Toccata 06/2022

Novembe r -Dezembe r 2022 € 6,40 Nr. 6/2022 ➲ NACHRICHTEN ➲ CD-NEUHEITEN ➲ CDDES MONATS ➲ CD-TIPPS ➲ CD-UMSCHAU ➲ INTERVIEW: FLORIS DE RYCKER MAUDE GRATTON ➲ BUCH- UND NOTENBESPRECHUNGEN ➲ FESTIVALBERICHTE ➲ TERMINE IN DIESER AUSGABE: INTERVIEWmit Hopkinson Smith Hopkinson Smith 122 Foto: Vico Chamla

Christmas Vespers LA CETRA ANDREA MARCON CLAUDIO MONTEVERDI Jetzt im Handel und im Deutsche Grammophon Shop store.deutschegrammophon.com Eine prachtvolle Weihnachtsvesper hat Andrea Marcon mit seinem Ensemble La Cetra eingespielt, wie sie im MarkusDom des 17. Jahrhunderts in Venedig erklungen sein könnte. Buon natale! Vespro di Natale

3 INHALT Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 CD-Neuheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 CDs des Monats . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 CD-Tipps . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 CD-Umschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Interview mit Hopkinson Smith . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Interview mit Floris De Rycker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Interview mit Maude Gratton . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Interview mit Henning Wiegräbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Festivalberichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .39 Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .46 In dieser Ausgabe sprachen wir im Interview mit dem amerikanischen Lautenisten Hopkinson Smith, dem belgischen Lautenisten und Leiter des Ensembles Ratas del viejo Mundo Floris De Rycker und der französischen Organistin und Cembalistin Maude Gratton. Im “CD-Interview” sprechen wir mit dem Posaunisten und Leiter des Capricornus Ensemble Stuttgart Henning Wiegräbe. Ferner berichten wir vom Alte Musik-Festival Utrecht 2022 und denBasel Lute Days 2022, veranstaltet von der Schola Cantorum Basiliensis und der Deutschen Lautengesellschaft. Schließlich finden Sie die Nachrichten, CD-Neuheiten, die CDs des Monats, die CD-Tipps und die CD-Umschau. Ihr Stephan Schmid VORWORT Impressum: Redaktion, Anzeigen- und Abonnementverwaltung: Pro Musica Antiqua, Postfach 10 08 30, 93008 Regensburg, Telefon (09 41) 5 26 87, Fax (09 41) 5 30 94 e-mail: pro.musica.antiqua@t-online.de Internet: www.toccatamagazin.de Erscheinungsweise: zweimonatlich, jeweils zu Beginn jeden ungeraden Monats (6 Ausgaben pro Jahr) Jahresabonnement: kostenlos Redaktionsschluß: jeweils zum 1. des Vormonats. Redaktionsleitung: Stephan Schmid Redaktion: Stephan Schmid, Wolfgang Reihing Herausgeber: Stephan Schmid, Pro Musica Antiqua, Postfach 10 08 30, 93008 Regensburg (Germany), Telefon (09 41/ 5 26 87) Die in den Artikeln und Rezensionen vertretenen Meinungen geben alleine die Meinung des jeweiligen Verfassers wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Datenträger, Fotos und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. ISSN 0942-9034 TOCCATA - 122/2022

Jubiläum: Anlässlich des 50jährigen von La Petite Bande wurden ihre Aufnahmen der Johannes- und Matthäuspassion, des Weihnachtsoratoriums und der Messe h-moll in einer 9 CD-Box beim Label Challenge Classics CC 72917) zusammengefasst. Sigiswald Kuijken zu 50 Jahre La Petite Bande: Es war im September 1972, kurz nachdem die letzten Noten von Lullys Oper Bourgeois Gentilhomme auf einen Text von Molière von einer eher zufälligen Ansammlung von Musikern aufgenommen worden waren, die sich zu diesem Zweck zum ersten Mal zusammengefunden hatten - zumeist junge und enthusiastische Verfechter einer authentischen Barockaufführung, geleitet von Gustav Leonhardt, dem Cembalo-Maestro und der anspruchsvollen treibenden Kraft hinter dieser Aufnahme. Dr. Alfred Krings vom deutschen Plattenlabel Harmonia Mundi stellte dann die unvermeidliche Frage, welchen Namen dieses bisher nicht existierende Ensemble auf der Plattenhülle tragen sollte... Mit einem zarten, leicht rätselhaften Lächeln im Gesicht zauberte Gustav Leonhardt seinen Vorschlag “LA PETITE BANDE” hervor. Leonhardt war ein Mann mit einem etwas aristokratischen Auftreten, und ich hatte sofort das Gefühl, einen subtilen, aber unmissverständlichen Hinweis auf den leicht “bandenmäßigen” Aspekt unseres bis dahin unblutigen musikalischen Zusammentreffens zu erkennen, und ich freute mich über diese versteckte Anspielung, da ich mich in dieser brandneuen Gruppierung wirklich zu Hause fühlte. Doch einige Sekunden später (vermutlich, weil ich ihn verwirrt ansah) erklärte er mir, worum es bei seinem Vorschlag ging: La Petite Bande, sagte er, sei der Name, der am Hofe Ludwigs XIV. manchmal verwendet wurde, um eine kleinere und wahrscheinlich besser qualifizierte Gruppe von Musikern zu bezeichnen, die nur zu besonderen Anlässen herangezogen wurde, mit anderen Worten eine Art musikalische Elite. Ich verschluckte mich an diesem scheinbaren Widerspruch und sagte sofort, dass ich mit dem Vorschlag völlig einverstanden sei. Diese Gruppe hat nichts “Bandenhaftes” an sich, sondern ist eher eine angesehene, elitäre Bande de musiciens. Ich persönlich fand, dass wir etwas zu hoch gegriffen hatten, aber vor allem war ich erleichtert und froh, dass dieses Problem (dem Kind einen Namen zu geben) gelöst worden war. Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich erstaunt und dankbar, dass diese ungewöhnliche Geburt unserer “kleinen Band” - offensichtlich mehr das Ergebnis glücklicher Umstände als einer vorsätzlichen Entscheidung - den Charakter und die Atmosphäre unserer Zusammenarbeit während der gesamten 50 Jahre unseres Bestehens als “Aktionsgruppe” bestimmt hat. Wenn man Musiker ist oder in einer Gruppe von Musikern spielt, muss man jedes Konzert so spielen, als wäre es das allererste, aber gleichzeitig vielleicht auch das allerletzte. Das hält die Arbeit frisch und vertreibt jede erstickende Routine. Der eigentliche, tiefe Grund, überhaupt Musik zu machen (auch wenn man alleine spielt), ist die Verbindung zu der Situation, die man transzendiert, was einem die persönlichste, innere Befriedigung gibt. Wenn dieses Gefühl jemals zu schwinden beginnt, wo bleibt dann der Spaß? Ja, das ist der Atem, der uns Musiker am Leben hält, und wir haben immer Musiker ausgewählt, die diesen Atem mit uns teilen können. Die Mentalität - diese gemeinsame Philosophie über die Arbeit - ist der absolut wichtigste Aspekt; sie bestimmt zu einem großen Teil die Qualität, die wir dann unserem Publikum vermitteln können. Im wahrsten Sinne des Wortes muss ein Musiker immer ein Amateur - ein “Dilettant” - bleiben, denn nur dann wird der Zuhörer an der Freude teilhaben. Tölzer Knabenchor: Prof. Michael Hofstetter und der Tölzer Knabenchor modifizieren ihre Zusammenarbeit. Nach einer erfolgreichen Saison als künstlerischer Leiter bleibt Michael Hofstetter dem Tölzer Knabenchor als Erster Gastdirigent und Beirat des Fördervereins (Vorsitz Dr. Th. Goppel) verbunden: „Ich freue mich schon aufs nächste gemeinsame Konzert mit Chor, Knabensolisten und dem Concerto Köln am 20. November 2022 beim Bachfest Lausanne mit dem Weihnachtsoratorium", sagt Michael Hofstetter. Was die Knaben derzeit vorrangig brauchen, erklärt er, sei weniger der künstlerische Leiter als vielmehr eine Leitung des Chores mit besonders intensiver, regelmäßiger Lehrtätigkeit, die der gefragte GastDirigent und Leiter der Gluck-Festspiele selbst jedoch nicht leisten kann. Barbara Schmidt-Gaden bekräftigt als Geschäftsführerin des Chores: „Da wir in Pandemie-Zeiten leider von offizieller Seite aus als Amateurchor eingestuft waren, durften wir ganze neun Monate lang nicht proben. Das war fatal und schlägt jetzt zurück, denn die Lücken im musikalischen und stimmlichen Bereich sind bei den Kindern weiterhin sehr spürbar". Der Nachholbedarf sei enorm - und pädagogisch wie stimmbildnerisch und chorisch nur durch ein LehrerInnen-Kollegium auffangbar, das die ganze Woche über die Kinder betreue. ChorleiterIn und StimmbildnerIn in Vollzeit für den Tölzer Knabenchor werden schon gesucht, nach den Ferien geht's in die erste Vorstellungsrunde. Neben der Suche nach professioneller personeller Unterstützung sieht Barbara Schmidt-Gaden als Geschäftsführerin des Tölzer Knabenchors, vor mehr als 65 Jahren von ihrem Vater Prof. Gerhard Schmidt-Gaden gegründet und zu einem der berühmtesten Knabenchöre der Welt gemacht, anspruchsvolle Zeiten auf den Chor zukommen: Neben dem Umzug im NACHRICHTEN 4 TOCCATA - 122/2022 La Petite Bande, Foto: Marco Mertens Tölzer Knabenchor, Foto: Klaus Fleckenstein

Oktober 2022 in die neu renovierten, modernen und akustisch wirksamen Räumlichkeiten am Medien-Standort in Unterföhring sei es nach der Corona-Zeit nicht nur nötig, intensiver als sonst an Stimmbildung und Chorsingen zu feilen: „Nach Corona müssen wir auch am Umgang miteinander arbeiten", schildert Barbara Schmidt-Gaden ihre aktuellen Erfahrungen: „In dieser Zeit des sozialen wie musikalischen Aufbaus brauchen die Kinder regelmäßige Aufmerksamkeit". Der neue Standort in Unterföhring soll dabei unterstützen: „Wir haben hier hervorragende Möglichkeiten zur Verbesserung der internen Abläufe in Verwaltung, Probe und Unterricht". Opus Klassik: Den Opus KlassikPreis 2022 erhielten in der Kategorie Sängerin des Jahres: Lea Desandre (Amazone. Provenzale, Viviani u.a. Jupiter, Thomas Dunford, Erato 9029 50658 43), in der Kategorie Ensemble des Jahres: Huelgas Ensemble, Paul Nevel (En Albion. Polyphony in England 1300-1400, Deutsche Harmonia Mundi 88985 45521 21), in der Kategorie Konzerteinspielung des Jahres, Blockflöte/ Cembalo: Stefan Temmingh, Blockflöte, Capricornus Consort Basel, Péter Barczi (Leipzig 1723. Bach and his Rivals for the Thomaskantor Position. Graupner, Bach, Fasch, Telemann, Accent ACC 24375), in der Kategorie Sinfonische Einspielung des Jahres: Berliner Barock Solisten, Reinhard Goebel (Mozart: Serenades, Hänssler HC 21013), in der Kategorie Solistische Einspielung des Jahres: Gesang: Oper: Jeanine De Bique, Sopran, Concerto Köln, Luca Quintavalle (Mirrors. Händel: Arien, Berlin Classics 0302017BC), in der Kategorie Audiovisuelle Musikproduktion: Jakub Jozef Orlinski, Countertenor, Capella Cracoviensis, Jan Tomasz Adamus (Vivaldi: Stabat Mater, Erato 9029 50607 01), in der Kategorie Solistische Einspielung des Jahres: Orgel: Eckhard Manz (Orgelpunkt Vol. 2. Die Rieger-Orgel St. Martin in Kassel. Bach; Böhm, Walter u.a., MDG Musikproduktion und Grimm MDG 951 2226-6), in der Kategorie Solistiche Einspielung Solistische Einspielung des Jahres – Gesang: Joyce DiDonato, Mezzosopran, Il Pomo d’Oro, Maxim Emelyanychev (Eden. Mahler, Marini u.a., Erato 9029 64651 54) in der Kategorie Weltersteinspielung des Jahres: Goldberg Vocal Ensemble, Goldberg Baroque Ensemble, Andrzej Szadejko (Johann Daniel Pucklitz (17051774): Oratorio Secondo, Musica Baltica 9. MDG/ Musikproduktion Dabringhaus und Grimm MDG 902 2241-6) und in der Kategorie Solistische Einspielung des Jahres – Gesang: Oratorium: Miriam Feuersinger, Sopran, Capricornus Consort Basel (Bach: Ich bin vergnügt..., Kantaten BWV 51, 82, 84, Christophorus CHR 77459). Wilms: Kürzlich erschien beim schwedischen Label BIS aus Anlass des Jubiläumsjahres „250 Jahre Johann Wilhelm Wilms“ die Aufnahme "The Piano Concertos Vol. 1“ mit Ronald Brautigam (Hammerklavier) und der Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens. Die CD entstand im April, Mai und August 2021 in der Immanuelskirche in Wuppertal in Kooperation mit dem Deutschlandfunk und enthält die Klavierkonzerte E-dur op. 3, Cdur op. 12 und D-dur op. 26. Vol. 2 der Wilms-Klavierkonzerte wird voraussichtlich im November 2022 zum Abschluss des Wilms-Jahres erscheinen. Die Aufnahme sorgt für Furore! Das BBC Music Magazine verlieh ihr fünf Sterne www.classical-music.com/reviews/concerto/wilms-piano-concertos-vol-1/ und das Niederländische Klassik-Radio NRT hat die CD zur „Aufnahme der Woche“ ernannt. Bereits Ende Juni wurde die Einspielung für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert: www.schallplattenkritik.de/en/news/ 2022-07-06/the-new-long-list-32022-is-here. G.A.P.: Im September gastierte das G.A.P.-Ensemble und Dorothée Mields (Sopran) beim Mosel Musikfestival mit Werken von Johann Sebastian Bach und Dmitri Schostakowitsch im Kloster Machern in Bernkastel-Kues. Im Juli war das G.A.P.- Ensemble mit Dorothée Mields bereits erfolgreich beim Festival de Saintes in Frankreich zu Gast. Innsbruck: Von 12. Juli bis 28. August besuchten über 17.000 Gäste aus aller Welt die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Die Auslastung lag bei insgesamt 53 Veranstaltungen bei 86 %. Die Gäste kamen u. a. aus dem Inland, Deutschland, der Schweiz, Italien, Spanien, Finnland, Großbritannien, Mexiko, Südkorea, Kanada und den USA. Im kommenden Jahr dürfen sich Opernfreunde auf Antonio Vivaldis «L'Olimpiade», «Juditha triumphans» und «La fida ninfa» freuen. Die 46. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik endeten mit dem Finalkonzert des 13. Internationalen Gesangswettbewerbs für Barockoper Pietro Antonio Cesti im Haus der Musik Innsbruck. Mit 53 Veranstaltungen (davon waren 19 kostenfrei) an 22 Spielorten kann das Festwochen-Team rund um Intendant Alessandro De Marchi, Geschäftsführer Dr. Markus Lutz und Betriebsdirektorin Mag. Eva-Maria Sens auf eine ereignisreiche und gut besuchte Festivalsaison, die unter dem Motto «Begegnungen» stand, zurückblicken. Die Wiederentdeckung der Oper «Silla» von Carl Heinrich Graun wurde vom Publikum und zahlreichen Medienverteter*innen aus dem In- und Ausland gefeiert und hoch gelobt. Mit der Barockoper:Jung, Carlo Pallavicinos «L'amazzone corsara», und Giovanni Bononcinis «Astarto» sorgten zwei weitere echte Raritäten auf der Festwochen-Bühne für Begeisterung. Publikumsjubel und Gänsehautmomente gab es u. a. bei den ausverkauften Konzerten «Il Messia» im Haus der Musik mit dem Innsbrucker Festwochenorchester und renommierten Solist*innen unter der Leitung von Alessandro De Marchi, «Vespro Veneziano» mit dem La Cetra Barockorchester und Andrea Marcon in der Stiftskirche Wilten sowie dem «Concerto delle Donne» mit der Harfenistin Margret Köll im Spanischen Saal von Schloss Ambras. Ein Höhepunkt war das Konzert «Virtuosen» mit der Accademia Bizantina unter der Leitung von Ottavio Dantone, welcher ab Herbst 2023 die musikalische Leitung der Festwochen inne haben wird. Über 9.000 Gäste besuchten die Opern- und Konzertveranstaltungen. Zusätzlich besuchten über 8.000 Interessierte die kostenfreien Veranstaltungen der Festwochen, wie beispielweise das «Concerto mobile», «Musica montana», die Lunchkonzerte, das Schlossfest Ambras sowie «Pauken und Trompeten» am Goldenen Dachl. Die Veranstaltungen der Festwochen lockten darüber hinaus zahlreiche Medienvertreter nach Innsbruck: 59 Journalisten aus 11 Ländern berichteten im Juli und August vom Festival. Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2023 werden drei szenische Vivaldi-Produktionen auf die Bühne bringen:«L'Olimpiade», «Juditha triumphans» und als Barockoper:Jung «La fida ninfa». Es wird die letzte Festwochen-Saison des aktuellen Intendanten Alessandro De Marchi sein. Er wird bei «L'Olimpiade» und «Juditha triumphans» am Dirigentenpult stehen. Die Regie bei «L'Olimpiade» wird Stefano Vizioli übernehmen, der 2019 schon mit der Inszenierung der Oper «La Dori» begeisterte. Die Barockoper:Jung wird Chiara Cattani musikalisch leiten. Die 47. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik finden von 11. Juli bis 29. August 2023 statt. Das gesamte Programm wird im Frühjahr 2023 veröffentlicht, dann beginnt auch der Kartenvorverkauf. La Cetra: Auch in dieser Saison bereichert der Konzertzyklus von La TOCCATA - 122/2022 NACHRICHTEN 5 Innsbrucker Festwochen 2022: Silla, Foto: Birgit Gufler

Cetra das Musikleben Basels mit einem vielseitigen Programm - grosse Werke für Orchester und Vokalensemble, musikalische Neu- und Wiederentdeckungen, mystische Kantaten und virtuose Instrumentalkonzerte wechseln einander ab. Das La Cetra Vokalensemble unter der Leitung von Carlos Federico Sepúlveda eröffnet die Saison ungewohnt: mit schwungvoller romantischer Salonmusik, den «Liebesliederwalzern» von Johannes Brahms. Dazu erklingen Gesänge und Notturnos des Wahl-Schweizers Heinrich von Herzogenberg. Die beiden Pianisten Edoardo Torbianelli und Ludovic van Hellemont begleiten natürlich auf einem historischen Hammerflügel dieser Zeit (29.9.). Mit der Geigerin Leila Schayegh verbindet La Cetra eine lange und innige Freundschaft, die in der von der Presse hochgelobten Gesamteinspielung der Violinkonzerte von Jean-Marie Leclair auf drei CDs gipfelte. Im Konzert in der Martinskirche wird Leclairs Musik den berühmten Concerti grossi von Arcangelo Corelli gegenübergestell (9.11.). Für das diesjährige adventliches Mitsingprojekt läßt sich La Cetra von Schillers «Ode an die Freude» leiten. Als «Concerto partecipativo» wird ein großer Chor aus enthusiastischen Laiensängerinnen und -sängern aus der Nordwestschweiz und den angrenzenden Regionen das La Cetra Vokalensemble bereichern. Die auf historische Aufführungspraxis spezialisierten «Cetrianer» unter Leitung von Andrea Marcon musiziert Beethovens 9. Sinfonie mit den Solisten Solisten Anett Fritsch, Rachele Raggiotti, Juan Sancho und José Antonio Lopez (2.12.). La Cetra hat bereits zahlreiche Opern des «prete rosso» in Basel und europaweit präsentiert. In dieser Tradition erklingt im Februar «Il Giustino» als konzertante Oper in Basel. mit den drei Countertenören Valer Sabadus, Kangmin Justin Kim und Carlo Vistoli, den Sopranistinnen Anett Fritsch und Marie Lys sowie dem Schweizer Tenor Emiliano Gonzalez Toro (2.2.). In der Passionszeit wendet sich La Cetra unter der Leitung von Carlos Federico Sepúlveda Buxtehude zu: Im Dom zu Arlesheim erklingt Buxtehudes Kantatenzyklus «Membra Jesu nostri» (19.3.). Als zweiter Gast in dieser Saison stellt der Geiger Sergey Malovr gleich mehrere «Verwandte» der Violine vorstellt: Neben dem von Bach sehr geschätzten Violoncello da spalla erklingt auch der Violino piccolo sowie - in einem Konzert für zwei Violinen von Vivaldi gemeinsam mit La Cetras Konzertmeisterin Katharina Heutjer - die barocke Violine. Auf dem Violincello da spalla gespielt, lassen die Cellokonzerte von Boccherini und Porpora neue, ungewohnte Farben und Klänge entdecken (3.5.). Andrea Marcon wird - corona-bedingt nachträglich – bei den Händelfestspielen Halle der renommierte Händel-Preis 2021 verliehen. Das Rezital, welches La Cetra aus diesem Anlass für Händels Geburtsstadt vorbereitet, ist auch in Basel zu erleben und widmet sich – für die Barockzeit eher ungewöhnlich – den Tenor-Arien Händels, die er für den berühmten italienischen Tenor Francesco Borosini in England komponierte. Es singt der Tenor Julian Prégardien (8.6.). In seinem kleinen barocken Musikstudio führt La Cetra die in der Corona-Zeit eingeführten, äusserst beliebten «Wellness»-Konzerte weiter fort. An einem Wochenende pro Monat sind die Solisten sowie Freunde von La Cetra hautnah zu erleben - in 40-minütigen musikalischen «Therapiesitzungen». Die barocke Musik wird durch wechselnde Bilderausstellungen begleitet – Wellness für Ohren und Augen (Okt. bis März)! Für La Cetra hat die neue Saison bereits im Juli mit Konzerten Klosters und bei den Festwochen Alter Musik in Innsbruck begonnen. Am Concertgebouw Amsterdam präsentiert La Cetra die Vivaldi-Oper «Giustino». Bei den Händelfestspielen Halle ist La Cetra gleich mit zwei Produktionen zu Gast. Mit Magdalena Kozena ist La Cetra nach Brüssel und in ihre Heimatstadt Brno eingeladen. Weitere Gastspiele führen La Cetra u. a. in die Laeiszhalle Hamburg, das Konzerthaus Wien, nach Venedig, Marburg, Lörrach, Zug, Crans-Montana, Bad Kissingen und Neumarkt. Auch beim Riehener Sing-Festival «enchanté» in wenigen Wochen ist La Cetra von der Partie – dabei besteht die Möglichkeit, gemeinsam mit dem La Cetra Vokalensemble zu improvisieren! Am Theater Basel wird La Cetra mit Joseph Haydns «Schöpfung» unter der musikalischen Leitung von Jörg Halubek zu Gast sein. Regie führt Thomas Verstraeten, Premiere ist am 22. April. In 2022 sind bereits mehrere CDs mit La Cetra erschienen: «Traversée» mit Patricia Petibon (Sony), «Sopranista» mit dem jungen Countertenor Samuel Mariño (Decca) sowie die letzte Aufnahme der auf drei CDs angelegten Gesamteinspielung der Violinkonzerte von Jean-Marie Leclair mit Leila Schayegh (Glossa). Monteverdis «Vespro di Natale» in grosser Chor- und Orchesterbesetzung erscheint im Oktober 2022 bei der Deutschen Grammophon DGG. In der Kirche Santa Catarina in Treviso hatte La Cetra mit der nach Renaissance-Vorbildern erbauten großen Zanin-Orgel das perfekte Instrument zur Verfügung, um die Klangvorstellung Monteverdis möglichst originalgetreu einzufangen. www.lacetra.ch Madison: Die Gewinner des 9., jährlich stattfindenden Handel Aria Competiotion 2022 waren Joanne Evans, Mezzosopran, 1. Preis, Omar Najimi, Tenor, 2. Preis und Emily Donato, Sopran, 3. Preis. Weitere Finalisten bei 120 Bewerbern waren Logan Tanner, Countertenor, Hugh Davis, Bariton, Katie Koester, Sopran und Gabriela Estephanie Solís, Mezzosopran. www.handelariacompetition.org Neuburg: Das Blockflöten-Quartett „Palisander“ aus London, von der Presse schon mal als Spice Girls der Alten Musik bezeichnet, gewann den 23. Biagio-Marini-Wettbewerb in Neuburg an der Donau, der im Rahmen der Sommerkademie Neuburg stattfand, und erhielt sowohl den ersten Preis in Höhe von 2000 Euro als auch den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis. Den zweiten, mit 1000 Euro dotierten Preis errang das Streichertrio „Ayres Extemporae“. Göttingen: Seit Dezember 2021 ist das Streaming-Portal der Internationalen Händel-Festspiele online, und natürlich werden auch Neue Horizonte auf www.haendel-channel.de mit einer erlesenen Rückschau gewürdigt. Durch die freundliche Unterstützung seitens Neustart Kultur, der Initiative Musik gGmbH und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur fanden bis Ende Oktober 2022 ein Dutzend Highlights der diesjährigen Festspiele kostenfrei ihren Weg ins heimische Wohnzimmer bzw. auf die mobilen Endgeräte. Den Beginn markierten gleich zwei komplette Mitschnitte: Die Premiere der Festspieloper Giulio Cesare in Egitto und „L’Arte della Scordatura – Verstimmung in Arkadien“. Das Konzert brachte Mayumi Hirasaki (Violine), Michael Freimuth (Laute) sowie Lorenzo Ghielmi (Cembalo) in der Aula der Universität zusammen – und „zauberhaft verstimmtes Spiel“ (Jens Wortmann, Kulturbüro) auf deren Bühne. Genau darum geht es nämlich bei der Kunst der Skordatur: um eine von der Norm abweichende Saitenstimmung. Diese Über- bzw. Unterspannung sorgt für völlig neue Klangfarben und erlebte im Barock ihre Hochzeit. NACHRICHTEN 6 TOCCATA - 122/2022 Die Gewinner des 9. Handel Aria Competiion: Joanne Evans, Mezzosopran, 1. Preis (Mitte), Omar Najmi, Tenor, 2. Preis (rechts), Emily Donato, Sopran, 3. Preis (links) Die Preisträger des 23. Biagio-Marini-Wettbewerbs 2022 in Neuburg/ Donau

TOCCATA - 122/2022 Für seinen Einstand als Künstlerischer Leiter der Göttinger HändelFestspiele wählte George Petrou mit Giulio Cesare in Egitto seine Händel-Lieblingsoper – und eine Doppelrolle am Dirigentenpult und im Regiestuhl; Yuriy Mynenko und Sophie Junker in den Titelpartien stehen an der Spitze eines Ensembles, das dem internationalen Anspruch des Festivals vollumfänglich gerecht wird. Eine Online-Einführung in diesen visionären Zwitter aus Politthriller und Liebeskomödie gibt es ab Sonntag, 11.9. von Professor Volker Römermann. www.haendel-channel.de Hanover Band: Die Hanover Band und der Cembalist Andrew Arthur haben soeben Vol. 1 der Konzerte für ein Cembalo von J.S. Bach auf CD vorgelegt (Signum Classics), Vol. 2, ergänzt mit dem 5. Brandenburgischen Konzert, ist bereits aufgenommen. In den kommenden Jahren sollen einige der wichtigsten Chorwerke Bachs aufgenommen werden. Stravaganza: Die Veröffentlichung der nächsten CD des Ensemble Stravaganza/ Thomas Soltani ist für Januar 2023 geplant. Halle: Mit insgesamt 17 Veranstaltungen in vier Veranstaltungsreihen bietet die Stiftung Händel-Haus für die Spielzeit 2022/23 eine große Auswahl an Konzerten. Als größte Reihe bietet „Musik im HändelHaus“ mit in dieser Spielzeit sieben Konzerten den Zuschauern international renommierte Musikerinnen und Musiker, die teils bereits bei den Händel-Festspielen zu Gast waren. Den Auftakt für die neue Spielzeit gaben das Linzer Ensemble Castor zusammen mit der Traversflötistin Jana Semerádová am 15.10.2022 mit Werken von G. Ph. Telemann, F. Couperin, C. Ph. E. Bach und G.F. Händel. Die weiteren Konzertreihen sind „Focus Bohlenstube“, “Händels Schätze - Musik im Dialog” und „Schätze Mitteldeutschlands“. Info: https://haendelhaus.de/de/directory /29 Halle: Zum „Tag des offenen Denkmals“ öffnete die Stiftung HändelHaus gemeinsam mit der Halleschen Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) das Wilhelm-FriedemannBach-Haus. Interessierte erwartet bei der Ausstellung „Musikstadt Halle“ Wissenswertes über den ältesten BachSohn Wilhelm-Friedemann Bach (1710–1784), Samuel Scheidt (1587–1654), Georg Friedrich Händel (1685–1759), Johann Friedrich Reichardt (1752–1814), Carl Loewe (1796–1869) und Robert Franz (1815–1892). Das Wohnhaus des ältesten Bach-Sohnes stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde zwischen 2010 und 2012 von der HWG aufwendig saniert. www.haendelhaus.de Cesti-Wettbewerb: Im Haus der Musik Innsbruck fand die 13. Auflage des Internationalen Gesangswettbewerbs für Barockoper Pietro Antonio Cesti der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik statt. In einem hochklassigen Finalkonzert konnte sich der Tenor Laurence Kilsby gegenüber seinen Mitbewerber*innen durchsetzen. Den zweiten Platz erreichte die Sopranistin Chelsea Marilyn Zurflüh, die auch den Publikumspreis gewann. Auf Platz drei landete der Countertenor Nicolò Balducci, der ebenfalls den Nachwuchspreis einheimste. Mehr als 175 Kandidat*innen aus 37 verschiedenen Ländern meldeten sich in diesem Jahr zum Wettbewerb an, um ihr Gesangstalent unter Beweis zu stellen. Die Pflichtarien stammten aus der Oper «La fida ninfa» von Antonio Vivaldi, die 2023 im Rahmen der Barockoper:Jung bei den Innsbrucker Festwochen aufgeführt wird. Sieger Laurence Kilsby aus Großbritannien konnte die Jury mit der Arie «Stragi, morti, sangue ed armi» aus der Oper «Rodrigo» von Georg Friedrich Händel und der Arie «Deh ti piegha» aus «La fida ninfa» von Antonio Vivaldi überzeugen. Auf Platz zwei landete die Sopranistin Chelsea Marilyn Zurflüh aus der Schweiz, die ebenfalls den Publikumspreis bekam, den dritten Platz sowie den Nachwuchspreis konnte sich der Countertenor Nicolò Balducci aus Italien sichern. Die Sonderpreise, ein Konzert im Rahmen der Resonanzen Wien und ein Engagement mit Il Gusto Barocco und Jörg Halubek, gewann ebenfalls Chelsea Marilyn Zurflüh. Ein weiterer Sonderpreis, ein Engagement im Rahmen des Festival della Valle d’Itria, ging an die italienische Sopranistin Martina Licari. Das Engagement für ein Konzert im Haus der Musik Innsbruck im Rahmen der Reihe «Academie Konzerte» unter der Leitung von Matthew Halls erhielt die Sopranistin Jaia Nurit Niborski Bolatti (Argentinien/Polen). Die Erfolgsgeschichte des CestiWettbewerbs begann im Jahr 2010, als Festwochen-Intendant Alessandro De Marchi den Nachwuchswettbewerb für Sänger*innen im Barockopernfach ins Leben rief. Seitdem stellten sich weit mehr als tausend Talente den hochkarätigen Juryteams, um ihre Gesangskünste zu präsentieren. Die namhafte Jury unter dem Vorsitz von Sebastian Schwarz (Künstlerischer Leiter des Teatro Regio Torino & dem Festival della Valle d'Itria) setzte sich 2022 aus weiteren Fachleuten der Opernund Konzertwelt zusammen: Alessandro De Marchi (Intendant der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik), Nora Schmid (Geschäftsführende Intendantin der Oper Graz und designierte Intendantin der Semperoper Dresden), Vivica Genaux (Opernsängerin), Eitan Sorek (Gründer und Geschäftsführer von Sorek Artists Management), Valérie Chevalier (Generaldirektorin der Opéra National de Montpellier), André Comploi (Künstlerischer Koordinator des Teatro alla Scala di Milano), Hein Mulders (Intendant der Oper Köln) und Lucas Christ (Musikalischer Assistent des Künstlerischen Leiters des Teatro La Fenice Venedig). Zusätzlich zum begeisterten Publikum im Haus der Musik Innsbruck verfolgten einige tausend Zuseher*innen das Finalkonzert im Livestream. Bremen: Das Musikfest Bremen war am 20. August bei bestem Spätsommerwetter mit dem Eröffnungsabend „Eine große Nachtmusik“ gestartet, der mit seinen 18 Konzerten an neun Orten rund um den illuminierten Marktplatz rund 3.250 Besucher anzog – und live von den Medienpartnern Bremen Zwei, Deutschlandfunk Kultur und Arte concert übertragen worden ist. In den darauffolgenden drei Wochen folgten zahlreiche weitere Höhepunkte wie das Recital vom diesjährigen Musikfest-Preisträger, dem französischen Countertenor Philippe Jaroussky. Völlig neue Höreindrücke boten Anima Eterna Brugge und Pablo Heras-Casado mit Bruckners siebter Sinfonie genauso wie das Konzert des Orchesters des 18. Jahrhunderts mit Alexander Melnikov auf zwei historischen Hammerflügeln (Lagrassa/1815 und Erard/1842). Jérémie Rhorer entlockte mit seiner Le Cercle de l’Harmonie in der von Giuseppe Verdi präferierten Stimmung von 432 Hertz der Partitur von „Rigoletto“ bisher so nie gehörte Details. Eine weitere wichtige Säule des Musikfest Bremen war erneut die Nachwuchsförderung. Drei durchgeführte Musikfest Bremen-Ateliers fanden als mehrtägige Werkstätten für junge Musike*innen aus der ganzen Welt unter der Leitung angesehener Dozent*innen-Teams statt. Alfredo Bernardini, Catherine Jones, Veronika Skuplik und Andrea Buccarella widmeten sich in Jever in „Katharinas Hofmusik IV“ venezianischen Komponisten, die zur Zeit der Zarin für die grenzüberschreitende Musikkultur an den europäischen Höfen standen. Im Atelier „Wege zu Bach“ ergründeten Lionel Meunier und weitere Dozenten in Ganderkesee an und mit der Schniter-Orgel mit jungen Sänger*innen und Instrumentalist*innen, welche Komponisten für Johann Sebastian Bach prägend waren. Nach der Premiere der Ateliers im vergangenen Jahr war erneut die übereinstimmende Resonanz der Teilnehmenden, dass sie in diesen Workshops willkommene Einblicke mit gezieltem Praxisbezug zu thematischen Schwerpunkten bekommen, die so im regulären Hochschulbetrieb nicht vermittelt werden. Der Termin für das 34. Musikfest Bremen: 19. August bis 9. September 2023. Berlin: Berlin wird vom 10. bis zum 26. Februar 2023 mit dem Festival „SPAM – Spandau macht Alte Musik“ um ein besonderes Highlight im hauptstädtischen Kulturleben beNACHRICHTEN 7 Die Preisträger des Innsbrucker Cesti-Wettbewerbs 2022: Nicolò Balducci (Platz 3 & Nachwuchspreis), Laurence Kilsby (Platz 1) & Chelsea Marilyn Zurflüh (Platz 2 & Publikumspreis) © Die Fotografen

reichert. Jahreszeitlich passend steht das Festival unter dem Motto „Passion Karneval“. In den Konzertprogrammen werden musikalische Werke aus dem Mittelalter, der Renaissance und des Barocks präsentiert, deren Entstehung und Inhalt unmittelbar mit den Themenkreisen Karneval bzw. Passion zusammenhängen. Das Spektrum reicht dabei von humorvollen ProgrammmusikWerken und Auszügen aus Faschingsopern bis hin zu geistlichen Motetten, Kantaten und Passionsvertonungen. Die Spandauer St.-Nikolai-Kirche aus dem 14. Jahrhundert besitzt einen der bedeutendsten gotischen Sakralräume Berlins; der Pallas auf der Zitadelle beherbergt mit seinem „Gotischen Saal“ ein akustisches Highlight unter den Berliner Kammermusiksälen; und die „Italienischen Höfe“ als Teil einer der bedeutendsten Renaissance-Festungen Europas bieten ungewöhnliche Raumeindrücke. Das sind nicht nur optimale Spielorte für ein Festival, sondern garantieren den musikalischen Werken der jeweiligen Epochen ein hervorragendes, ganzheitliches Klang- und Raumerlebnis. Eingeladen zu „SPAM - Spandau macht Alte Musik“ sind neben herausragenden, in Berlin ansässigen Ensembles auch renommierte international gefeierte Künstlerinnen und Künstler. Gäste des Festivals werden sein: Lina Tor Bonet und ihr Ensemble Musica Alchemica, die Lautten Compagney, Bernhard Forck und seine Akademie für Alte Musik Berlin, Hirundo Maris mit Arianna Savall, die Vokalensembles Vox Luminis und Vox Nostra, die Capella de la Torre und der RIAS Kammerchor unter der Leitung von Rinaldo Alessandrini, ebenfalls werden Margret Köll, Luca Pianca, Holger Falk, Franziska Fleischanderl anwesend sein, als auch Nicholas Mulroy und der weltberühmte, niederländische Organist Ton Koopman, sowie die Ensembles Nuovo Aspetto, Musica Fiata, La Capella Ducale, Continuum und das Gambenconsort Phantasm. Das Leitungsteam des Festivals ist ebenfalls hochkarätig besetzt. Die Leiterin des Kulturhauses Spandau Britta Richter hat die organisatorische Leitung übernommen, die künstlerische Leitung obliegt der international, renommierten Gambistin Heidi Gröger, sowie dem Musikwissenschadler und bekannten Rundfunkmoderator Bernhard Schrammek. Getreu dem Festival Motto „Passion Karneval“ werden in diesen 16 Tagen im Februar 2023 die Gegensätzlichkeiten zwischen dem ausgelassenen, weltlichen Karnevalstreiben und der geistlichen Besinnung am Beginn der Passionszeit eindrucksvoll dargestellt. Eine kleine Auswahl aus der Vielzahl der dafür bestimmten Musik an den „Originalterminen“ aufzuführen, ist der inhaltliche Kern des Festivals. Der Kartenverkauf beginnt am 23.09.2022. Karten gibt es unter: https://www.eventbrite.de/o/kulturhau s-spandau-30045262856#events Sowie im Kundenbüro des Kulturhauses Spandau: 030-3334022, oder im Büro Gotisches Haus 0303339388 IVWC: Die drei Gewinner des Internationalen Van-Wassenaer-Wettbewerbs - Klassisches und romantisches Repertoire 2022 sind: PuraCorda, das Fanny Davies Ensemble mit Javier López Escalona, Cello und Laura Granero, Hammerflügel und Ricerche Parallele mit Giulio Padoin, Cello und Gabriele Lucherini, Hammerflügel (jeweils 1500 €). Den OOM-Preis: Gewinner einer Konzerttournee im Rahmen der Seizoen Oude Muziek 2023/ 2024 erhielt das Fanny Davies Ensemble und den Publikumspreis Ricerche Parallele. Der Jury gehörten an: Krijn Koetsveld (Vorsitzender), Clive Brown, Emily Worthington, Marc Mauillon, Richard Egarr und Sylvie Brély. Preise: Studierende der Schola Cantorum Basiliensis erhielten Preise in verschiedenen Wettbewerben. Gabriele Lucherini und Giulio Padoin aus den Klassen von Andrea Marcon und Christophe Coin gewannen den ersten Preis und den Publikumspreis des "Internationalen Van Wassenaer Wettbewerbs 2022". Alberto Gaspardo, Susanna Soffiantini, Giulia Ricci und Giulio de Nardo aus den Orgelklassen von Tobias Lindner und Wolfang Zerer gewannen den ersten, zweiten und dritten Preis des "20. Orgelwettbewerbs um den Paul-HofhaimerPreis der Landeshauptstadt Innsbruck". Nicolas Aubin aus der Klasse von Francesco Corti gewann den ersten Preis sowie den Sonderpreis des Internationalen Cembalofestivals in Tallinn (Estland) und den Sonderpreis des Vivat Curlandia! Festival für Alte Musik in Bauska (Lettland) des "Sigismundus Lauxmin International Harpsichord Contest 2022". Abadie: Lisandro Abadie wurde ab dem Herbstsemester 2022/ 23 Dozent für Historische Aufführungspraxis Gesang an der Schola Cantorum Basiliensis. Telemann: Bereits seit 2020 widmet sich das Collegium musicum in seinem auf sieben Jahre angelegten Telemann Project den 72 Kantaten des „Französischen Jahrgangs“ von Georg Philipp Telemann (16811767): Unter der Gesamtleitung von Prof. Felix Koch wird der zum Kirchenjahr 1714/15 entstandene Kantatenjahrgang, dessen Kantaten als bisher weitgehend unerschlossene Handschriften im Archiv der Senckenberg-Bibliothek Frankfurt/M. ruhen, erstmals komplett neu ediert und mit den Gutenberg Soloists und dem Neumeyer Consort aufgeführt und als Weltersteinspielung auf CD aufgenommen. Ende Oktober widmeten sich eine Gruppe internationaler Fachleute sowohl diesen Kantaten als auch dem gesamten musikpraktischen Unterfangen: 18 Referate beschäftigen sich an drei Tagen mit den drei Bereichen Telemann in Frankfurt, dem Verhältnis von Edition und musikalischer Praxis und dem Aspekt der Kompositionstechnik. Die wissenschaftliche Tagung fand in der Alten Mensa auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt – von Sonntag, 30. Oktober, bis Dienstag, 1. November. Die Tagung richtet sich sowohl an die musikalisch-musikwissenschaftliche Fachwelt als auch an ein breites interessiertes Publikum. Sie ist vor Ort öffentlich zugänglich und kann auch als Live-Stream online verfolgt werden. Flankierend zur Tagung fanden als „klingende Ergänzung“ zwei Konzerte statt. Die Gutenberg Soloists mit Klaus Mertens als „Artist in residence“ und das Neumeyer Consort unter der Leitung von Felix Koch stellten in der Evangelischen Kirche Nieder-Saulheim ausgewählte Trinitatiskantaten aus Telemanns „Französischem Jahrgang“ vor – die vier Werke sind zum ersten Mal seit über 250 Jahren wieder erklungen! Studierende und Lehrende der Musikhochschulen Mainz und Rostock erweiterten den Blick und den Zugriff auf Telemann bis in die Gegenwart hinein mit ihren Telemann-Assoziationen. https://www.telemann-project.de/ Preis: Der Internationale HeinrichSchütz-Preis geht in diesem Jahr erstmals an zwei Institutionen. Im Festjahr SCHÜTZ22 – „weil ich lebe“ anlässlich des 350. Todestages des Komponisten werden die Verlage Bärenreiter (Kassel) und Carus (Stuttgart) mit der silbernen Ehrenmedaille ausgezeichnet, die seit 2018 alljährlich im Rahmen des Heinrich Schütz Musikfestes verliehen wird. Mit diesem undotierten Preis werden Persönlichkeiten, Ensembles, Einrichtungen und Institutionen geehrt und gewürdigt, die sich durch exzellente künstlerische wie wissenschaftliche Leistungen und Verdienste um die Interpretation, lebendige Vermittlung und weitreichende Verbreitung des Œuvres von Heinrich Schütz und der Musik seiner Zeit sowie durch ein herausragendes Engagement für deren TOCCATA - 122/2022 NACHRICHTEN 8 Gewinner des Internationaal Van-Wassenaer-Competition 2022

TOCCATA - 122/2022 NACHRICHTEN 9 nachhaltige Bewahrung und Förderung auszeichnen. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Abschlusskonzertes des Heinrich Schütz Musikfestes in der Schlosskirche auf Schloss Hartenfels im sächsischen Torgau statt. Berlin: Ob mit mit :lounge labs oder im Labor ihres Aequinox-Festivals - nächstes Mal wieder vom 17.-19. März 2023 - die lautten compagney Berlin schaut voraus. So sind jetzt schon Winterreisen in Planung. Weil auch das Engagement schon im Vorfeld finanziert werden muss, läuft die Crowdfunding Kampagne für das im Winter 2023 erscheinende Winterreisen-Album bereits jetzt und wird noch bis Ende November verlängert. Die Unterstützung wird u. a. mit Freikarten für Konzerte der lautten compagney BERLIN belohnt. Gedanken an Winter und Weihnachten beinhalten immer auch Fragen um Ankommen, Nachhause finden. Winterreisen sind Reflektionen des eigenen Seins. Wolfgang Katschner und seine Ensemble werfen einen ganz persönlichen Blick auf die Vielfalt deutscher Barockmusik. Bekannte Choräle stehen neben figurierter Kunstmusik, doch auch alte Volkslieder sind zu hören. Der Großteil der Komponisten der präsentierten Werke stammt wie Michael Praetorius und Heinrich Schütz aus dem mitteldeutschen Raum. Das für diesen Kulturraum so einflussreiche Wirken Martin Luthers durchzieht das Programm. Brüggen: Anlässlich von Frans Brüggens fünftem Todestag im August 2019 schrieb sein Freund und Wegbegleiter Louis Andriessen ein neues Werk für das Orchester. Es war auf einer Tournee durch Deutschland, den Niederlanden, Frankriech und BElgien im Oktober zu hören. Auf dem Konzertprogramm mit dem Gesangsensemble Cappella Amsterdam unter der Leitung von Daniel Reuss standen außerdem Josquin des Préz‘ kurzer Klagegesang Nymphes des bois für Chor a cappella sowie Mozarts Requiem. Als Vokalsolisten in der Totenmesse waren die Sopranistinnen Katharine Dain bzw. Carolyn Sampson, die Mezzosopranistin Marianne Beate Kielland, der Tenor Thomas Walker und der Bariton Tobias Berndt zu hören. Bei den Konzerten in Amsterdam und Köln finden zudem die weltweit ersten Aufführungen des 12minütigen Orchesterwerkes Farewell von Martijn Padding statt, das dem langjährigen Orchestermanager des Orchesters des 18. Jahrhunderts, Sieuwert Verster, gewidmet ist. Sterling Jones: Als letztes Mitglied des Studio der frühen Musik verstarb im August Sterling Jones in München. Sterling unterrichtete von 1973 bis 1987 Streichinstrumente des Mittelalters und der Renaissance an der Schola Cantorum Basiliensis. Seine musikalischen und musikwissenschaftlichen Studien in den USA und Paris (u.a. mit Nadia Boulanger) schloss er 1960 mit einem Master an der University of Illinois unter George Hunter ab (sein Hauptinstrument war die Viola). Dort begegnete er auch Thomas Binkley und wurde zu einem Gründungsmitglied des legendären «Studio der frühen Musik» bzw. «Early Music Quartet». Das Ensemble hatte seinen Sitz zunächst in München. Als Wulf Arlt in den 1970er Jahren ein Mittelalter-Programm an der SCB etablierte, lud der das «Studio» als «Ensemble in Residence» nach Basel ein. Im Zuge dessen begann Sterling an der SCB zu unterrichten und setzte dies nach der Auflösung des Ensembles bis zu seiner Pensionierung fort. Ihm kommt das große Verdienst zu, die Streichinstrumente des Mittelalters und der Renaissance wohl als erster in ein akademisches Ausbildungsprogramm integriert zu haben; an der SCB wurde dies von Randall Cook und aktuell von Baptiste Romain fortgeführt. Darüber hinaus hat er sich intensiv mit der Geschichte der frühen Streichinstrumente beschäftigt und hierzu publiziert. Am bekanntesten dürfte sein Buch über die Lira da braccio sein (1995) sowie eine Ausgabe der Werke von Tobias Hume in der Reihe Pratica Musicale der SCB (1980). Sterling war ein zurückhaltender Charakter, aber ein Gentleman, der die feinen Dinge des Lebens liebte, wozu auch sein ‘historisches’ MGSportcoupé gehörte. Durch die historische und praktische Auseinandersetzung mit den ältesten Streichinstrumenten hat er ein wichtiges musikalisches Erbe hinterlassen. Dafür ist ihm das Institut sehr dankbar und wird die Erinnerung an ihn pflegen. Regensburg: Zum 38. Mal präsentieren die Tage Alter Musik Regensburg am Pfingstwochenende vom 26. bis 29. Mai 2023 in der Weltkulturerbe-Stadt Regensburg Musik vom Mittelalter bis zur Klassik an historischen Stätten. Traditionell bestreiten die Regensburger Domspatzen unter der Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß das Eröffnungskonzert der Tage Alter Musik. Zusammen mit dem Barockorchester L’arpa festante und seinem Konzertmeister Christoph Hesse sowie einem Vokalsolistenquartett mit Katja Stuber (Sopran), Anne Bierwirth (Alt), Michael Mogl (Tenor) und Christof Hartkopf (Bass) erklingen zwei große Vokalwerke von Johann Sebastian Bach: Das Osteroratorium „Kommt, eilet und laufet“ BWV 249 und das Himmelfahrtsoratorium „Lobet Gott in seinen Reichen“ BWV 11. Im Zentrum des anschließenden Nachtkonzerts mit dem englischen Vokalensemble Contrapunctus in der Schottenkirche stehen drei der größten Komponisten der spanischen Renaissance. Unter der Leitung von Owen Rees erklingen Motetten u. a. von Cristóbal de Morales, seinem Schüler Francisco Guerrero und Guerreros Freund Tomás Luis de Victoria. Elf Renaissance-Blockflöten, vom kleinen Sopranino bis hin zur fast drei Meter langen Subkontrabassblockflöte, bilden das Amsterdamer Ensemble The Royal Wind Music, das bei seiner Konzertmatinee am Samstagvormittag in der Dreieinigkeitskirche Werke Albrecht Dürers, die auf Großbildleinwand projiziert werden, mit herausragenden Kompositionen seiner Zeit u.a. von Ludwig Senfl, Alexander Agricola, Antoine Brumel, Josquin Desprez, Jacob Obrecht und Johannes Ockeghem in Beziehung setzt. Um 14 Uhr steht im Reichssaal das erste Teil-Konzert (Sonaten 1-5) einer Gesamtaufführung von H.I.F. Bibers Rosenkranzsonaten auf dem Programm. Die Schweizer Barockgeigerin Meret Lüthi wird sich zusammen mit ihrem Barockensemble Les Passions de l’Âme dem „BiberMarathon“ unterziehen und alle fünfzehn Rosenkranzsonaten einschließlich der finalen Schutzengel-Passacaglia zur Aufführung bringen. Die weiteren Konzerttermine sind um 18.00 (Sonaten 6-10) und am Sonntag, 28. Mai, ebenfalls um 18 Uhr (Sonaten 11-15 & Passacaglia), jeweils im Reichssaal. Das norwegische Barockorchester Oslo Circles gastiert um 16 Uhr in der Basilika St. Emmeram zusammen mit dem australischen Countertenor David Hansen. Unter dem Motto: „One charming night - Gives more delight - Than a hundred lucky days.“ erklingt ein musikalisches Porträt von Henry Purcell mit Arien und Theatermusik des „Orpheus britannicus“. Drei renommierte belgische AlteMusik-Ensembles, das Hathor Consort, das Pluto-Ensemble und Oltremontano Antwerpen einschließlich 6 Naturtrompeten gestalten gemeinsam das Abendkonzert um 20.00 Uhr in der Dreieinigkeitskirche. Die verschiedenen Ensembles musizieren gemeinsam und getrennt und vereinigen sich schließlich zu einem 30-köpfigen Barockorchester. Das Herzstück dieses Klangabenteuers ist die neuzeitliche Erstaufführung der 10-stimmigen Totenmesse von Christoph Strauß (1626) mit sechs Bassgamben und zehn Vokalisten. Vokalisten und Instrumentalisten von Holland Baroque präsentieren im Nachtkonzert in der Schottenkirche klösterliche Musiktraditionen des 17. Jahrhunderts in Nord-Brabant. Das Programm „Brabant 1653“ enthüllt verborgene Juwelen der holländischen Musikgeschichte. Die zentrale Figur des Konzerts ist Benedictus à Sancto Josepho, der herausragende Organist und Komponist des späten 17. Jahrhunderts in Brabant, der in Frankreich als „le grand Carme“ bekannt war. Am Sonntagvormittag um 11 Uhr begibt sich im Reichssaal das britische Ensemble In Echo (2 Violinen, Posaune, Viola da gamba, Orgel, Cembalo) mit seinem Leiter und weltweit hochgeschätzten Zinkenisten Gawain Glenton auf eine musikalische Zeitreise kreuz und quer Sterling Jones, Foto: Benjamin Bagby

NACHRICHTEN 10 TOCCATA - 122/2022 durch den Nord- und Ostseeraum des 16. und 17. Jahrhunderts. Die junge französische Gambistin Lucile Boulanger, vom renommierten BBC-Music-Magazine als „Jacqueline du Pré der Viola da Gamba“ bezeichnet, begibt sich bei ihrem Solo-Recital mit dem Cembalisten Pierre Gallon am Sonntag um 14 Uhr in der gotischen Ulrichskirche auf die Suche nach den musikalischen Werken, die den Meistergambisten Antoine Forqueray Anfang des 18. Jahrhunderts in Paris inspiriert haben. Sie stößt dabei auf drei der berühmtesten Geiger jener Zeit: Arcangelo Corelli, Michele Mascitti und Jean-Marie Leclair. Drei geistliche Kantaten von Johann Sebastian Bach stehen auf dem Programm des französischen Barockensembles Alia Mens unter der Leitung von Olivier Spilmont am Sonntagnachmittag um 16 Uhr in der Basilika Alte Kapelle. Die drei Kantaten thematisieren die bange Frage nach der Sterbestunde („Liebster Gott, wenn werd ich sterben“ BWV 8), die Zweifel am Elend und Unglück des irdischen Lebens („Meine Seufzer, meine Tränen“ BWV 13) und die Hoffnung auf ein seliges Ende („Herr Jesu Christ, wahr‘ Mensch und Gott“ BWV 127). Die Vokalpartien sind mit Dorothee Mields, Paul-Antoine Bénos-Dijan, Thomas Hobbs und Romain Bockler besetzt. Aus der genialen ArrangementWerkstatt des Beethoven-Zeitgenossen Carl Friedrich Ebers spielt die Compagnia di Punto am Sonntagabend in der Dreieinigkeitskirche Mozarts große g-Moll-Sinfonie KV 550, arrangiert für 10 Instrumente, und Beethovens „Eroica“ op.55, ebenfalls arrangiert für 10 Instrumente. Die kleine Besetzung mit ihrem radikalen Interpretationsansatz bringt eine ungewöhnliche Sicht auf die beiden „Klassiker“ und setzt einen willkommenen Kontrapunkt zu den schlackenfreien Hochglanz-Interpretationen, die nach wie vor den Konzertbetrieb bestimmen. Zum dritten Mal nach 2014 und 2018 gastieren die norwegischen „BaRocker“ Barokksolistene in einem Nachtkonzert bei den Tagen Alter Musik und werden den Leeren Beutel wieder in ein Tollhaus verwandeln. Ein paar Jahre nach dem Erfolgskonzept „The Alehouse Sessions“ bringen die Musiker nun zusammen, was gar nicht so weit voneinander entfernt liegt: die Kneipe und das Theater. Eine sehr englische Mischung aus Shakespeare, Commedia dell'Arte und Jonglage mit Musik von Purcell, Volksliedern und Seemannsliedern. Die außergewöhnliche Persönlichkeit von Hekuba, der letzten Königin von Troja, steht im Mittelpunkt der Montagsmatinee mit dem Ensemble Dialogos und dem Vokalensemble Kantaduri in der Minoritenkirche. In der Inszenierung von Sanda Herži zeigen beide Ensembles ein kraftvolles, reichhaltiges und unkonventionelles Programm, basierend auf den Quellen des kroatischen Dichters Marin Drži und des venezianischen Dichters Lodovico Dolce, das die venezianische Kultur und die Rauheit der traditionellen Musik aus der Region Dubrovnik vereint. Dietrich Buxtehude machte die „Abendmusiken“ in der Lübecker Marienkirche berühmt. Das französische Barockensemble La Rêveuse mit der Sopranistin Maïlys de Villoutreys präsentiert am Montagnachmittag um 16 Uhr in der Regensburger Niedermünsterkirche eine Lübecker Abendmusik mit Kantaten und Instrumentalmusik von Dietrich Buxtehude, Johann Adam Reincken und Johann Philipp Förtsch. Johann Gottlieb Goldberg war wohl der bekannteste Schüler J. S. Bachs. Er hat ein zwar schmales, aber beachtliches Werk geschaffen. Dass seine Meisterschaft nun auch im Konzert erfahrbar wird, dafür sorgt das Kölner Barockensemble Ludus Instrumentalis am Montag um 16 Uhr im Reichssaal. Die fünf MusikerInnen werden Triosonaten Goldbergs abwechselnd mit Kompositionen J. S. Bachs kombinieren und somit Bachs fähigstem Schüler die angemessene Reverenz erweisen. Das Abschlusskonzert des diesjährigen Festivals bestreitet das polnische Spitzenorchester {oh!} Orkiestra aus Katowice unter der Leitung seiner Gründerin und Konzertmeisterin Martyna Pastuszka. Unter dem Motto: „Vielfalt der Klangfarben – Die Suite in den deutschsprachigen Ländern im 17. und 18. Jahrhundert” begibt es sich auf eine spannende Klangreise durch die Welt der barocken Orchestersuite mit Werken von Georg Muffat, Esaias Reusner, Johann Caspar Ferdinand Fischer, Johann Rosenmüller und Georg Philipp Telemann. Wie gewohnt findet im Rahmen des Festivals auch 2023 im historischen Salzstadel an der Steinernen Brücke vom 27. bis 29. Mai wieder eine große internationale Verkaufsausstellung von Nachbauten historischer Instrumente, von Tonträgern, Büchern und Noten statt. Bis zu 50 Anbieter aus ganz Europa werden die Ausstellung beschicken und sie somit zur größten ihrer Art in Deutschland machen. Der Eintritt ist frei! Begleitend zur Gesamtaufführung der „Rosenkranzsonaten“ von H. I. F. Biber durch das Ensemble Les Passions de l’Âme findet am Freitag, dem 26. Mai im „Bonhoeffersaal“ des Alumneums eine vom Institut für Musikwissenschaft der Universität Regensburg organisierte internationale Tagung statt. Titel der Veranstaltung: „Zwischen Stimmungen und Mysterien: Die 'Rosenkranzsonaten' von H. I. F. Biber“. Der Eintritt ist frei! Um Anmeldung bis zum 19. Mai 2023 wird gebeten (patricia.hahn@ur.de). Die Tage Alter Musik gehen in die Verlängerung! Am Dienstag, dem 30. Mai, gibt es zum zehnten Mal eine Zusammenarbeit der Tage Alter Musik Regensburg mit der Regensburger Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik (HfKM) in Form eines Kurstages. Florence Bolton, Viola da gamba und Benjamin Perrot, Theorbe (Leiter des französischen Barockensembles La Rêveuse) werden dabei mit Studentinnen und Studenten der HfKM an vorbereiteten Stücken aufführungspraktische Fragen klären. Der Kurstag endet mit einem Konzert um 19.30 Uhr im Konzertsaal der HfKM (Eintritt frei!). Zuhörer sind in den Räumen der HfKM zu Kurs und Konzert in RegensburgStadtamhof herzlich willkommen. Anmeldungen und nähere Informationen unter www.hfkm-regensburg.de Programmveröffentlichung: Montag, 7. November 2022, Start Ticketverkauf Vereinsmitglieder: Freitag, 19. November 2022, Start allgemeiner Ticketverkauf: Montag, 28. November 2022. Karten über www.okticket.de Tage Alter Musik, Postfach 100903, D-93009 Regensburg, Tel.: 0941/8979786, Fax: 0941/8979836, E-mail: TageAlterMusik@t-online.de www.tagealtermusik-regensburg.de Schütz: Eines der faszinierendsten Botschafterprojekte des Festjahrs SCHÜTZ22 – „weil ich lebe“ gibt es jetzt auch auf CD. Der vierteilige Zyklus „Kaleidoskop der Räume“ des Klangkünstlers und Orchestronikers Fabian Russ ist gerade beim Leipziger Label und Verlag Zweitausendeins in einer vier CDs umfassenden Box erschienen. Ausgangspunkt der Kompositionen sind Aufnahmen mit dem Dresdner Kammerchor unter Leitung von Hans-Christoph Rademann, die im Rahmen der SchützGesamteinspielung beim Carus-Verlag entstanden. Das im Auftrag von Heinrich Schütz Musikfest und SCHÜTZ22 entstandene Werk kann mit dieser CD-Box in zwei Varianten erlebt werden: in normalem Stereo und in binauralem Stereo, optimiert für Kopfhörer. Binaurale Aufnahmen ermöglichen eine maximal realistische Reproduktion unseres räumlichen Hörens. So entsteht ein dreidimensionaler Klang. www.schütz-musikfest.de Gramophone Awards 2022: Den Gramophone Award 2022 im Bereich Chorwerke erhielt: Bach: Matthäuspassion mit Pygmalion unter Raphael Pichon (Harmonia Mundi France HMM 90.2691/ 93), im Bereich Alte Musik: Desprez: Baisiez Moy mit dem Enemble Thélème unter Jean-Christophe Groffe (Aparte AP 259). IYAP: Folgende junge Ensembles wurden im Rahmen des letzten International Young Artist’s Presentation (IYAP), Coaches: Robert Hollingworth, Raquel Andueza, veranstaltet vom Musica Impulse Centre und AMUZ, als vielversprechend ausgewählt: Brezza, PassiSparsi, Anacronía, Giesta, Parnassus Quartet, Flutes & Frets Duo. Spering: Andreas Spering ist von den Brandenburger Symphonikern zum neuen Chefdirigenten gewählt worden. Andreas Spering ist Spezialist für historisch informierte Aufführungspraxis. Er spielte mehrere Jahre als Cellist bei Reinhard Goebels Ensemble Musica Antiqua Köln. Seine große Leidenschaft gehört der Wiener Klassik und hier besonders Joseph Haydn. Er etablierte als Künstlerischer Leiter der Brühler Schlosskonzerte das einzige Haydn-Festival Deutschlands und leitete dort über 60 Symphonien, die großen Oratorien und acht Opern des Komponisten. Das Werk Händels hat in seiner Karriere ebenfalls einen bedeutenden Stellenwert: er war viele Jahre lang Musikalische Leiter der Händelfestspiele Karlsruhe, wo er zahlreiche Produktionen dirigierte. Auch bei den Händel-Festspielen Halle ist er ein gern gesehener Gast. Pizzicar Galante: Das Ensemble Pizzicar Galante, das sich dem Repertoire für Mandoline und Basso continuo des 18. Jahrhunderts widmet, wird im November mit dem Tenor Marc Mauillon sein Programm “Un air d’Italie” für das Label Arcana auf

RkJQdWJsaXNoZXIy OTM2NTI=