023. Musica Gloria: Mit dem Ensemble Musica Gloria und dem Traversflötisten Beniamino Paganini erscheint im Herbst eine CD unter dem Titel “The Bachs & The Flute”. Stuttgart: Die Stuttgarter Festwoche Barock findet 2022 vom 4. bis 11. September zum zweiten Mal statt. Das Barockorchester il Gusto Barocco unter seinem Maestro al Cembalo Jörg Halubek präsentiert Kammermusik von Johann Sebastian Bach, vergessene Werke unbekannter französischer Komponistinnen und eine Orgelexkursion in die Abteikirche Kloster Neresheim. Eröffnet wird sie mit der Stuttgarter Barockoper Adonis des Komponisten Johann Sigismund Kusser am 4. September in der Liederhalle. Bei der ersten Wiederaufführung in der Moderne der um 1699/1700 uraufgeführten Oper sind in den Hauptrollen die Barocksänger:innen Ulrike Hofbauer und Yannick Debus zu erleben. Die Geschichte von Venus und Adonis avancierte im 17. und 18. Jahrhundert zum populären Opernstoff: Der Jüngling Adonis ist so hinreißend schön, dass selbst die Liebesgöttin sich in ihn verliebt. Als er jedoch auf der Jagd umkommt, lässt Venus aus seinem Blut eine Blume sprießen: das Adonisröschen. Kussers Vertonung des antiken Stoffes ist maßgeblich beeinflusst vom französischen Stil, der auch in Württemberg in Mode kam und durch ihn nach Stuttgart an den absolutistischen Hof von Herzog Eberhardt Ludwig gebracht wurde. Vor gut zehn Jahren legte die Musikwissenschaftlerin Samantha Owens die Rekonstruktion von Adonis vor. Ihr Komponist Johann Sigismund Kusser (1660– 1727) galt seiner Zeit als internationale Musikerpersönlichkeit: Nach sechsjähriger Lehrzeit bei JeanBaptiste Lully in Versailles zog es ihn an die Höfe bedeutender Opernzentren wie Braunschweig, Hamburg, London oder Dublin. In den Jahren 1699–1704 war der im heutigen Bratislava geborene Operndirektor und Hofkapellmeister unter Herzog Eberhardt Ludwig in Stuttgart und führte hier neben Werken von Agostino Steffani, Reinhard Keiser oder Antonio Cesti auch eigene Kompositionen auf. Die Wiederaufführung von Adonis war bisher nur in Ausschnitten zu erleben. Die Ausgrabung setzt nun nach Giuseppe Antonio Brescianellos Tisbe, Johann David Heinichens Flavio, Georg Philipp Telemanns Händeladaptionen Celofida und Muzio Scevola die Reihe bedeutender Opern-Entdeckungen und Einspielungen von il Gusto Barocco fort. Auch dieses Jahr wird es das im letzten Jahr erprobte digitale Foyer der Festwoche Barock wieder geben und es wird weiter ausgebaut werden. Ab 1. August folgen dort bis zum Start der Stuttgarter Festwoche viele interessante Inhalte zu Programm, Werken, Komponist:innen und Interpret:innen. Den Anfang macht ein Interview mit der Wiederentdeckerin von Adonis, Samantha Owens. www.ilgustobarocco.de Amsterdam: Das niederländische Barockorchester PRJCT unter der künstlerischen Leitung des Countertenors Maarten Engeltjes wird im Jahre 2023 mit den Solisten Andreas Scholl und Rolando Villazon Konzerte im Amsterdamer Concertgebouw, der Kölner Philhamonie, beim Bachfest Leipzig und den Thüringer Bachwochen geben. Soeben begann eine Zusammenarbeit mit dem nederländischen CD-Label Pentatone. Bisher sind bei Sony zwei CDs des Ensembles erschienen. Köln: Concerto Köln setzt nach dem „Rheingold“ im November 2021 seine historisch-informierte Erschließung von romantischem Repertoire mit zwei Projekten fort: Bei den Herrenchiemsee-Festspielen am 21. Juli werden Franz Schuberts Symphonie Nr. 5 in B-Dur und Ludwig van Beethovens Konzert für Violine und Orchester D-Dur unter der Leitung von Kent Nagano zu hören sein. Dabei wird der Konzertmeister des Ensembles Evgeny Sviridov als Solist in Beethovens Violinkonzert in Erscheinung treten. Auch die neu gegründete Concerto Köln Orchesterakademie schließt an das Wagnerprojekt an und will einen Übergang zwischen Ausbildung und Beruf für die jungen Musiker im Bereich der romantischen Interpretationspraxis schaffen. Erstmals in Deutschland setzt sie unter der Leitung von Concerto Kölns Konzertmeister Shunske Sato einen Schwerpunkt auf die historisch-informierte Methode bei der Annäherung an romantisches Repertoire. Im Fokus des Workshops und des Konzerts am 16. Oktober im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln stehen u.a. Werke von Franz Liszt, Richard Wagner und Richard Strauss. Die Orchesterakademie ist gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von Neustart Kultur. Seit 2017 entwickelt Concerto Köln gemeinsam mit Ehrendirigent Kent Nagano und unter Beteiligung von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen im Projekt „Wagner-Lesarten“ einen historisch-informierten Zugang zu Wagners monumentaler Tetralogie „Der Ring“. Im November 2021 erreichte das Projekt mit dem „Rheingold“ sein erstes Etappenziel in der Kölner Philharmonie. Mit den beiden neuen Herausforderungen setzt das Kölner Ensemble diesen Weg fort und erschließt sich mit den erarbeiteten Kenntnissen über romantische Aufführungspraxis und der daraus selbst entwickelten Interpretationsstilistik neues Repertoire. Durch die Annäherung an andere Gattungen und Werkkorpora – mit, aber auch ohne Dirigent – lotet Concerto Köln die Möglichkeiten, die sich einem Originalklangensemble bieten, vom Barock bis zur Romantik neu aus. www.concerto-koeln.de Dresden: „Schütz ist einer der wichtigsten Komponisten im 17. Jahrhundert und die Studierenden können von ihm lernen, wie man Sprache und Musik verbindet und auf welchen Ebenen man das tun kann“, so Michael Heinemann, Professor für Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik Dresden. Das Wintersemester 2022/23 – von Oktober 2022 bis Februar 2023 – wird an der Musikschule im Zeichen NACHRICHTEN 6 TOCCATA - 121/2022 Il Gusto Barocco, Ltg.: Le Fenice, Ltg.: Jörg Halubek

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