Toccata 06/2022

Jubiläum: Anlässlich des 50jährigen von La Petite Bande wurden ihre Aufnahmen der Johannes- und Matthäuspassion, des Weihnachtsoratoriums und der Messe h-moll in einer 9 CD-Box beim Label Challenge Classics CC 72917) zusammengefasst. Sigiswald Kuijken zu 50 Jahre La Petite Bande: Es war im September 1972, kurz nachdem die letzten Noten von Lullys Oper Bourgeois Gentilhomme auf einen Text von Molière von einer eher zufälligen Ansammlung von Musikern aufgenommen worden waren, die sich zu diesem Zweck zum ersten Mal zusammengefunden hatten - zumeist junge und enthusiastische Verfechter einer authentischen Barockaufführung, geleitet von Gustav Leonhardt, dem Cembalo-Maestro und der anspruchsvollen treibenden Kraft hinter dieser Aufnahme. Dr. Alfred Krings vom deutschen Plattenlabel Harmonia Mundi stellte dann die unvermeidliche Frage, welchen Namen dieses bisher nicht existierende Ensemble auf der Plattenhülle tragen sollte... Mit einem zarten, leicht rätselhaften Lächeln im Gesicht zauberte Gustav Leonhardt seinen Vorschlag “LA PETITE BANDE” hervor. Leonhardt war ein Mann mit einem etwas aristokratischen Auftreten, und ich hatte sofort das Gefühl, einen subtilen, aber unmissverständlichen Hinweis auf den leicht “bandenmäßigen” Aspekt unseres bis dahin unblutigen musikalischen Zusammentreffens zu erkennen, und ich freute mich über diese versteckte Anspielung, da ich mich in dieser brandneuen Gruppierung wirklich zu Hause fühlte. Doch einige Sekunden später (vermutlich, weil ich ihn verwirrt ansah) erklärte er mir, worum es bei seinem Vorschlag ging: La Petite Bande, sagte er, sei der Name, der am Hofe Ludwigs XIV. manchmal verwendet wurde, um eine kleinere und wahrscheinlich besser qualifizierte Gruppe von Musikern zu bezeichnen, die nur zu besonderen Anlässen herangezogen wurde, mit anderen Worten eine Art musikalische Elite. Ich verschluckte mich an diesem scheinbaren Widerspruch und sagte sofort, dass ich mit dem Vorschlag völlig einverstanden sei. Diese Gruppe hat nichts “Bandenhaftes” an sich, sondern ist eher eine angesehene, elitäre Bande de musiciens. Ich persönlich fand, dass wir etwas zu hoch gegriffen hatten, aber vor allem war ich erleichtert und froh, dass dieses Problem (dem Kind einen Namen zu geben) gelöst worden war. Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich erstaunt und dankbar, dass diese ungewöhnliche Geburt unserer “kleinen Band” - offensichtlich mehr das Ergebnis glücklicher Umstände als einer vorsätzlichen Entscheidung - den Charakter und die Atmosphäre unserer Zusammenarbeit während der gesamten 50 Jahre unseres Bestehens als “Aktionsgruppe” bestimmt hat. Wenn man Musiker ist oder in einer Gruppe von Musikern spielt, muss man jedes Konzert so spielen, als wäre es das allererste, aber gleichzeitig vielleicht auch das allerletzte. Das hält die Arbeit frisch und vertreibt jede erstickende Routine. Der eigentliche, tiefe Grund, überhaupt Musik zu machen (auch wenn man alleine spielt), ist die Verbindung zu der Situation, die man transzendiert, was einem die persönlichste, innere Befriedigung gibt. Wenn dieses Gefühl jemals zu schwinden beginnt, wo bleibt dann der Spaß? Ja, das ist der Atem, der uns Musiker am Leben hält, und wir haben immer Musiker ausgewählt, die diesen Atem mit uns teilen können. Die Mentalität - diese gemeinsame Philosophie über die Arbeit - ist der absolut wichtigste Aspekt; sie bestimmt zu einem großen Teil die Qualität, die wir dann unserem Publikum vermitteln können. Im wahrsten Sinne des Wortes muss ein Musiker immer ein Amateur - ein “Dilettant” - bleiben, denn nur dann wird der Zuhörer an der Freude teilhaben. Tölzer Knabenchor: Prof. Michael Hofstetter und der Tölzer Knabenchor modifizieren ihre Zusammenarbeit. Nach einer erfolgreichen Saison als künstlerischer Leiter bleibt Michael Hofstetter dem Tölzer Knabenchor als Erster Gastdirigent und Beirat des Fördervereins (Vorsitz Dr. Th. Goppel) verbunden: „Ich freue mich schon aufs nächste gemeinsame Konzert mit Chor, Knabensolisten und dem Concerto Köln am 20. November 2022 beim Bachfest Lausanne mit dem Weihnachtsoratorium", sagt Michael Hofstetter. Was die Knaben derzeit vorrangig brauchen, erklärt er, sei weniger der künstlerische Leiter als vielmehr eine Leitung des Chores mit besonders intensiver, regelmäßiger Lehrtätigkeit, die der gefragte GastDirigent und Leiter der Gluck-Festspiele selbst jedoch nicht leisten kann. Barbara Schmidt-Gaden bekräftigt als Geschäftsführerin des Chores: „Da wir in Pandemie-Zeiten leider von offizieller Seite aus als Amateurchor eingestuft waren, durften wir ganze neun Monate lang nicht proben. Das war fatal und schlägt jetzt zurück, denn die Lücken im musikalischen und stimmlichen Bereich sind bei den Kindern weiterhin sehr spürbar". Der Nachholbedarf sei enorm - und pädagogisch wie stimmbildnerisch und chorisch nur durch ein LehrerInnen-Kollegium auffangbar, das die ganze Woche über die Kinder betreue. ChorleiterIn und StimmbildnerIn in Vollzeit für den Tölzer Knabenchor werden schon gesucht, nach den Ferien geht's in die erste Vorstellungsrunde. Neben der Suche nach professioneller personeller Unterstützung sieht Barbara Schmidt-Gaden als Geschäftsführerin des Tölzer Knabenchors, vor mehr als 65 Jahren von ihrem Vater Prof. Gerhard Schmidt-Gaden gegründet und zu einem der berühmtesten Knabenchöre der Welt gemacht, anspruchsvolle Zeiten auf den Chor zukommen: Neben dem Umzug im NACHRICHTEN 4 TOCCATA - 122/2022 La Petite Bande, Foto: Marco Mertens Tölzer Knabenchor, Foto: Klaus Fleckenstein

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