Toccata 06/2022

Cetra das Musikleben Basels mit einem vielseitigen Programm - grosse Werke für Orchester und Vokalensemble, musikalische Neu- und Wiederentdeckungen, mystische Kantaten und virtuose Instrumentalkonzerte wechseln einander ab. Das La Cetra Vokalensemble unter der Leitung von Carlos Federico Sepúlveda eröffnet die Saison ungewohnt: mit schwungvoller romantischer Salonmusik, den «Liebesliederwalzern» von Johannes Brahms. Dazu erklingen Gesänge und Notturnos des Wahl-Schweizers Heinrich von Herzogenberg. Die beiden Pianisten Edoardo Torbianelli und Ludovic van Hellemont begleiten natürlich auf einem historischen Hammerflügel dieser Zeit (29.9.). Mit der Geigerin Leila Schayegh verbindet La Cetra eine lange und innige Freundschaft, die in der von der Presse hochgelobten Gesamteinspielung der Violinkonzerte von Jean-Marie Leclair auf drei CDs gipfelte. Im Konzert in der Martinskirche wird Leclairs Musik den berühmten Concerti grossi von Arcangelo Corelli gegenübergestell (9.11.). Für das diesjährige adventliches Mitsingprojekt läßt sich La Cetra von Schillers «Ode an die Freude» leiten. Als «Concerto partecipativo» wird ein großer Chor aus enthusiastischen Laiensängerinnen und -sängern aus der Nordwestschweiz und den angrenzenden Regionen das La Cetra Vokalensemble bereichern. Die auf historische Aufführungspraxis spezialisierten «Cetrianer» unter Leitung von Andrea Marcon musiziert Beethovens 9. Sinfonie mit den Solisten Solisten Anett Fritsch, Rachele Raggiotti, Juan Sancho und José Antonio Lopez (2.12.). La Cetra hat bereits zahlreiche Opern des «prete rosso» in Basel und europaweit präsentiert. In dieser Tradition erklingt im Februar «Il Giustino» als konzertante Oper in Basel. mit den drei Countertenören Valer Sabadus, Kangmin Justin Kim und Carlo Vistoli, den Sopranistinnen Anett Fritsch und Marie Lys sowie dem Schweizer Tenor Emiliano Gonzalez Toro (2.2.). In der Passionszeit wendet sich La Cetra unter der Leitung von Carlos Federico Sepúlveda Buxtehude zu: Im Dom zu Arlesheim erklingt Buxtehudes Kantatenzyklus «Membra Jesu nostri» (19.3.). Als zweiter Gast in dieser Saison stellt der Geiger Sergey Malovr gleich mehrere «Verwandte» der Violine vorstellt: Neben dem von Bach sehr geschätzten Violoncello da spalla erklingt auch der Violino piccolo sowie - in einem Konzert für zwei Violinen von Vivaldi gemeinsam mit La Cetras Konzertmeisterin Katharina Heutjer - die barocke Violine. Auf dem Violincello da spalla gespielt, lassen die Cellokonzerte von Boccherini und Porpora neue, ungewohnte Farben und Klänge entdecken (3.5.). Andrea Marcon wird - corona-bedingt nachträglich – bei den Händelfestspielen Halle der renommierte Händel-Preis 2021 verliehen. Das Rezital, welches La Cetra aus diesem Anlass für Händels Geburtsstadt vorbereitet, ist auch in Basel zu erleben und widmet sich – für die Barockzeit eher ungewöhnlich – den Tenor-Arien Händels, die er für den berühmten italienischen Tenor Francesco Borosini in England komponierte. Es singt der Tenor Julian Prégardien (8.6.). In seinem kleinen barocken Musikstudio führt La Cetra die in der Corona-Zeit eingeführten, äusserst beliebten «Wellness»-Konzerte weiter fort. An einem Wochenende pro Monat sind die Solisten sowie Freunde von La Cetra hautnah zu erleben - in 40-minütigen musikalischen «Therapiesitzungen». Die barocke Musik wird durch wechselnde Bilderausstellungen begleitet – Wellness für Ohren und Augen (Okt. bis März)! Für La Cetra hat die neue Saison bereits im Juli mit Konzerten Klosters und bei den Festwochen Alter Musik in Innsbruck begonnen. Am Concertgebouw Amsterdam präsentiert La Cetra die Vivaldi-Oper «Giustino». Bei den Händelfestspielen Halle ist La Cetra gleich mit zwei Produktionen zu Gast. Mit Magdalena Kozena ist La Cetra nach Brüssel und in ihre Heimatstadt Brno eingeladen. Weitere Gastspiele führen La Cetra u. a. in die Laeiszhalle Hamburg, das Konzerthaus Wien, nach Venedig, Marburg, Lörrach, Zug, Crans-Montana, Bad Kissingen und Neumarkt. Auch beim Riehener Sing-Festival «enchanté» in wenigen Wochen ist La Cetra von der Partie – dabei besteht die Möglichkeit, gemeinsam mit dem La Cetra Vokalensemble zu improvisieren! Am Theater Basel wird La Cetra mit Joseph Haydns «Schöpfung» unter der musikalischen Leitung von Jörg Halubek zu Gast sein. Regie führt Thomas Verstraeten, Premiere ist am 22. April. In 2022 sind bereits mehrere CDs mit La Cetra erschienen: «Traversée» mit Patricia Petibon (Sony), «Sopranista» mit dem jungen Countertenor Samuel Mariño (Decca) sowie die letzte Aufnahme der auf drei CDs angelegten Gesamteinspielung der Violinkonzerte von Jean-Marie Leclair mit Leila Schayegh (Glossa). Monteverdis «Vespro di Natale» in grosser Chor- und Orchesterbesetzung erscheint im Oktober 2022 bei der Deutschen Grammophon DGG. In der Kirche Santa Catarina in Treviso hatte La Cetra mit der nach Renaissance-Vorbildern erbauten großen Zanin-Orgel das perfekte Instrument zur Verfügung, um die Klangvorstellung Monteverdis möglichst originalgetreu einzufangen. www.lacetra.ch Madison: Die Gewinner des 9., jährlich stattfindenden Handel Aria Competiotion 2022 waren Joanne Evans, Mezzosopran, 1. Preis, Omar Najimi, Tenor, 2. Preis und Emily Donato, Sopran, 3. Preis. Weitere Finalisten bei 120 Bewerbern waren Logan Tanner, Countertenor, Hugh Davis, Bariton, Katie Koester, Sopran und Gabriela Estephanie Solís, Mezzosopran. www.handelariacompetition.org Neuburg: Das Blockflöten-Quartett „Palisander“ aus London, von der Presse schon mal als Spice Girls der Alten Musik bezeichnet, gewann den 23. Biagio-Marini-Wettbewerb in Neuburg an der Donau, der im Rahmen der Sommerkademie Neuburg stattfand, und erhielt sowohl den ersten Preis in Höhe von 2000 Euro als auch den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis. Den zweiten, mit 1000 Euro dotierten Preis errang das Streichertrio „Ayres Extemporae“. Göttingen: Seit Dezember 2021 ist das Streaming-Portal der Internationalen Händel-Festspiele online, und natürlich werden auch Neue Horizonte auf www.haendel-channel.de mit einer erlesenen Rückschau gewürdigt. Durch die freundliche Unterstützung seitens Neustart Kultur, der Initiative Musik gGmbH und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur fanden bis Ende Oktober 2022 ein Dutzend Highlights der diesjährigen Festspiele kostenfrei ihren Weg ins heimische Wohnzimmer bzw. auf die mobilen Endgeräte. Den Beginn markierten gleich zwei komplette Mitschnitte: Die Premiere der Festspieloper Giulio Cesare in Egitto und „L’Arte della Scordatura – Verstimmung in Arkadien“. Das Konzert brachte Mayumi Hirasaki (Violine), Michael Freimuth (Laute) sowie Lorenzo Ghielmi (Cembalo) in der Aula der Universität zusammen – und „zauberhaft verstimmtes Spiel“ (Jens Wortmann, Kulturbüro) auf deren Bühne. Genau darum geht es nämlich bei der Kunst der Skordatur: um eine von der Norm abweichende Saitenstimmung. Diese Über- bzw. Unterspannung sorgt für völlig neue Klangfarben und erlebte im Barock ihre Hochzeit. NACHRICHTEN 6 TOCCATA - 122/2022 Die Gewinner des 9. Handel Aria Competiion: Joanne Evans, Mezzosopran, 1. Preis (Mitte), Omar Najmi, Tenor, 2. Preis (rechts), Emily Donato, Sopran, 3. Preis (links) Die Preisträger des 23. Biagio-Marini-Wettbewerbs 2022 in Neuburg/ Donau

RkJQdWJsaXNoZXIy OTM2NTI=