Toccata 06/2022

TOCCATA - 122/2022 NACHRICHTEN 9 nachhaltige Bewahrung und Förderung auszeichnen. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Abschlusskonzertes des Heinrich Schütz Musikfestes in der Schlosskirche auf Schloss Hartenfels im sächsischen Torgau statt. Berlin: Ob mit mit :lounge labs oder im Labor ihres Aequinox-Festivals - nächstes Mal wieder vom 17.-19. März 2023 - die lautten compagney Berlin schaut voraus. So sind jetzt schon Winterreisen in Planung. Weil auch das Engagement schon im Vorfeld finanziert werden muss, läuft die Crowdfunding Kampagne für das im Winter 2023 erscheinende Winterreisen-Album bereits jetzt und wird noch bis Ende November verlängert. Die Unterstützung wird u. a. mit Freikarten für Konzerte der lautten compagney BERLIN belohnt. Gedanken an Winter und Weihnachten beinhalten immer auch Fragen um Ankommen, Nachhause finden. Winterreisen sind Reflektionen des eigenen Seins. Wolfgang Katschner und seine Ensemble werfen einen ganz persönlichen Blick auf die Vielfalt deutscher Barockmusik. Bekannte Choräle stehen neben figurierter Kunstmusik, doch auch alte Volkslieder sind zu hören. Der Großteil der Komponisten der präsentierten Werke stammt wie Michael Praetorius und Heinrich Schütz aus dem mitteldeutschen Raum. Das für diesen Kulturraum so einflussreiche Wirken Martin Luthers durchzieht das Programm. Brüggen: Anlässlich von Frans Brüggens fünftem Todestag im August 2019 schrieb sein Freund und Wegbegleiter Louis Andriessen ein neues Werk für das Orchester. Es war auf einer Tournee durch Deutschland, den Niederlanden, Frankriech und BElgien im Oktober zu hören. Auf dem Konzertprogramm mit dem Gesangsensemble Cappella Amsterdam unter der Leitung von Daniel Reuss standen außerdem Josquin des Préz‘ kurzer Klagegesang Nymphes des bois für Chor a cappella sowie Mozarts Requiem. Als Vokalsolisten in der Totenmesse waren die Sopranistinnen Katharine Dain bzw. Carolyn Sampson, die Mezzosopranistin Marianne Beate Kielland, der Tenor Thomas Walker und der Bariton Tobias Berndt zu hören. Bei den Konzerten in Amsterdam und Köln finden zudem die weltweit ersten Aufführungen des 12minütigen Orchesterwerkes Farewell von Martijn Padding statt, das dem langjährigen Orchestermanager des Orchesters des 18. Jahrhunderts, Sieuwert Verster, gewidmet ist. Sterling Jones: Als letztes Mitglied des Studio der frühen Musik verstarb im August Sterling Jones in München. Sterling unterrichtete von 1973 bis 1987 Streichinstrumente des Mittelalters und der Renaissance an der Schola Cantorum Basiliensis. Seine musikalischen und musikwissenschaftlichen Studien in den USA und Paris (u.a. mit Nadia Boulanger) schloss er 1960 mit einem Master an der University of Illinois unter George Hunter ab (sein Hauptinstrument war die Viola). Dort begegnete er auch Thomas Binkley und wurde zu einem Gründungsmitglied des legendären «Studio der frühen Musik» bzw. «Early Music Quartet». Das Ensemble hatte seinen Sitz zunächst in München. Als Wulf Arlt in den 1970er Jahren ein Mittelalter-Programm an der SCB etablierte, lud der das «Studio» als «Ensemble in Residence» nach Basel ein. Im Zuge dessen begann Sterling an der SCB zu unterrichten und setzte dies nach der Auflösung des Ensembles bis zu seiner Pensionierung fort. Ihm kommt das große Verdienst zu, die Streichinstrumente des Mittelalters und der Renaissance wohl als erster in ein akademisches Ausbildungsprogramm integriert zu haben; an der SCB wurde dies von Randall Cook und aktuell von Baptiste Romain fortgeführt. Darüber hinaus hat er sich intensiv mit der Geschichte der frühen Streichinstrumente beschäftigt und hierzu publiziert. Am bekanntesten dürfte sein Buch über die Lira da braccio sein (1995) sowie eine Ausgabe der Werke von Tobias Hume in der Reihe Pratica Musicale der SCB (1980). Sterling war ein zurückhaltender Charakter, aber ein Gentleman, der die feinen Dinge des Lebens liebte, wozu auch sein ‘historisches’ MGSportcoupé gehörte. Durch die historische und praktische Auseinandersetzung mit den ältesten Streichinstrumenten hat er ein wichtiges musikalisches Erbe hinterlassen. Dafür ist ihm das Institut sehr dankbar und wird die Erinnerung an ihn pflegen. Regensburg: Zum 38. Mal präsentieren die Tage Alter Musik Regensburg am Pfingstwochenende vom 26. bis 29. Mai 2023 in der Weltkulturerbe-Stadt Regensburg Musik vom Mittelalter bis zur Klassik an historischen Stätten. Traditionell bestreiten die Regensburger Domspatzen unter der Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß das Eröffnungskonzert der Tage Alter Musik. Zusammen mit dem Barockorchester L’arpa festante und seinem Konzertmeister Christoph Hesse sowie einem Vokalsolistenquartett mit Katja Stuber (Sopran), Anne Bierwirth (Alt), Michael Mogl (Tenor) und Christof Hartkopf (Bass) erklingen zwei große Vokalwerke von Johann Sebastian Bach: Das Osteroratorium „Kommt, eilet und laufet“ BWV 249 und das Himmelfahrtsoratorium „Lobet Gott in seinen Reichen“ BWV 11. Im Zentrum des anschließenden Nachtkonzerts mit dem englischen Vokalensemble Contrapunctus in der Schottenkirche stehen drei der größten Komponisten der spanischen Renaissance. Unter der Leitung von Owen Rees erklingen Motetten u. a. von Cristóbal de Morales, seinem Schüler Francisco Guerrero und Guerreros Freund Tomás Luis de Victoria. Elf Renaissance-Blockflöten, vom kleinen Sopranino bis hin zur fast drei Meter langen Subkontrabassblockflöte, bilden das Amsterdamer Ensemble The Royal Wind Music, das bei seiner Konzertmatinee am Samstagvormittag in der Dreieinigkeitskirche Werke Albrecht Dürers, die auf Großbildleinwand projiziert werden, mit herausragenden Kompositionen seiner Zeit u.a. von Ludwig Senfl, Alexander Agricola, Antoine Brumel, Josquin Desprez, Jacob Obrecht und Johannes Ockeghem in Beziehung setzt. Um 14 Uhr steht im Reichssaal das erste Teil-Konzert (Sonaten 1-5) einer Gesamtaufführung von H.I.F. Bibers Rosenkranzsonaten auf dem Programm. Die Schweizer Barockgeigerin Meret Lüthi wird sich zusammen mit ihrem Barockensemble Les Passions de l’Âme dem „BiberMarathon“ unterziehen und alle fünfzehn Rosenkranzsonaten einschließlich der finalen Schutzengel-Passacaglia zur Aufführung bringen. Die weiteren Konzerttermine sind um 18.00 (Sonaten 6-10) und am Sonntag, 28. Mai, ebenfalls um 18 Uhr (Sonaten 11-15 & Passacaglia), jeweils im Reichssaal. Das norwegische Barockorchester Oslo Circles gastiert um 16 Uhr in der Basilika St. Emmeram zusammen mit dem australischen Countertenor David Hansen. Unter dem Motto: „One charming night - Gives more delight - Than a hundred lucky days.“ erklingt ein musikalisches Porträt von Henry Purcell mit Arien und Theatermusik des „Orpheus britannicus“. Drei renommierte belgische AlteMusik-Ensembles, das Hathor Consort, das Pluto-Ensemble und Oltremontano Antwerpen einschließlich 6 Naturtrompeten gestalten gemeinsam das Abendkonzert um 20.00 Uhr in der Dreieinigkeitskirche. Die verschiedenen Ensembles musizieren gemeinsam und getrennt und vereinigen sich schließlich zu einem 30-köpfigen Barockorchester. Das Herzstück dieses Klangabenteuers ist die neuzeitliche Erstaufführung der 10-stimmigen Totenmesse von Christoph Strauß (1626) mit sechs Bassgamben und zehn Vokalisten. Vokalisten und Instrumentalisten von Holland Baroque präsentieren im Nachtkonzert in der Schottenkirche klösterliche Musiktraditionen des 17. Jahrhunderts in Nord-Brabant. Das Programm „Brabant 1653“ enthüllt verborgene Juwelen der holländischen Musikgeschichte. Die zentrale Figur des Konzerts ist Benedictus à Sancto Josepho, der herausragende Organist und Komponist des späten 17. Jahrhunderts in Brabant, der in Frankreich als „le grand Carme“ bekannt war. Am Sonntagvormittag um 11 Uhr begibt sich im Reichssaal das britische Ensemble In Echo (2 Violinen, Posaune, Viola da gamba, Orgel, Cembalo) mit seinem Leiter und weltweit hochgeschätzten Zinkenisten Gawain Glenton auf eine musikalische Zeitreise kreuz und quer Sterling Jones, Foto: Benjamin Bagby

RkJQdWJsaXNoZXIy OTM2NTI=